Altenstadt ist seit 1956 die zentrale Ausbildungsstätte für die Luftlande- und Lufttransportausbildung der Bundeswehr.
Die Anfänge der Kaserne
Auf dem Burglachberg, wo heute das Stabsgebäude der Schule steht, wurde 1937 die Flakschule IV erbaut, an der Soldaten der Wehrmacht an Entfernungsmess- und Horchgeräten sowie an Scheinwerfern ausgebildet wurden.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg verfallene Kasernenanlage wurde erst mit dem Entstehen der Bundeswehrgarnison Altenstadt wieder erneuert.
1956 nahm ein kleiner Arbeitsstab hier seinen Dienst auf, um eine Schule für die neue deutsche Fallschirmjägertruppe aufzustellen.
Im Februar 1958 begann die Luftlande- und Lufttransportschule mit dem Ausbildungsbetrieb.
Lesen Sie auch: Karate Dojo Altenstadt feiert Jubiläum
1993 wurde die Kaserne der LL/LTS nach dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und Schongauer Landrat Franz-Josef Strauß benannt, der 1988 verstarb.
Seit 1997 pflegt die LL/LTS eine Patenschaft mit der Fallschirmspringerschule ETAP in der südfranzösischen Stadt Pau nahe den Pyrenäen.
Nationale und internationale Aktivitäten der Luftlande- und Lufttransportschule haben die Garnisonsgemeinde Altenstadt und den Pfaffenwinkel über die Grenzen hinaus bekannt gemacht.
Strukturreform und Fortbestand
Gemäß Strukturreform des Heeres vom Herbst 2011 sollte sie aufgelöst werden und die Ausbildung der Fallschirmspringer zu einer Einheit nach Oldenburg verlagert werden.
Doch diese Entscheidung konnte auf politischem und auf militärischem Wege wieder rückgängig gemacht werden.
Lesen Sie auch: Auszeichnung für Panzerzerstörung
Seit Dezember 2015 gibt es in Altenstadt den verkleinerten Ausbildungsstützpunkt Luftlande und Lufttransport mit 250 Dienstposten und mit 180 Lehrgangsteilnehmern.
Die Infanterieschule und ihre Aufgaben
Die Infanterieschule ist die zentrale Ausbildungsstätte der Infanterie des Deutschen Heeres.
Der Schule sind die Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald und die Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt unterstellt.
Es werden Offiziere und Unteroffiziere der Infanterie des Heeres und der Luftwaffensicherungstruppe sowie Marineschutzkräfte ausgebildet.
Darüber hinaus werden Schießlehrer für Handwaffen, Einzelkämpfer, Führer von Jagdkommandos, Scharfschützen und militärische Nahkämpfer für die gesamte Bundeswehr ausgebildet.
Lesen Sie auch: Einzelgängertum aus psychologischer Sicht
Der Ausbildungsschwerpunkt liegt auf der Führerausbildung der Infanterie.
Das Ziel ist es, angehende Soldaten zu militärischen Führern, Ausbildern und Erziehern zu formen.
Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Orientierung an Einsatzerfordernissen und Erfahrungen sowie der Befähigung zum Kampf.
Die Ausbildung erfolgt hauptsächlich als praktischer Gefechtsdienst.
Neben der lehrgangsgebundenen Individualausbildung von Soldaten bietet die Infanterieschule auch Truppenausbildung für infanteristisch eingesetzte Einheiten oder Verbände an.
Diese Übungen erfolgen im Übungszentrum Infanterie oder dem Ausbildungsstützpunkt „Simulationsgestützte Rahmenübung“.
Zusammenleben und Symbiose in Altenstadt
Die Luftlande-/Lufttransportschule in der Kaserne Altenstadt gilt als das Mutterhaus der Fallschirmjäger, das die Bundeswehrreform nur knapp überstanden hat - seit Februar ist der Fortbestand in Altenstadt gesichert, wenn auch unter anderem Namen als Ausbildungsstützpunkt Luftlande/Lufttransport.
Eigentlich sollte in der Kaserne nur noch das neu aufgestellte Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillon 3 untergebracht sein, das seit Juli 2013 dort stationiert ist.
Jetzt müssen beide Platz finden.
Es hat geheißen, solange wir den Luftraum nicht beanspruchen, ist alles in Ordnung (lacht).
Denn wir teilen uns Aufgaben, die für die Bewirtschaftung eines solchen Standorts notwendig sind, wie Verpflegung oder gemeinschaftliche Einrichtungen zum Beispiel für den Sport.
Aber bei der Ausbildung haben wir so wenig Überschneidungen, dass wir nicht einmal Koordinierungsbedarf haben.
Hier vor Ort gibt es verschiedene gemeinsame Projekte, zum Beispiel die Kantine oder das gemeinsame Casino.
Wir leihen uns auch untereinander Material, das läuft oft auf dem kurzen Dienstweg und bekommen wir Kommandeure gar nicht mit, das machen die Ausbildungsleiter untereinander.
Vergangenes Jahr beispielsweise haben wir die Luftlandeschule mit Schießlehrern unterstützt, weil das ja unser tägliches Brot ist.
Darum das Wort Symbiose - es ist tatsächlich besser, als alleine am Standort zu sein.
Der schwierige Schritt für uns war, dass wir die Führerausbildung nach Hammelburg abgeben mussten.
Damit war klar, dass die Anzahl der Soldaten an der LL/LTS geringer werden wird.
Weil aber jeder Standort eine gewisse Mindestgrenze an Personal haben muss, um wirtschaftlich arbeiten zu können, war ich persönlich sehr froh, dass das Ausbildungsbataillon gekommen ist.
Denn ohne wären wir unter die magische 1000-Mann-Grenze gefallen.
Personalstärke und Unterbringung
Wir haben hier 260 Soldaten und knapp 60 zivile Mitarbeiter.
Während die Anzahl der Soldaten weitgehend gleichbleibt, werden die zivilen Mitarbeiter auf 21 reduziert.
Während des Lehrgangsbetriebs sind natürlich immer wieder bis zu 500 Soldaten vor Ort.
Diese Lehrgänge dauern unterschiedlich lang, manche nur eine Woche, manche sechs Wochen.
Doch auch dafür reichen unsere Unterkunftskapazitäten aus, selbst mit den neuen Unterbringungsstandards, die kommen werden.
Da gibt es dann nur noch Einzelzimmer mit Nasszelle, oder maximal zwei Soldaten pro Zimmer.
Wir möchten, dass unsere Lehrgangsteilnehmer auf Stuben von zwei bis vier Mann untergebracht sind, damit die vielen Berufseinsteiger, die wir haben, lernen, wie es so ist, wenn man in einer Gemeinschaft leben muss.
Das ist die einzige Möglichkeit, denn alles andere wird auf diesen Hotelzimmer-Standard umgebaut.
Aber ich halte es für wichtig.
Denn wenn man während eines Einsatzes längere Zeit in einem kleinen Container mit anderen Kameraden leben muss, sollte man das schon einmal erlebt haben und wissen, wie man darauf reagiert.
Außerdem haben wir auch erfahrene Soldaten, die die Laufbahn wechseln, und dann ist es hilfreich, in jeder Stube einen zu haben, der sich auskennt.
Wir reden ja hier über Berufsanfänger, denen man durchaus beibringen muss, wie man die Stiefel fürs Gelände richtig anzieht.
Insgesamt wird das Bataillon dann eine Stärke von über 650 Soldaten hier in Altenstadt haben.
Attraktivität des Standorts
Unterschiedlich. Für Ältere und Sportbegeisterte mag das zutreffen, aber andere sind wegen der Abgelegenheit des Standorts nicht unbedingt begeistert.
Die wären vielleicht lieber in Celle.
Aber wir haben durchaus auch Menschen, die kommen von der Nordseeküste, weil sie mal was anderes sehen wollen.
