Über sieben Brücken musst du gehen: Geschichte und Bedeutung eines Deutsch-Deutschen Hits

Das Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“ ist eines der bekanntesten und beliebtesten deutschsprachigen Lieder. Die Hintergründe zur Veröffentlichung und Verbreitung des Songs geben auch Einblicke in die Geschichte des geteilten Deutschlands.

Entstehung und Kontext

Die 1975 in Ost-Berlin gegründete Rockband Karat entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Bands der DDR. Den größten Erfolg feierten Karat mit dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“, mit dem sie 1978 den Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival gewannen. Schon vor der sehr erfolgreichen 1979 veröffentlichten LP „Über sieben Brücken“ erschien der Song als Single.

Der Text des Liedes stammt nicht von Karat selbst, sondern ist ein Werk des Schriftstellers Helmut Richter. Die Musik wurde von Ulrich "Ed" Swillms, dem Keyboarder von Karat, komponiert. Als Richter den Song zum ersten Mal im Tonstudio hörte, prophezeite er überschwänglich: "Das wird ein Welthit!".

An einem Sonntagabend im April hatte das DDR-Fernsehen einen Spielfilm gesendet: "Über sieben Brücken musst du gehn". Der Film erzählte die Geschichte einer traurigen Liebe zwischen einem polnischen Mann und einer Frau aus der DDR. Am Ende des Films lief ein Lied: "Über sieben Brücken musst du gehn, / sieben dunkle Jahre überstehn, / siebenmal wirst du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein..." Noch am Abend riefen beim Fernsehen der DDR Zuschauer an und fragten, wie das Lied heißt und wo sie die Schallplatte kaufen könnten.

Helmut Richter: Vom Verbotenen Autor zum Texter des Hits

Im Frühjahr 1967 erhält der Journalist und Schriftsteller Helmut Richter eine Einladung in das Leipziger Ernst-Thälmann-Haus. Dort wird ihm ein Vertrag für ein Auftragswerk vorgelegt: Die literarische Begleitung der Arbeit auf der Großbaustelle des Braunkohlenkraftwerks Thierbach. Auf dieser Vertrauensbasis entstehen mehrere Reportagen. Sie handeln von der Zusammenarbeit, dem Zusammenleben und den Problemen der polnischen, sowjetischen, ungarischen und deutschen Arbeiter und Ingenieure auf der Baustelle und darüber hinaus. Aber auch von Missständen berichtet er. Und er schreibt von der jungen Liebe zwischen dem polnischen Brigadier Roman und einer Deutschen. Sie wollen heiraten, doch die Hochzeit platzt. Diese Episode beschäftigt Richter auch Jahre später noch.

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Sofortige Beachtung finden seine Schilderungen des Alltags und vom Miteinander der unterschiedlichen Nationalitäten auf der Großbaustelle. Im Rundfunk werden Lesungen gesendet. 1969 erscheinen die Reportagen unter dem Titel „Schnee auf dem Schornstein“ in einem kleinen Taschenbuch im Mitteldeutschen-Verlag. Von dort ziehen Anfang September 1969 plötzlich dunkle Wolken auf. Der Grund: Mitarbeiter der Abteilung Maschinenbau und Metallurgie finden das Buch nicht linientreu. Nach einer teilweise kontrovers geführten Diskussion setzen sich Ende November 1969 die Hardliner durch. Das Buch wird aus dem Handel genommen. Für Helmut Richter folgt eine Zeit der großen Enttäuschung.

Richter ahnt zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die in Kritik geratenen und verbotenen Reportagen zur Triebfeder für sein größtes literarisches Werk und zu einer deutschsprachigen Rockballade werden. Die Erlebnisse auf der Thierbacher Großbaustelle lassen ihn nicht los. 1975 entsteht die deutsch-polnische Liebesgeschichte „Über sieben Brücken musst du gehn“.

Die Entstehung des Liedes im Kontext des Films

Der DDR-Fernsehfunk erhält den Auftrag, möglichst schnell einen Film zum Thema Freundschaft mit dem polnischen Volk zu machen. 1976 kauft er überraschend die Rechte an Richters Liebesgeschichte. Richter darf das Szenarium für den Film mit den Hauptfiguren Gitta Rebus, einer deutschen Chemielaborantin, und dem polnischen Bauarbeiter Jerzy Roman schreiben. Ort der Handlung sind das Braunkohlenveredlungswerk Espenhain, im Film Zaspenhain genannt, und die Thierbacher Großbaustelle. Verknüpft werden das während des Zweiten Weltkrieges in dieser Region erlittene Schicksal polnischer Zwangsarbeiter und die Nachwirkungen auf eine deutsch-polnische Liebesbeziehung in der Gegenwart.

Regie für den Film führt Hans Werner. Es gibt noch keine Filmmusik. Werner bringt schließlich den Keyboarder und Komponisten der jungen Rockband Karat, Ulrich „Ed“ Swillms, ins Gespräch. Dieser braucht etwa 14 Tage, bis er die zündende Idee hat. Erst am Ende der Dreharbeiten entsteht die Idee, dem Film einen Titelsong zu geben. Die Textzeile „Über sieben Brücken musst du geh’n“ soll ihn emotional aufwerten. Richter stellt sich dieser Herausforderung. Er hat bis dahin noch nie einen Songtext geschrieben. Die Erinnerungen an sein eigenes Schicksal sind ihm hilfreich. Er kam 1945 als Flüchtlingskind aus Tschechien nach Deutschland.

Der Durchbruch und die Teilung Deutschlands

Ende 1977 wird die Rockballade unter ungünstigen Bedingungen in einem Studio in Berlin-Grünau produziert. Sänger ist Herbert Dreilich (verstorben am 12.12.2004) der Frontmann von Karat. Am Abend des 30. April 1978 wird der Film im Ersten Programm des Fernsehens der DDR erstmals ausgestrahlt.

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Die Ausstrahlung des Films sowie die Grand-Prix-Auszeichnung sorgten dafür, dass in Ost- und Westdeutschland großes Interesse an der Band entstand. Die damaligen politischen Spannungen zwischen den beiden deutschen Staaten verhindern allerdings, dass Karat ein gesamtdeutscher Erfolg beschieden war. Zahlreiche Auftrittsanfragen an Karat aus dem Westen scheiterten an der Order des DDR-Kultusministeriums, keine DDR-Kunst in westlichen Medien zu präsentieren.

Peter Maffays Coverversion und der gesamtdeutsche Erfolg

So kam es, dass einem anderen Künstler mit „Über sieben Brücken musst du gehen“ der ganz große Erfolg gelang. Bereits ein Jahr nach der Karat-LP „Über sieben Brücken musst du gehen“ veröffentlichte der westdeutsche Rockmusiker Peter Maffay eine Coverversion des Songs. Seine Version unterscheidet sich in Arrangement und Instrumentalisierung vom Original, ohne es aber in der musikalischen Grundform oder der emotionalen Aussage abzuändern.

Maffay hörte den Titel im Radio und war so begeistert, dass er Karat um Erlaubnis für eine Coverversion bat. Karat willigte ein und Maffay arrangierte das Lied neu. Die markanteste Veränderung wird das Saxofon-Solo. Der Song erlangt in dieser Version eine noch größere Bekanntheit. Maffays Album „Revanche“ verkauft sich mit dem Titel über zwei Millionen Mal.

Nach 1990 sangen Peter Maffay und Herbert Dreilich einige Male gemeinsam ihren berühmten Song. Für nicht wenige Ostdeutsche ist das Lied „Über sieben Brücken musst du gehn“ eine Art Hymne. Quasi ein Symbol ostdeutscher Lebensleistung, die eng mit ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Sozialisierung verbunden ist. Dagegen sind noch immer nicht wenige „Altbundesbürger“ überrascht, wenn sie erfahren, dass der Hit nicht von Peter Maffay getextet und komponiert wurde.

Analyse des Liedes

Insgesamt handelt das Gedicht von einem Lebensweg indem das lyrische Ich immer wieder Problemen und Schwierigkeiten gegenübersteht. Die „sieben Brücken“ repräsentieren dabei die Hürden und Herausforderungen die es zu überwinden gilt. In dem Gedicht wird das lyrische Ich in einer motivationslosen und depressiven Phase im Leben beschrieben, welche jeder Mensch irgendwann mal erlebt und welche man auch überstehen muss.

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Die erste Strophe beschreibt das lyrische Ich, welches „ohne Blick“ (V. 1) , in Gedanken versunken, durch seine Straßen läuft, wehmütig in die Vergangenheit blickt, sich „sein Schaukelpferd“ (V. 2) zurück wünscht und sich nach seiner unbeschwerten Kindheit sehnt. Dies wirkt traurig und beklemmt. Es weiß nicht wohin mit sich, ist „ohne Rast und Ruh“ (V. 3), zieht sich zurück „schließt alle Türen nach sich zu“ (V. 4) und ist sehr bei sich. Das lyrische Ich überfordern seine Gedanken und es „weiß nicht mehr was er weiß“ (V. 6). Die Strophe regt zum Nachdenken an und wirkt melancholisch.

Im Refrain schöpft es Hoffnung und versteht, dass es nach vorne blicken und Hürden, also die „Sieben Brücken“(V. 9), überwinden muss. Das lyrische Ich begreift, dass nach „Sieben dunklen Jahren“ (V. 10) und sieben mal „die Asche“ (V. 11) sein, also nach den schlechten Zeiten, gute Folgen und man „einmal auch der helle Schein“ (V.12) sein wird. Der Refrain wirkt hoffnungsvoll und vielversprechend auf den Leser.

In der zweiten Strophe fängt das lyrische Ich an zu reflektieren und berichtet über die „Uhr des Lebens“ (V. 13), welche still steht. Dies ist der Wendepunkt in seinem Leben, an welchem er nicht weiterkommt und „nur im Kreis“ (V.14) geht. Das lyrische Ich ist nachdenklich und begreift, dass sich etwas ändern muss. Es sitzt „still auf einer Bank“ (V. 16) und dabei herrscht eine ruhige aber auch bedrückende Stimmung. Es wird vom greifen „nach der ganzen Welt“ (V. 17), was sehr machtvoll wirkt, sowie vom Fall des „Glückssterns“ (V. 18) berichtet und somit von dem Traum der besseren Zukunft und dem Gedanken, das man alles schaffen kann, wenn man es will. Dadurch das es „hasst“ was es „liebt“ (V. 20), versteht es, dass man für das was man liebt kämpfen muss und blickt dadurch hoffnungsvoll in die Zukunft.

Stilmittel

Das Gedicht enthält eine Vielzahl von Substantiven, die eine wichtige Rolle bei der Beschreibung des Gesamtbildes und der Emotionen spielen. Dazu gehören Wörter wie "Brücken", "Türen", "Straße", "Schein", "Uhr", "Glücksstern", "Asche" und "Trost". Die Substantive repräsentieren Schwierigkeiten, Chancen, die Reise oder Hoffnung. Insgesamt erzeugen die Substantive im Gedicht eine bildhafte Sprache und vermitteln die Botschaft des Textes auf symbolische und poetische Weise. Sie ermöglichen es den Lesern, sich mit dem Lebensweg, der Überwindung von Hindernissen und der Suche nach Sinn auseinanderzusetzen.

Adjektive werden verwendet, um die Substantive näher zu beschreiben und die Atmosphäre im Gedicht zu verstärken. Beispiele für Adjektive in diesem Gedicht sind "dunkel", "kalt", "heiß", "hell" und "still". Diese Adjektive tragen zur Schaffung einer bestimmten Stimmung bei und unterstützen die bildliche Darstellung.

In diesem Gedicht finden sich Verben wie "gehen", "wünschen", "schließen", "suchen", "überstehen", "hassen", "nehmen" und "greifen". Die zentrale Metapher des Gedichts sind die "sieben Brücken". Diese Brücken stehen metaphorisch für die Hindernisse und Herausforderungen im Leben. Die "Brücken", die "Türen" und der "Glücksstern" sind starke Symbole im Gedicht. Die Brücken repräsentieren Hindernisse, die Türen symbolisieren die Aussicht auf etwas Neues oder Besseres, und der Glücksstern steht für Glück, Hoffnung und Erfolg. Diese Symbole verleihen dem Gedicht Tiefe und eine metaphorische Ebene.

Das Gedicht enthält einige Kontraste, wie zum Beispiel "dunkel" und "hell". Diese Kontraste dienen dazu, die Schwierigkeiten und die Momente der Klarheit oder Erkenntnis im Leben hervorzuheben.

Manche Verse bestehen aus einer klaren Subjekt-Prädikat-Struktur. Die Sätze sind kurz, was dazu beiträgt, dass die Botschaft deutlich hervortritt. Andere wiederum bestehen aus einfachen Haupt- und Nebensätzen. Zum Beispiel die wiederholte Verwendung des Wortes "Manchmal", am Anfang mehrerer Verse, erzeugt eine Anapher. Diese Wiederholung betont die verschiedenen Facetten des Lebens.

Der Vers "Manchmal ist mir kalt und manchmal heiß" enthält einen Vergleich zwischen den Gefühlen von Kälte und Hitze. Es weist darauf hin, dass der Verfasser sich in einem Zustand der Unsicherheit oder Verwirrung befindet. Dies kann Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen. In Vers 18 wird der Glücksstern personifiziert, indem ihm eine menschliche Eigenschaft zugeschrieben wird. Das der Glücksstern "fällt", erzeugt eine Vorstellung, als ob der Glücksstern selbst Entscheidungen trifft oder Einfluss auf das Leben hat. Diese Personifikation verstärkt die emotionale Bedeutung dieser Zeile im Gedicht.

Das Gedicht "Über sieben Brücken musst du gehen" besteht aus fünf Strophen und 28 Versen. Die erste und dritte Strophe besteht aus 8 Versen. Die zweite, vierte und fünfte wiederum aus 4 Versen. Das Metrum des Gedichts ist trochäisch. Ein Vers besteht aus einer betonten Silbe, gefolgt von einer unbetonten. Dies verleiht dem Gedicht einen fließenden Rhythmus. Das Reimschema des Gedichts ist abccdd. Das Reimschema trägt zur melodischen Struktur des Gedichts bei.

Die Symbolik der Sieben

Die Zahl sieben hat eine symbolische Bedeutung und steht für die Veränderung. Die "sieben Brücken" stellen die schlechten Zeiten dar, die man irgendwann wieder übersteht. Anschließend wird hervorgerufen dass nach 7 Jahren von Unglück und Traurigkeit Positives auf einen zukommt, demnach wird Optimismus ausgestrahlt.

Fazit

Auch wenn der Band Karat der ganz große Erfolg versagt blieb, so äußerte sich die Band immer positiv zur Maffay-Version und freute sich über den Erfolg ihres Liedes, der zum Teil auch auf die Band abstrahlte. Nach der Wende spielten Karat und Maffay das Lied mehrmals zusammen, sowohl im Tonstudio als auch live - unter anderem zur 10-jährigen Jubiläumsfeier des Tags der Deutschen Einheit in Berlin am 3. Oktober 2000.