Die Entwicklung des Deutschrap: Von den Anfängen bis heute

Rap bringt seit 20 Jahren die größten Stars des Landes hervor.

Die Anfänge und Einflüsse

Hip-Hop kam Ende der 1970er aus der Bronx nach Europa, zunächst als Subkultur, bestehend aus Breakdance, Graffiti, DJing und MCing. Anfangs waren es vor allem Breakdance-Crews, die die Szene prägten, etwa die Rock Steady Crew aus den USA als Vorbild und in Deutschland Gruppen wie die Battle Squad oder Flying Steps. Die ersten deutschsprachigen Rap-Versuche entstanden Mitte der 1980er, als Pop-Sänger wie Falco Sprechgesang als Stilmittel ihrer Musik verwendeten.

Die 90er: Etablierung einer Szene

In den frühen 90ern traten Die Fantastischen Vier auf den Plan, die mit ihrem Debüt Jetzt geht’s ab (1991) und dem Hit Die da!? Hamburg entwickelte sich zur wichtigen Szene: Beginner (damals Absolute Beginner), Fettes Brot, Cora E. und Dendemann prägten einen sprachlich verspielten, oft ironischen Stil.

Die 2000er: Aggro Berlin und der Gangsta-Rap

Ab Anfang der 2000er verlagerte sich das Zentrum des Deutschraps nach Berlin. Mit dem Label Aggro Berlin (gegründet 2001) brach eine neue Ära an: Härter, direkter, aggressiver und stark beeinflusst vom US-Gangsta-Rap der 1990er. Sido, B-Tight und Bushido schufen einen Sound, der bewusst aneckte und auf Provokation setzte.

Der Einfluss von Social Media und Streaming

Ab etwa 2012 veränderten digitale Produktionsmittel und Social Media die Szene grundlegend. Die US-Trap-Ästhetik schwappte nach Deutschland, Autotune und atmosphärische Beats dominierten. Pioniere dieses Sounds waren Haftbefehl (Offenbach) und seine Labelkollegen, die Straßenrap lyrisch wie musikalisch ausbauten. Cloud Rap wurde durch Produzenten wie Dexter, Brenk Sinatra und Rapper wie Yung Hurn oder Rin populär. Streaming-Plattformen wie Spotify veränderten das Geschäftsmodell: Hits wurden kürzer, refrainsorientierter, direkter auf Playlists optimiert. Künstler wie Capital Bra oder Bonez MC & RAF Camora dominierten die Charts, letztere mit ihrem Dancehall-inspirierten „Palmen aus Plastik“-Sound. Apache 207 holte Rock-Dino Udo Lindenberg als Unterstützung für seinen Song “Komet”, um den ganz großen Durchbruch zu schaffen und verkauft heute die Arenen aus.

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Kontroversen und Reaktionen in der Szene

Die letzten Tage hatte es erneut ziemlich viel Tumult rund um LiP-Signing Yakary gegeben - ausgelöst durch seinen Disstrack gegen 18 Karat.

Reaktionen lassen natürlich nicht lange auf sich warten.

Nicht ohne Grund vermuten mehrere der Top-Kommentare unter dem Video, dass bei Yakarys Labelboss PA Sports mit Release wahrscheinlich schlagartig das Kopfschmerz-Risiko gestiegen sei.

Maya, die in der Öffentlichkeit auch als Mrs. Karat auftritt, reagiert mit zahlreichen Instagram-Storys.

Unter anderem teilt sie erneut das Video, in dem Yakary geschlagen wird.

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Des Weiteren postet sie ein längeres Statement, in dem sie es als "maximal unangenehm" verurteilt, dass Yakary sich die ganze Zeit mit ihr als Frau streite.

Dass sie mit vielen anderen Männern "intim" gewesen sei, so wie er es behaupte, wäre reine Fantasie, meint Maya.

Yakarys Disstrack sei ihr zufolge zu "90 % mit Lügen" gefüllt.

Capital Bra geht da schon mehr in die Vollen.

Mehrere Menschen haben dem Rapper gedroht, darunter auch Szene-Größen wie Capital Bra.

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Nun meldet sich Label-Chef PA Sports zu Wort und lässt die Öffentlichkeit wissen, dass jeder, der weiter die Grenzen strapaziert, bald von ihm hören würde.

PA Sports' Ansage

In seiner Instagram-Story hat PA Sports eine recht ausführliche Ansage gepostet.

Darin erklärt er zunächst, wieso der die vergangenen Tage so still gewesen ist.

Zum einen hatte er selbst sein eigenes Album veröffentlicht, zum anderen sei er kein "Unterdrücker".

Wenn seine "Leute" dissen wollen, dann lasse er das zu.

Gleichzeitig erwarte er, dass diese mit der Antwort umgehen können.

Über die Art, wie er sein Label führt, hat der Essener in Vergangenheit schon mehrmals gesprochen - und dabei immer wieder das erklärt, was er jetzt in seiner Story schreibt.

So zum Beispiel auch in unserem neuesten Interview mit ihm.

In seinem Text macht der LiP-Chef außerdem öffentlich, dass er seit Tagen von Leuten beleidigt werde.

Das käme aus beiden Richtungen: Von denen, die wollen, dass PA Yakary kontrolliert und von denjenigen, die erwarten, dass er sich beschützend vor sein Signing stellt.

Wieso er - bis jetzt - nichts gesagt hat?

In seinen Augen sei das Ganze ein großer "Kindergarten".

Er erklärt, dass Menschen, die ernsthaft vorhaben jemandem Gewalt anzutun, es nicht auf Instagram ankündigen würden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sei die Sache einen "Shitshow für Kids" - und PA scheint kein Interesse zu haben, daran teilzunehmen.

Wo bei ihm dann aber doch die Grenze erreicht ist: Wenn Leute andere bezahlen, damit PA und Yakary auf der "Nase herumgetanzt" wird.

Er erklärt ziemlich unmissverständlich, dass das Fass bei ihm voll sei und er keine Geduld mehr für solche Dinge habe.

Er droht, selbst aktiv zu werden - und dann würde das nämlich "keine Shitshow für Kids" mehr sein.

Dabei stellt er klar, dass er damit nicht Gewalt meine.

Bedeutende Deutschrapper der letzten 35 Jahre (alphabetisch sortiert)

Nachfolgend die Liste der wichtigsten deutschen Rapper der letzten 35 Jahre alphabetisch sortiert.

  • Afrob: Zusammen mit Ferris MC veröffentlichte Afrob 1999 den ersten Deutschrap-Song, der ganz selbstverständlich neben Ami-Tracks im Club lief. Doch “Reimemonster” sollte nicht das letzte Ausrufezeichen des Stuttgarters bleiben. Bis heute bringt der Rapper mit der kühlen Stimme hochwertige Alben heraus, auf denen er das Leben als Afrodeutscher thematisiert.
  • Alligatoah: Als Teil von Trailerpark feiert Alligatoah nicht nur im Team große Erfolge. Der Rapper, Sänger, DJ und Produzent aus Niedersachsen schießt auch im Alleingang regelmäßig an die Spitze der Albumcharts.
  • Apache 207: Apache 207 ist anders als die anderen Rapper. Das fängt bei seinem Auftreten an und hört bei seiner Musik auf. Mit Sonnenbrille und geölten Haaren singt und rappt der Ludwigshafener über Beats mit Retro- und Schlager-Einschlag. Diese Ästhetik katapultierte Songs wie “Roller”, “200 km/h” und “Wieso tust du dir das an?” an die Spitze der deutschen Singlecharts. Ende Oktober 2019 erschien seine Debüt-EP “Platte“.
  • Ayliva: Ayliva ist bekannt für ihre Mischung aus R&B und Rap, mit der sie intime und emotionale Themen anspricht.
  • Azad: Nachdem Azad zusammen mit D-Flame, A-Bomb und Combad die deutsche Hip-Hop-Szene lieben und kennenlernte, nahm ihn Moses Pelham 1999 unter Vertrag. Was folgte, war die Ankunft des deutschsprachigen Straßenraps in den Charts.
  • Bausa: Wie es kommt, weiß niemand, doch Bietigheim-Bissingen - das Städtchen nördlich von Stuttgart - gilt als eine Talentschmiede für deutsche Rapper. Neben Cro, RIN und Shindy verbrachte auch Bausa einen Großteil seiner Jugend in der schwäbischen Kreisstadt. Bausa hat ein Händchen für poppige Songs, die haarscharf am Schlager vorbeischrammen.
  • Bonez MC: 2012 veröffentlichte Bonez MC mit “Krampfhaft kriminell” sein einziges Soloalbum. Der große Erfolg stellte sich jedoch erst danach ein - mit Mixtapes, Samplern und vor allem Kollaboalben. “Palmen aus Plastik” mit RAF Camora und das dazugehörige Sequel sowie die beiden Teile von “High & hungrig” mit Gzuz ermöglichten dem Hamburger Rapper einen siebenstelligen Kontostand. Aber auch in den sozialen Medien steht der er an der Spitze. 2017 wurde er aufgrund der meisten Interaktionen zum größten Influencer Deutschlands ernannt.
  • Bushido: Azad legte zwar den Grundstein, doch Bushido hievte deutschsprachigen Straßenrap endgültig in den Mainstream. Der Berliner überwirft sich regelmäßig mit seiner Gefolgschaft, dem Erfolg tut das aber keinen Abbruch. 13 erfolgreiche Soloalben veröffentlichte Bushido im Laufe seiner Karriere.
  • Capital Bra: Wenn sich Capital Bra nicht gerade gegen libanesische Großfamilien wehrt, nimmt er einen Hit nach dem anderen auf. Welche kreativen Mittelchen der Berliner in seine Drinks mischt, ist zwar nicht bekannt, sie scheinen aber zu wirken. Bis zum jetzigen Stand hatte der in Sibirien geborene Rapper 19 Nummer-eins-Singles. Tendenz steigend.
  • Casper: Von den Punchlines und XXXXL-Klamotten zu den Smiths-Platten und Skinny Jeans - Casper hat eine Verwandlung durchlebt, die weitaus mehr Fans anzog als abschreckte. Mit seiner chronisch heiseren Stimme rappt er Zeilen, die sich die Anhängerschaft auf die Körper tätowiert.
  • Cro: Eine von Aggro Berlin mit leeren Händen hinterlassene Jugend fing das Stuttgarter Label Chimperator Anfang der 2010er mit einem kompletten Gegenentwurf auf. Statt Muskeln und harte Reime gab es bei Cro aus Aalen eine niedliche Panda-Maske und eingängige Refrains. Die Charts hatte er damit in der ersten Hälfte des Jahrzehnts fest im Griff. Der Bietigheimer hat sich seit seinem letzten Album tru.
  • Curse: Als Curse um die Jahrtausendwende auf der Bildfläche erschien, legte er eine Delivery an den Tag, die die hiesige Szene bis dato nur aus Amerika kannte. Mit seinen ersten beiden Alben “Feuerwasser” und “Von Innen nach Außen” nahm er Klassiker auf, die nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Ans Aufhören denkt der Mindener auch nach zwei erfolgreichen Dekaden nicht.
  • Dendemann: Die jüngere Leserschaft kennt Dendemann aus dem “Neo Magazin Royale”. Kinder der Achtziger feiern den Dendemaier jedoch seit seiner Zeit mit DJ Rabauke als Eins Zwo. Schon damals bestach der deutsche Rapper mit Reimen, Flows und Stimme, die sich deutlich von der Restszene abhoben. 2019 kehrte er mit dem Soloalbum “Da nich für!” zurück.
  • Disarstar: Disarstar ist ein Hamburger Rapper, der für seine politischen und sozialkritischen Texte bekannt ist. Er thematisiert in seinen Songs oft soziale Ungerechtigkeiten, Armut und den Kampf gegen das Establishment.
  • Eizi Eiz (Jan Delay): Eizi Eiz, Eißfeldt, Jan Delay, Boba Ffett - das eine Drittel von den Beginnern besitzt viele Namen. Unter jedem feierte er große Erfolge. Sowohl mit einer seiner Bands oder Solo stürmte Eizi Eiz die Charts mit der Verlässlichkeit eines Schlagersternchens.
  • Eko Fresh: Seit seinem 17. Lebensjahr steht Eko Fresh in der Öffentlichkeit. Fast zwei Dekaden später hat der Kölner alle Höhen und Tiefen einer Musikkarriere dreimal erlebt.
  • Farid Bang: Mit Fleiß inszeniert sich Farid Bang als asozialsten Rapper der Szene. Seinem Erfolg schadet es nicht. Im Gegenteil, der Düsseldorfer hat sich mit Punchlines, starrem Flow und einer gigantischen Lust auf Streitereien eine riesige Anhängerschaft aufgebaut.
  • Fler: Polarisierender als Fler sind nur wenige Rapper in Deutschland. Seine Interviews zählen zu dem Unterhaltsamsten, was die Hip-Hop-Presse zu bieten hat. Der Berliner hat mit einer ungebremsten Kreativität die Wortwahl, Modetrends und wirtschaftlichen Mechanismen einer ganzen Szene geprägt. Liebt ihn oder hasst ihn - Fler hat verstanden, was er da tut.
  • Greeen: Greeen, auch bekannt als Grinch Hill, kombiniert in seiner Musik Elemente aus Rap, Reggae und Pop.
  • Gzuz: Was Erfolg und Bekanntheit betrifft, steht Gzuz bei der 187 Strassenbande in einer Reihe mit Bonez MC. Als Vorwürfe der häuslichen Gewalt gegen ihn erhoben wurden, war die Öffentlichkeit geschockt. “Was hast du gedacht?”, fragt der Hamburger Rapper in einem seiner erfolgreichsten Songs. Authentisch heißt eben auch, die Wahrheit zu rappen.
  • Haftbefehl: Als Haftbefehl in Deutschraphausen auftauchte, konnten sich alle auf den Offenbacher einigen. Die Kids feierten Hafti für seine authentische Ausstrahlung und die Heads applaudierten aufgrund des knallharten Hip-Hop-Sounds. Der Anführer der Azzlackz pickte die richtigen Beats und mischte Deutsch mit gefühlt allen Sprachen, die noch existieren. In kommerzielle Erfolge konnte Haftbefehl seinen einzigartigen Ansatz nur bedingt ummünzen. Sein Opus Magnum “Russisch Roulette” erreichte 2014 einen enttäuschenden vierten Platz.
  • Herzog: Herzog ist bekannt für seine düsteren und ehrlichen Texte, die oft Themen wie Drogenkonsum und persönliche Krisen behandeln.
  • Juju: Zusammen mit Nura verpasste Juju als SXTN der deutschen Hip-Hop-Szene eine weibliche Note. Lange bestand das Duo leider nicht. Im Alleingang zog Juju ihr Ding weiter durch.
  • Genetikk: 2013 haben Genetikk den klassischen Hip-Hop mit dem Sound der Stunde verbunden. Auf so viel Zeitgeist und Liebe zur Kunst fuhren alle ab. “D.N.A.” stieg auf den ersten Platz der Albumcharts ein und erhielt eine Goldene Schallplatte. Rapper Kappa, der sich damals noch Karuzo nannte, trug einen großen Teil zum Erfolg bei.
  • KC Rebell: KC Rebell mag neben den RAFs, Marterias und Sidos nicht der erste Name sein, der fällt, doch der Erfolg spricht für ihn. Seit 2014 stieg jedes seiner vier Alben auf den ersten Platz der Charts ein. 2019 erschien Rebells siebtes Soloalbum “Hasso”, das er seinem verstorbenen Vater widmete.
  • K.I.Z.: K.I.Z. sind bekannt für ihre provokanten und oft kontroversen Texte, die häufig mit schwarzem Humor und Ironie durchsetzt sind. “Wo ist mein Proteingetränk?
  • Kollegah: Einst galt Kollegah als das Punchline-Wunder Deutschlands. Mittlerweile kratzen Antisemitismus-Vorwürfe und fragwürdige Geschäftspraktiken am Ruf des Bosstransformierten. Sein Erfolg lässt sich trotzdem nicht kleinreden. Der Rapper soll fast 750.000 Tonträger verkauft haben.
  • Kontra K: Das mit den Motivationssprüchen hat Kontra K verinnerlicht wie kein anderer Rapper. Waschbrettbauch, Tattoos, dramatischer Beat und die Stimme eines Holzfällers - das audiovisuelle Paket stimmt. Fünf Goldenen Schallplatten in Folge bestätigen das Erfolgskonzept.
  • Kool Savas: Es gab Zeiten, da wurden auf dem Schulhof neue Savas-Strophen wie Pokémon-Karten getauscht. Der King Of Rap brachte deutschem Rap das Flowen und die schmutzigen Wörter bei. Mehr als 25 Jahre reimt SAV mittlerweile. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht der Berliner neue Alben, die noch immer verlässlich ihre Abnehmer finden.
  • Loredana: Loredana zählt zu den bekanntesten Beispielen, die sich über Social Media eine Rap-Karriere aufgebaut haben. Nach den ersten 100.000 Followern auf Instagram begann sie Musikvideos zu veröffentlichen. Ihre Fans zeigten sich begeistert. Alles, was die Rapperin fortan tat, stieß auf gigantische Resonanz. Ihre ersten Singles “Sonnenbrille” und “Bonnie & Clyde” erhielten 2018 Goldauszeichnungen. Das Debütalbum “King Lori” chartete 2019 auf Platz drei der deutschen Charts.
  • Luciano: Nur wenige Rapper besitzen eine so kräftige Stimme wie Luciano. Mit seinem mächtigen Organ zerpflückt der Berliner jedes noch so anspruchsvolle Instrumental.
  • Marteria: Marteria funktioniert sowohl für das Hip-Hop- als auch Mainstream-Publikum. Das liegt nicht nur daran, dass der Rostocker rappen kann und charismatisch ist. Marteria ist ein Songwriter und Sympathikus sondergleichen. Am 1. September 2018 trat der Rapper vor 32.000 Menschen im Rostocker Ostseestadion auf.
  • Massiv: 250.000 Euro - so viel Geld soll Sony BMG 2006 in Massivs Zukunft gesteckt haben. Durch die Decke ging die Karriere des Pirmasensers allerdings erst, als er auf eigenen Beinen stand. Das fünfte Album “Blut gegen Blut II” erschien 2011 auf dem eigenen Label Al Massiva. Bis 2018 folgten noch acht weitere Platten, die es fast ausnahmslos in die Top 20 schafften. Fernab der Musik fällt der Rapper mit der eindrucksvoll kräftigen Stimmen als Schauspieler auf.
  • Max Herre: Ende der Neunzigerjahre brachte Max Herre eine musikalische und inhaltliche Tiefe in die deutschsprachige Rap-Musik, die es bis dato noch nicht gab. Mit seiner Crew Freundeskreis veröffentlichte der Schwabe zwei erfolgreiche Alben, die von Anfang an auch im Mainstream Gehör fanden. Danach ging es Solo genauso erfolgreich weiter.
  • Megaloh: Megaloh ist für seine lyrischen Fähigkeiten und tiefgründigen Texte bekannt. Er rappt oft über soziale Themen, persönliche Kämpfe und seine Herkunft.
  • Miami Yacine: Mit den Kumpels Nash, Zuna und Azet bildet Miami Yacine die KMN Gang. Ihr Erfolg kam 2016 scheinbar aus dem Nichts. Yacines Trap-Single “Kokaina” erschien und verkaufte sich über 425.000 Mal. Das dazugehörige Musikvideo knackte 2018 auf YouTube die 100-Millionen-Marke.
  • Moses Pelham: In den Neunzigern brachte Moses Pelham mit RHP harten Rap in die Charts. Danach folgte eine erfolgreiche Solo-Karriere und ein noch erfolgreicheres Label. Er entdeckte Xavier Naidoo, Azad und Cassandra Steen. Doch die Arbeit hinter dem Schreibtisch hält den Frankfurter nicht davon ab, auch weiterhin regelmäßig Alben zu veröffentlichen.
  • MoTrip: Seit 2011 steht MoTrip bei Universal Music unter Vertrag. Auch wenn ihm noch Nummer-eins-Alben und -Singles fehlen, gilt der Rapper als einer der erfolgreichsten seiner Zunft. Seine letzte Langspielplatte “Mama” chartete auf dem dritten Platz und bescherte ihm eine Goldauszeichnung. MoTrip verbindet Straßenkante und Intellekt wie kaum ein anderer Rapper. Seit vier Jahren warten Fans auf ein neues Soloalbum.
  • Nimo: Nimos Musik ist ein Kaleidoskop des Lebens, in dem er offen über Themen wie Liebe, Schmerz, Freude und die Herausforderungen des Alltags rappt. Seine Lieder sind keine oberflächlichen Hits, sondern tiefgründige Erzählungen, die sein Publikum auf eine emotionale Reise mitnehmen.
  • Nina Chuba: Nina Chuba hat den Übergang von der Schauspielerei zur Musik nahtlos gemeistert.
  • Olexesh: Wenn jemand verstanden hat, wie das Spiel heutzutage funktioniert, dann Olexesh. Der Darmstädter optimiert seine Alben für die “Modus Mio“-Playlist und staubt dadurch Spitzenplätze in den Charts ab. Das mag das Klangbild einschränken, rappen kann die Entdeckung von Celo & Abdi dennoch.
  • Pashanim: Pashanim, der junge Berliner, hat wie ein frischer Windstoß die deutsche Rap-Szene erobert. Mit seinem Hit “Airwaves” hat er sich nicht nur einen Namen gemacht, sondern auch gezeigt, dass in ihm ein Künstler mit einem ganz besonderen Sound steckt.
  • Prinz Pi: Als der Mainstream-Erfolg anklopfte, wurde aus Prinz Porno Prinz Pi. Mittlerweile existieren - je nach Projekt - beide Namen nebeneinander. Der Berliner kommt aus dem Untergrund, findet seine Kundschaft heute jedoch in den Abschlussklassen der Gymnasien. Ob Pi nun der Bob Dylan des Deutschraps oder doch nur ein selbsternannter Philosoph ist, darüber streiten sich Kritiker und Anhänger. An den Charterfolgen können die Diskussion allerdings nichts ändern.
  • RAF Camora: Ruhestand oder weitermachen? Mit dieser Frage beschäftigt sich RAF Camora seit geraumer Zeit. Mit seinem aktuellen Album “Zenit” wollte er endgültig den Schlussstrich ziehen. Auf der Platte kommen allerdings Zweifel an der Rente auf: “Karriereende niemals, glaub mir, erst jetzt beginnt die Party...

Regionale Einflüsse: Das Ruhrgebiet

„Bochum, ich komm‘ aus dir!“ schmetterte schon Herbert Grönemeyer im Song „Bochum“ von 1984. Popkultur definiert sich über Musik, wenn sie nicht sogar aus ihr entsteht. So können einzelne Songs oder einzelne Zeilen eine Stadt, einen Bezirk oder nur einen Club auf einen legendenhaften Status heben. Zum Beispiel so, wie es in Berlin zahlreich passiert ist. Von David Bowie über Peter Fox bis hin zu Kraftklub haben Künstler:innen ihre Erlebnisse und Eindrücke in dieser Stadt in Songs verarbeitet. Daraus entsteht nicht nur ein Soundtrack, sondern auch ein Image. Herbert Grönemeyers „Bochum“ kann getrost als die berühmteste Hymne über eine Stadt im Ruhrgebiet betitelt werden, eine Region, die sonst auf einer Karte zur Popmusik über deutsche Städte ein weißer Fleck wäre. Über die Grenzen hinweg liegen sich noch heute Jung und Alt singend in den Armen, wenn bei Kleingartenfesten, Oldie-Abenden und Hochzeiten „Bochum, ich komm’ aus dir“ aus den Boxen schallt. Besonders bezeichnend ist das, wenn man überlegt, dass Menschen aus anderen Himmelsrichtungen Bochum vor der Veröffentlichung des Songs höchstens durch den Fußball gekannt haben mögen.

1983 hatte der gebürtige Kölner Wolfgang Petry die schlagereske Hymne „Ruhrgebiet“ veröffentlicht, in der er vom Ruhrgebiet als eine Droge spricht, die ihn aufrecht hält. Zumindest die einprägsame Melodie haben Millionen Menschen schon einmal gehört. Der Song befindet sich tief im Herzen jeder Person aus dem Pott. Das Ruhrgebiet und seine Städte finden heute nur noch vereinzelt in der Popmusik Erwähnung. Die Zeile der Neuen Deutschen Welle Pioniere Extrabreit „komm nach Hagen, werde Popstar, mach dein Glück!“ hat über die Jahre an Wahrheitsgehalt eingebüßt. Zuletzt hatte Nena mit ihrem Best Of Album 2002 das letzte Mal so richtig die Charts gestürmt. Es scheint, als wäre die Region eine Randerscheinung, eine Heimat, die Künstler:innen Richtung Berlin verlassen müssen, um erfolgreich zu werden. Und sie thematisieren das schon gar nicht in ihren Songs, dass sie dort aufgewachsen sind - wie zum Beispiel die Hattinger Band Frida Gold, die mit „Liebe ist meine Religion“ 2013 sogar ein Nummer 1 Album hatten.

Es gibt aber Indizien, dass das Ruhrgebiet in Popkultur eingebettet wird. Meist wird dabei die Region für Vergleiche am Rande des eigentlichen thematischen Inhalts des Songs herangezogen. Mal rappt der noch junge Kollegah in „Kolumbianer“: „Ich hab mehr Kohle als das Ruhrgebiet, Durchlöcher deinen Körper wie ein Nudelsieb.“ Oder ein anderes Mal das Hamburger Rap-Trio Fettes Brot in „Können diese Augen lügen?“ „meine Gang ist fetter, wie mein Cousin aus Dortmund“. Auch die Kleinstadt Witten erhält Aufmerksamkeit. In seinem Song „Terrorangst“, der auf dem Album „Schlaftabletten, Rotwein V“ zu finden ist, singt Alligatoah „Das einzige noch sichere Urlaubsziel (ja?) Ist Witten im Ruhrgebiet mit ’ner Security“ und nimmt damit Witten als Beispiel für vermeintliche provinzielle Sicherheit in Zeiten von allgegenwärtiger Terrorangst in Großstädten.

Als Dendemann Anfang 2019 sein lang erwartetes drittes Studioalbum „Da nich’ für“ der Öffentlichkeit preisgab, war darauf auch der Song „Wo ich wech bin“ enthalten. Allein durch den dialektalen Titel lässt dieser eine Affinität zum Ruhrgebiet erahnen. Geboren in Wickede, an der Grenze zwischen Sauerland und Ruhrgebiet, war Dendemann zum Skaten häufig in Dortmund. Mit den Lines „Dis is‘ das Zentrum, dis‘ is unsere Spaßfabrik, Dis is‘ Keuning-Haus, dis is‘ Monster Mastership“ spielt er auf seine Zeit am Dietrich-Keuning-Haus im Dortmunder Norden an, welches bis heute als Indoor Skatehalle, Kulturzentrum und Veranstaltungshalle Bestand hält. Dem Keuning-Haus und der HipHop Band Too Strong setzt er mit den Referenzen ein Denkmal und bezeichnet das Ruhrgebiet als „größten Spa der Welt“.

Wie stark die Lebenswirklichkeiten auseinanderdriften können, obwohl der Ort, den Menschen erleben der gleiche ist, zeigt die Musik der Rapper 18Karat und Miami Yacine. Beide Rapper sind in der Dortmunder Nordstadt aufgewachsen. Auch Miami Yacine bringt in seiner Musik den Dortmunder Norden in Verbindung mit Drogen. In „Kokaina“ wird Dortmund zwar nicht namentlich erwähnt, mit seiner Single erreichte er jedoch auf Anhieb Platinstatus und knackte als erster deutscher Rapper die 100 Millionen Views Marke bei Youtube. Im Song „Narco Ben“, der Anfang 2020 mit seinem Album „Welcome 2 Miami“ erschienen ist, erzählt er gemeinsam mit Feature Gast Capital Bra die traurige Abwärtsspirale einer drogenabhängigen Frau in Dortmund: „Ihre Nase blutet, denn sie zieht vom Glastisch, Dortmund-City, Dealer geben dir was gratis. Die Affinität der Dortmunder zu Kokain ist sogar wissenschaftlich belegt. Regelmäßig führt die Stadt die Rangliste der Städte mit den meisten Kokainrückständen im Abwasser an. Und so spannt sich der Bogen wieder zu Wolfgang Petry.