WWE: Legendäre Wrestler im Rückblick – Triumphe, Tragödien und das Vermächtnis der Ikonen

Am 23. Januar 1984 wurde im New Yorker Madison Square Garden der Grundstein für eine Weltkarriere gelegt - und für ein globales Milliarden-Imperium. Hulk Hogan wurde an diesem Tag erstmals Champion der damaligen World Wrestling Federation (WWF). Sein Sieg über den Iron Sheik war der Startschuss eines Showkampf-Booms, des Aufstiegs von WWE von der regionalen Promotion zum globalen Popkultur-Phänomen.

Hulk Hogan war der Superstar, der WWE von einer regionalen Showkampfliga zum globalen Phänomen machte und eine weltweite TV-Ikone. Hogan blieb über Jahre das unumstrittene Aushängeschild der WWF, bis zum Ende der Neunziger (in denen er zu fürstlichen Bezügen zum Konkurrenten WCW wechselte und sich als böser Anführer der Kultgruppierung nWo nochmal völlig neu erfand) war er der berühmteste und erfolgreichste Showkämpfer der Welt.

Hulk Hogan: Vom Hobby-Rocker zur Wrestling-Ikone

Hogan, am 11. August 1953 geboren, war im Jahr 1976 fürs Wrestling entdeckt worden. Terry Bollea, wie er eigentlich hieß, fiel dem berühmten Bruderpaar Jack und Gerald Brisco in einer Bar in Florida auf, wo der Hobby-Bodybuilder für eine Rockband Gitarre spielte. Bollea, ein ehemaliger Little-League-Pitcher, dessen Hoffnungen auf eine Baseball-Karriere von einer Verletzung durchkreuzt wurden, ließ sich fürs Wrestling begeistern.

Den Namen „Hulk“ bekam er verpasst, als er bei einem lokalen Talkshow-Auftritt die Muskelmasse von Star-Bodybuilder Lou Ferrigno übertraf - der die Comicfigur damals in einer TV-Serie spielte. Den Nachnamen „Hogan“ erfand WWE-Gründer Vince McMahon Sr., der Hogan als irischstämmigen Bösewicht porträtierte.

Als solcher trat er 1979/80 erstmals in der damals noch von Vince Sr. regierten WWF auf, verärgerte diesen jedoch mit seinem Entertainment-Ausflug im Film „Rocky III“, wo er Sylvester Stallone als Showkämpfer „Thunderlips“ malträtierte - ein charismatischer Auftritt, der Hogans erfolgreiche Ringkarriere halb vorwegnahm. „In Rocky III war ich noch der Böse, aber den Leuten gefiel, wie ich gekämpft habe. So hat das angefangen“, blickte Hogan später in einem TV-Interview mit SPORT1 auf den Schlüsselmoment zurück.

Der Aufstieg zur globalen TV-Ikone

Vince McMahon der Jüngere, der die Liga 1982 von seinem Vater kaufte und zum weltweiten Marktführer machen wollte, erkannte in Hogan das Potenzial, das Zugpferd für sein Großprojekt zu werden. Er holte Hogan zurück aus der in Minnesota sitzenden AWA, zu der dieser zwischendurch gewechselt war, und baute seine Liga um ihn auf.

Schon bei seiner Krönung zum Champion im ehrwürdigen MSG bewies sich Hogan als Präsenz, die sofort den Raum erfüllte: „The Incredible“ Hulk Hogan, wie er damals angekündigt wurde, präsentierte sich als charismatische Urgewalt, verströmte eine aggressive Energie und Dynamik, die die Fans gefangen nahm und nicht mehr losließ. McMahon vergrößerte Hogans Popularität in den darauffolgenden Jahren durch geschickte Cross-Promotion mit Promis aus anderen Branchen: Er begleitete Pop-Idol Cyndi Lauper zur Grammy-Verleihung, trat in Talk- und Comedyshows und Serien wie „Love Boat“ und „Das A-Team“ auf - dessen Co-Hauptdarsteller Mister T (B.A. Baracus) kämpfte im Gegenzug als Hogans Partner bei der ersten WrestleMania in New York mit.

Auch der heutige US-Präsident Donald Trump - in dessen „Trump Plaza“ in Atlantic City die vierte und fünfte WrestleMania stieg - beförderte Hogans Popularität. Hauptrollen in Filmen („Hulk Hogan - der Hammer“, „Der Ritter aus dem All“, „Mr. Babysitter“) und der TV-Serie „Thunder in Paradise“ mehrten seinen Weltruhm. Noch 2002, als Hogan mit fast 50 Jahren zu WWE zurückkam und ein spätes WrestleMania-Match gegen den jungen Dwayne „The Rock“ Johnson auf die Bühne brachte, sorgte er für ein atmosphärisches Highlight, in dem seine Präsenz noch so wirkte wie 18 Jahre zuvor.

Der Rassismus-Skandal und die Folgen

Innerhalb seiner Branche war Hogan dabei nicht unumstritten: Kritiker und interne Gegenspieler warfen ihm einen Hang zur Egozentrik vor und dass er zu lange die Wahrung seines eigenen Nimbus über die Förderung neuer Stars stellte. Ein großer Teil der Fans verzieh Hogan allerdings lange seine Egotrips und Skandale - darunter das unter dem Druck staatlicher Ermittlungen abgelegte Geständnis, seit 1976 Steroide zum Muskelaufbau genommen zu haben (wenngleich er behauptete: nur so lange, bis es strafbar war).

Als folgenschwerer erwies sich eine erschütternde Rassismus-Enthüllung - auf den Tag genau zehn Jahre vor seinem Tod. Viele WWE-Fans und jüngere Stars wandten sich ab. Am 24. Juli 2015 wurde im Zuge von Hogans Rechtsstreit mit dem Gossip-Portal Gawker - es ging um die Veröffentlichung eines Sextapes, wegen dem Hogan mit finanzieller Hilfe des Paypal-Gründers Peter Thiel auf Schadenersatz klagte - ein heimlich aufgenommenes Video aus dem Jahr 2006 publik: Hogan beleidigte den damaligen Freund seiner Tochter Brooke mehrfach auf indiskutable Weise rassistisch.

WWE feuerte ihn, er wurde zwischenzeitlich sogar aus der Hall of Fame der Liga verbannt, die er wie kein anderer geprägt hatte. Hogan hatte sich für seine Ausfälle vielfach entschuldigt, nicht jeder jedoch verzieh ihm: Auch innerhalb der Branche warfen ihm viele vor, dass seine Einsicht oberflächlich gewesen sei und er sein Verhalten mit Ausflüchten beschönigt hätte. Während viele alte Weggefährten Hogan verteidigten, ging ein Großteil der jüngeren Wrestler-Generation auf kühle Distanz - wie auch Hogan selbst auffiel.

Von WWE wurde Hogan nach drei Jahren „begnadigt“, erholt hat sich seine Reputation letztlich jedoch nie, auch viele WWE-Fans buhten Hogan bei seinen Auftritten dort aus. Dass er im vergangenen Jahr eine prominente Rolle im Präsidentschaftswahlkampf Trumps spielte, vertiefte den Graben zwischen Hogan-Nostalgikern und Verächtern.

Gesundheitliche Probleme und das späte Glück

Hogan hatte in seinen letzten Lebensjahrzehnten diverse gesundheitliche Probleme, vor allem sein Rücken war durch die Belastung von über 2000 Kämpfen und das intensive Gewichtstraining massiv geschädigt: Er unterzog sich zahlreichen Operationen - und ging 2013 auch gegen ein medizinisches Institut vor Gericht, dem er vorwarf, seinen Zustand dadurch verschlimmert zu haben. Im Herbst 2024 berichtete Hogan, dass er in den vergangenen zehn Jahren „etwa 25 Eingriffe“ hatte - auch an „beiden Knien, Hüften und Schultern - alles“.

Privat begann Hogan 2023 ein neues Leben durch seine dritte Heirat mit der 25 Jahre jüngeren Yoga-Lehrerin und Scientologin Sky Daily. Im Mai unterzog sich Hogan einer neuerlichen, für den Organismus stark belastenden Nacken-OP, er musste nach Angaben seiner Frau mehrfach zurück ins Krankenhaus.

Weitere legendäre WWE-Stars im Überblick

Neben Hulk Hogan gibt es zahlreiche weitere Wrestler, die die WWE-Geschichte geprägt haben und auch im höheren Alter noch aktiv waren oder unvergessen bleiben:

  • Bill Goldberg: Ist der einzige Wrestler dieser Auflistung, der noch in der WWE aktiv ist. Seinen bisher letzten Kampf bestritt er im Alter von 54 Jahren beim diesjährigen Royal Rumble gegen Drew McIntyre.
  • The Undertaker: Der Rücktritt des Undertakers 2020 war für viele wohl der emotionalste Moment des vergangenen Wrestling-Jahres.
  • Sting: Nachdem er bei der Survivor Series 2014 erstmals in der WWE debütierte, fehdete er unter anderem gegen Triple H und Seth Rollins. Sein vorerst letztes WWE-Match bestritt Sting mit 56 Jahren bei Night of Champions gegen Rollins.
  • Ric Flair: Im März 2008 durften 75.000 Wrestling-Fan das Ende einer ganz besonderen WWE-Karriere verfolgen. Der „Nature Boy“ Ric Flair trat zu einem Kampf gegen Shawn Michaels an, mit der Bedingung, bei einer Niederlage seine Karriere zu beenden.
  • Terry Funk: Nach einer langen Karriere mit vielen Stationen kehrte Funk 2006 zur WWE zurück. Sein letztes Match dort bestritt er im Alter von 62 Jahren.
  • Mae Young: Trotz ihres sehr hohen Alters war Mae Young sich nie zu schade, Aktionen anderer Wrestler einzustecken. Im November 2012 bestritt sie bei einer „Old school“ Ausgabe von RAW ihren letzten Kampf.

Die 15 legendärsten Wrestling-Stars aller Zeiten

Viele der besten Showkämpfer erlangten im Laufe der Zeit Kultstatus. Höchste Zeit, die Top 15 der größten Wrestler aller Zeiten zu küren.

  1. The Undertaker
  2. Hulk Hogan
  3. The Rock
  4. Bret "The Hitman" Hart
  5. "The Nature Boy" Ric Flair
  6. "Stone Cold" Steve Austin
  7. "Macho Man" Randy Savage
  8. The Ultimate Warrior
  9. John Cena
  10. André the Giant
  11. Triple H
  12. "The Heartbreak Kid" Shawn Michaels
  13. Bill Goldberg
  14. Sting
  15. Mick Foley aka Mankind aka Cactus Jack aka Dude Love

Diese Stars haben das Wrestling-Geschäft maßgeblich geprägt und werden auch in Zukunft unvergessen bleiben.

Der tragische Fall von Scott Hall alias Razor Ramon

Die Rolle, mit der die Wrestling-Karriere des Zwei-Meter-Manns Hall explodierte. Die Rolle, die den Mythos begründete, um den nach Halls Tod heute vor drei Jahren Millionen Wrestling-Fans trauerten. Die tragische Ironie dabei: Halls Leben war tatsächlich geprägt von einem tödlichen Gewaltakt, der aus einem Gangsterfilm hätte stammen können - und auch ein Schlüssel für das Verständnis seines dramatischen Absturzes gewesen sein dürfte.

Hall erschoss 1983 einen Menschen. Es geschah am 15. Januar 1983 in Orlando, Florida, in die es den jungen Hall zu diesem Zeitpunkt verschlagen hatte. Hall wurde verhaftet und wegen Totschlags angeklagt, aber nicht verurteilt: Es fand sich nichts, was Halls Darstellung, in Notwehr gehandelt zu haben, widerlegt hätte.

Die traumatische und von WWE nie erwähnte Lebensepisode war und ist vielen Fans unbekannt, sie erfuhr erst 2011, viele Jahre nach Halls Karriere-Höhepunkt durch eine Doku von ESPN größere Öffentlichkeit. Im Nachhinein führte Hall viel von dem, was seine Ringlaufbahn überschattete, auf das Erlebnis zurück - und darauf, dass er sich damals keine psychologische Hilfe suchte, es zu verarbeiten.

Die im Jahr nach dem Vorfall begonnene Wrestling-Karriere war anscheinend von Beginn an ein ewiges persönliches Dilemma für Soldatensohn Hall, der am 20. Oktober 1958 in St. In Japan traf Hall auf einen gewissen Punisher Dice Morgan, aus dem später der Undertaker werden sollte. Bei seinem ersten Engagement bei WCW begegnete er auch schon seinem berühmtesten Weggefährten Kevin „Diesel“ Nash, damals dort als Vinnie Vegas unterwegs.

Halls erster Tag-Team-Partner „Starship Eagle“ alias Dan Spivey wurde bei WWE später zu Waylon Mercy, dem Vorbild von Bray Wyatt. Altersgenosse Curt Hennig, mit dem er danach bei der AWA gepaart wurde, wurde als Mr. Perfect zur Legende - 2003 verstarb er ebenfalls früh.

Die Legende Verne Gagne, die die AWA damals führte, hatte die Hoffnung, Hall mit dem erfahreneren Hennig als Mentor zu einem Star wie Hulk Hogan aufzubauen, den Gagne kurz zuvor an die WWF verloren hatte. Es klappte nicht, Halls Karriere stockte lange, erst der Razor-Ramon-Charakter änderte alles.

Ab 1992 der Durchbruch als Razor Ramon. Razor schlug sofort ein, wurde im Ring auf Augenhöhe mit den Topstars „Macho Man“ Randy Savage, Ric Flair und Bret „The Hitman“ Hart präsentiert. Der charismatische Razor war bald so populär, dass er zum Publikumsliebling gemacht wurde - über den Umweg seiner als blamabel inszenierten Niederlage gegen den damals als No-Name debütierenden 1-2-3 Kid (Sean Waltman).

Es folgten die goldenen Karriere-Jahre mit der wegweisenden Fehde gegen Shawn Michaels, gekrönt von den beiden Leitermatches bei WrestleMania X und SummerSlam 1995 - und danach dem Wechsel zu WCW und der noch bedeutsameren Gründung der nWo (New World Order) mit Nash und dem zum Bösewicht mutierenden „Hollywood“ Hogan.