Die Bedingungen, unter denen professionelle Wrestler arbeiten, hat CM Punk, bürgerlich Phil Brooks, vor einigen Jahren überaus deutlich beschrieben. Der ehemalige Wrestler, der acht Jahre lang für den Beinahemonopolisten WWE (World Wrestling Entertainment) in den Ring stieg, zog sich 2014 freiwillig aus dem Sport zurück; als Grund nannte er vor allem den brutalen Umgang mit der Gesundheit der Sportler.
Die vorzeitigen Todesfälle unter Wrestlern waren jüngst wieder ein Thema in der Öffentlichkeit, diesmal in der US-amerikanischen Satiresendung »Last Week Tonight« mit John Oliver, die auf umfangreiches Material zurückgreifen konnte.
Die Arbeitsbedingungen und ihre Folgen
Wrestler und Wrestlerinnen müssen bei ihrer Organisation offenbar unterschreiben, für niemand anderes zu kämpfen, und befinden sich faktisch im Besitz mächtiger Unternehmen, zumeist der WWE, sind aber trotzdem nicht fest angestellt. Auf dem Papier sind sie Freiberufler und damit ohne Ansprüche und Mitbestimmungsrechte. Es gibt für die Kämpfer weder eine Sommerpause noch eine automatische Gesundheitsversicherung oder eine Rente; sie müssen dort antreten, wohin der Boss sie schickt. In einer Welt ohne Gewerkschaft und externe Kontrollen sind sie dem Unternehmen schutzlos ausgeliefert.
Beim Wrestling zählt bekanntlich nicht die sportliche Leistung allein. In einer Branche, die sich zwischen Show, Schauspiel und Sport bewegt, ist nicht nur für Außenstehende schwer nachvollziehbar, warum der eine Wrestler zum Champion auserkoren, der andere abgeschrieben wird. Ohne objektive Leistungskriterien ist jeder ersetzbar, und Ersatz ist in der Millionenbranche schnell gefunden.
In einem Theatersport wie Wrestling, in dem man noch mit 60 Jahren in den Ring steigen kann, ist der Zeitpunkt des Ausstiegs nicht so klar vorgegeben.
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Statistiken und Ursachen für frühe Todesfälle
In einer Studie von 2014 wurden die Todesfälle männlicher US-amerikanischer Profi-Wrestler zwischen 1985 und 2011 mit Sterbealter und Todesursachen der durchschnittlichen männlichen Bevölkerung abgeglichen. Dabei bestätigten die Forscher nicht nur das frühe Sterben der Sportler - 16 Prozent der Verstorbenen wurden keine 50 Jahre alt -, sondern verwiesen auch auf die Hauptursache: 38 Prozent der Tode wurden durch Herzprobleme verursacht. Insgesamt, so stellten die Wissenschaftler fest, hätten Wrestler eine 15 Mal höhere Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Außerdem stürben sie um ein Vielfaches öfter an Drogenüberdosis oder Suizid als die Männer der Vergleichsgruppe.
Die gestählten Muskelberge im Wrestling entstehen zumeist nicht auf natürlichem Weg. In den achtziger Jahren wurden Anabolika eingesetzt; mit den Jahren bemühte sich die WWE zwar, diese und andere illegale Mittel durch Dopingkontrollen einzudämmen, kümmerte sich aber nicht um die Ursachen, nämlich das Idealbild des Wrestlers und die oft chronischen Schmerzen, die diese Art von Profi-Wrestling verursacht. Die Profis fanden Auswege: Muskelwachstum durch raffiniertere Mittel, Schmerz lindern durch legale Schmerztabletten und Alkohol.
Es bleibt die offensichtliche Frage: Warum tun Wrestler ihren Körpern das an? Ähnlich wie Boxen oder Football ist Wrestling ein sehr physischen Sport; die Möglichkeit, nur mit körperlichen Fähigkeiten Karriere zu machen, hat Menschen, denen der Zugang zu höherer Bildung häufig verwehrt war, immer angezogen. Ihre Körper sind Statussymbol und auszubeutende Arbeitskraft zugleich.
Die großen Gewinne aber fließen an Veranstalter wie Vince McMahon. Seine Frau Linda McMahon trat mehrfach für die Republikaner an und finanzierte die Wahlkampagnen aus dem üppigen Privatvermögen der Familie. 2017 wurde sie von Donald Trump als Leiterin der Small Business Administration eingesetzt.
Das derzeitige Programm der WWE hat die Fürsorge ausgeweitet, nach Angaben des Unternehmens gibt es mittlerweile bezahlten Urlaub, Lebensversicherungen, freie Tage im Krankheitsfall und eine Versicherung für den Fall einer Behinderung.
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Tragödien im Ring: Owen Hart und Mitsuharu Misawa
Der Wrestling-Star Owen Hart starb 1999 unter dramatischen Umständen bei einem missglückten Stunt. Am 23. Mai 1999 verlor Owen Hart bei einer WWE-Show sein Leben. Er wurde nur 34 Jahre alt. Beim Event „Over The Edge“ sollte Owen Hart - Bruder des legendären Bret „The Hitman“ Hart - in einem Superheldenkostüm von der Hallendecke abgeseilt werden. Dies wurde in den Wochen zuvor mehrere Male getestet. Erfolgreich. Nicht so an diesem Abend. Als Hart unter der Hallendecke hing, löste sich sein Sicherheits-Geschirr und er knallte in den Ring - aus 24 Metern Höhe. Für die Fans in der Arena war der Unfall jedoch kaum zu sehen, da zu diesem Zeitpunkt das Licht ausgeschaltet war. Als es wieder hell wurde, lag Owen bereits im Ring. Sofort rannten die Ärzte zu dem Wrestler, um sein Leben zu retten. Doch sie konnten nichts mehr für Hart tun.
Mitsuharu Misawa war einer der größten, besten und populärsten Showkämpfer aller Zeiten, ein Mythos - mit dem es heute vor 13 Jahren ein grausames Ende nahm: Bei einem Kampf seiner Liga Pro Wrestling NOAH wurde er am 13. Juni 2009 bei einer missglückten Aktion faktisch innerlich enthauptet. Es war das tragische Ende einer großen Karriere - die auch deshalb in der Katastrophe endete, weil er nicht den richtigen Moment fand, ihr selbst ein Ende zu setzen.
Misawa lieferte die Blaupause für das dramatische Finale des Films, in dem Rourke als alternder und gesundheitlich kaputter Star der Vergangenheit nicht loskommt vom Ring und in einem letzten großen Kampf mutmaßlich in den Tod springt. Wenige Monate, nachdem der Film in die Kinos kam, endete Misawas Leben genauso schicksalhaft: Bei einem Tag-Team-Match in Hiroshima landete er bei einem Suplex seines Gegners Akitoshi Saito auf dem Kopf und starb an den Folgen des Unfalls, fünf Tage vor seinem 47.
Der Fall Eddie Guerrero
Nun blutet denselben Fans das Herz, wenn sie zurückdenken an den Moment, in dem Eddie Guerrero im Hauptkampf der Veranstaltung No Way Out 2004 Brock Lesnar besiegte und WWE-Champion wurde. Denn keine zwei Jahre später starb der Publikumsliebling, der als einer der besten Showkämpfer aller Zeiten galt mit nur 38 Jahren. Guerrero wurde am 13. November 2005 von seinem Neffen und Kämpfer-Kollegen Chavo Guerrero (Jr.) leblos in einem Hotelbadezimmer aufgefunden. Todesursache war eine nicht diagnostizierte Herzkrankheit, die durch jahrelangen Raubbau am eigenen Körper verschlimmert worden war.
Guerrero wird nicht nur wegen seiner Leistungen vor der Kamera schmerzlich vermisst: Er wurde als äußerst herzliche und fürsorgliche Person beschrieben, der in einem von vielen Egoismen geprägten Gewerbe keinen einzigen Feind hatte - außer sich selbst, zu bestimmten Zeiten. Zu Guerreros Geschichte gehörten auch jahrelange Drogenprobleme, die ihn zwischenzeitlich seinen Job bei WWE gekostet hatten. Nach seiner Entlassung 2001 bekam er sein Leben auf die Reihe, kehrte zurück und wurde erfolgreicher als je zuvor.
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Sports Illustrated enthüllte nach seinem Tod zudem, dass Guerrero noch 2005 Steroide und andere Medikamente zum künstlichen Muskelaufbau erworben hatte.
WWE zog Konsequenzen aus Guerreros Todesumständen, die Promotion führte die so genannte "Wellness Policy" ein, die sowohl die (Wieder-)Einführung von Anti-Dopingtests beinhaltete als auch einen massiven Ausbau der medizinischen Diagnostik und Versorgung ihrer Kämpfer. Auch ist es heute üblich geworden, verdienten Stars ab Mitte 30 einen erleichterten Tourplan und mehr Ruhezeit zu gewähren.
Hulk Hogan: Ein tragisches Ende einer Wrestling-Legende
Der frühere Profi-Wrestler Hulk Hogan ist in der vergangenen Woche an einem Herzinfarkt gestorben. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Gerichtsmedizin im US-Bundesstaat Florida hervor. Demzufolge litt Hogan, der mit bürgerlichem Namen Terry Bollea hieß, zuvor an Leukämie sowie an Vorhofflimmern, einer Form der Herzrhythmusstörung.
Der 71-Jährige wurde am Morgen des 24. Juli in ein Krankenhaus in Clearwater, Florida gebracht, nachdem Rettungskräfte wegen eines Herz-Kreislauf-Stillstands zu seinem Wohnhaus gerufen worden waren. Hogan galt als einer der größten Stars in der Geschichte der WWE. Bekannt für seine charismatische Ausstrahlung und seine Auftritte im Ring, war er die Hauptattraktion der ersten WrestleMania im Jahr 1985.
Tabelle: Todesursachen und Alter bekannter Wrestler
| Name | Todesursache | Alter |
|---|---|---|
| Lance Cade | Herzversagen durch Missbrauch von Schmerzmitteln | 29 |
| Eddie Guerrero | Nicht diagnostizierte Herzkrankheit | 38 |
| Yokozuna | Herzinfarkt | 34 |
| British Bulldog | Herzinfarkt | 39 |
| Ultimate Warrior | Herzinfarkt | 54 |
| Rick Rude | Herzinfarkt | 40 |
| Macho Man | Herzinfarkt | 58 |
| Roddy Piper | Herzinfarkt | 61 |
| Owen Hart | Sturz bei einem missglückten Stunt | 34 |
| Mitsuharu Misawa | Innere Enthauptung bei missglückter Aktion | 47 |
| Hulk Hogan | Herzinfarkt | 71 |
