Die Welt des Wrestlings ist bekannt für ihre schillernden Charaktere, spannenden Storylines und die Fähigkeit, Fans in ihren Bann zu ziehen. Nicht wenige Wrestler nutzen sogenannte Gimmicks, schlüpfen also quasi in eine Rolle, um ihre Darbietung zu perfektionieren. Manche Gimmicks waren so aufgebaut, dass sie tierische Begleiter hatten, die mit ihnen zum Ring kamen und teilweise sogar in den Abläufen der Matches eine nicht unerhebliche Rolle spielten.
Jake „The Snake“ Roberts und seine Schlangen
Jake „The Snake“ Roberts ist nicht der Name einer echten Schlange, sondern der Spitzname von Jake Roberts, einem der talentiertesten Wrestler aller Zeiten und WWE Hall of Famer. Er war für seine hohe Ring-Intelligenz und wrestlerischen Fähigkeiten sowie charismatischen Promos weltbekannt.
Während seiner WWE-Runs arbeitete er mit verschiedenen Schlangen, die er in Promos und während Matches nutzte, um seinen Gegnern Angst zu machen. Die bekanntesten von Jake Roberts Schlangen trugen die Namen "Damien" und "Revelations". Beide Schlangen waren beeindruckende und schöne Tiere mit wiederkehrenden Auftritten in den Wrestling-Shows, sodass sie mit der Zeit einen Kult-Status erhielten.
Viele ehemalige WWE-Superstars haben nach dem Ende ihrer Karriere Geschichten über ihre Erfahrungen mit den Schlangen im Ring preisgegeben.
Die dunkle Seite der Schlange
Die wahrhaft dämonische Geschichte allerdings ist die von Jake Roberts' wirklichem Leben. Die TV-Doku "Dark Side of the Ring" des US-Senders Vice hat die beklemmende Story der Familie des Mannes ausgeleuchtet, der in Wahrheit Aurelian Smith Jr. heißt und abseits der Kamera immer wieder Schlagzeilen mit seiner jahrelangen Alkohol- und Drogensucht schrieb.
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Als wesentlichen Grund dafür gab er seinen familiären Hintergrund als Sohn des 2010 verstorbenen Aurelian Smith Sr. an, in der Wrestling-Welt bekannt als Grizzly Smith.
Roberts und andere Familienmitglieder stellen ihn als bösartigen Haustyrannen und als pädophilen Gewalttäter dar, der auch seine eigene, selbst früher bei WWE aktive Tochter sexuell missbraucht hätte.
Roberts' Halbschwester Robin - bei WWE Ende der Achtziger Damenchampion als Rockin' Robin - berichtet, dass ihr Vater sie zwischen ihrem 8. und 14. Lebensjahr sexuell missbraucht hätte. Auch andere Minderjährige, die er auf seinen Touren als Wrestler kennengelernt hätte, seien Opfer Smiths geworden.
Jake Roberts kam vor etwa zehn Jahren von Alkohol und Drogen los, nachdem er lange als rettungslos verloren an seine "Dämonen" galt. Ihm half die Lebensberatung des zum Yoga-Guru gewordenen Ex-Wrestlers Diamond Dallas Page.
Weitere tierische Begleiter im Wrestling
Neben Jake „The Snake“ Roberts gab es weitere Wrestler, die Tiere als Teil ihres Gimmicks einsetzten:
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- The British Bulldogs: Das Tag Team wurde durch die Bulldoggen-Dame Matilda ergänzt, die gelegentlich dazu eingesetzt wurde, auch in Matches für Ablenkung zu sorgen. Ein Höhepunkt von Matildas WWE-Karriere bestand in ihrer Entführung.
- Koko B. Ware: Der Wrestler kam mit einem wundervollen Ara zum Ring, den er bei seinem Entrance meistens auf seinem Arm absetzte und dabei selbst gerne Flugbewegungen imitierte.
- Torrie Wilson: Sie kam in ihrer Zeit in der WWE mit ihren Hunden zum Ring.
- Der Boogeyman: Er stellte eine Art Schamane dar und verspeiste liebend gerne (anfänglich echte) Regenwürmer.
Das tragische Leben hinter dem Gimmick
Die Geschichte von Jake Roberts zeigt, dass hinter den schillernden Charakteren und spannenden Storylines oft auch dunkle Realitäten verborgen liegen. Roberts' Kindheit war geprägt von Missbrauch und Gewalt, was ihn zu Alkohol- und Drogenmissbrauch trieb. Seine Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Traumata und persönliche Dämonen das Leben von Wrestlern beeinflussen können.
Randy Savage und Jake "The Snake" Roberts
Einmal wurde Randy Savage gar vor laufender Kamera von einer Schlange gebissen.
Die Rolle der Schlange in der Kultur
Die Schlange ist ein vielschichtiges Symbol, das in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen hat. In der Bildungsforschung wird beobachtet, dass Schlangen bei Grundschulkindern Ängste erzeugen können. In der Theologie des Mittelalters erscheint die Schlange als drohende Verführung, vor der man auch bildlich gewarnt wird. In der Medienpädagogik taucht sie als Accessoire des Wrestlers „Jake the Snake“ auf.
Wie wir Schlangen begegnen, kommt wohl auf unseren Standpunkt an: „Würde ein Mensch unseres Kulturkreises in seinem Garten plötzlich von einer Schlange angezischt, wäre der erste Impuls wegzurennen oder die Schlange zu töten, weil die meisten Menschen lernen: Schlange - böse! […] Wäre diese Person jedoch ein Herpetologe (Reptilienkundler), so wäre er [oder sie] wahrscheinlich hoch erfreut […] Die gleiche Schlange, also der gleiche Reiz - jedoch völlig unterschiedliche Reaktionen. Unsere Reaktionen auf Umweltreize werden durch die Wahrnehmungen gesteuert, doch nicht alle unsere erlernten Wahrnehmungen sind zutreffend. Nicht alle Schlangen sind gefährlich!“
Die Abwesenheit von Tieren im modernen Wrestling
Wenn man mal von Handpuppen absieht, sieht man heute in den WWE-Shows im Grunde genommen keine Tiere mehr. Dies hat verschiedene Gründe. In den 80er und 90er Jahren war das Thema Tierschutz natürlich schon vorhanden, doch der Einsatz von Tieren in den Shows galt als niedlich oder teilweise auch bedrohlich.
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Die Verwendung von Tieren im Wrestling ist ein komplexes Thema, das sowohl faszinierend als auch problematisch ist. Während Tiere als Gimmicks die Aufmerksamkeit der Fans auf sich ziehen und zur Unterhaltung beitragen können, dürfen die ethischen Aspekte und das Wohl der Tiere nicht außer Acht gelassen werden.
