Immer wieder wird die Frage gestellt: Können Menschen mit Behinderungen Kampfsport betreiben oder eine traditionelle Kampfkunst erlernen? Die Antwort lautet ganz klar: Ja! Auch Menschen mit Behinderungen können im Kampfsport beziehungsweise in der Kampfkunst erfolgreich sein. Nicht Stil oder Technik stehen im Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seinen Fähigkeiten.
In der Frankfurter Kampfsportschule MMA Spirit absolvieren Menschen mit Behinderungen ein unentgeltliches Training. Der Sport ist dabei aber nicht die größte Herausforderung.
Anpassung und Bereicherung im Kampfsport
In der Regel werden Techniken, die nicht möglich sind, durch andere Techniken ersetzt. Immer mehr Sportler*innen sehen darin nicht eine Aufweichung ihres Stils, sondern eher eine Bereicherung.
Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung
Wo ist nun der Unterschied zwischen Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung?
- Kampfkunst: Wichtig ist das Erlernen der Kunst, weder Wettkampf noch Selbstverteidigung sind relevant. Die Kampfkunst steht für sich selbst.
- Selbstverteidigung: Hier geht es um das Erlernen von praktischen Techniken zu Verteidigung von Leib und Leben im Falle eines Übergriffes.
- Kampfsport: Kampfkunst beziehungsweise Kampfsport führt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Seelisches und körperliches Wohlbefinden sind das Ergebnis. Darüber hinaus kommt auch der Selbstverteidigungsgedanke zum Tragen. Aber auch wettkampfsportlich kann man sich engagieren.
Diverse Verbände bieten inzwischen Wettkämpfe für Menschen mit Behinderung an.
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Formen (Kata)
Der Wettkämpfer oder die Wettkämpferin führt einen „Schattenkampf“ gegen mehrere imaginäre Gegner*innen vor. Die Abwehr- oder Kontertechniken werden durch die angenommenen gegnerischen Angriffe bestimmt. Im Karate gibt es zum Beispiel „Katas“, die speziell für Rollstuhlfahrer*innen entwickelt wurden.
Erfahrungsberichte und Beispiele
Im Alltag nutzt er schon mal den Rollstuhl, in seiner Freizeit betreibt Silvio Pérez Pérez Kampfsport. Geschont werden will er auf der Matte nicht. "Tu mir den Gefallen und halt dich nicht zurück", hat er am Anfang zu seinem Trainingspartner gesagt. Eine Geschichte über Stärke und den dringenden Wunsch, "normal" zu sein.
Bei einer zerebralen Tetraparese sind die Muskeln nach einer Schädigung des Gehirns dauerhaft verkrampft. Silvio Pérez Pérez kann dadurch die Arme und Beine nur eingeschränkt bewegen und nimmt bei weiten Strecken den Rollstuhl zu Hilfe.
Herausforderungen und Widerstandsfähigkeit
Menschen mit Behinderung kämpfen nicht nur mit ihren Körpern, sondern zuweilen auch gegen ihre Umwelt. Natürlich wurde ich in meiner Kindheit gehänselt, ausgelacht, geschubst und als letzter in Mannschaften gewählt, konnte vieles nicht mitmachen. Zu behaupten, das hätte keine Spuren hinterlassen, wäre glatt gelogen.
Letztens bin ich über eine Formulierung gestolpert, die lautete man müsse „Die Krücke zum Zepter machen“. Ich finde, darum geht es. Eben darum, die eigene Behinderung zu akzeptieren, aber zugleich niemals aufzuhören, nach den eigenen Stärken zu suchen und sie zu fördern.
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Allen Jungs und Mädels, allen Menschen mit Behinderung sei gesagt: Lasst Euch von nichts und niemandem aufhalten!
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