Fallon Fox MMA Kontroverse: Transgender-Athleten im Sport

Paris - Gute Nachrichten für alle Frauenschläger, denn sie können ihr Hobby demnächst zum Beruf machen!

Die Kontroverse um die Teilnahme von Transgender-Athleten im Sport ist ein viel diskutiertes Thema, das Fragen der Fairness, Inklusion und der Auswirkungen von Hormonen auf die sportliche Leistung aufwirft.

Fallon Fox und der Beginn der Debatte

Fallon Fox sorgte bereits im Jahr 2013 für Aufsehen. Er hatte sich damals als Frau ausgegeben und seine Transidentität unter dem Deckmantel “nicht-anzugebender Gesundheitszustand” verschwiegen und klatschte sich daraufhin 6 Kämpfe lang durch die UFC bis er Ende 2014 auf Tamikka Brents traf.

Seit Fallon Fox im Jahr 2014 Tamikka Brents besiegt hatte und einen transphoben Shitstorm über sich ergehen lassen musste, hatte es keinen Profikampf mehr mit einer transgeschlechtlichen Frau gegeben.

Die 38-jährige MMA-Kämpferin Alana McLaughlin ist die zweite transgeschlechtliche Frau, die in dem populären Kampfsport auf Profiniveau kämpft.

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Auch nach McLaughlins Kampf gab es einen transfeindlichen Aufruhr bei MMA-Fans und Kommentator*innen.

Darüber, inwiefern transgeschlechtliche Sportler*innen Vorteile gegenüber Cis-Frauen haben könnten, gibt es seit Langem eine öffentliche Kontroverse.

In einem kurzen Statement wies McLaughlin unter anderem darauf hin, dass ihre Gegnerin die erste Runde nach Punkten sogar gewonnen hätte.

Erst in der zweiten von drei Runden hatte McLaughlin den Kampf durch den Aufgabegriff drehen können.

Sportlich und technisch war der Kampf allerdings nicht besonders sehenswert.

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McLaughlin hatte zur Wettkampffreigabe zunächst medizinische Tests bestehen müssen, bei denen unter anderem der Hormonstatus erfasst wird.

Die Olympischen Spiele und Transgender-Athleten

Bis 2003 durften Transgender-Athleten noch nicht einmal an den Spielen teilnehmen.

Damals hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Versammlung in Stockholm einberufen, um sich mit der zunehmenden Diskussion um transsexuelle Athleten zu beschäftigen.

Das Ergebnis dieses Treffens war der sogenannte „Stockholm Consensus on Sex Reassignment in Sports”-Richtlinien, die zum allerersten Mal die Rahmenbedingungen für die Teilnahme von transsexuellen Sportlern an den Olympischen Spielen vorgaben.

Diese Richtlinien wären allerdings nach heutigen Standards nicht nur restriktiv, sondern auch diskriminierend, weil sie nicht nur einen Nachweise verlangten, dass mindestens zwei Jahre vor dem Wettbewerb mit einer Hormonersatztherapie begonnen wurde, sondern zusätzlich auch die gesetzliche Anerkennung des neuen Geschlechts sowie eine geschlechtsangleichende Operation voraussetzten.

Im November 2015 nahmen Vertreter des IOC und medizinische Experten mit Fachkenntnissen in Genetik, Sportwissenschaften, Gynäkologie und Transgendergesundheit an einem erneuten Treffen des IOC teil.

Ergebnis dieses Treffens war, dass die Teilnahmebedingungen für trans- und intersexuelle Athleten für die aktuellen Olympischen Spiele in Rio de Janeiro erneut reduziert wurden.

Die neuen Richtlinien ermöglichen es transgender Männern und Frauen nun, bei internationalen Sportwettkämpfen wie den Olympischen Spiele teilzunehmen und zwar mit so wenigen Beschränkungen wie niemals zuvor.

Transfrauen dürfen nach 12 Monaten Hormonersatztherapie und einem bestandenen Hormontest bei Wettkämpfen antreten.

Für Transmänner gibt es derweil überhaupt keine Beschränkungen mehr.

Dank der Aufhebung zahlreicher IOC-Beschränkungen nehmen in diesem Jahr mehr trans- und intersexuelle Athleten an den Olympischen Spielen teil als jemals zuvor.

Bei einem IOC-Treffen im Mai hieß es, dass in diesem Jahr zwei Transfrauen als Athletinnen bei den Spielen in Rio antreten werden.

Berichten zufolge wollten sich die Athletinnen ursprünglich schon vor Beginn der Spiele outen, bisher sind die beiden aber nach wie vor anonym geblieben.

Das Vorurteil, transsexuelle Athleten hätten einen unfairen Vorteil gegenüber ihren Mitstreitern, ist vielleicht auch mit ein Grund dafür, dass Caitlyn Jenner noch immer das bekannteste Gesicht transsexueller Sportler ist-obwohl sie noch als Mann gelebt hat, als sie 1976 bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Zehnkampf gewonnen hat.

Doch nach und nach tauchen immer mehr Stimmen auf, die versuchen, eine Veränderung zu bewirken.

Chris Mosier aus dem amerikanischen Team ist ein internationaler bekannter Duathlon-Sportler-eine Sportart, die aus den Einzeldisziplinen Laufen und Radfahren besteht, aber derzeit noch nicht zu den olympische Disziplinen zählt-und der erste geoutete Transmann, der es in den USA in ein nationales Team geschafft hat.

Im Interview mit Broadly spricht Mosier über die Risiken, die transsexuelle Athleten vor einem Comingout zu bedenken haben.

„Transsexuelle werden grundsätzlich häufiger Opfer von Diskriminierung und Gewalt.

An vielen Orten dieser Welt ist es äußerst gefährlich, sich als transsexuell zu outen”, sagt er.

Obwohl Mosier die Wahl gehabt hätte, bei professionellen Wettbewerben anzutreten, ohne sich als Transgender zu outen, hat er sich dafür entschieden, seine Geschichte öffentlich zu machen und sich aktiv für transsexuelle Athleten einzusetzen.

Es gibt einen essentiellen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Das Risiko für transsexuelle Athleten ist unglaublich hoch.

Wenn sie bei Wettbewerben antreten wollen, sagt Mosier, geht es oft darum „ob sie von den Teammitgliedern und Trainern akzeptiert werden, ob sie überhaupt die Möglichkeit haben teilzunehmen oder ob es die Regeln des jeweiligen Sports gar nicht zulassen und natürlich geht es auch um das Geld von Sponsoren und die Kritik, der sie ausgesetzt sind, weil sie die Ersten sind.”

Mit „die Ersten” meint Mosier, dass transsexuelle Athleten bisher kaum sichtbar waren und es immer an Mitteln und Vorbildern gefehlt hat.

Die politische Bewegung für die Gleichberechtigung von Transgender hat in den letzten Jahre aber große Fortschritte gemacht-die erneuerten Richtlinien des IOC mit eingeschlossen.

Chloe ist eine Sportstipendiatin Mitte zwanzig und ebenfalls transsexuell.

Im Gespräch mit Broadly erklärt sie, dass sie-obwohl sie sich irgendwann auch gerne für die Olympischen Spiele qualifizieren würde-Angst hat, dass sie es niemals so weit schaffen wird, weil transsexuellen Menschen im Sport unzählige Steine in den Weg gelegt werden.

Chloe hatte in der Vergangenheit nicht nur mit den mühsamen und anstrengenden Folgen der Geschlechtsumwandlung zu kämpfen, sondern wurde, genau wie Mosier, häufig diskriminiert.

„Als ich mich für das Universitätsteam beworben habe, musste ich oft Erfahrungen mit Diskriminierung machen”, sagt sie.

Das IOC ist eine nichtsstaatliche Organisation, die sich selbst als „Hauptverantwortlichen für die Olympischen Spiele” bezeichnet.

Dass von transsexuellen Athleten keine geschlechtsangleichende Operation mehr gefordert wird, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich diese Werte, was die Anliegen Transsexueller angeht, endlich in die richtige Richtung bewegen.

Nach dem ersten Treffen des IOC im Jahr 2003, bei dem es um die Teilnahme von transsexuellen Athleten bei professionellen Wettkämpfen ging, durften transsexuelle Athleten von 2003 bis 2016 nur dann ohne Einschränkungen an Wettkämpfen teilnehmen, wenn sie bereits vor der Pubertät entsprechende geschlechtsangleichende Behandlungen vornehmen ließen.

Wenn ein transsexueller Sportler an einem Wettkampf teilnehmen wollte, aber bereits in der Pubertät war, musste er eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen lassen und nachweisen können, dass er eine hormonelle und gesetzliche Geschlechtsanpassung hinter sich hatte.

Chloe ist der Meinung, dass die Vorschriften in Bezug auf die Hormonniveaus von transsexuellen Teilnehmern nachvollziehbar seien, ein chirurgischer Eingriff hingegen aber ganz offensichtlich nicht notwendig sei, sondern vielmehr auf kulturelle Phobien gegenüber den Körpern Transsexueller hindeute.

Schließlich ließen Genitalien keinen Hinweis auf die relative Sportlichkeit eines Menschen zu.

„Die Vorstellung, eine Frau sei keine Frau ohne die ‚weibliche Anatomie’ und ein Mann sei auch kein Mann ohne die ‚männliche Anatomie’, ist absolut lächerlich und setzt Transgender nur unnötigen Gefahren aus”, sagt Chloe.

Die neuen IOC-Richtlinien sehen für Transmänner, die als Athleten bei sportlichen Wettbewerben antreten wollen, überhaupt keine Beschränkungen mehr vor.

Die Beschränkungen für Transfrauen wurden derweil reduziert.

Die Sorge, Transfrauen würden nach ihrer Geschlechtsumwandlung einen gewissen sportlichen Vorteil gegenüber Cis-Frauen behalten, heizt das Thema aber immer wieder an, da sich die Diskussion immer wieder um die vermeintlich vorteilhaften Effekte von Testosteron dreht.

Entsprechend der neuen IOC-Richtlinien müssen Athleten, die an den Wettkämpfen der Frauen teilnehmen wollen, einen Testosteronspiegel unter 10 nmol/L haben und das mindestens 12 Monate lang.

(Laut einer Studie über weibliche Spitzensportlerinnen aus dem Jahr 2014 haben 99 Prozent der Sportlerinnen ein Testosteron-Niveau unter 3 nmol/L.