Fallon Fox Kontroverse: Transgender im Frauensport

Die Frage der Inklusion von Transgender- und Intersex-Personen im Spitzensport ist ein viel diskutiertes Thema. Gerade Trans und Inter sorgen in den Frauenriegen des Spitzensports immer wieder für hitzige Debatten.

Der Fall Imane Khelif bei den Olympischen Spielen 2024

Nur 46 Sekunden dauerte das Achtelfinal-Duell im olympischen Frauenboxwettbewerb in der Klasse bis 66 Kilo am 1. August 2024 zwischen Angela Carini (Italien) und Imane Khelif (Algerien). Dann gab Carini auf, um ihre Gesundheit zu schützen. Sie sagte, sie habe noch nie so harte Schläge bekommen. „Das ist gefährlich, was hier passiert. Ich will nicht für das Olympische Komitee urteilen und ich weiß, dass das Thema schwierig ist. Aber dieser Kampf war unfair“, sagte auch der Trainer der Italienerin, Emanuele Renzini laut der Welt.

Imane Khelif wurde 2023 bei der Weltmeisterschaft disqualifiziert - wegen zu hoher Testosteronwerte. Auf die Olympiateilnahme von Khelif hatte dies bemerkenswerterweise keine Auswirkungen. Offenbar weil der WM-Ausrichter, der Internationalen Box-Verband IBA, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht anerkannt wird.

Hierzu ist ausweislich der bisherigen Berichterstattung auch in internationalen Medien unklar, ob es sich bei Khelif um eine Transfrau oder um jemanden mit einer Variante aus dem Bereich der Intersexualität handelt. Das IOC kritisierte den medialen Umgang mit dem Fall und stellte schließlich klar, dass es nicht um Trans, sondern um Inter geht. Entsprechend empört fallen viele Reaktionen aus. Das feministische Magazin Emma kommentierte: „Olympia hat den ersten Skandal. Er ist ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen.“

Auch aus der Politik kamen Reaktionen, so zum Beispiel von Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni: „Ich stimme nicht mit dem IOC überein. Ich denke, Athletinnen mit männlichen genetischen Merkmalen sollten nicht an Frauen-Wettbewerben teilnehmen dürfen.“

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Reaktionen aus dem Sport

Die ehemalige deutsche Boxweltmeisterin Regina Halmich kommentierte auf Instagram: „Meine Meinung: das geht leider gar nicht. Ein Mann hat eine andere Genetik, mehr Muskulatur." Die weltbekannte Autorin J.K. Rowling schrieb, ebenfalls auf X: „Könnte ein Bild unsere neue Männerrechtsbewegung besser zusammenfassen? Sharron Davies, ehemalige britische Schwimmerin und Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen, schrieb auf X, dass es bei den Geschlechtstest vor allem um die Chromosomen gehe, der Testosteronspiegel sei als wichtiger Hinweisgeber zu verstehen.

Das IOC verteidigte hingegen seine Entscheidung, Imane Khelif und die zweite umstrittene Person, die taiwanesische Boxerin Lin Yu-ting, antreten zu lassen. Der Sprecher Mark Adams sagte laut Welt: „Es sind Menschen involviert, wir sprechen über das Leben von Menschen. Sie sind in Frauenwettbewerben angetreten, sie haben gegen Frauen gewonnen und sie haben gegen Frauen verloren über die Jahre.“ Und das, sowohl Khelif als auch Yu-ting grundsätzlich die Voraussetzungen für eine Zulassung erfüllen würden, da sie in ihren Pässen als „weiblich“ eingetragen seien.

Intersexualität und Testosteronspiegel

Bei Varianten von Intersexualität mit deutlich erhöhtem Testosteronspiegeln wird inzwischen verlangt, dass dieser medikamentös gesenkt wird, so geschehen bei der südafrikanischen Mittelstreckenläuferin Caster Semenya. Die Mittelstrecklerin verfügt eine genetische Anomalie - ihre Leistungen in Frauenwettbewerben sind grundsätzlich allen anderen stark überlegen, zugleich kann sie nicht mit Männern leichtathletisch konkurrieren, dafür reicht es allen Trainingsmühen zum Trotz nie. Ihre Versuche, gegen diese pharmakologische Auflage vorzugehen, waren bislang erfolglos.

Intersexualität als Herausforderung für Frauensportwettbewerbe ist kein neues Phänomen. Testosterongrenzwerte und andere Auflagen, wie zum Beispiel bis in die 1960er Jahre hinein Genitalinspektionen und Chromosomentests, wurden deshalb eingeführt.

Die Rolle von Fallon Fox

Im Boxen ist nicht nur die Fairness zu berücksichtigen, sondern auch ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Dies bestätigt der Fall um Fallon Fox. Fox, eine US-amerikanische Transfrau und ehemalige Mixed-Material-ArtKämpferin. 2014 trat sie in einem Kampf gegen ihre Landsfrau Tamikka Brents an. Brents verlor nicht nur, sondern erlitt auch noch eine Schädelfraktur.

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Regelungen anderer Sportverbände

Die Teilnahme von Transfrauen an Frauenwettbewerben bekam durch die Teilnahme von Lia Thomas an Schwimmwettbewerben im College-Bereich international Aufmerksamkeit. 2022 entschied der Welt-Schwimmverband FINA, dass nur noch in der Frauenkategorie startberechtigt ist, wer nie eine männliche Pubertät durchlaufen hat. Bei Transfrauen hieße dies, einen frühen Einsatz von Pubertätsblockern anzustreben. Auch andere Sportverbände zogen nach und regelten die Zugangsvoraussetzungen zu den Frauenwettkämpfen neu: Die Weltverbände für Leichtathletik, Rugby und Radsport haben vergleichbare Einschränkungen wie der Schwimmverband erlassen. Der Weltboxverband hat Transfrauen von Frauenwettkämpfen ganz ausgeschlossen.

Inklusion und biologische Faktoren

Der aktuelle Fall von den Olympischen Spielen in Paris zeigt: Inklusion hat Grenzen, und biologische Faktoren können bei Geschlecht weder wegdiskutiert noch kleingeredet werden. Dies fördert Frustration und Abwehr und trägt nicht zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Trans- und Interpersonen bei. Die Grenzen, die durch biologisch-körperliche Bedingungen auferlegt werden, können für Betroffene aus dem Trans- oder Interbereich persönlich eine Zumutung sein.

Die Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz

Am 30. Juni 2022 stellte die Regierung die „Eckpunkte“ eines sogenannten „Selbstbestimmungsgesetzes“ vor, am 1. Juli titelt die BILD-Zeitung „Jeder kann sich sein Geschlecht aussuchen“. Schon 14-Jährige sollen es dürfen - mit Zustimmung der Eltern. Wenn die Eltern Nein sagen, kann das Familiengericht dem Jugendlichen die Erlaubnis geben. Bei der Bundespressekonferenz hat der Bundesjustizminister betont, dass jeder die Freiheit haben müsse, so zu leben, wie er wolle. Wessen Selbstbestimmung wird hier geschützt? Und ist das wirklich so gut, wie alle behaupten?

Bedenken und Kritik

Manche sehen in der Queerbewegung eine Gefahr für den Frauenschutz. Eine Bewegung, die allen den gleichen Schutz verschaffen will, wirkt wie ein Fischzüchter, der Haie, Piranhas, Thunfische und Enten ins gleiche Becken setzt. Er verschafft den Haien und Piranhas eine leckere Mahlzeit auf Kosten der Thunfische und Enten. Genau denselben Effekt hat es, wenn man allen Menschen gestattet, nach ihrem Gusto den Geschlechtseintrag zu wählen.

Das deutsche Grundgesetz schreibt in Artikel 3 explizit vor, dass der Gesetzgeber auf die Beseitigung bestehender Ungleichheiten zwischen Mann und Frau hinwirken müsse. Die Frauenrechtskonvention CEDAW fordert dasselbe auf völkerrechtlicher Ebene. Wenn sich jeder Mann beim Standesamt zur Frau erklären kann - oder gar, wie von den Transorganisationen gefordert, der Geschlechtseintrag ganz abgeschafft wird -, werden Frauenförderung und Frauenbeauftragte überflüssig. Mit der Self-ID kann jeder Mann mit der Erklärung, er sei ab jetzt eine Frau, die Frauenförderung in Anspruch nehmen. Das Gleiche gilt für Frauen vorbehaltene Stellen in Behörden, Ministerien oder Organisationen. Unternehmen können gesetzlich vorgegebene Frauenquoten erfüllen, indem sie sich als Frauen identifizierende Männer dort hinsetzen.

Transgender-Athleten bei den Olympischen Spielen

Bis 2003 durften Transgender-Athleten noch nicht einmal an den Spielen teilnehmen. Damals hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Versammlung in Stockholm einberufen, um sich mit der zunehmenden Diskussion um transsexuelle Athleten zu beschäftigen. Das Ergebnis dieses Treffens war der sogenannte „Stockholm Consensus on Sex Reassignment in Sports”-Richtlinien, die zum allerersten Mal die Rahmenbedingungen für die Teilnahme von transsexuellen Sportlern an den Olympischen Spielen vorgaben.

Im November 2015 nahmen Vertreter des IOC und medizinische Experten mit Fachkenntnissen in Genetik, Sportwissenschaften, Gynäkologie und Transgendergesundheit an einem erneuten Treffen des IOC teil. Ergebnis dieses Treffens war, dass die Teilnahmebedingungen für trans- und intersexuelle Athleten für die aktuellen Olympischen Spiele in Rio de Janeiro erneut reduziert wurden. Die neuen Richtlinien ermöglichen es transgender Männern und Frauen nun, bei internationalen Sportwettkämpfen wie den Olympischen Spiele teilzunehmen und zwar mit so wenigen Beschränkungen wie niemals zuvor.

Transfrauen dürfen nach 12 Monaten Hormonersatztherapie und einem bestandenen Hormontest bei Wettkämpfen antreten. Für Transmänner gibt es derweil überhaupt keine Beschränkungen mehr.

Es existiert also eine gravierende Differenz zwischen der öffentlichen Meinung und der veröffentlichten Meinung - und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich das auf Social Media anders verhält.