Woher kommt Capoeira Ursprung

Capoeira ist eine afro-brasilianische Kunstform. Als Kulturerbe Brasiliens verschmelzen darin Kampfkunst, Musik und Tanz. Die Bühne der Capoeira ist die „Roda“ (portugiesisch: bedeutet Kreis). Aussen am Kreis wird Musik gemacht, geklatscht und gesungen, innerhalb des Kreises spielen zwei Capoeiristas - ein ritueller Kampf - mit Basis-Bewegungen, Tritten, Ausweichbewegungen, Finten und Akrobatik.

Wer heute eine Capoeira-Runde sieht, erlebt diese jahrhundertealte, typisch brasilianische Praxis, die Kampf, Tanz, Spiel, Musik vereint und seit 2014 von der Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt ist.

Die Wurzeln der Capoeira in der Sklaverei

Die Wurzeln der Capoeira gehen zurück bis in die Sklavenzeit Brasiliens. Im Herkunftsland Brasilien entwickelte sich Capoeira im Freiheitskampf der schwarzafrikanischen Sklaven während der Kolonialzeit. Sicher ist, dass mit der Kolonialisierung Brasiliens im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen eine neue Epoche in der Geschichte Brasiliens begann.

Die Portugiesen erkannten sofort den natürlichen Reichtum des Landes. Anfangs nutzten sie die Arbeitskraft der in Brasilien lebenden Indianer. Dies funktionierte nicht aufgrund der Eigenarten der Indios und ihrem Widerstand gegen die Zwangsarbeit. Sie starben in der Sklaverei oder flohen in noch freie Gebiete.

Die Kolonialherren suchten nach Lösungen und begannen mir der Versklavung freier afrikanischen Völker. Es begann ein Handel mit dem „schwarzen Mann“, der vom afrikanischen Kontinent in die neue Welt verschleppt wurde. Es war der Beginn einer großen Tragödie, die die brasilianische Gesellschaft brandmarkte.

Lesen Sie auch: Was Sie über 18 Karat Gold wissen sollten

Da ihnen von ihren Gutsherren jegliche Art der körperlichen Ertüchtigung verboten war, um Aufstände zu vermeiden, tarnten sie ihr Kampftraining als Tanz, begleitet von traditionellen Rhythmen und Gesängen. Capoeira stellte gleichzeitig eine geheime Waffe der Afro-Brasilianer dar, die als Tanz "verkleidet" und von Musik begleitet wurde. Viele Leute sehen daher Capoeira nur als Tanz an, andere als Kampfkunst und wieder andere als Religion oder gar kulturelle Identität.

Die genannten Körperkulturen wurden in die Sklavenunterkünfte gebracht, in denen sich versklavte Menschen aus anderen Regionen Afrikas sowie (wenn auch in geringerer Zahl) indigene Völker befanden. „Die Interaktion der Kulturen war unvermeidlich, und obwohl viele nicht die gleiche Sprache sprachen und nicht denselben Ursprung hatten, war der Traum von Freiheit derselbe. Der Wille zum Kampf für die Befreiung ermöglichte eine Vermischung der Körperkulturen, aus der die Capoeira hervorging”, erklärt Alleoni.

Capoeira in der Zeit hatte wohl wenig Ähnlichkeit mit der heute praktizierten Form. Wahrscheinlich wurde Capoeira von den Sklaven oft im kargen Buschland, das nach Brandrodungen des Waldes für spätere Pflanzungen wieder nachwuchs, praktiziert. Diese gerodeten Flächen wurden in der Sprache der Indios „capu era“ genannt.

Obwohl die Entfernungen damals auf dem Land riesig waren und es zwischen den Sklavengruppen kaum Möglichkeiten zum Informationsaustausch gab, entwickelte sich Capoeira langsam weiter. Dank dem Verkauf von Sklaven an andere Besitzer oder durch ihre Flucht wurde Capoeira immer bekannter. Dabei spielte auch der Sklavenmarkt eine wichtige Rolle.

Durch den zunehmenden Informationsaustausch ergaben sich neue Möglichkeiten für die Sklaven. Sie konnten sich besser über Fluchtmöglichkeiten und Routen zu den Quilombos informieren. Quilombos war die Bezeichnung für Ansiedlungen geflohener Sklaven, die meistens fernab von den portugiesischen Ländereien versteckt im Busch entstanden.

Lesen Sie auch: Woher stammt die Bezeichnung Karat?

Entwicklung und Verbreitung der Capoeira

Die Quilombos waren ein Schmelztiegel, in dem sich die Religionen, Kulturen und Traditionen der unterschiedlichen afrikanischen Völker gegenseitig und intensiv inspirierten. Die größten kulturellen Einflüsse kamen dabei von den Völkern der Nagô und der Bantus. Man vermutet daher, dass sich Capoeira in den Quilombo besonders schnell verbreiten konnte. Hier konnten Sklaven in relativer Freiheit ihre Kultur leben.

Nach der Befreiung aus der Sklaverei war Capoeira überall präsent auf Brasiliens Straßen. Anfangs noch verpönt, trat die besondere Mischung aus Kampf, Tanz, Gesang und Rhythmus Anfang der 80er Jahre ihren Siegeszug um die Welt an, gelangte auf diesem Umweg zurück nach Brasilien und wurde so zu guter Letzt auch dort in der Ober- und Mittelschicht salonfähig.

Die Einführung der Capoeira Regional durch Mestre Bimba (Manoel dos Reis Machado) war dann ein extrem bedeutsamer Schritt hin zur Legalisierung der Capoeira und zur Rettung seines Wertes. Capoeira löste sich von dem kriminellen Image und entwickelte sich hin zu einem bedeutenden kulturellen Erbe.

Zur gleichen Zeit war es Mestre Pastinha (Vicente Ferreira Pastinha), der mit der Capoeira Angola voranschritt, um damit auf die „Vermischung“ der Capoeira Regional zu reagieren und eine reine Capoeira Form zu bewahren. Im Jahre 1937 wurde die Capoeira gesetzlich zugelassen und entwickelte sich von diesem Zeitpunkt in ganz Brasilien rasant weiter.

Es begann ein sozio-kultureller Aufstieg und die Capoeira betrat als kulturelle Ausdrucksform die Szenerie. Capoeira fand sich in der Musik, in den plastischen Künsten, der Literatur und im Schauspiel wieder. Die dunkle Epoche seiner Geschichte, in der Capoeira mit all seinen Ausdrucksformen von der Gesellschaft vollständig ausgegrenzt wurden, war beendet.

Lesen Sie auch: Reise durch Taekwondo

Capoeira hatte sich zum Kulturerbe des brasilianischen Volkes entwickelt. Inzwischen ist Capoeira, neben Fußball, der zweite Nationalsport Brasiliens und erhält als Trendsport auch in allen anderen Teilen der Welt weiterhin einen immer größeren Bekanntheitsgrad.

Capoeira entstand und überlebte, dank der afrikanischen Bevölkerung Brasiliens - ihrem Widerstand und Überlebenskampf unter harten und schwierigen Bedingungen sowie ihrem ewigen Kampf nach Freiheit.

Bestandteile der Capoeira

Capoeira ist vieles zugleich: Kampf, Tanz, Spiel und Kunst. Der Capoeirista ist ein Akrobat, Musiker und Sänger. Die Bewegungen sind fließend und werden durch Akrobatik und Kreativität ergänzt. Wichtig sind die Grundbewegungen, die jeder erlernen kann.

Die beiden Spieler führen in der Roda einen ständigen Dialog aus Offensiv- und Defensivbewegungen aus. Schnelle und präzise Bewegungen, mit Schwung und Fokus, alles zum Klang einer rhythmischen Musik, die live gespielt und gesungen wird.

Die Bewegungsabläufe sind in der Capoeira nicht festgelegt, sondern entstehen in absoluter Wachsamkeit und Geschmeidigkeit der Körper, in ständiger Reaktion auf die Bewegungen des Gegners. Abwechselnd greifen sie an, ziehen sich zurück und täuschen.

Die körperlichen Grundlagen der Capoeiratechnik, mit ihren fließenden Bewegungen, die höchste Ansprüche an Wahrnemungsvermögen, Koordination und Rhythmusgefühl stellen, werden systematisch aufgebaut und gefördert, ergänzt durch spezifiesches Akrobatiktraining.

Capoeira verbindet Elemente von Tanz, Musik, Ritualen, Akrobatik und Kämpfen. Capoeira ist zugleich Kampfsport, Spiel und Tanz. Anders als etwa Karate ist Capoeira ohne Musik nicht denkbar.

Capoeira Angola und Capoeira Regional

Heute werden zwei Arten von Capoeira gelehrt. Die "Capoeira Angola" steht für Tradition und pflegt bewusst die afrikanischen Wurzeln des Spiels. Die Bewegungen sind langsamer und weniger spektakulär als bei der modernen und mehr auf Akrobatik angelegten "Capoeira regional". Bei der Capoeira Angola ist der Rhythmus wichtiger als die Akrobatik und die meisten Bewegungen werden mit Beinen und Füssen ausgeführt. Angola-Capoeiristas bewegen sich dicht am Boden. Ihre stärkste Waffe ist die "malicia", die Tücke.

Während bei der "Capoeira de Angola" Musik, Spiel und Ritual die meist bodennah und zeitlupenartig ausgeführten Ausweichfiguren prägen, stellt sich die "Capoeira regional", erkennbar an den zahlreichen offensiven Luftsprüngen, als ein auf Leistung ausgerichtetes Sport- und Kampfgeschehen dar, auch wenn die Musikbegleitung erhalten geblieben ist. In der Gegenwart existieren zahlreiche Mischformen der beiden Grundrichtungen.

Hier eine Tabelle, die die Unterschiede zwischen Capoeira Angola und Capoeira Regional zusammenfasst:

Merkmal Capoeira Angola Capoeira Regional
Tradition Bewahrt afrikanische Wurzeln Modern, mehr auf Akrobatik ausgelegt
Bewegungen Langsamer, weniger spektakulär Schneller, akrobatischer
Fokus Rhythmus, "malicia" (Tücke) Leistung, Sport- und Kampfgeschehen
Bewegungsausführung Bodennah, Beine und Füße Luftsprünge

Andere brasilianische Tänze

Neben Capoeira gibt es noch weitere brasilianische Tänze, die oft mit Capoeira in Verbindung gebracht werden. Hier sind zwei Beispiele:

  • Frevo: Ein Tanzstil aus Pernambuco im Nordosten von Brasilien. Das Wort Frevo kommt von „ferver“ (kochen) und beschreibt die Stimmung, die üblicherweise beim Frevo tanzen herrscht, recht zutreffend. Characteristisch ist dabei der bunte Schirm, den der Tänzer bei sich trägt.
  • Maculelê: Eine Tanzform, die sehr häufig gemeinsam mit Capoeira zu sehen ist. Ebenso wie Capoeira kommt sie aus Brasilien und hat vermutlich afrikanischen Ursprung.

Jeder Tänzer hält zwei, etwa 50 cm lange Stöcke in den Händen. Die Stöcke werden zum Takt einer großen Trommel und von Gesang untermalt, gegeneinander geschlagen und verbreiten so mit ihrem unverwechselbaren Klang eine durchdringende Atmosphäre.

Bei den ersten drei von vier Takten werden zunächst die eigenen Stöcke gegeneinander geschlagen. Beim vierten Takt schlagen die Tänzer jeweils die rechten Stöcke mit denen ihres Gegenübers aneinander. Zwischen dem gemeinsamen Zusammenschlagen der Stöcke zeigen die Tänzer zum Rhythmus passende Bewegungen und Figuren, die je nach Laune und Können des Tänzers mehr oder weniger akrobatisch sein können.

Der Ursprung des Maculelê ist noch ungewisser als der der Capoeira. Eine Theorie besagt, dass Maculelê bei der Arbeit auf Zuckerrohrfeldern entstanden sei und die geplante Flucht eines Sklaven verschleiern sollte. Andere sagen, Maculelê wurde anlässlich von Feierlichkeiten bei der Ernte aufgeführt oder hätte einen religiösen Ursprung.

Möglicherweise war Maculelê aber auch einmal eine Kampftechnik der Sklaven. Eine weitverbreitete Legende erzählt die Geschichte eines Mannes, der als einziger bei den Frauen, Kindern und Alten im Dorf blieb, während die anderen seines Stammes jagen und fischen gingen.

Als das Dorf von Feinden überfallen wurde, machten die Frauen und Kinder mit Stöcken und Macheten soviel Krach, dass die Angreifer dachten, die Jäger währen bereits früher zurückgekehrt rettete der Mann die Frauen und Kinder nur mit zwei Stöcken in den Händen und starb selbst dabei.