Wo wurde Judo erfunden? Eine Reise durch die Geschichte

Der Begriff Judo wurde 1882 vom japanischen Pädagogen Jigoro Kano geprägt, der als Schöpfer dieses asiatischen Kampfsports gilt. Judo bedeutet wörtlich „sanfter/flexibler Weg“ (Zusammensetzung aus jū „sanft“, „nachgiebig“, „flexibel“ und dō „Weg“).

Die Wurzeln in Japan

Die Wurzeln von Judo lassen sich wahrscheinlich weit über 1500 Jahre in die Vergangenheit zurückverfolgen. Das Ursprungsland Japan hat eine von vielen jahrhundertelangen Kriegen gezeichnete Geschichte. Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert entwickelten sich zahlreiche Formen des Kampfes mit und ohne Waffen. Diese Kampfformen wurden ab der Mitte des 16. Jahrhunderts formalisiert und durch die Ryu-ha (Kampfkunstschule, Kampfkunststil) strukturiert überliefert.

In diesen Ryu-ha wurde den bewaffneten Ständen, den Samurai, neben dem Schwertkampf und dem Bogenschießen auch der waffenlose Kampf, das JuJutsu (je nach Schule auch Yawara oder Tai-Jutsu genannt) weitergegeben. Die Weitergabe erfolgte in der Regel streng geheim. Jujutsu wurde in erster Linie als Ergänzung zum Waffenkampf, insbesondere zum Schwertkampf, gelehrt. Schon damals entwickelte man Wurftechniken, Gelenkhebel, Würgetechniken sowie Schläge, Stöße und Tritte.

Die Ursprünge der japanischen Selbstverteidigungskünste liegen im Dunkel der Geschichte. In den alten Chroniken aus dem 8. Jh. n. Chr. werden die Vorläufer des Ju-Jutsu erwähnt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden japanische Kampfarten zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert aus dem Kumi Uchi (Nahkampf) dem Vorläufer des Yawara (Jiu Jitsu) entwickelt und später vom chinesischen, koreanischen Buddhistischen Mönchen, Gelehrten, Einwanderern nach Japan gebrachten Kenpo (Quanfa) beeinflusst.

An den Höfen der Daimyo, der Fürsten, wurden diese Verteidigungs- oder Kampftechniken sowohl mit als auch ohne Waffe, von den Samurai, der Kriegerkaste, ausgeübt (Bujutsu). Die Samurai lebten nach ihrem Ehrenkodex, dem Bushidō (Der Weg des Kriegers). Die Zeit der Samurai endete mit der Meiji-Restauration im Jahre 1868. Das fast 700 Jahre dauernde Shogunat wurde abgeschafft und der Kaiser übernahm wieder die Macht im Lande.

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Am Hofe des japanischen Kaisers unterrichtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts der deutsche Medizinalrat Erwin Bälz. Ihm fiel die schwache Konstitution seiner Studenten auf, weshalb er ihnen empfahl, zur Stärkung die alten Samuraitechniken zu üben. Einer seiner Schüler, der junge Jigoro Kano, übte bei verschiedenen letzten alten Meistern der fast vergessenen Kampfkunst, hauptsächlich übte er Kito Ryu und Tenshin Shinyo ryu JuJutsu.

Jigoro Kano und die Entstehung des Judo

Jigoro Kano (1860-1938) wurde am 28. Oktober 1860 in Mikage, einem heutigen Stadtteil von Kobe geboren. Seine Familie war äußerst wohlhabend. Kano erhielt die beste Ausbildung, die in der damaligen Zeit in Japan möglich war. Gegen den Widerstand seines Vaters, der Kampfkünste für rückständig hielt, begann Jigoro Kano im Alter von ungefähr 17 Jahren mit dem Studium der Tenjin-shin’yo-ryu. Nach dem Tod seines Meisters lernte er in der Kito-ryu weiter.

Im Mai 1882 eröffnete Kano sein erstes Dojo und gab ihm den Namen Kodokan (wörtlich „Halle zum Studium des Weges“). Er mietete Räume im Eishoji-Tempel in Tokio. Das als Trainingsraum genutzte Zimmer diente gleichzeitig als Studier-, Schlaf- und Empfangszimmer und hatte eine Fläche von nur rund 20 qm. Leben, Lernen und Trainieren waren damals eng miteinander verflochten. Ein Teil der Schüler lebte im Dojo und genoss eine umfassende Erziehung durch Kano.

Aus den dort erlernten Techniken entwickelte er 1882 das moderne Judo, indem er die alten JuJutsu Stile von allen gefährlichen Elementen befreite. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert. Die verbleibenden Techniken ermöglichten einen sportlichen Zweikampf, ohne dass größere Verletzungen zu befürchten waren. Er gründete 1882 eine eigene Schule, den „Kodokan“ („Ort zum Studium des Weges“, heute in Tokio), an der er seinen neuen Sport lehrte.

Kano, der 1882 seine eigene Schule, das Kodokan (Haus zum Erlernen des Weges), gründete, klammerte aus seinen Lehren sämtliche kriegerischen und tödlich wirkenden Techniken (Schläge, Tritte, Stiche, Angriffe zum Verdrehen der Finger-, Bein- und Fußgelenke) rigoros aus dem Trainingsprogramm aus und führte stattdessen Fallübungen ein sowie die Möglichkeit, im Kampf aufzugeben. Der sportliche Zweikampf stand fortan im Mittelpunkt. Geblieben sind Würfe, Hebel, Würgen und Festhaltegriffe.

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1886 gewann der Kodokan einen durch die Kaiserliche Polizeiverwaltung angeordneten Entscheidungskampf zwischen damals führenden und rivalisierenden Kampfkunstschulen. In den folgenden Jahren vervollkommnete und ergänzte Kano sein Judo weiter. Im zweiten Weltkrieg, nach den Tod Kanos 1938 wurde der Kodokan von nationalistischen Strömungen unterwandert. Nach dem Sieg der Alliierten 1945 wurde der Kodokan, wie auch die meisten anderen Kampfkunstschulen, deshalb auf Anordnung der Amerikaner geschlossen.

Die Verbreitung von Judo in Deutschland

Der erste Kontakt nach Deutschland lässt sich auf das Jahr 1906 zurückführen. Japanische Kriegsschiffe kamen zu Besuch nach Kiel und führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert und ließ seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn. Noch im gleichen Jahr gründete er die erste deutsche Schule für asiatische Kampfkünste.

In Deutschland wurde Judo erst 1920 richtig bekannt, als Alfred Rhode in Frankfurt/Main den Ersten Deutschen Judo-Club gründete. Zuvor war 1906 in London die erste Jiu-Jitsu-Schule gegründet worden. Judo-Schüler hatten Judo nach Großbritannien gebracht. Durch Kontakte Rhodes zu den Briten kam 1929 ein Städtekampf Frankfurt-Wiesbaden-London zustande. Die Londoner reisten dann weiter durch deutsche Städte, in den sich dann Judo-Vereine bildeten.

Die ersten echten Judoschulen im Sinne Kanos entstanden erst im Jahre 1932 unter dem Einfluss der London Budokwai unter Gunji Koizumi. 1933 wurde Judo von den Nationalsozialisten in den Deutschen Reichsbund eingegliedert und die Lehre zur paramilitärischen Ausbildung missbraucht. 1932 fand in Frankfurt/Main erstmals die internationale Judo-Sommerschule statt, auf der zahlreiche japanische Meister die Grundlagen für das europäische Judo schufen. 1933 besuchte dann Jigoro Kano Deutschland und leitete an der Humboldt-Universität das Training.

1932 wurden diese unter Vorsitz von Alfred Rhode zum Deutschen Judoring zusammengeschlossen. Dieser wurde jedoch ein Jahr später in das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen eingegliedert. 1933 besuchte Kanō Jigorō mit einigen Schülern auf einer Europareise auch Deutschland und gab Lehrgänge in Berlin und München. Unter der Führung Alfred Rhodes wurde 1932 erstmals eine Europäische Judo-Union gebildet, die 1934 eine europaweit ausgeschriebene, internationale Judo-Meisterschaft (Judo-Europameisterschaft) im Kristallpalast in Dresden veranstaltete.

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Nach der Aufhebung des Verbotes wurde in der ehemaligen DDR bereits ab 1949 wieder systematisch Judo trainiert und 1950 die ersten Meisterschaften ausgetragen. Der Deutsche Judo-Verband der DDR (DJV) wurde offiziell 1958 gegründet. In der Bundesrepublik begannen erste Aktivitäten erst wieder mit der Judo-Sommerschule 1951. Die Gründung des Deutschen Judo-Bundes (DJB) erfolgte im Jahr 1953 durch Mitglieder des 1952 gegründeten Deutschen Dan-Kollegiums (DDK).

Entwicklung des Wettkampfsports

Ein Jahr später fanden in Dresden als Versuch die ersten Europameisterschaften statt, seit 1951 werden sie jährlich (außer 1956) ausgetragen. 1956 fanden in der Bundesrepublik wieder Deutsche Meisterschaften statt, allerdings vorerst nur für Männer. In der DDR wurden 1950 die ersten Meisterschaften ausgetragen, daran durften bis 1954 auch Aktive aus Westdeutschland teilnehmen. Die Frauen ermittelten 1966 erstmals DDR-Meisterinnen, doch fand erst Ende der 80er Jahre die Orientierung auf den Leistungssport statt.

Seit 1965 gibt es bei Weltmeisterschaften Gewichtsklassen, zuvor ab der 1. WM 1956 wurde nur in einer offen Kategorie gekämpft. Seit 1. Landesmeisterschaften finden ab der Altersklasse U11 statt, Deutsche Meisterschaften ab der Altersklasse u15 bis zu den Erwachsenen. Die Wettkämpfe werden auf einer Tatami nach festgelegten Zeiten (in den Altersklassen unterschiedlich) ausgetragen und von drei Kampfrichtern beurteilt.

Die erste offizielle EM fand 1951 in Paris, die erste WM 1956 in Tokio statt. Die erste deutschen WM-Medaille ging 1964 an den Wolfsburger Klaus Glahn als Dritter in der All-Kategorie. Erster Europameister war 1957 Franz Sinek in der damals noch ausgetragenen Kategorie 2. Dan. Den ersten WM-Titel erkämpfte sich 1979 der Berliner Detlef Ultsch in Paris, 1983 in Moskau wurde er zum zweiten Male Titelträger. Erster von drei deutschen Olympiasiegern war 1980 der Berliner Dietmar Lorenz.

Zu Ehren Japans war Judo 1964 erstmal als olympischer Sport bei den Olympischen Spielen in Tokio zu sehen. Nach einer Pause im Jahr 1968 gehört Judo seit den Olympischen Spielen 1972 in München zum festen Programm. Bis 1988 war olympisches Judo eine reine Männerdomäne. Bisher konnten deutsche Athleten fünf olympische Goldmedaillen gewinnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich Judo immer mehr vom Nahkampfsystem zum Wettkampfsport. Schlag-, Tritt- und andere den Gegner ernsthaft verletzende Techniken wurden als für den Wettkampf unnötig nicht mehr unterrichtet und gerieten dadurch teilweise in Vergessenheit. Die verbliebenen Techniken sind hauptsächlich Würfe (jap. Nage Waza), Falltechniken (jap. Ukemi Waza) und Bodentechniken (jap. Katame Waza).

Graduierungen im Judo

Die Judoka sind nach Leistungsklassen in Schüler (Kyu)- und Meister (Dan)-grade sowie in Gewichtsklassen eingeteilt. Die neue DJB-Prüfungsordnung sieht acht Kyu-Grade vor. Die Dan-Grade der Meister und Lehrer sind an dem schwarzen Gürtel erkennbar. Es gibt Prüfungen bis zum fünften Dan.

In Judo gibt es derzeit 2 Träger des 8. Dan. Es sind der Sportbuchverleger Dr. Der einstige DJB-Cheftrainer Han Ho San und der langjährige Präsident des Brandenburgischen Judoverbandes und ehemalige DDR-Auswahltrainer Henry Hempel wurden anlässlich der Weltmeisterschaften 2001 in München mit dem 9. Dan geehrt, der frühere DDR-Auswahltrainer Willi Lorbeer bekam im Dezember 2009, wenige Wochen vor seinem 95. Geburtstag den 9. Dan verliehen und alle drei haben damit in Deutschland die höchste Graduierung. Weltweit ist gegenwärtig der zehnte Dan (rot) die höchste Auszeichnung.

Übersicht der Gürtelfarben im Judo:

Kyu-Grade (Schüler)
8. Kyu: Weiß
7. Kyu: Gelb
6. Kyu: Orange
5. Kyu: Grün
4. Kyu: Blauer
3. Kyu: Brauner
Dan-Grade (Meister)
1. - 5. Dan: Schwarz
6. - 8. Dan: Rot-Weiß
9. - 10. Dan: Rot

Insgesamt hat Judo einen Olympiasieg, drei WM-Titel und 25 EM-Titel sowie zahlreiche Medaillen der Erwachsenen bis 2002 zu Buche stehen.

Heute wird Judo in fast allen Ländern der Welt ausgeübt und ist eine der am weitesten verbreiteten Kampfsportarten.