»Der liebe Gott hat mich als Arbeitstier geboren«, lautet einer der legendären Aussprüche Helmut Schmidts, der in der Tat ein disziplinierter, bis an die Belastungsgrenze gehender Arbeiter war.
Als Krisenmanager angesichts der Hamburger Sturmflut 1962, als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, als Minister unter Willy Brandt und später als Bundeskanzler erwies er sich als höchst respektierter und durchsetzungsstarker Politiker, der Konflikten nicht aus dem Weg ging.
Die Stimme dieses Staatsmannes wurde in der Welt gehört.
Bis ins hohe Alter galt Schmidt als Ratgeber und Führungspersönlichkeit, die Orientierung und Sicherheit bot.
Sein Faible für Zigaretten machte ihn nebenbei legendär.
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Meik Woyke zeichnet ein von Sympathie geprägtes Bild dieses Ausnahmepolitikers, ohne ihn zu einem unfehlbaren Helden zu überhöhen.
Helmut Schmidt und die Politik als "Kampfsport"
Es fehlte nur noch, dass Johannes B. Kerner sich im Gedenken an den Altkanzler Schmidt eine Menthol-Zigarette anzündet, so gemütlich sass die Mittwochsrunde bei "Maischberger" zusammen und plauderte über die guten alten Zeiten, als Politik noch "Kampfsport" war, wie es in einem Einspieler hiess.
Da gifteten sich die Alphatiere Helmut Kohl und Helmut Schmidt an, der eine schwitzend, der andere qualmend, beide stets bereit zur Attacke.
»Politik ist eine Art Kampfsport«, sagte einst der sozialdemokratische Bundeskanzler Helmut Schmidt, «und das macht mir Spass.»
In den Bonner Jahren der Bundesrepublik ging man mit verbaler Härte miteinander um.
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Anzeige erstattete deshalb keiner, eher begriff man Beleidigungen als Teil der Show.
In manchen Fällen ging man, nachdem man sich im Plenarsaal gegenseitig angepöbelt hatte, gemeinsam noch ein Glas Bier oder Rheinwein in der Bundestagskantine trinken.
Die veränderte politische Landschaft
Vor einer strahlenden Vergangenheit verblasst die Gegenwart umso mehr, ein Effekt, der die zentrale These der Gastgeberin stützte: Es ist alles nur noch Wischi-Waschi in der Politik, und die Wähler verlieren mittendrin die Orientierung.
Es war ein vertrauter Vorwurf, den die Runde diskutierte: Die Jahre der Grossen Koalition haben die Unterschiede zwischen den grossen Parteien völlig eingeebnet, den politischen Wettbewerb abgewürgt und die Wähler eingelullt.
Früher gab es eine Partei links und eine Partei rechts, dann hat eine davon rübergemacht, jetzt haben wir vier sozialdemokratische Parteien im Bundestag.
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