Bas Rutten, bekannt durch Videos mit illegalen Strassenkämpfen, eroberte später die Welt des Mixed Martial Arts (MMA). Viele Kämpfer können nur von seinem Bekanntheitsgrad träumen. Kimbo Slice war jedoch nicht der grösste Mixed Martial Artist seiner Generation.
Kimbo Slice, geboren als Kevin Ferguson am 8., war ein US-amerikanischer Strassen- und Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. Seinen ersten Kampf hatte er bereits im Alter von dreizehn Jahren, als er einen Freund verteidigen musste. Er wurde durch Amateurvideos im Internet bekannt, in denen er in Hinterhöfen oder auf Parkplätzen gegen verschiedene Gegner boxte (sogenannte Bare Knuckle Fights).
Slice entwickelte eine Vorliebe für MMA und begann 2005 sein Kampfsporttraining an der Freestyle Fighting Academy. Seit dem Ende seiner Strassenkampfkarriere begann Kimbo professionelle MMA-Kämpfe. Zu Beginn seiner MMA-Karriere trainierte er mit Bas Rutten.
Das Magazin Rolling Stone wurde auf ihn aufmerksam und verlieh ihm den Namen «The King of the Web Brawlers». Er hatte eine einfach gehaltene Kindheit und besuchte die Bel-Air Elementary School, Cutler Ridge und Richmond Middle School. Seinen Abschluss macht er an der Miami Palmetto, wo er ein Star unter den Linebackers (Position im American Football) war.
Daraufhin besuchte er sowohl das College und die Bethune-Cookman University als auch die University of Miami, wo er ein Sportstipendium erhielt und Strafjustiz studierte. 1997 gehörte er zum Kader der Vorsaison der Miami Dolphins, konnte sich aber leider keinen Platz in der ersten Mannschaft sichern.
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Als Slice die Untergrundkampfszene verliess, unterzeichnete er 2007 einen Profivertrag mit EliteXC. Das Ende des Profivertrages liess nicht lange auf sich warten, denn 2008 musste EliteXC Konkurs anmelden. Er ergriff diese Gelegenheit und nahm an «The Ultimate Fighter: Heavyweight» teil. Dies war sein erster Kampf gegen den Veteranen und späteren Serienmeister Roy Nelson, gegen den er verloren hat. In seinem UFC-Debüt besiegte Slice Houston Alexander im Finale von «The Ultimate Fighter: Heavyweight».
Doch am 6. Juni 2016 wurde Ferguson in ein Krankenhaus in der Nähe seines Wohnorts in Coral Springs, Florida eingeliefert. Er starb noch an diesem Tag mit der Todesursache eines Herzversagens.
Bevor er im Rampenlicht stand, arbeitete der als Türsteher in einem Strip-Club, bis ihm sein Highschool-Freund und späterer Manager Mike Ember einen Job als Limousinenfahrer und Bodyguard für RK Netmedia anbot, besser bekannt als Reality Kings, ein Unternehmen in Miami. Seinen eigentlichen Ruhm erlangte er jedoch im Jahr 2003 durch ungenehmigte Strassenkämpfe.
Kimbos Street Fight Videos wurden hauptsächlich über das Internet und Plattformen wie Youtube verbreitet. Seine einzige auf Video festgehaltene Niederlage im Strassenkampf war gegen einen ehemaligen Bostoner Polizeibeamten, Sean Gannon, der auch MMA trainiert hatte. Durch die Popularität des Kampfes katapultierte es beide Männer ins MMA-Rampenlicht.
2 Jahre später, am 23. Juni 2007 war sein erster Kampf bei der Cage Fury Fighting Championship, gegen Ray Mercer, einen ehemaligen WBO-Schwergewichtsmeister (World Boxing Organization) und olympischen Goldmedaillengewinner im Boxen. Bereits in der ersten Runde besiegte Slice Mercer mit einem Guillotine Choke. Weitere Siege liessen nicht lange auf sich warten, was ihn dazu veranlasste in der UFC (Ultimate Fighting Championship) anzutreten.
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Er nahm an der Show «The Ultimate Fighter: Heavyweights» teil. In seinem ersten Kampf besiegte er seinen Gegner Roy Nelson. Nach einer gewissen Zeit kam es zum «Ultimate Fighter: Heavyweights Finale» gegen Houston Alexander. Im Juni 2015 ein weiterer Sieg gegen Ken Shamrock, den er in der ersten Runde ausknockte.
Im folgenden Jahr erregte sein Kampf gegen Dhafir Harris, auch als Dada 5000 bekannt, grosse Aufmerksamkeit. Obwohl Kimbo Slice den Kampf gewann, nachdem er Dada ausgeknockt hatte, stellte sich später heraus, dass Slice den Drogentest vor dem Kampf nicht bestanden hatte, woraufhin das Ergebnis des Kampfes annulliert wurde.
Kimbo Slice verzeichnete in seiner MMA-Karriere fünf Siege und zwei Niederlagen. Am 14. August 2011 trat Slice zum ersten Mal als Profi-Boxer gegen den 39-jährigen James Wade an. Der Kampf fand im Buffalo Run Casino in Miami, Oklahoma, statt, wo Slice seinen Gegner nach nur zehn Sekunden durch einen Knockout besiegte. Sein nächster Kampf war gegen Tay Bledsoe, den er ebenfalls in der ersten Runde auf die Bretter schickte.
Im Februar 2011 gab Slice sein Debüt im professionellen Wrestling und trat gegen den ehemaligen Sumo-Ringer Shinichi Suzukawa an. Angesichts einer Verletzung musste er jedoch aus dem Kampf aussteigen.
Slice war ein begabter Kämpfer, der aufstand und sich mit seinen Gegnern prügelte, so wie er es auch im Internet tat. Er war ein athletischer und kraftvoller Boxer/Puncher mit K.O.-Power in beiden Händen.
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Nicht nur im Ring hatte Slice seine Anhänger - auch wenn er meist nur Nebenrollen hatte, nutzte er die Chance auf der Leinwand gesehen zu werden. Ausserhalb des Rings war er ein freundlicher, sanfter Riese und ein hingebungsvoller Familienmensch. Seine jahrelange feste Freundin war Antoinette Ray, die er heiraten wollte, doch leider starb er, bevor die Hochzeit stattfinden konnte. Zusammen hatten sie sechs Kinder, drei Mädchen und drei Jungen.
Seine ersten beiden Söhne heissen Kevin und der dritte Sohn Kevlar. Die Mädchen haben die Namen Kassandra, Kiara und Kevina bekommen. Kevin Ferguson Junior trat in die Fussstapfen seines Vaters im Bereich des Kampfsports. Bekannt unter dem Spitznamen «Baby Slice», gewann er seinen ersten MMA-Kampf im Alter von 23 Jahren. Neben dem Kampfsport studierte Kevin Fotografie an der Kunstakademie in San Francisco.
Sein Bruder, Kevlar, leidet an Autismus, wie Slice 2015 in einem Video über Boxtraining bekannt gab, in dem Kevlar eine Rolle spielte. Trotz seiner Herausforderungen ist Kevlar ebenfalls als Boxer aktiv. Beide Söhne trainierten regelmässig zusammen.
Kimbo Slice war ein Boxer, der lediglich mit blossen Fäusten und kraftvollen Schlägen kämpfte, jedoch wenig Erfahrung im Bodenkampf hatte. Obwohl er ziemlich gross war, machte ihm seine Ausdauer zu schaffen. Trotz seiner fesselnden Persönlichkeit schienen die Menschen zu vergessen, woher Kimbo stammte und welche Unterstützung er anderen Strassenkämpfern aus Florida zukommen liess.
Die Anziehungskraft der Hinterhofkämpfe war nicht immer da. Kimbos Vermächtnis ist nicht die Tatsache, dass er ein grossartiger Kämpfer war, denn er war technisch nicht brillant, viel mehr machte er den Kampfsport unglaublich populär. Kimbo Slice hat sich in all seinen Kämpfen verausgabt und schaffte es, EliteXC im Alleingang am Leben zu erhalten.
Slice brachte auch eine gewisse Veränderung in eine wirtschaftlich schwache Region Floridas. Wenn wir an Florida denken, denken wir womöglich an das glitzernde Miami oder Orlando als Disney-Stadt. Sein Wunsch, Hinterhofkämpfe zu fördern und auszubauen, hat dazu geführt, dass ein Kämpfer wie Masvidal die Kampferfahrung und das Geld bekam, um weiter zu trainieren und als Mixed Martial Artist zu wachsen.
Das hinterlässt uns Kimbo Slice, nicht der Mann als Kämpfer, sondern der Mann, der die Gemeinschaft verbessert hat. Er gab Kämpfern wie Dada 5000 ein Modell an die Hand, mit dem sie den wirtschaftlich schwachen Regionen von Miami-Dade County in irgendeiner Form helfen konnten.
In Betracht seiner unbestreitbaren Bedeutung im Kampfsport kann Kimbo Slice zweifellos als eine der einprägsamsten Persönlichkeiten in diesem Bereich betrachtet werden. Obwohl Slice oft wegen seiner ungeschliffenen Technik kritisiert wurde, konnte er durch seine Kraft, seine Wiedererkennungsmerkmale und seine Persönlichkeit ein breites Publikum begeistern. Seine Kämpfe waren oft dramatisch und er konnte so Menschen für sich begeistern.
