Die World Wrestling Entertainment (WWE), einst bekannt als World Wrestling Federation (WWF), hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich. Was als regionale Wrestling-Organisation begann, entwickelte sich zu einem globalen Medienunternehmen, das Millionen von Menschen begeistert.
Die frühen Jahre: Von CWC zu WWWF
Die Geschichte der WWE begann 1953 mit der Gründung der Capitol Wrestling Corporation (CWC) durch Jess McMahon und Toots Mondt. In den frühen 1950er-Jahren war das Wrestling-Geschäft stark regional geprägt. Promotions arbeiteten innerhalb bestimmter Territorien, um Konkurrenz zu vermeiden. Jess McMahon und später sein Sohn Vincent J. McMahon etablierten die CWC an der Ostküste der Vereinigten Staaten.
1963 trennte sich die CWC von der National Wrestling Alliance (NWA) und gründete die World Wide Wrestling Federation (WWWF). Der Bruch erfolgte, nachdem der damalige Champion der NWA, Lou Thesz, von den Verantwortlichen als nicht charismatisch genug angesehen wurde. In den folgenden Jahren wurde die WWWF unter Vincent J. McMahon zu einer festen Größe im Nordosten der USA. Wrestler wie Bruno Sammartino, der den World Heavyweight Title über sieben Jahre hielt, wurden zu Ikonen dieser Ära. Am 17. Mai konnte Bruno Sammartino den WWWF Championtitel gewinnen. Die Titelregentschaft dauerte ganze 7 Jahre und 8 Monate, um genau zu sein 2803 Tage. Dies ist der längste Championship-Run der Geschichte des Titels.
Die Expansion unter Vincent K. McMahon
1979 übernahm Vincent K. McMahon, der Sohn von Vincent J. McMahon, das Unternehmen und benannte es in World Wrestling Federation (WWF) um. Vincent K. McMahon setzte auf eine aggressive Expansionsstrategie. Er kaufte Sendezeiten in nationalen Fernsehsendern und begann, die besten Talente anderer Promotions abzuwerben. Dies zerstörte eine jahrzehntelange Tradition, und viele der damals vorherrschenden Ligen gingen unter.
Ein zentraler Moment in der Geschichte der WWF war die Verpflichtung von Hulk Hogan im Jahr 1983. Hogan, der zuvor in der American Wrestling Association (AWA) bekannt geworden war, wurde schnell zum Aushängeschild der WWF. 1985 brachte die WWF die erste WrestleMania auf die Bildschirme. Dieses Event kombinierte Wrestling mit Popkultur und lockte prominente Gäste wie Mr. T, Cyndi Lauper und Muhammad Ali an. Die 1980er-Jahre waren eine goldene Ära für die WWF.
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1985 schaffte die WWF etwas, was es so noch nicht gegeben hatte: eine Großveranstaltung, welche heute sozusagen die Olympiade des Showwrestling darstellt: Wrestlemania!. Die WWF strahlte nun landesweit (US-Kabelfernsehen) ihre Sendungen aus. An der Spitze befand sich Hulk Hogan, welcher nahezu ein Held des Wrestlings war. Die gigantische Fankultur rund um Hogan bekam den Sport sowie natürlich der WWF sehr gut. Die WWF konnte sich schnell an die Spitze dieser Unterhaltungsart setzen.
Der "Monday Night War" und die "Attitude Era"
In den 1990er-Jahren geriet die WWF unter Druck durch die Konkurrenz der World Championship Wrestling (WCW). Die WWF antwortete mit der Einführung der Attitude Era, einer Periode, die von kontroversen Storylines, raueren Charakteren und einer stärkeren Fokussierung auf erwachsenes Publikum geprägt war. Die Rivalität zwischen WWF und WCW, bekannt als der Monday Night War, erreichte ihren Höhepunkt in den späten 1990er-Jahren. Letztendlich gewann die WWF den Krieg, als die WCW im Jahr 2001 von Vince McMahon aufgekauft wurde.
Die "Attitude Era" der früheren WWF war ein Erfolgsrezept, eine Zauberformel, die als entscheidend im "Monday Night War" galt, in dem die Promotion Ende der neunziger Jahre mit Stars wie "Stone Cold" Steve Austin und The Rock die Showkampf-Marktführerschaft dauerhaft eroberte. Mit einer neuen, erwachsenen und kontroversen Ausrichtung (ein Gegenpol zur späteren "PG Era") sorgte die damalige WWF für den zweiten großen globalen Wrestling-Boom nach dem Aufstieg von Hulk Hogan und seiner "Hulkamania" eineinhalb Jahrzehnte vorher.
RAW lockte zwischen 1998 und 2000 mehr Zuschauer an als je zuvor, der Hype wurde so groß, dass die WWF im Jahr 2000 die zweite große Wochenshow SmackDown etablieren konnte. WCW hatte bald nichts mehr entgegen zu setzen, sie rutschte selbst in eine Kreativkrise, verlor aufstrebende Stars wie Chris Jericho, Chris Benoit und Eddie Guerrero an die WWF. Ein Großteil der Fans wandte sich ab, Mutterkonzern und TV-Partner Time Warner ließ die Promotion 2001 fallen und verkaufte sie - an McMahon.
Der Rechtsstreit und die Umbenennung zu WWE
2002 änderte die World Wrestling Federation ihren Namen in World Wrestling Entertainment (WWE), nachdem ein Rechtsstreit mit dem World Wildlife Fund beigelegt worden war. Diese Namensänderung markierte eine strategische Neuausrichtung.
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Die Abkürzung WWF war demnach nicht nur im Wrestling ein Begriff. Bereits seit 1961 existiert der World Wide Fund for Nature. Die Organisation nutzt ebenfalls das Kürzel WWF. Während beide Organisationen über Jahre parallel existierten, wurde der Naturschutzverband vor allem in den 1990er Jahren zunehmend international aktiver - und sah durch die gleichzeitige globale Expansion der Wrestling-Liga eine Verwechslungsgefahr.
Der Naturschutzverband verklagte die Wrestling-Organisation und ein britisches Gericht entschied im Jahr 2002 zugunsten der Umweltorganisation. Die Folge: Die Wrestling-Firma musste ihren bekannten Namen ablegen. Das hatte weitreichende Folgen. Die bekannte Sport-Liga musste nicht nur ihren Namen ändern, sondern jegliche Verwendungen des alten Namens verhindern. In DVD-Releases nach dem Urteil mussten etwa alte „WWF“-Logos verpixelt oder anderweitig unkenntlich gemacht werden. Erst 2012 einigte man sich mit der Umweltorganisation, alte Logos wieder zeigen zu dürfen. Schaut ihr euch im WWE Network also alte Shows an, könnt ihr die alten Logos mit dem früheren Namen sehen.
Die Folgen der Umbenennung
Statt die Namensänderung als Rückschlag zu sehen, nutzte die Wrestling-Organisation die Situation clever für sich. Mit der Selbstironie, die Wrestling-Fans lieben, startete man die Kampagne „Get the F out“. Dieser Slogan wurde nicht nur zum Running-Gag, sondern half auch dabei, den neuen Namen WWE - World Wrestling Entertainment schnell im Bewusstsein der Fans zu verankern.
Die Umbenennung war nicht nur ein kosmetischer Schritt, sondern diente gleichzeitig dazu, den Fokus der Marke zu erweitern. Vince McMahon, damaliger Chairman und Mastermind hinter der Wrestling-Organisation, betonte immer wieder, dass sich WWE nicht nur als Sport-Veranstalter, sondern vor allem als Entertainment-Unternehmen sehe. Die Betonung auf „Entertainment“ im neuen Namen unterstrich das Ziel, über klassische Wrestling-Shows hinaus in andere Unterhaltungsbereiche vorzudringen - etwa in Filmproduktionen, Reality-TV oder Social Media.
Lange Zeit ging das sogar so weit, dass McMahon die Nutzung des Begriffs „Wrestling“ in den Shows verbot. Die Akteure im Ring wurden demnach auch nicht als „Wrestler“, sondern als „Superstars“ vermarktet.
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WWE heute
Trotz der Anfangsbelustigung über den Namenswechsel, ist die WWE heute eine der bekanntesten Marken der Welt. Mit wöchentlichen Shows wie Monday Night Raw und Friday Night SmackDown, „Premium Live Events“ wie WrestleMania sowie einer stetig wachsenden Online- und Streaming-Präsenz erreicht WWE Millionen Fans rund um den Globus.
In den letzten Monaten konnten die Wrestling-Shows sowohl bei den Zuschauereinnahmen in den Hallen als auch bei den Einschaltquoten vor den Bildschirmen zu Hause immer wieder neue Rekorde brechen.
Rückblickend war die Namensänderung ein cleverer Schachzug. Die Umbenennung zeigte, wie aus einer vermeintlichen Niederlage ein neues Image wachsen konnte.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der WWE:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1953 | Gründung der Capitol Wrestling Corporation (CWC) |
| 1963 | Gründung der World Wide Wrestling Federation (WWWF) |
| 1979 | Umbenennung in World Wrestling Federation (WWF) |
| 1985 | Erste WrestleMania |
| 1990er | "Attitude Era" und "Monday Night War" |
| 2001 | Aufkauf der WCW |
| 2002 | Umbenennung in World Wrestling Entertainment (WWE) |
| 2014 | Start des WWE Network |
