Wie gefährlich ist MMA wirklich?

Mixed Martial Arts (MMA) ist ebenso wie Allkampf eine Vollkontakt-Kampfsportart. Ursprünglich war MMA dazu gedacht, verschiedene Kampfsportarten gegeneinander antreten zu lassen, um herauszufinden, welche Sportart die stärkste ist. Beispielsweise einen Ringer gegen einen Boxer.

Im MMA benutzt du genau wie beim Allkampf Schlag- und Tritttechniken und kombinierst diese gezielt mit Würfen aus dem Ringen oder beispielsweise Judo. Im Boden versuchst du deinen Gegner dann mittels Aufgabegriffen zum Abklopfen (sogenanntes Tappen) zu zwingen, oder darfst weiter gezielte Schläge zum Körper und teilweise zum Kopf einsetzen. Auch Tritte sind teilweise, aber streng reglementiert, erlaubt.

MMA ist die Königsdisziplin des Kampfsports und kombiniert Schlag-, Tritt- sowie Bodenkampftechniken. Im MMA zählt vor allem das Gesamtpaket. Du hast hier, wie in keinem anderen Kampfsport, die Möglichkeit, deinen individuellen Kampfstil aus einem großen Repertoire an Techniken selbst zusammenzustellen. Da MMA auf fast jedes mögliche Kampfszenario eine passende Antwort hat, ist es gleichzeitig sehr praxisnah. MMA wird im Vollkontakt trainiert.

Verletzungsrisiko und Sicherheit im MMA

MMA birgt ein höheres Verletzungspotenzial als Kampfsportarten, die sich nur auf eine Disziplin konzentrieren (z.B. Boxen oder Ringen). Denn immer dann, wenn viele Techniken gleichzeitig erlernt werden müssen, steigt auch die Gefahr, dass einzelne Techniken unsauber ausgeführt werden.

Trotz weniger Verbote besitzt MMA selbstverständlich ein strenges Regelwerk. MMA vereint Techniken und Regelwerke aus Ringen, Boxen und Muay Thai zu einem System.

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Kampfsport bedeutet in der Regel: Vollkontakt. Das ist bei Mixed Martial Arts nicht anders. Allerdings gibt es rund um die in Deutschland boomende Sportart viele Vorurteile.

Vorurteile und Realität

Die Annahme, zwei Kämpfer oder Kämpferinnen werden in einem Käfig komplett ohne Regeln aufeinander losgelassen, ist falsch. In MMA gibt es sogar sehr viele Regeln.

Das Regelwerk greift bereits bei den Voraussetzungen für einen Kampf. Das betrifft Gewichtsklasse, Tiefschutz, Mundschutz und Handschuhe mit einem Gewicht zwischen vier und sechs Unzen (1 Oz = ca. 28 Gramm).

Schlagen, Treten, Knie- und Ellbogenstöße sind erlaubt, aber auch hier gibt es einen Rahmen. "Es gibt ein Regelwerk, das darauf abzielt, gesundheitliche Schäden zu vermeiden", erklärt der Berliner MMA-Fighter Niko Samsonidse im Gespräch mit ntv/RTL. "Deswegen sind zum Beispiel Schläge auf den Hinterkopf verboten, weil das langwierige Folgen haben kann."

Der Hinterkopf soll durch eine 5 Zentimeter breite verbotene Trefferzone geschützt werden, die sich über den Scheitel entlang der Wirbelsäule zieht. Zudem sind auch keine Kopfstöße, Tiefschläge, Schläge auf die Kehle und Stiche ins Auge des Gegners erlaubt.

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Kratzen, Beißen, Kneifen, die Finger- oder Zehgelenke zu attackieren, ist ebenfalls verboten. Ist bei einer solchen Aktion Absicht zu erkennen, kann das zum Punktabzug oder zur Disqualifikation führen.

Verlagert sich der Kampf auf den Boden, verschärfen sich die Regeln unter anderem bei Kniestößen. Ist ein Kämpfer in der Drei-Punkt-Haltung, also drei der vier Gliedmaßen berühren den Boden, darf nicht mit Kniestößen zum Kopf angegriffen werden.

Ein Griff in die Handschuhe des Gegners - verboten. Der Griff in den Käfigzaun - bspw. um sich aufzurichten - verboten!

Samsonidse, der beim historischen MMA-Event in Frankfurt gegen Daniel Torres antreten wird, erklärt, dass sogar die Etikette im Käfig eine Rolle spielt. "Laut Regelwerk sind Beleidigungen und respektloses Verhalten nicht erlaubt und auch das wird verwarnt oder sanktioniert."

In Käfigkämpfen geht es entgegen diesem Bildnis nicht um Leben und Tod. Auch wenn die Rhetorik im Vorfeld vieler Auseinandersetzungen vielleicht in diese Richtung geht.

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"Wenn man sich das Ganze genauer anguckt, dann sieht man, wie viel Technik, wie viel Training und wie viel Taktik dahintersteckt", sagt Samsonidse. Einen Plan habe jeder Kämpfer, weil sich MMA aus allen Kampfsportarten zusammensetzt und viele der Athleten ihren Ursprung in einer oder mehreren Disziplinen haben.

"Wo habe ich Stärken, wo hat mein Gegner Schwächen? Darauf bereitet man sich im Training vor. Je mehr man sich mit der Materie beschäftigt, umso mehr merkt man, wie komplex der Sport ist", so der Federgewicht-Kämpfer aus Berlin.

In MMA-Kämpfen kommt es regelmäßig zur Situation, dass einer der Kämpfer am Boden landet, auf dem Rücken liegt und sich gegen seinen Gegner verteidigt, der ihn mit Schlägen bearbeitet. Die Position muss nicht bedeuten, dass der eine Kämpfer automatisch unterlegen ist.

"Man ist nicht wehrlos, wenn man am Boden liegt. Es gibt auch hier viele Möglichkeiten, um den Kampf zu gewinnen, wenn man in der Unterlage ist", sagt Samsonidse, der selbst den schwarzen Gürtel in Brazilian Jiu-Jitsu hat.

Teilweise gibt es Kämpfer, die auffällig leicht nach einem Treffer zu Boden gehen, um den Gegner in diese Position zu locken. Dort sind dann in der Regel Aufgabegriffe das Ziel eines Bodenkämpfers, um den Kampf zu beenden.

Es handelt sich schließlich um Kampfsport wie Boxen, Ringen, Judo oder Jiu-Jitsu auch. "Langwierige, schlimme Verletzungen sind eher eine Seltenheit", sagt Samsonidse. "Und klar gibt es mal ein blaues Auge oder einen Cut. Aber das sind dann eher oberflächliche Verletzungen."

Der Ringrichter soll die Kämpfer vor schweren Verletzungen schützen. Er beobachtet die Körpersprache und auch die Augen eines Kämpfers. Macht einer der Fighter Anzeichen, sich nicht mehr intelligent verteidigen zu können, ist der Kampf vorbei.

Intelligente Verteidigung bedeutet: Ein angeschlagener Kämpfer schützt sich vor den Attacken des Gegners, wehrt sich und versucht, aus der Position, in der er sich gerade befindet, herauszukommen.

Egal wie benommen ein Boxer ist, ob er eine Gehirnerschütterung hat, er bekommt die Möglichkeit weiterzukämpfen, sofern er die Deckung hochnehmen kann. Zudem gehen viele Schläge zum Kopf, während in MMA der ganze Körper - ausgenommen der bereits genannten verbotenen Zonen - zum Ziel wird.

Auf Ansage des Ringrichters oder in der Pause überprüft der Arzt beispielsweise, welche Auswirkungen ein Cut hat. Ist der zu tief oder sehr nah am Auge, dann kann auch hier der Kampf abgebrochen werden.

"Das ist natürlich ein Vorurteil, das entkräftet werden muss. Wenn man sich die unterschiedlichen Kämpfer anguckt, die eine Ausbildung gemacht haben, studiert haben, entsprechen sie nicht dem Stereotyp von 100 Kilo Muskelprotz mit Tattoos." Es gibt auch nicht den ganz klaren Karriereweg als MMA-Profi. Viele sind aufgrund der eher niedrigen Gagen darauf angewiesen, sich selbst zu vermarkten, Sponsoren zu suchen oder einem Job nachzugehen.

Dadurch hätten alle einen unterschiedlichen Background - "das macht die Typen natürlich vielfältiger und spannender".

Was gewalttätige Auseinandersetzungen auf der Straße angeht, seien professionelle Kampfsportler zurückhaltend. "Ich kann zwar nicht für alle sprechen, aber der Großteil der Kämpfer und Kämpferinnen vermeidet es, sich in Streitsituationen zu begeben."

Zum anderen, weil man sich auch nicht verletzen wolle. "Das ist auch eine Frage des Egos. Ein Kampfsportler muss sich in so einer Auseinandersetzung nicht beweisen.

MMA im Vergleich zu anderen Kampfsportarten

Mixed Martial Arts steht dafür, dass möglichst viele Kampfstile in einer Vollkontaktsportart vereint werden und dabei wenig Beschränkungen in Bezug auf Regeln gelten. Dazu zählen das Schlagen, Treten, Werfen, Clinchen, sogar Kopfstöße und der Bodenkampf. Bei Letzterem darf zudem auch geschlagen und getreten werden, was das Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Vollkontaktsportarten darstellt.

Die Schlag- und Tritttechniken entstammen dabei hauptsächlich dem Taekwondo, Muay Thai, Boxen, Kickboxen und Karate.

Regeln und Gewichtsklassen

Die Kämpfer werden bei der UFC in zehn verschiedene Gewichtsklassen eingeteilt. Die Frauen kämpfen vom Strohgewicht bis zum Federgewicht, während die Männer vom Fliegengewicht bis zum Schwergewicht aktiv sind. Ein Kampf besteht aus drei Runden, die jeweils fünf Minuten dauern. Zwischen jeder Runde gibt es zudem eine Pause von einer Minute. Titelkämpfe werden in fünf Runden ausgetragen.

Ziel ist es, seinen Gegner zum Aufgeben zu zwingen, ihn k.o. zu schlagen oder so zu in die Mangel zu nehmen, dass sich der Schiedsrichter gezwungen sieht, den Kampf abzubrechen. Ein Sieg nach Punkten ist ebenso möglich wie ein Unentschieden.

Dass bei einem MMA-Kampf alles erlaubt sei, ist ein Vorurteil. So ist es beispielsweise verboten, den Gegner im Genitalbereich zu attackieren, zu beißen, an Nase und Ohr zu reißen oder in die Augen zu stechen. Insgesamt gibt es 31 Fouls, die zur Strafe oder dem Punktabzug bis hin zur Disqualifikation führen können.

Oft kommt das Argument auf, dass man auf wehrlos am Boden liegende Kämpfer einschlägt. Allerdings ist der Bodenkampf Teil des Sports. Auch, dass das Boxen sicherer als MMA sein soll, kann man nicht verallgemeinern. Laut einer Studie der John Hopkins University School of Medicine ist die Wahrscheinlichkeit eines Knockouts beim MMA geringer, während die Belastung für den Kopf beim Boxkampf höher ist.

Brutalität allein reicht nicht, den Gegner zu besiegen. In vielen Fällen sind MMA-Kämpfer Quereinsteiger. Sie bringen meist Vorerfahrungen aus anderen Kampfsportarten mit, beispielsweise Judo oder Kickboxen.

Als Regel Nummer eins gilt es, Respekt für den Gegner zu zeigen. Risikoreiche Griffe oder Schläge dürfen sind nicht erlaubt und wenn der Gegner aufgibt, muss man ihn sofort loslassen. Außerdem steht immer die Technik und nicht die Kraft im Vordergrund.

Todesfälle und Verletzungen

Die umstrittene Kampfsportart Mixed Martial Arts hat einen tragischen Todesfall zu beklagen. Der portugiesische MMA-Kämpfer João Carvalho ist im Alter von 28 Jahren am Montag an den Folgen einer in einem Kampf erlittenen Verletzung gestorben. Carvalho war zwei Tage zuvor während eines Kampfabends in Dublin in einem Fight gegen den Iren Charlie Ward technisch k. o. gegangen.

Carvalho war nach dem Kampf bei Bewusstsein, 20 Minuten nach dem Abbruch verschlechterte sich sein Zustand aber drastisch. "Carvalho wurde sofort medizinisch betreut und ins Krankenhaus eingeliefert, wo er sich einer Notoperation des Gehirns unterzog", heißt es in einer Mitteilung seines Vitor-Nóbrega-Teams. Nach der OP habe er sich in einem kritischen Zustand befunden, ehe er am Montag um 21.35 Uhr Ortszeit starb.

Da Gegner auch am Boden attackiert werden dürfen, steht der Sport häufig in der öffentlichen Kritik. Neben Bandagen und Handschuhen sind Mund- und Tiefschutz die einzigen Protektoren der Kämpfer. Seit 2007 gibt es laut der irischen Zeitung Mirror 13 bekannte Todesfälle bei Mixed-Martial-Arts-Kämpfen. In Zusammenhang mit Boxkämpfen kam es zu deutlich mehr tödlichen Zwischenfällen.

Die Manuel Velazquez Collection, ein Datenarchiv für Todesfälle im Boxen, listet 103 tote Sportler allein zwischen 2000 und 2010 auf.

Wissenschaftler in den USA beobachteten, dass die Verletzungsrate beim MMA in etwa auf dem Niveau anderer Kampfsportarten liege, die Gefahr einer Hirnschädigung beim Boxen wahrscheinlich sogar höher sei.

MMA in Deutschland

In Deutschland fristet MMA hingegen immer noch ein Nischendasein. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien setzte das Verbot 2010 durch. Mittlerweile wurde dieses durch das Verwaltungsgericht München jedoch wieder aufgehoben.

Bei Mixed Martial Arts darf auch im Bodenkampf getreten und geschlagen werden. Damit unterscheidet sich MMA ganz deutlich von anderen Vollkontaktsportarten. Aufgrund dieser Regel(-freiheit) wurde die Übertragung von Profikämpfen im deutschen Fernsehen im Jahr 2010 verboten.

Es ging nie um den Sport selbst. Es ging auch nie um die Durchführung von Wettkämpfen. Es ging nur um die Übertragung der Profi-Wettkämpfe im Fernsehen. Und das Verbot ist seit 2014 aufgehoben, es gibt also gar kein Verbot mehr bezüglich MMA, MMA-Wettkämpfen oder der Übertragung derselben in den Medien.

Leider hat sich trotzdem das Image von MMA gehalten. Der Sport gilt wie Free Fight in den Kampfsportverbänden als brutal und gewaltfördernd.

Training und Technik im MMA

Prinzipiell ist das Training sehr umfangreich. Von ca. 30 Minuten aufwärmen mit Seilspringen, MMA-Drills, das bedeutet Grapplingtechniken/Grifftechniken, Hebel und Würgetechniken, Takedowns und zum Schluss mit Pratzen oder Sandsacktraining noch etwas Box und Kickboxtraining ist das Anfängertraining damit komplett. Sparring darfst du wahrscheinlich in den ersten Monaten garnicht machen.

Ziel eines guten Trainings ist nicht nur, dass die Trainierenden einen Sport erlernen. Wer nur Techniken und Wettkämpfe lernt, der wird sich früher oder später verletzen.

Ein gutes Training erkennt man immer daran, dass auch Verletzungsrisiken angesprochen werden. Sportler und Sportlerinnen lernen im Training, das Verletzungsrisiko zu minimieren. Vorsorge, gesunder Lebensstil, korrekte Bewegungsabläufe und sogar die Ernährung sollten immer wieder Thema im Training sein.

MMA verbindet verschiedene Sportarten, das ist offensichtlich. Aus dem Boxen und Kickboxen, Taekwondo und Muay Thais und Schlag- und Tritttechniken übernommen, die im MMA als Stricking bezeichnet werden. Einige kommen auch aus dem Karate. Wenn wir von Grappling sprechen, meinen wir Boden- und Ringtechniken. Die kommen aus dem Brazilian Jiu-Jitsu, aus dem Ringen, dem Judo und dem Sambo.

Schlag- und Tritttechniken werden genauso eingesetzt wie Knie- und Ellenbogentechniken. Im Grunde genommen werden die meisten Techniken, die im MMA verwendet werden, so auch im Free Fight, im Vale Tudo und im Pancrase eingesetzt.