Mixed Martial Arts (MMA) gilt als eine der härtesten Sportarten der Welt. Doch auch im scheinbar grenzenlosen Kampf im Octagon gibt es klare Regeln, die Athleten vor lebensgefährlichen Situationen schützen sollen. Während bei den ersten UFC-Veranstaltungen nur zwei Regeln galten - lediglich Beißen und Angriffe auf die Augen waren verboten - sind heute viele, besonders gefährliche Techniken und Aktionen strikt verboten. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich die UFC und mit ihr die neu entstandenen Mixed Martial Arts zu einem populären und streng reglementierten Kampfsport.
Für MMA, also Mixed Martial Arts, gibt es verschiedene Regeln und Regelwerke. Die Regeln des Mixed Martial Arts (MMA) variieren je nach Organisation und Land. Die bekanntesten Regeln sind die Unified Rules of MMA, auf denen die meisten anderen Regelwerke basieren. Die Unified Rules of MMA wurden allerdings weltweit akzeptiert und bilden damit eine Schnittmenge der Gewichtsklassen, Gewinnbedingungen und unerlaubten Aktionen während des Kampfes.
Die Regeln des Regelwerks "Unified Rules of MMA"
Die Regeln sind in den Unified Rules of MMA klar definiert. Das Verbot bestimmter Techniken und Handlungen soll die Sicherheit und Gesundheit der MMA-Kämpfer schützen und den Sport gesellschaftsfähig machen. Die jahrzehntelange Erfahrung hat zu einem ausgefeilten Regelwerk geführt, das spektakuläre Kämpfe ermöglicht und gleichzeitig die Gesundheit der Kämpfer bestmöglich schützt.
Ein Kampf umfasst 3 Runden à 5 Minuten. Titelkämpfe umfassen 5 Runden à 5 Minuten. Hauptkämpfe dürfen auch über 5 Runden gehen, wenn es sich nicht um einen Titelkampf handelt. Männer und Frauen kämpfen barfuß. Männer mit freiem Oberkörper, Frauen mit eng anliegendem Oberteil. Die kurze Hose der Männer muss ohne Knöpfe und Reißverschlüsse sein. Auch Frauen kämpfen in Shorts ohne Taschen und Applikationen. Als Schutzausrüstung sind Zahnschutz, Tiefschutz und 110 Gramm schwere Faustschützer verpflichtend.
Effektives Schlagen und effektives Grappling haben höchste Priorität bei der Beurteilung einer Runde. Effektives Schlagen bezieht sich auf die Bewertung der Wirkung legaler Treffer eines Kämpfers. So werden Schläge, die sichtbare Verletzungen oder Schmerzreaktionen beim Gegner verursachen, höher gewichtet als die bloße Anzahl der gelandeten Schläge.
Lesen Sie auch: Verbotene Schläge und Tritte im MMA
Eine Möglichkeit zu siegen ist der Knock-Out (K.O.) oder der Technische K.O., der durch einen Ringrichter oder Ringarzt festgestellt wird. Die zweite Möglichkeit zu siegen ist die Aufgabe durch Abklopfen oder mündliche Aufgabe. Dies geschieht bei Hebeln und Würgegriffen oder wenn der Gegner zu stark ist.
Wenn der Kampf nicht durch K.O. oder Aufgabe endet, so entscheiden die Punkte. Pro Runde vergeben die Ringrichter 10 Punkte an den Gewinner der Runde und 9 Punkte an den Verlierer. Eine 10-8-Runde wird nun vergeben, wenn ein Kämpfer seinen Gegner in einer Runde deutlich dominiert. Dazu muss der Gewinner den Kampf über einen signifikanten Zeitraum dominieren.
Ein Kampf kann durch beidseitige Disqualifikation oder K.O. aufgrund einer unbeabsichtigten unerlaubten Aktion als Unentschieden gewertet werden.
Weitere Regeln der Unified Rules of MMA
Es gibt insgesamt 31 Fouls wie unerlaubte Angriffe und unsportliches Verhalten, die verschiedene Strafen wie Verwarnung, Punktabzug oder die Disqualifikation bedeuten. Die Unterscheidung zwischen legalem und illegalem Handeln ist im MMA kein akademischer Luxus, sondern eine Antwort auf reale Verletzungsrisiken. Daneben regulieren die Regeln Verhaltensweisen, die den Wettkampfverlauf unfair beeinflussen - etwa das Festhalten am Käfig, das absichtliche Einfangen von Shorts oder Handschuhen oder das Ziehen an den Haaren.
Verbotene Techniken dienen primär dem Schutz der Athleten und der sportlichen Fairness. Sie verhindern schwerwiegende Verletzungen wie Gehirnerschütterungen, Wirbelsäulen- oder Augenschäden und sorgen dafür, dass Kämpfe auf Technik und Strategie beruhen, nicht auf gefährlichen Tricks. Je nach Schwere des Fouls kann ein Kampf unterbrochen, Punkte abgezogen oder eine Disqualifikation ausgesprochen werden. Bei wiederholten Verstößen drohen sogar vollständige Kampfabbrüche oder No Contests.
Lesen Sie auch: Übersicht verbotener Judo Würfe
Die Referees haben dabei weitreichende Befugnisse, um die Sicherheit und Fairness zu gewährleisten. Trainer und Teams müssen Athleten umfassend über erlaubte und verbotene Techniken informieren. Vor jedem Kampf sollte die aktuelle Version der Unified Rules studiert und lokale Unterschiede beachtet werden. Phantom Athletics empfiehlt, diese Materie weiterhin aufmerksam zu verfolgen: Regelwerke sind kein starres Monument, sondern lebendige Instrumente des Sports.
Die wichtigsten verbotenen Aktionen im Überblick:
- Angriffe unter die Gürtellinie, auf die Wirbelsäule, den Hinterkopf und die Nieren sind strengstens verboten.
- Kniestöße und Tritte gegen den Kopf eines am Boden liegenden Gegners sind unrechtmäßig. Ein Kämpfer gilt als „am Boden“, wenn er mit beiden Füßen, einer Hand und einem weiteren Körperteil den Boden berührt.
- Kopfstöße, Beißen, Haarziehen, Augenstechen und das Fishhooking (Greifen und Ziehen des Mundes) sind ebenfalls verboten.
- Schläge und Griffe an die Kehle sowie das Greifen des Schlüsselbeins sind unzulässig.
- Finger- und Zehenmanipulationen (z. B. Verdrehung oder Abspreizen) sind ebenfalls regelwidrig.
- Greifen des Rings oder Käfigs oder das absichtliche Werfen des Gegners außerhalb des Rings oder Käfigs stellen einen Regelverstoß dar.
- Beleidigungen, Spucken, Kratzen, Kneifen, das Festhalten der Hose des Gegners sowie Angriffe während Pausen oder Unterbrechungen gelten als Foul.
- Fassen mit den Fingern in Körperöffnungen oder Wunden ist verboten.
- Kampfverhalten, das den Gegner ohne Chance auf einen Sieg blockiert oder den Kampf vermeidet, wie z. B. das ständige Verlassen des Käfigs oder das Zurückweichen ohne Interaktion.
Schläge, Tritte, aber auch Griffe in den Genitalbereich sind im UFC und MMA nach den Unified Rules of Mixed Martial Arts verboten. Suspensorien zum Schutz sind für die Kämpfer obligatorisch. Als besonders gefährlich haben sich Schläge und Tritte auf den Hinterkopf und Wirbelsäule erwiesen. Der Atlas der ersten Halswirbel ist besonders empfindlich und gefährdet. Eine wichtige Funktion der Wirbelsäule ist der Schutz des Rückenmarks. Das Rückenmark ist Teil des zentralen Nervensystems. Bei direkten Angriffen auf die Wirbelsäule kann es geschädigt, gequetscht oder sogar durchtrennt werden.
Schläge gegen den Hals bzw. Kehlkopf gelten als besonders gefährlich und können tödliche Folgen haben. Sie sind streng verboten. Sie sind aber potenziell lebensgefährlich. Im Bereich des Kehlkopfes verlaufen wichtige Nervenstränge und Arterien, die durch Schlageinwirkung verletzt werden können. Fleisch bzw. Das Greifen, Quetschen, Zerren und Verdrehen der Haut oder des Fleisches des Gegners ist bei UFC-Wettkämpfen aus gutem Grund verboten. Solche Techniken mögen in bestimmten Selbstverteidigungssituationen wirksam sein, um Griffe zu lösen oder vorübergehend Raum für Folgeaktionen zu schaffen. Gleiches gilt für das Greifen des Schlüsselbeins und den sogenannten „Fish Hook“.
Insbesondere das Einführen der Finger in die Nasenlöcher oder den Mund ist gefährlich. Es gibt auch andere Körperöffnungen, die in manchen Kampfkünsten benutzt werden können, um den Gegner in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Kopfstöße haben sich im menschlichen Zweikampf als äußerst wirksame Waffe erwiesen. Viele Straßenschläger nutzen sie auch heute noch mit großem Erfolg. Kopfstöße stellen nicht nur für den Getroffenen, sondern in vielen Fällen auch für den Ausführenden ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Bei misslungener Ausführung kann es zu ähnlichen gesundheitlichen Folgen für den Anwender kommen.
Nach dem Regelwerk der UFC sind Angriffe auf einen am Boden liegenden Gegner grundsätzlich erlaubt. Auch Tritte und Knietechniken sind mit einer Einschränkung zulässig. Es darf nur der Körper des am Boden befindlichen Gegners angegriffen werden. Nach den Regeln der UFC ist ein Kämpfer „am Boden“ (grounded), wenn mindestens eine Hand oder ein Knie direkten Bodenkontakt hat. Ein Regelverstoß liegt immer dann vor, wenn z.B. Sogenannte „Soccer Kicks“, die an den Elfmeter im Fußball erinnern, sind in der UFC verboten.
Lesen Sie auch: Karate Techniken lernen
Stampftritte sind Tritte, die in einer vertikalen Bewegung von oben nach unten ausgeführt werden. Stampftritte gegen einen am Boden liegenden Kämpfer sind im UFC strikt verboten. Im Standkampf sind Stampftritte erlaubt. Meist sind die Füße des Gegners das Ziel, z.B. Stampftritte sind besonders gefährlich, da sie unter Einsatz des gesamten Körpergewichts ausgeführt werden können. Trifft ein solcher Tritt einen am Boden liegenden Gegner, muss dieser die volle Wucht des Tritts einstecken. Dies kann zu schweren inneren und äußeren Verletzungen führen.
Hebeltechniken und Aufgabegriffe beschränken sich im Regelwerk der UFC ausschließlich auf die großen Gelenke und Extremitäten. Die Augen sind besonders empfindlich und verletzungsanfällig. Fingerstiche in die Augen, ob absichtlich oder unabsichtlich, können zu schwersten Augenverletzungen bis hin zur Erblindung führen. Sie können einen Kampf sofort beenden. Fingerstiche in die Augen und der Vollständigkeit sei an dieser Stelle auch das Ausstechen der Augen (Eye Gouging und Eye Poking - wie es im Regelwerk genannt wird) erwähnt, haben in sportlichen Auseinandersetzungen nichts zu suchen. Die in der UFC verwendeten 10 Unzen schweren MMA-Handschuhe lassen im Gegensatz zu herkömmlichen Boxhandschuhen die Finger frei. Schließt ein Kämpfer beim Schlagen die Faust nicht richtig, kann es zu unbeabsichtigten Fingerstichen in die Augen kommen.
Illegal und daher in der UFC verboten ist jedoch das Einhaken von Fingern und Zehen in den Käfig, um eine Position halten zu können.
Der 12-6-Ellbogen
Der 12-6-Ellbogen ist ein vertikaler Ellbogenschlag von oben nach unten. Ursprünglich galt er als extrem gefährlich, weshalb er verboten wurde. Doch 2024 erfolgte eine entscheidende Wende: Am 30. Januar beschloss das Regelkomitee der Association of Boxing Commissions (ABC) die Aufhebung des Verbots, welche am 1. November 2024 in Kraft trat. Seit November 2024 darf er offiziell eingesetzt werden, allerdings nur unter präzisen Bedingungen.
Die MMA-Gewichtsklassen
Wie beim Boxen kennt man in den Unified Rules verschiedene Gewichtsklassen.
MMA-Gewichtsklassen im Überblick:
| Gewichtsklasse | Gewicht (kg) |
|---|---|
| Strohgewicht | bis 52,2 |
| Fliegengewicht | bis 56,7 |
| Bantamgewicht | bis 61,2 |
| Federgewicht | bis 65,8 |
| Leichtgewicht | bis 70,3 |
| Weltergewicht | bis 77,1 |
| Mittelgewicht | bis 83,9 |
| Halbschwergewicht | bis 93,0 |
| Schwergewicht | bis 120,2 |
| Superschwergewicht | ab 120,2 |
