Verbotene Techniken im UFC: Eine detaillierte Übersicht

Mixed Martial Arts (MMA) ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt und kombiniert Techniken aus verschiedenen Kampfstilen wie Boxen, Kickboxen, Judo, Ringen und Brazilian Jiu-Jitsu. MMA ist bekannt für seine spektakulären Kämpfe und vielseitigen Athleten.

Die Regeln der Mixed Martial Arts unterscheiden sich von Organisation zu Organisation und Land zu Land. Die Unified Rules of MMA wurden allerdings weltweit akzeptiert und bilden damit eine Schnittmenge der Gewichtsklassen, Gewinnbedingungen und unerlaubten Aktionen während des Kampfes.

Die Entwicklung des Regelwerks

Die jahrzehntelange Erfahrung hat zu einem ausgefeilten Regelwerk geführt, das spektakuläre Kämpfe ermöglicht und gleichzeitig die Gesundheit der Kämpfer bestmöglich schützt. Während bei den ersten UFC-Veranstaltungen nur zwei Regeln galten - lediglich Beißen und Angriffe auf die Augen waren verboten - sind heute viele, besonders gefährliche Techniken und Aktionen strikt verboten.

Die ersten UFCs wurden in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ausgetragen. Maßgeblichen Einfluss hatte die Gracie Familie. Diese Kämpfe sind bis heute unter dem Begriff - Vale Tudo - alles geht - bekannt.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich die UFC und mit ihr die neu entstandenen Mixed Martial Arts zu einem populären und streng reglementierten Kampfsport. Das Verbot bestimmter Techniken und Handlungen soll die Sicherheit und Gesundheit der MMA-Kämpfer schützen und den Sport gesellschaftsfähig machen. Die Regeln sind in den Unified Rules of MMA klar definiert.

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Allgemeine Kampfregeln

Ein Kampf umfasst 3 Runden à 5 Minuten. Titelkämpfe umfassen 5 Runden à 5 Minuten. Hauptkämpfe dürfen auch über 5 Runden gehen, wenn es sich nicht um einen Titelkampf handelt.

Um den Kampf zu gewinnen, sind Schläge mit dem Ellbogen, dem Knie sowie Tritte und drehende Rückhandfaustschläge erlaubt. Männer und Frauen kämpfen barfuß. Männer mit freiem Oberkörper, Frauen mit eng anliegendem Oberteil.

Die kurze Hose der Männer muss ohne Knöpfe und Reißverschlüsse sein. Als Schutzausrüstung sind Zahnschutz, Tiefschutz und 110 Gramm schwere Faustschützer verpflichtend. Auch Frauen kämpfen in Shorts ohne Taschen und Applikationen.

Effektives Schlagen und effektives Grappling haben höchste Priorität bei der Beurteilung einer Runde. Effektives Schlagen bezieht sich auf die Bewertung der Wirkung legaler Treffer eines Kämpfers. So werden Schläge, die sichtbare Verletzungen oder Schmerzreaktionen beim Gegner verursachen, höher gewichtet als die bloße Anzahl der gelandeten Schläge.

Eine Möglichkeit zu siegen ist der Knock-Out (K.O.) oder der Technische K.O., der durch einen Ringrichter oder Ringarzt festgestellt wird. Die zweite Möglichkeit zu siegen ist die Aufgabe durch Abklopfen oder mündliche Aufgabe. Dies geschieht bei Hebeln und Würgegriffen oder wenn der Gegner zu stark ist.

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Ein Kampf kann durch beidseitige Disqualifikation oder K.O. aufgrund einer unbeabsichtigten unerlaubten Aktion als Unentschieden gewertet werden. Wenn der Kampf nicht durch K.O. oder Aufgabe endet, so entscheiden die Punkte.

Pro Runde vergeben die Ringrichter 10 Punkte an den Gewinner der Runde und 9 Punkte an den Verlierer. Eine 10-8-Runde wird nun vergeben, wenn ein Kämpfer seinen Gegner in einer Runde deutlich dominiert. Dazu muss der Gewinner den Kampf über einen signifikanten Zeitraum dominieren.

Verbotene Techniken im Detail

Es gibt insgesamt 31 Fouls wie unerlaubte Angriffe und unsportliches Verhalten, die verschiedene Strafen wie Verwarnung, Punktabzug oder die Disqualifikation bedeuten.

Angriffe auf den Hinterkopf und die Wirbelsäule

Als besonders gefährlich haben sich Schläge und Tritte auf den Hinterkopf und Wirbelsäule erwiesen. Der Atlas der ersten Halswirbel ist besonders empfindlich und gefährdet. Eine wichtige Funktion der Wirbelsäule ist der Schutz des Rückenmarks. Das Rückenmark ist Teil des zentralen Nervensystems. Bei direkten Angriffen auf die Wirbelsäule kann es geschädigt, gequetscht oder sogar durchtrennt werden.

Angriffe auf den Hals und Kehlkopf

Schläge gegen den Hals bzw. Kehlkopf gelten als besonders gefährlich und können tödliche Folgen haben. Sie sind streng verboten. Im Bereich des Kehlkopfes verlaufen wichtige Nervenstränge und Arterien, die durch Schlageinwirkung verletzt werden können.

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Greifen, Quetschen und Verdrehen der Haut

Das Greifen, Quetschen, Zerren und Verdrehen der Haut oder des Fleisches des Gegners ist bei UFC-Wettkämpfen aus gutem Grund verboten. Solche Techniken mögen in bestimmten Selbstverteidigungssituationen wirksam sein, um Griffe zu lösen oder vorübergehend Raum für Folgeaktionen zu schaffen. Gleiches gilt für das Greifen des Schlüsselbeins und den sogenannten „Fish Hook“. Insbesondere das Einführen der Finger in die Nasenlöcher oder den Mund ist gefährlich.

Kopfstöße

Kopfstöße haben sich im menschlichen Zweikampf als äußerst wirksame Waffe erwiesen. Viele Straßenschläger nutzen sie auch heute noch mit großem Erfolg. Kopfstöße stellen nicht nur für den Getroffenen, sondern in vielen Fällen auch für den Ausführenden ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Bei misslungener Ausführung kann es zu ähnlichen gesundheitlichen Folgen für den Anwender kommen. Kopfstöße können zu chronischen traumatischen Enzephalopathien (CTE) führen, einer degenerativen Erkrankung des Gehirns.

Tritte und Schläge gegen einen am Boden liegenden Gegner

Nach dem Regelwerk der UFC sind Angriffe auf einen am Boden liegenden Gegner grundsätzlich erlaubt. Auch Tritte und Knietechniken sind mit einer Einschränkung zulässig. Es darf nur der Körper des am Boden befindlichen Gegners angegriffen werden.

Nach den Regeln der UFC ist ein Kämpfer „am Boden“ (grounded), wenn mindestens eine Hand oder ein Knie direkten Bodenkontakt hat. Ein Regelverstoß liegt immer dann vor, wenn z.B. Sogenannte „Soccer Kicks“, die an den Elfmeter im Fußball erinnern, sind in der UFC verboten.

Stampftritte

Stampftritte sind Tritte, die in einer vertikalen Bewegung von oben nach unten ausgeführt werden. Stampftritte gegen einen am Boden liegenden Kämpfer sind im UFC strikt verboten. Im Standkampf sind Stampftritte erlaubt. Meist sind die Füße des Gegners das Ziel, z.B. Stampftritte sind besonders gefährlich, da sie unter Einsatz des gesamten Körpergewichts ausgeführt werden können. Trifft ein solcher Tritt einen am Boden liegenden Gegner, muss dieser die volle Wucht des Tritts einstecken. Dies kann zu schweren inneren und äußeren Verletzungen führen.

Vertikale Ellenbogenschläge

Vertikale Ellenbogenschläge sind in der UFC ebenfalls verboten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Schlag von oben nach unten oder von unten nach oben ausgeführt wird.

Angriffe auf die Augen

Die Augen sind besonders empfindlich und verletzungsanfällig. Fingerstiche in die Augen, ob absichtlich oder unabsichtlich, können zu schwersten Augenverletzungen bis hin zur Erblindung führen. Sie können einen Kampf sofort beenden.

Fingerstiche in die Augen und der Vollständigkeit sei an dieser Stelle auch das Ausstechen der Augen (Eye Gouging und Eye Poking - wie es im Regelwerk genannt wird) erwähnt, haben in sportlichen Auseinandersetzungen nichts zu suchen.

Die in der UFC verwendeten 10 Unzen schweren MMA-Handschuhe lassen im Gegensatz zu herkömmlichen Boxhandschuhen die Finger frei. Schließt ein Kämpfer beim Schlagen die Faust nicht richtig, kann es zu unbeabsichtigten Fingerstichen in die Augen kommen. In solchen Fällen wird dem betroffenen Kämpfer nach Untersuchung durch den Ringarzt eine Pause von bis zu 5 Minuten gewährt, um den Kampf fortzusetzen.

Einhaken im Käfig

Mit der Entwicklung von MMA wurde auch der Einsatz des Käfigs, der die Kampffläche begrenzt, im Kampf immer populärer. Illegal und daher in der UFC verboten ist jedoch das Einhaken von Fingern und Zehen in den Käfig, um eine Position halten zu können.

Weitere Regeln

Kniestöße und Tritte gegen den Kopf eines am Boden befindlichen Gegners sind unrechtmäßig. Schläge und Griffe an die Kehle und Greifen des Schlüsselbeins sind ebenfalls verboten. Das beabsichtigte Greifen des Rings oder Käfigs und das beabsichtigte Werfen des Gegners außerhalb des Rings oder Käfigs stellen einen Regelverstoß dar. Beleidigungen, Spucken, Kratzen, Kneifen, die Hose des Gegners festhalten, Angriffe während Pausen und Unterbrechungen gelten als Foul.

Anti-Doping-Bestimmungen

Seit 2015 kooperiert die UFC offiziell mit der United States Anti-Doping Agency (USDA), dem amerikanischen Arm der internationalen Anti-Doping-Agentur WADA.

Die Gewichtsklassen

Wie beim Boxen kennt man in den Unified Rules verschiedene Gewichtsklassen. Die offiziellen Gewichtsklassen sind in bestimmten Abständen aufgeteilt. Bei den MMA-Berlin-Turnieren werden aber die Gewichtslimits individuell vereinbart.

Offizielle MMA Gewichtsklassen

Gewichtsklasse Gewicht (kg)
Strohgewicht bis 52,15 kg
Fliegengewicht bis 57 kg
Bantamgewicht bis 61 kg
Federgewicht bis 66 kg
Leichtgewicht bis 70 kg
Weltergewicht bis 77 kg
Mittelgewicht bis 84 kg
Halbschwergewicht bis 93 kg
Schwergewicht bis 120 kg

Fazit

Vergleicht man das Regelwerk der UFC mit ihren historischen Vorgängern, so wird schnell deutlich, dass es sich bei den modernen Mixed Martial Arts um eine streng reglementierte Sportart handelt. Dennoch sind Vollkontakt-Kampfsportarten, insbesondere wenn sie wettkampfmäßig betrieben werden, von Natur aus riskant. So ist es nicht verwunderlich, dass es im MMA immer wieder zu schweren Unfällen kommt, einige davon mit tödlichem Ausgang.