Die Judo-Sportschule in Düsseldorf blickt auf eine 75-jährige Geschichte zurück. Ludwig Prass gründete sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit Erlaubnis der britischen Besatzungsbehörde.
Die Anfänge und der Gründer Ludwig Prass
Bereits vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es Ludwig Prass 1949, die damalige britische Besatzungsbehörde davon zu überzeugen, dass Judo zu Düsseldorf gehört. Eine Antwort seines Vaters auf die herausfordernde Zeit sei der Sport gewesen.
Ludwig Prass hatte asiatische Kampfkünste kennengelernt. Das außergewöhnliche Engagement von Ludwig W. Prass machte die Schule schnell überregional bekannt. Er entwickelte Lehrmethoden, die es Sportlerinnen und Sportlern ermöglichten, Judo und Jiu Jitsu dynamisch und gefahrlos zu erlernen.
Zu Letzteren zählen nach Angaben von Norbert Prass vor allem der Respekt vor den Menschen, die Fairness gegenüber jedermann, die Verantwortung für die Gesundheit des Gegenübers und die Bereitschaft, das eigene kämpferische Können möglichst nicht einzusetzen.
Norbert Prass: Die Fortführung einer Tradition
Genauso wie sein Vater Ludwig ist der gebürtige Düsseldorfer Übungsleiter und in verschiedenen Kampfkünsten ausgebildet. Der 62-jährige Leiter der Judo-Sportschule hat den sechsten Dan im Judo und den siebten Dan im Jiu Jitsu - beide von zehn möglichen.
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Drei Jahre lang hat Norbert Prass in der Hauptstadt des „Judo-Mutterlandes“ studiert. Im japanischen Tokio gewann er 1979 auch die Judo-Meisterschaft. Wichtig ist ihm der philosophische Überbau der asiatischen Kampfkunst.
„In Japan gilt man mit dem ersten Dan als Anfänger. Beim zweiten Dan beherrscht man gerade die Grundlagen“, so Prass. „Mit der Verleihung des sechsten Dans geht es nicht mehr um das eigene technische Können, sondern um die Anerkennung der Arbeit, die man im Judo oder Jiu Jitsu geleistet hat.“
Umzug und Neuanfang in Flingern
Das nächste Kapitel der ältesten Judo-Sportschule in Düsseldorf wird demnächst geschrieben. Der Umzug von der Liebigstraße in Pempelfort an die Gaußstraße in Flingern steht an. „Das Haus an der Liebigstraße wurde verkauft und der neue Besitzer will es sanieren“, erläutert Norbert Prass, Mitinhaber der Sportschule. Dies sei aber nicht der erste Umzug der mittlerweile 75 Jahre alten Einrichtung.
Fündig wurde Prass nach mehreren Fehlschlägen schließlich über einem Lebensmittel-Discounter in Flingern-Nord. „Wir haben jetzt drei Trainingsräume mit jeweils gut 160 Quadratmetern reiner Übungsfläche. Insgesamt verfügt die Sportschule über 900 Quadratmeter. Im Vergleich zur Liebigstraße haben wir uns vom Platzangebot her leicht vergrößert“, freut sich Prass.
Am Standort in Flingern wird Phillip Schrajer die Schulleitung übernehmen. Schrajer ist bereits jetzt einer der vier Gesellschafter der Judo-Sportschule. Neu ist jetzt auch das spezielle Angebot für Frauen-Selbstverteidigung.
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Philosophie und Werte der Judo-Sportschule
„Wir vermitteln Kampfkunst und Bewegungskultur nicht nur als Sport. Mit dazu gehören an oberster Stelle Respekt, Selbstdisziplin und Ausdauer“, so der Düsseldorfer. „Genauso selbstverständlich sind Rücksichtnahme und Höflichkeit gegenüber dem Trainingspartner; Besonderheiten, die Kinder auch außerhalb der Schule stärken.“ Traditionelle Zeremonien wie Verneigungen beim Betreten der Trainingshalle und der Matte sowie während des Trainings seien für die Sportler keine „leeren Gesten“.
Die eher defensive Ausrichtung des „sanften Weges“, wie Judo übersetzt heißt, und dass es eine waffenlose Kampfkunst ist, überzeugte schließlich die Briten. Nach mehr als zweijährigen Verhandlungen erteilten sie Ludwig Prass die Erlaubnis für seine Sportschule.
Die Judo Sportschule heute
Seit 1949 wird in der Judo Sportschule Düsseldorf (JSD) Judo unterrichtet. In den 50er Jahren erweiterten wir unser Angebot um Jiu Jitsu und Karate, gefolgt von Taiji in den 80er Jahren. Bei uns stehen Partnerschonung, eigene Sicherheit und Technik im Vordergrund. Unsere SchülerInnen kommen aus Freude an der Bewegung, zur Förderung ihrer Gesundheit und zur Erhöhung ihrer Sicherheit im Alltag.
Wir sind der Innovation verpflichtet, insbesondere in unseren Lehrmethoden. Ab den 60er Jahren waren japanische Spezialisten in unserer Schule tätig, um unser Team aus professionellen LehrerInnen und Ehrenamtlichen zu ergänzen. Für viele unserer SchülerInnen ist die Judo Sportschule in Düsseldorf ein zweites zu Hause geworden.
Giuseppe Sansone: Ein Beispiel für erfolgreiche Ausbildung
Giuseppe Sansone erlernte Jiu Jitsu unter der Leitung des Großmeisters Ludwig W. Prass in Düsseldorf. Unter seiner Anleitung entwickelte Giuseppe nicht nur seine Fähigkeiten im Jiu Jitsu, sondern erfuhr auch eine tiefe Prägung hinsichtlich Disziplin und der Philosophie dieser Kunst. Das Jiu Jitsu, das er lernte, betonte besonders weiche, nachgebende Bewegungen, die ideal zur Selbstverteidigung sind und eine perfekte Ergänzung zu Giuseppes kraftvollem Karate-Stil boten.
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Giuseppe Sansone erhielt sein Judotraining unter Norbert Prass, dem Sohn von Großmeister Ludwig W. Prass. Unter Norberts Anleitung lernte er nicht nur die technischen Feinheiten von Wurf- und Bodentechniken, sondern auch die Werte von Disziplin, Respekt und gegenseitiger Unterstützung, die im Judo von zentraler Bedeutung sind. Giuseppe profitierte enorm von dieser hochqualifizierten Ausbildung.
Simone Glenz: Eine Weltmeisterin mit Wurzeln im Judo
In der Region Elbe-Elster fand Simone Glenz einst zum Judo. Im schillernden Las Vegas krönte sie sich Ende letzten Jahres zur Weltmeisterin - mit 46 Jahren und viel guter Laune, die auch ihre Arbeit als Trainerin prägt. Mit sieben Jahren begann die Brandenburgerin aus der Region Elbe-Elster ihre eigene Judo-Karriere - und machte sich dabei sehr gut. So gut, dass sie irgendwann für noch mehr und besseres Training an einer Sportschule nach Leipzig zog.
"Wir haben nicht den Anspruch, dass hier irgendjemand Weltmeister werden muss", sagt Glenz. Für den Sprung in die internationale Spitze, den es für ein Leben als Profi-Judoka braucht, reichte es dort allerdings nicht.
Zusammen mit ihrer Judo-Leidenschaft prägen die nun den Alltag von Glenz. Als stellvertretende Filialleiterin rennt sie tagsüber durch einen Supermarkt in Hennigsdorf - von ihrem Büro auf die Verkaufsflächen - von der LKW-Laderampe zu den Frischetheken und Kassen. "Ich laufe zwischen 20.000 und 36.000 Schritte am Tag", sagt Glenz. Zum einen bewahrt Glenz sich im Berufsalltag eine Grundfitness, die ihr auch beim Judo zugutekommt. Zum anderen braucht sie ihren Job im Laden, um sich ihre Leidenschaft auf den Matten finanzieren zu können.
Mit einem Wurf namens Hikigomi-gaeshi brachte Glenz ihre Gegnerin zu Boden und fixierte sie dort anschließend erfolgreich. Mehrfach standen Delphine und Glenz sich dort bereits in Finalkämpfen gegenüber - zuletzt meist mit dem besseren Ende für die Französin.
