Kampfsport Tai Chi: Ursprung und Techniken

Taijiquan, oft auch als Tai Chi Chuan bekannt, ist eine Kampfkunst, die ihren Ursprung im heutigen China hat. Die deutsche Übersetzung für diese Art der Kampfkunst lautet Schattenboxen. Es ist eine chinesische innere Kampfkunst. Heute sieht man Tai Chi eher als "Entspannung in Zeitlupe" und übt es wegen seiner gesundheitlichen Auswirkungen.

Ursprünge und Geschichte

Die Entstehungsgeschichte von Taijiquan führt in das 13. Jahrhundert eines Shaolintempels. Ein taoistischer Mönch namens Zhang Sanfeng hat diese Kampfkunst ins Leben gerufen. Allerdings stammt der erste geschichtliche Nachweis von Taijiquan, das mittlerweile auch Tai Chi Chuan geschrieben wird, aus dem 17. Jahrhundert. Wir wissen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass die Chen-Familie im Kreis Wen der Provinz Henan die ursprüngliche Variante des Taijiquan entwickelt hat. Auch wenn die Chen-Familie sich auf den Standpunkt stellt, dass ihr Ahnherr Chen Bu (1. Generation) eine frühe Form von Taijiquan entwickelt hat, ist es wahrscheinlicher, dass erst durch Chen Wangting (9. Generation) das entstand, was wir heute als Taijiquan kennen.

Chen Wangting kehrte nach Chenjiagou, dem Wohnsitz der Familie Chen, zurück und widmete sich von da an den Kampfkünsten. Vor diesem historischen Hintergrund scheint es also unwahrscheinlich, dass Taijiquan als Gesundheitsförderung entwickelt worden ist. Es ist nun aber so, dass Kämpfen und Heilen in China oft zusammengehörten und zusammen unterrichtet wurden.

In vielen Büchern liest man, dass Chen Wangting General gewesen sei. Wahrscheinlicher ist, dass er ein Garnisonsoffizier war, der sich in Dengfeng einer Rebellion des Regionalfürsten Li Jiyu anschloss, die später niedergeschlagen worden ist.

Auch im Hung Kyun in unserer Familie ist es ja so, dass man früher die Verletzungen, die man durch die Kampfkunst jemandem zufügte, auch wieder heilen können musste. Dies führte zur Kunst des Dit Da, des Knochenrichtens, die unser Sibak Wu Rungen noch heute meisterhaft beherrscht.

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Charakteristika und Prinzipien

Tai Chi Chuan fällt in die Kategorie der inneren Kampfkunst und konzentriert sich auf den bewaffneten und unbewaffneten Nahkampf gleichermaßen. Es fungiert als eine Art er Bewegungslehre, welche sich positiv auf die menschliche Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung auswirkt. Darüber hinaus beinhaltet Tai Chi Chuan Meditationsübungen, welche Körper und Geist stärken. Des Weiteren beinhaltet Tai Chi Chuan zehn wichtige Grundregeln. Des Weiteren enthält die Yang-Variante weder schnelle Bewegungen noch Sprünge. Deshalb ist dieser Stil für jedermann, der Tai Chi trainieren möchte geeignet, da er keine besonderen körperlichen Konditionen voraussetzt.

Tai Chi basiert auf dem Taoismus und bedeutet "Höchstes Prinzip" einem Begriff der Philosophie des Yin und Yang. Tai Chi ist ein daoistisches Prinzip und beruht auf den Gegensätzen dieser Welt, beispielsweise Tag und Nacht oder hell und dunkel oder, übertragen auf die Kampfkunst, Härte mit Weichheit besiegen. Man spricht auch von der kosmischen Dualität oder dem höchsten Prinzip des Kosmos.

Die verschiedenen Stile des Tai Chi Chuan

Zu den weiteren Charakteristiken des Tai Chi Chuan gehören die sechs unterschiedlichen Stile. Die unterschiedlichen Stile enthalten Modifikationen. Wir wissen auch, dass alle heute bekannten Familienstile (Yang, Wu/Hao, Wu und Sun) direkt oder indirekt vom Chen-Stil abstammen.

Chen-Stil

Der Chen-Stil bildet den Ursprung der weiteren Formen. Er fungiert aufgrund seiner schnellen Bewegungsabläufe und Sprünge als sportliche Tai Chi Variante. Chen Wanting war der Begründer dieser Variante (1597 - 1664).

Sun-Stil

Der Sun-Stil geht auf Sun Lu Tang (1860 - 1932) zurück. Er kombinierte Elemente von drei Schulen und schaffte auf diese Art einen neuen Stil, den er nach sich benannte.

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Wu-Stil

Der Wu-Stil wiederum ist für seine schnellen und wendigen Bewegungen bekannt. Seine Begründer waren Wu Yuxiang (1812 - 1880) sowie Wu Jianquan (1870 - 1942).

Yang-Stil

Dieser Stil ist weniger verbreitet als der beliebte Yang-Stil, der für weiche und geschmeidige Bewegungen steht.

Hao-Stil

Hao Weizheng (1849 - 1920) hat den Hao-Stil entwickelt, der ein Schüler von Wu Yuxiang war.

Training und Übungen

Taijiquan enthält grundlegende Übungen, die ein fester Bestandteil des Trainings sind. Die Bewegungsprinzipien setzen sich aus Einzelbewegungen sowie aus Stand- und Atemübungen zusammen. Darüber hinaus gehört auch die Standmeditation zu den Praxisübungen, welche den Körper und Geist gleichermaßen stärken. Ferner zielen die Übungen darauf ab, die Körperhaltung zu verbessern und somit möglichen Gelenkbelastungen entgegen zu wirken.

Im Mittelpunkt des Trainings stehen mehre Formen, bei welchen es sich um einander gereihte Bewegungsabläufe handelt. Es existieren jedoch auch Partnerübungen, bei welchen auch Hebeltechniken zum Einsatz kommen. Bei diesen praktizieren die Trainierenden auch einen Kampf, in welchem sie das Ziel verfolgen, ihren Stand beizubehalten während sie den Gegner bezwingen.

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Tai Chi Chuan enthält Waffenformen, die sich jedoch erst für Fortgeschrittene eignen. Anfänger trainieren ohne Waffen.

Bedeutung und Nutzen

Tai Chi ist eine chinesische Kampfkunst, die auf daoistischen Prinzipien beruht. Es kann Krankheit verhindern und die Lebensspanne verlängern. Tai Chi ist also sowohl Kampfkunst als auch ein Mittel zur Erhaltung der Gesundheit. Zentraler Inhalt sind Bewegungen, Atmung und Meditation zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit, der Bewältigung von Stress, der Stärkung des Immunsystems und einer sanften Entwicklung bzw. Erhaltung von Kraft und Ausdauer. Die Übungen eignen sich für jedes Lebensalter und basieren auf leichter körperlicher Aktivität und mentalen Training.

Taichi/Taijiquan wird heutzutage als Gesundheitsförderung wahrgenommen. In manchen Ländern und Regionen wird es gar von Krankenkassen unterstützt, weil es sich positiv auf Kreislauf und Bewegungsapparat auswirkt.

Schreibweisen und Sprachvarianten

Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis kursieren unterschiedliche Schreibweisen, die jedoch alle dieselbe Bedeutung haben. Da die chinesische Sprache über unterschiedliche Sprachvarianten und Schreibweisen verfügt, existieren auch im Hinblick auf das Tai Chi Chuan unterschiedliche Schreibvarianten, die jedoch gleich ausgesprochen werden. Im Jahre 1958 erfolgte die Einführung der Pinyin-Umschrift, welche seit 1982 zu den Standardschriften gehört. Es gibt verschiedene Schreibweisen für Taijiquan. Der Grund liegt bei verschiedenen Umschriften. Früher war in den Vereinigten Staaten und in Europa die Wade-Giles-Umschrift weit verbreitet, heutzutage wird vielerorts die von der Volksrepublik ursprünglich als Lesehilfe eingeführte Pinyin-Umschrift verwendet.

Wie soll Taijiquan trainiert werden?

Taijiquan ist ein Kampfkunst-Stil, der wiederum in verschiedene Familienstile gegliedert ist. In den chinesischen Kampfkünsten ist ein Stil in der Regel eine Methode um gewisse Skills, gewisse Fähigkeiten zu trainieren. Im Chen-Stil sind dies beispielsweise Fajin (Explosiv-Kraft), Spiralkraft und Qinna (Greif- und Hebelmethoden). Um dies zu erreichen wurden entsprechende Übungen und Techniken entwickelt, mit denen man diese Fähigkeiten entsprechend trainieren konnte.

Mit den Formen alleine war es natürlich nicht getan, denn kein Kampfkunst-System kann erfolgreich sein, wenn die Techniken ohne Partner geübt werden. Dazu entstanden im Taijiquan Tuishou-Übungen (Push Hands, stossende Hände). Zu Beginn übte man in festgelegten Routinen, später ging man ins freie Üben über, das schliesslich in Sanshou, dem Freikampf mündete. Diese Struktur, von Form über Tuishou zu Sanshou kannten mehr oder weniger alle Familienstile, reichte also nachgewiesenermassen bis ins 20. Jahrhundert (der Sun-Stil, der jüngste der fünf Familienstile entstand erst im 20.