Ist Judo gefährlich? Eine umfassende Betrachtung

Ungefährlich sieht es nicht aus, wenn man das erste Mal einen Judo-Wettkampf beobachtet. Da wird geworfen, gewürgt und gehebelt. Während des Werfens fällt der Partner auf die Matte und danach wird am Boden weitergekämpft.Verwirrt und erschrocken. Das sind normalerweise die zwei Zustände, in denen sich Eltern befinden, wenn sie zum ersten Mal einen Kampf ihrer Kinder beobachten. Judo der „sanfte Weg“? Auf den ersten Blick erscheint dies ein wenig paradox. Schaut man jedoch genauer hin, verschwinden die Bedenken und Zweifel schnell wieder.

Obwohl für den Judosport alle Teile des Körpers aktiv gebraucht werden, erscheint Judo auf keiner Verletzungsstatistik weit oben. Die Anzahl der Unfälle pro 100 Sportler wird mit ungefähr 1,7 angegeben. Judo ist keine reine Selbstverteidigungssportart, sondern durch die vielseitig anwendbare Technik und dem grossen pädagogischen Hintergrund vor allem ein Wettkampfsport. Judo ist eine Zweikampf-Sportart. Ziel ist es, den Gegner durch Anwenden einer Technik mit Kraft und Schnelligkeit kontrolliert auf den Rücken zu werfen. Gelingt dies, so ist der Kampf gewonnen, wie ein KO beim Boxen.

Die gemeinsame Erziehung von Körper und Geist lässt jedoch ein grosses Spektrum für den Übenden offen. Als Einsteiger bemüht er sich um die Selbstbeherrschung, als Fortgeschrittener sucht er seine Herausforderung in der Bewältigung von Alltagssituationen und als ‘Könner’ misst er sich an Wettkampfpartnern. Das Ziel bleibt jedoch stets das gleiche: Siegen durch Nachgeben!

Verletzungsrisiko im Vergleich zu anderen Sportarten

Obwohl Judo eine Kampfsportart ist, ist Judo genauso gefährlich oder ungefährlich wie andere Sportarten. Aus verschiedenen Untersuchungen geht hervor, dass die Ballsportarten und z.B. Inline-Skating, sogar Leichtathletik und Turnen z.T. wesentlich mehr Verletzungen hervorrufen als Judo. Untersuchungen zeigen, dass Judo-Unfälle relativ zur Gesamtzahl an Sportunfällen recht selten auftreten. Bei den Frauen sind es 3.8 Prozent und bei den Männern zwei Prozent.

Wie bei allen Sportarten gibt es Regeln, die die Sportler schützen sollen. Die niedrigen Werte sind vor allem darauf zurückzuführen, dass im Judo viel Wert auf das korrekte Fallen gelegt wird. Bereits im Anfängerkurs bei den Schülern lernt man den korrekten Umgang mit Fallen und dem Geworfen werden. Die Kinder lernen, die ersten Würfe und Bodentechniken anzuwenden.

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Das Fallen ist nicht nur nützlich im Judosport; es hilft auch, das Verletzungsrisiko ausserhalb des Dojos (Trainingslokal) erheblich zu reduzieren. Ferner fördert Judo das Körpergefühl, die Beweglichkeit, das Gleichgewicht und die Koordination. Judo schult körperliche, geistige und soziale Fähigkeiten. Mit Fairplay und gegenseitigem Respekt lernen Kinder in einer spielerischen Art den Wettkampf kennen. Sie lernen, sich zu behaupten, aber auch die Regeln zu respektieren. Hier wird die Grundlage für ein Selbstvertrauen geschaffen, das auf anderen Fähigkeiten basiert, als sie beispielsweise in der Schule gefordert sind.

Sicherheitsvorkehrungen und Ausbildung

Das Ausbildungssystem im Judo ist so gestaltet, dass schrittweise neue Erfahrungen gesammelt werden können. Den Anfang bilden die Fallübungen, mit denen das richtige und schmerzfreie Fallen gelernt wird. Um sich bei den Würfen nicht zu verletzen, müssen alle Judoka Falltechniken erlernen. Dabei werden Techniken geübt, so zu fallen, dass man sich dabei nicht verletzt. Das Fallen wird nach allen Seiten trainiert: Seitwärts (Yoko-ukemi; nach rechts und links), rückwärts (Ushiro-ukemi) und nach vorn (Mae-ukemi). Die Falltechnik vorwärts ist auch als „Judorolle“ bekannt.

Ebenfalls werden die Grundregeln des Judosportes vermittelt. Diese sind vor allem Respekt und Achtung vor dem Partner.

Judo für verschiedene Altersgruppen und Fitnesslevel

Judo für Kinder

Generell kommt es auf den Entwicklungsstand des Kindes an. Es sollte sich in einer Gruppe mit fremden Kindern wohlfühlen und über eine längere Zeit, z.B. 45 bis 90 Minuten, trainieren können. Erfahrungsgemäss ist der Judo-Einstieg ab 6 Jahren sinnvoll. Es kommt aber durchaus auch ein früherer Einstieg in Betracht.

Judo für Erwachsene

Ja. Das geht problemlos, sofern keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen. Der JC Nippon St.Gallen bietet Judo nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für ältere Erwachsene an.

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Körperliche Voraussetzungen

Judo trainiert den ganzen Körper. Zum Erlernen sind keine besonderen Voraussetzungen notwendig. Schwimmen, Radfahren oder Laufen sind gute Ergänzungen für den Judosport. Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Koordination werden Stunde um Stunde im Training aufgebaut.

Judo für „Unsportliche“ und „Schüchterne“

„Unsportlich“ im Sinne von „keinen Sport können“ gibt es sehr selten. Wer Spass am Bewegen hat, ist beim Judo richtig aufgehoben. Denn wir lernen in kleinen Schritten neue Bewegungsabläufe, wiederholen bekannte Sachen, trainieren unsere Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination.

Weitere wichtige Aspekte

Benötige ich für das Schnuppertraining einen Judoanzug?

Nein. Für das Schnuppertraining sind eine Trainingshose und ein T-Shirt/ Sweat-Shirt ausreichend. Schuhe werden nicht benötigt, da Judoka generell barfuss trainieren.

Was sollte ich beachten, wenn ich die Judomatte betrete?

Die Finger- und Fussnägel sollten so kurz sein, dass sie keine Gefahr für sich selbst (abbrechen) oder andere (kratzen) darstellen. Die Sportkleidung sollte möglichst sauber sein.

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