Mit Battlerap der alten Schule gelang Karate Andi in den 2010ern der Durchbruch im deutschen HipHop: Provokante, oft sinnfreie und alkoholgeschwängerte Texte trafen auf einen einprägsamen Künstlernamen und eine Plattenfirma, die schon Rapper wie Casper oder Kollegah groß machte.
Herkunft und Anfänge
Geboren und aufgewachsen ist Karate Andi - dessen echter Name nicht publik ist - in Niedersachsen. Noch weit von jedwedem Status entfernt, beginnt die Laufbahn des Knaben im beschaulichen Göttingen. Dort fängt er im losen Verbund mit Freunden an, unter dürftigen Bedingungen erste Raps aufzunehmen. Sie nennen sich Human Traffic, vertreiben mit der Musik ihre Langeweile und rauchen dazu jede Menge Gras. Die mehr oder minder ambitionierten Songs veröffentlichen sie jedoch nie.
Unter dem Pseudonym Monty Burns wagte er in Göttingen in den 2000ern erste Schritte in der Rapszene mit der Crew HUMAN TRAFFIC, landete nach einigen Umzügen in einer Studenten-WG in Berlin-Neukölln und nahm ab 2012 als Karate Andi an dem Format "Rap am Mittwoch" teil, das Rap-Battles, die im Berliner Club "Bi Nuu" stattfanden, bei "YouTube" übertrug. A. stand - der Legende nach - betrunken auf der Bühne und begeisterte das Publikum durch sein Können als Freestyle-Rapper.
Der Durchbruch
Richtig ernst wird es für Karate Andi erst nach seinem Umzug nach Berlin. Der Legende nach soll sich dort folgendes zugetragen haben: Sternhagelvoll besucht Andi das Battlerap-Format "Rap am Mittwoch". Eigentlich will er nur zusehen, aber seine Kumpels schubsen ihn auf die Bühne - und er freestylt seinen Gegner mal eben in Grund und Boden.
An diesem Abend entstand auch der Name, wobei entstehen nicht das richtige Verb ist, eher festlegen. Denn „Karate Andi“ war schon länger eines von vielen Rap-Pseudonymen, die der aus Göttingen stammende Neuköllner verwendet. Als er auf der Bühne von Rap am Mittwoch stand und der MC Ben Salomo nach seinem Namen fragte, war es der erste, der ihm durch den Kopf ging. Bingo.
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Es folgen weitere Auftritte, von denen sich neben zahlreichen Besuchern auch ein gewisser 7Inch beeindruckt zeigt. Der Produzent, der schon für Kool Savas, Prinz Pi und auch Lil Wayne Beats schraubte, versteht sich auf Anhieb mit dem Boss vom Hinterhof. Die Idee, ein gemeinsames Album aufzunehmen, entsteht bereits nach einigen Studiosessions.
Anfang 2014 veröffentlichte K. sein erstes Album mit dem Titel "Pilsator Platin" - der Name leitet sich von einer Biersorte ab. Dieses soll wenig später den famosen Titel "Pilsator Platin" tragen und auf irrwitzige Art und Weise das Bild eines jungen Mannes zeichnen, der ausnahmsweise nicht seine fehlende Orientierung beklagt, sondern seiner Generation mit reichlich Sarkasmus und noch mehr Unverständnis gegenübersteht.
Das Rap-Magazin "Juice" (31.01.2014) meinte: "'Pilsator Platin' ist lustig, zynisch, unterhaltsam und hat ( … ) auch musikalisch einiges zu bieten." A. Im hiesigen Rapgeschäft aus der breiten Masse herauszustechen, gleicht einem schier hoffnungslosen Unterfangen. Ein witziger Künstlername kann da durchaus den Grundstein legen. Das weiß auch Karate Andi. Der wurde laut seinem Management übrigens in Brooklyn geboren und in einem Wolfsrudel aufgezogen. Das kann man zwar als hirnverbrannten Nonsens abtun, spiegelt aber den Humor des Bosses vom Hinterhof bestens wider.
Sein Markenzeichen: ironisch-verballerter Battlerap, der sich explizit gegen deine Mutter richtet und ausschließlich mit der nötigen Dosis Billigbier intus vorgetragen wird. Karate Andi würde man landläufig wahrscheinlich als Kneipenlegende bezeichnen.
Stil und Image
In seiner Göttinger Heimat hatte er sich noch als Monty Burns einen Namen gemacht. Aus der Zeit stammt auch die gern erwähnte Liebe zum Breakdance-Battle und-noch wichtiger-die Beschäftigung mit Bier, Schnaps und Amphetaminen. Themen, die sehr viel besser nach Neukölln passen als die in die niedersächsische Universitätsstadt, über die Andi heute sagt, dass es zwar eine kleine Rapszene gab, deren Mitglieder auch nette Jungs waren, von denen aber niemand mit ihm mithalten konnte.
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Der Umzug von Göttingen nach Neukölln war also sowas wie sein Schicksal, wenn sich der Umzug in die Hauptstadt auch erstmal negativ ausgewirkt hat. Denn Andi ist, das kann man wohl ohne ihm allzu nahe zu treten, dem Schicksal so vieler Neu-Berliner verfallen und erstmal mächtig versumpft. An der Hartz IV-Karriere ist weniger dran, als er selbst in seinen Texten behauptet, aber beschissene Nebenjobs, wenig Kohle und Pennerbier haben den Lifestyle geliefert, von dem er so gern berichtet.
Die Rapkarriere lag auch da nieder, Karate wusste, was er kann, allerdings war er-mit Ausnahme vielleicht von seinem Freundeskreis-leider auch der einzige, der sich für sein Talent interessierte. Es kam der Schicksalstag beim Rap am Mittwoch.
Wahrscheinlich ist das das größte Talent dieses Kerls: sein Charme. Das klingt vielleicht seltsam, aber Karate Andi hat etwas, das Menschen in seinen Bann zieht. Diese Mischung aus Lockerheit, Selbstbewusstsein, Style, Coolness und Humor machen ihn zu einem sehr guten Entertainer. Dabei fehlt es daran ja auch nicht, und das ist der Grund, warum Andi wirklich viel zuzutrauen ist. Rappen kann er wirklich gut, man merkt, dass er Bühnen-Erfahrung hat, dass er Freestyles übt, dass er spontan ist und dass er die Technik beherrscht.
Eine Punchline nach der anderen schießt Karate Andi locker aus der Hüfte, sämtliche Gepflogenheiten interessieren den "abfuckten Asi-Junk" nicht die Bohne. Im Deutschrap-Kosmos lässt er sich wahrscheinlich irgendwo zwischen dem derben Humor von K.I.Z. und dem Selbstverständnis vom Retrogott verorten.
Erfolge und Selfmade Records
Sein erster Splash-Auftritt am letzten Samstag war ohne Frage einer der Höhepunkte des kompletten Wochenendes. Das ist durchaus beeindruckend. Schließlich ist Andi ein ziemlicher Newcomer. Sein im Februar erschienenes Album Pilsator Platin ist wohl eher ein Underground-Hit als ein Kassenschlager.
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Das dürfte zum einen an den Beats liegen, die verdammt dank dem Produzenten 7inch richtig gut sind und den Ohrwurm-Charakter diverser Pilsator Platin-Songs von „Generation Andi“ über „Kindergeld“ bis „Morgen hör ich auf“ massiv befeuern. Das zweite ist die extreme Punchline-Dichte auf dem Album. Karate Andis Song bestehen im Grunde aus nicht viel mehr als anneinander gereihten Zweizeilern. Da er außerdem ein Faible für Reime hat, bleiben diese Punchlines hängen wie nichts.
Die Songtexte sind allerdings auch die größte Schwachstelle von Karate Andi. Denn bei aller Begeisterung für das Punchline-Geballer muss man doch feststellen, dass das Debütalbum inhaltlich sehr wenig liefert. Die einzige Geschichte, die Andi in zwölf Tracks erzählt, handelt von seiner Karriere als Schwarzfahrer und der daraus resultierenden Freundschaft mit den Berliner Verkehrsbetrieben. Ansonsten geht es um jede Menge günstiges Bier, Kneipennachmittag, Konzerte in SS-Uniformen, Crack, Amphetaminen und Psychotherapien. Allerdings ohne irgendwie aufeinander aufzubauen.
2014 erfolgt ein großer Sprung auf der Karriereleiter: Spekulationen, er ziehe demnächst ins Trailerpark-Camp ein, zeigt Andi gekonnt den Mittelfinger. Der realtighte Breakdance-MC unterschreibt beim Düsseldorfer Erfolgslabel Selfmade Records, wo 2016 sein zweiter Longplayer "Turbo" erscheint. Der Aufstieg des Karate Andi scheint so unaufhaltsam wie deine fette Mutter, wenn sie wütend ist.
Nachdem Karate Andi diese Woche bei Selfmade Records unterschrieben hat, steht ihm natürlich die Welt offen. Mit einem authentischen Streetrap-Label im Rücken und dank Universal mit der Schlagkraft eines Majorlabels, dürfte Karate Andis Aufstieg kaum noch zu verhindern sein. Inhaltlich und vom humorigen Ansatz befindet er sich kurz vor dem Aufsteig in die Liga von K.I.Z.
Noch dieses Jahr will er ein weiteres Album rausbringen, ob das tatsächlich passiert, bleibt abzuwarten, denn ab jetzt werden ein paar neue Leute mitreden. Definitiv wird er dieses Mal keine alten Reime aufwärmen, sondern Neues liefern. Sollte er sein Versprechen einhalten, wird Karate Andi sehr bald die Mütter des ganzen Landes ficken.
Deutschlands liebster Spiegeltrinker. Karate Andi zieht sein Ding durch. Keine Ahnung, wie häufig sich in den Battles beim Rap am Mittwoch irgendwelche Gegner darüber lustig gemacht haben, wie er seine Cap trägt oder dass er nicht aussieht, wie ein Türsteher am Fightclub, sondern eher wie ein versoffener Hipster mit abgebrochenem Germanistikstudium-an Karate perlt das ab. Er trägt seine Cap noch ein Stück weiter oben, fickt deine behaarte Mutter, tickt Kilos auf Augenmaß und strahlt dabei mehr Coolness aus als deine komplette Crew. Genau so ist er auch erst an den Punkt gekommen, an dem er jetzt ist. An diesem Punkt, an dem er stolz ein Signing bei Selfmade Records verkünden kann, nur vier Tage nach seinem ersten Splash-Auftritt, der gleich einer der besten Gigs am ganzen Wochenende war. Aber dazu kommen wir noch.
In der Zwischenzeit musste sich ständig dafür erklären, dabei funktioniert Karate Andi in erster Linie über den Klang, die Verweise zum berühmten Neuköllner Zuhälter Andreas „Karate Andi“ Marquardt spielt faktisch keine Rolle.
