Karate Arten und Stile: Ein umfassender Überblick

Die Kampfkunst Karate entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte auf der Insel Okinawa, Japan. Ursprünglich als waffenlose Kampfkunst konzipiert, um sich gegen Angriffe zu verteidigen, durchlief Karate eine stetige Evolution, die zur Herausbildung verschiedener Stilrichtungen führte. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung des Begriffs "Karate" auf Okinawa stammt aus dem Jahr 1867.

In diesem Blogbeitrag begeben wir uns auf eine Reise durch die Vielfalt der Karate-Stile. Wir beleuchten die drei großen Stilrichtungen Shotokan, Wado Ryu und Goju Ryu und stellen sie unserem eigenen Stil, AKS bzw. Chi Do Kwan, gegenüber.

Die Entwicklung der Karate-Stile

Die Vielfalt an Karate-Stilen hat mehrere Gründe. Erstens ist es ein Ausdruck der Vielfältigkeit der japanischen Kultur und Geschichte. Zweitens reflektieren sie die individuellen Philosophien und Präferenzen der Gründer der verschiedenen Stile.

Im späten 19. Jahrhundert wurden die Stile Shuri-Te und Tomari-Te vereinigt und bekannt als Shorin-Ryu. Dies geschah als Folge einer natürlichen Vermischung und nicht aus politischen oder sozialen Gründen. Naha-Te wurde bekannt als Goju unter der Leitung des Großmeisters Kanryo Higaonna. Als junger Mann verbrachte Higaonna viel Zeit in den südlichen Provinzen Chinas. Dort lernte und modifizierte er die grundlegende Kata des Goju-Systems, Sanchin.

Das Shorin-Ryu-System wurde im Jahre 1922 auf Einladung des Kronprinz Hirohito von Gichin Funakoshi, einem Schüler von Itosu, nach Japan gebracht. Kenwa Mabuni, der Gründer des Shito-Ryu, folgte ihm im Jahr 1930. Obwohl Funakoshi und Mabuni Zeitgenossen und beide Schüler von Itosu waren, gingen sie ihre eigenen Wege: Funakoshi lernte weiter unter Azato und Mabuni trainierte mit Higaonna. Mabunis Entscheidung, in Osaka zu lehren, sollte weitreichende Folgen für die Zukunft haben.

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Funakoshis Shotokan, welches vor allem in der Hauptstadt Tokio praktiziert wurde, war nach dem Krieg für die ausländischen Soldaten wesentlich besser zugänglich und konnte damit leichter in andere Teile der Welt exportiert werden. Noch heute hat Mabunis Shito-Ryu die größte Stärke im Bezirk Kansei in Japan, also rund um Osaka, Kobe und Kyoto. Auf Okinawa war das Fehlen von Mabuni und Funakoshi der Grund, dass das Okinawa Karate durch Chojun Miyagi weitergeführt wurde, der die Goju Schule leitete.

Die Karate-Giganten: Shotokan, Wado Ryu und Goju Ryu

Shotokan

Gegründet von Gichin Funakoshi im Jahr 1922, zeichnet sich dieser Stil durch kraftvolle Techniken und tiefe Stellungen aus. Shotokan ist die am häufigsten vertretene Karate-Stilrichtung im Deutschen Karate Verband. Distanz blitzartig überbrücken und kraftvoll zuschlagen ist eine der Paradedisziplinen des Shotokan. Der Tiger symbolisiert Shotokan Karate.

Als Meister des Shuri-Te-Systems war er mit dem Konzept des Dō im Karate vertraut, und er sicherte dadurch die Akzeptanz im Rahmen des modernen japanischen Lebens. Shoto war das Pseudonym von Funakoshi und in seinem späteren Leben nannten ältere Schüler ihr Dojo Shotokan (wörtlich das Haus des Shoto oder Funakoshi). Bereits sein Lehrer Itosu begann damit, das traditionelle Karate auf Okinawa (Okinawa-Te) zu reformieren. Funakoshi setzte diese Arbeit bis zu seinem Tod fort. Er trug aus den verschiedenen Stilrichtungen (vorwiegend Shorin- und Shorei-Ryu) Techniken und Kata zusammen, um sie zu modernisieren und in sein neues System zu integrieren. Shotokan zeichnet sich durch hohe Dynamik mit starken und harten Techniken aus.

Shotokan = Ist eher auf weite Distanz einzusetzen. Das Ziel ist der sog. One Punch Knockout. Die Katas sind relativ einfach zu merken und lassen sich in einem meist sehr umfangreichen Kumite anwenden. Wenn es um Techniken geht, ist Shotokan eher simpel gehalten.

Wado Ryu

Entwickelt von Hironori Otsuka im Jahr 1934, betont dieser Stil fließende Bewegungen. Wado Ryu wirkt in den Techniken und Katas leichter, weicher und wendiger, die Kombination von ausweichen und zuschlagen erzeugt hohe Wucht und überraschende Wendigkeit. Häufig wird schnelles und fließendes ausweichen (Tai Sabaki) mit direktem Konter verbunden um den Gegner zu überwältigen. Die Grundschultechniken des American Karate System entstammen dem Wado Ryu und sind (fast) identisch. Die Flügel des Wado Ryu - Hinweis zum Ursprung White Crane Kung Fu.

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Ohtsuka war ein Schüler von Gichin Funakoshi. Vor seinem Engagement im Karate war Ohtsuka ein fortgeschrittener Vertreter des Ju-Jutsu im Kodokan (Dojo des Kano Jigero, Gründer des Judo). Er kombinierte das Shotokan-Karate mit den Ausweichbewegungen des Jujutsu und entwickelte so den Karate-Stil Wado-Ryu. Hier ist die Stellung kürzer und die Bewegungen kleiner.

Ist besonders, da die Bewegungen eine Synthese aus Okinawa Karate und Yoshin ryu JuJutsu darstellen. Theoretisch lernt man dort das volle Spektrum an Techniken. Leider ist es so, dass es nur wenige Wado ryu Lehrer gibt, die Wado ryu in seiner ursprünglichen Form lehren.

Goju Ryu

Wurde von Chojun Miyagi (1888-1953) entwickelt, der sich von verschiedenen Kampfkünsten Okinawas und Chinas inspirieren ließ. Miyagi legte großen Wert auf die Balance zwischen kraftvollen ("harten") und fließenden ("weichen") Techniken. Dieser wechsel zwischen harten und weichen Techniken findet sich ebenfalls im Chi Do Kwan bzw. AKS wieder. Klare Ansage - Die Faust des Gojo Ryu.

Goju wurde aus dem Naha-Te von Kanryo Higaonna entwickelt und spiegelt einen großen Einfluss der südchinesischen inneren Künste wieder. Chojun Miyagi, ein Schüler Higashionnas, gründete den Stil Ende der zwanziger Jahre auf Okinawa. 1933 wurde das Goju vom Butokukai auch als japanischer Karatestil anerkannt. Das System enthält verschiedene Kata, die für die beiden Elemente „hart“ (go) und „weich“ (ju) stehen und oftmals auf kraftvoller Atmung (Ibuki) basieren.

Kommt aus Okinawa und legt einen deutlichen größeren Fokus auf die praktische Anwendung der Technik, als andere ryuha . Gojuryu ist zur Selbstverteidigung gedacht und nicht für Turniere . Du lernst dort alle möglichen Techniken (Grappling, Takedowns, Hebel etc.). Wichtig ist zu wissen, dass Goju Ryu für den Kampf auf kurze Distanz gedacht ist. Die Kicks sind eher tief und die Bewegungen sind allgemein weniger akrobatisch.

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Weitere Karate-Stile

Shito Ryu

Gegründet von Kenwa Mabuni als eine Synthese aus Naha-Te und Shuri-Te ist Shito-Ryu nach den chinesischen Schriftzeichen der beiden Lehrer Mabunis, Itosu und Higaonna, benannt. Das Shito-Ryu System enthält Katas von allen drei ursprünglichen Okinawa-Systemen, Shuri-Te, Naha-Te und Tomari-Te. Es gibt eine Reihe von wichtigen Zweigen des Shito-Ryu, die wichtigsten sind Shukokai - Tani, Seikikai - Watanabe, Itosukai - Sakagami, Shitokai - Iwata, Renbukan - Sotokawa, Shito-Ryu - Kenei Mabuni und Hyashi-ha - S.

Ist der Karate Stil mit den meisten Katas, was für eine Menge Vorlagen für Techniken sorgt.

Kyokushin

Ein moderner japanischer Wettkampfstil von Masutatsu Oyama, einem Schüler Funakoshis (Shotokan) und Nei-Chu Sos (Goju-Ryu). Er gründete das System 1955 und kombinierte darin die Grundlagen und die Kata von Shotokan und Goju mit einem eigenen Kampfkonzept. Danach wird im Kyokushin mit vollem Kontakt ohne Schutzausrüstung gekämpft.

AKS / Chi Do Kwan Karate

Unser Karate-Stil, hat seine Wurzeln im Wado-Ryu und weiteren Kampfkünsten. Begründet von Ernest Lieb ab 1960. Als US-Militärangehöriger stationiert auf Okinawa und in Korea erlernte Ernst Lieb unterschiedliche Ansätze der Kampfkunst und fokussierte sich auf die Anwendung zur Selbstverteidigung. AKS zeichnet sich durch eine dynamische Mischung von weichen und harten Techniken aus. Unser Dojokun nehmen wir ernst.

Weitere Stile und Organisationen

Hier eine Liste weiterer Karate Stile und Organisationen:

  1. Koshinkan
  2. Shorin-Ryu Seibukan
  3. JKD
  4. Wado-Kai
  5. JKA Shokukai
  6. JKF Goju-Kai
  7. Intern. Goju-Kan
  8. Shoto-Ryu
  9. Kempo
  10. AKS-Karate
  11. Kyokushin-Kai
  12. Yoshukai
  13. Koreanisches Karate
  14. Shorin-Ryu-Siu Sin Kan
  15. Tang Soo Do
  16. SOK - Kobudo

Stilrichtungen und Prüfungen im Deutschen Karate Verband (DKV)

Die Stilrichtungen des Karate unterscheiden sich durch ihre unterschiedlichen Geschichten und Ursprünge, ihre Techniken und Kampfstile. Shotokan-Karate zeichnet sich beispielsweise durch tiefe Stellungen und geradlinige, starke Techniken aus. Im Shito-Ryu hingegen wird eine große Anzahl von Katas gelehrt. Kraftvolle Techniken auszuführen ist ein besonderer Schwerpunkt des Trainings. Das Wado-Ryu teilt sich mit dem Ju-Jutsu einen großen Teil der Bewegungslehre, die Beweglichkeit und das Ausweichen in den Vordergrund stellt. Entspannung und Karate als spirituelle Disziplin zu begreifen, sind wichtige Punkte des Wado-Ryu.

Unter dem Dach des DKV haben sich zahlreiche Stilrichtungen versammelt, wobei die Unterschiede von Stilrichtung zu Stilrichtung mitunter nur Nuancen betragen. Hinzu kommt, dass bestimmte Stilrichtungen mehr oder weniger stark ausgeprägt und in Deutschland vertreten sind. Die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu, Goju-Ryu und Shito-Ryu sind von der WKF und der EKF anerkannt. Aufgrund ihrer historischen Gründungsrechte haben die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu und Goju-Ryu ein Veto-Recht in der Bundesversammlung.

Alle im DKV anerkannten Stilrichtungen haben gleiche, in der DKV-Satzung verankerte Rechte. Der DKV selbst ist an keine Stilrichtung gebunden.

Welcher Karate-Stil passt zu mir?

Das ist sehr individuell, wie du merkst, je nachdem, in welcher Philosophie du dich am ehesten wiederfindest. Viele finden AKS deswegen so spannend, weil wir einen tiefen Einblick in die Kampfkunst anbieten.

Es gibt aber keinen "besseren" oder "schlechteren" Karatestil, sondern lediglich gewisse Unterschiede in der technischen Ausführung. Ich empfehle immer ein Probetraining, vollkommen unabhängig von der Stilrichtung. Gefällt dir der Unterricht, dann triff einfach die richtige Entscheidung.

Vorteile des Karate-Trainings

  • Gesundheit: Karate verbessert die Fitness, Kraft und Ausdauer.
  • Selbstverteidigung: Karate vermittelt Techniken zur Selbstverteidigung in Gefahrensituationen.