Marlon Reinhardt: Vom Kickbox-Weltmeister zum Ziel rassistischer Hetze

Marlon Reinhardt, ein Name, der für sportlichen Erfolg und soziales Engagement steht, wurde in jüngster Zeit zum Ziel einer abscheulichen rassistischen Attacke. Der Unternehmer und amtierende Kickbox-Weltmeister (33) kandidiert für die Freien Wähler für den Stadtrat in Koblenz.

Rassistische Hetze gegen Marlon Reinhardt

Im Mai 2024 wurden Wahlplakate von Marlon Reinhardt in Koblenz mit rassistischen Parolen beschmiert und die Augen auf seinem Porträt ausgestochen. Neben dem Porträt des Politikers stand der abscheuliche Satz: „Ab in die Gaskammer mit allen Zigeunern.“ Seiner gesamten Familie, die seit 100 Jahren in Koblenz lebt, wird also der Tod gewünscht.

Die erste Hass-Attacke hatte nicht Marlon Reinhardt, sondern sein fünfjähriger Sohn bemerkt. Der Kommunalpolitiker zu BILD: „Ich wollte ihm meine Plakate zeigen. Da fragte er plötzlich: ,Papa, wieso sind denn Deine Augen ausgestochen?‘“

Die Polizei ermittelt nun wegen Volksverhetzung. Die widerlichen Beschimpfungen zielen auch auf seinen Vater Django Heinrich Reinhardt (62), einen bekannten Musiker. Und auf den Völkermord an mehr als 500 000 Sinti und Roma unter Hitlers Diktatur. Sie sind also eine unverhohlene Drohung!

Auch Wahlplakate von Stephan Wefelscheid, dem Vorsitzenden der Freien Wähler in Rheinland-Pfalz, wurden zerstört. Auch hier zerstochene Augen und üble Beschimpfungen, weil er Marlon Reinhardt unterstützt und die rassistische Hetze anprangert. Die Polizei ermittelt hier wegen „Beleidigung von Mandatsträgern“, da Wefelscheid Landtagsabgeordneter ist.

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Der FW-Chef: „Dieser Versuch der Einschüchterung zeigt, wie wichtig es gerade jetzt ist, für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit einzutreten - im 75. Jahr des Grundgesetzes.“

Für die Freien Wähler in Koblenz kandidierte Marlon Reinhardt, Sinto, Musiker, Sohn von Django Reinhardt, Weltmeister im Kickboxen, verheiratet, ein Sohn. Marlon wurde in Koblenz geboren, in der Goldgrube wuchs er auf. Und dort gab es auch ein Plakat mit ihm. Unter „Freie Wähler“ gab es Marlons Bild mit der Unterzeile „Marlon Reinhardt für Koblenz“.

Ausgerechnet in der Goldgrube, konkret in der Bogenstraße, dort man die Reinhardts kennt, die sich seit vielen Jahren für die soziale und gesellschaftliche Integration der Sinti und Roma einsetzen; ausgerechnet hier wurde das Plakat mit Marlon Reinhardt ein Opfer unfassbarer Schäbigkeit.

Er könne damit umgehen, aber dass man seinen Vater auch noch hineinzieht, das will Marlon nicht verstehen. Die Polizei leitete ein Verfahren wegen Volksverhetzung ein.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Hunderte aus der Koblenzer Region in das Konzentrationslager Ravensbrück und später nach Auschwitz gebracht. Auch aus der Familie Reinhardt wurden einige ermordet. Marlons Opa Daweli, der vor einigen Jahren in Koblenz starb, ein großer Musiker seiner Zeit, kam mit zehn Jahren nach Ravensbrück. Der Einmarsch der Alliierten rettete ihm das Leben. Daweli Reinhardt, in Wiesbaden geboren, blieb in Koblenz. Auch sein Sohn Marlon mit seiner Familie wird bleiben. Er ist Deutscher und Sinto.

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Die erbärmliche Tat vor den Wahlen 2024 wird ihn eher stark machen und der Zuspruch, den er danach erhalten hat, ist ihm Inspiration und wird ihm Kraft geben, seinen Weg von Integration weiterzugehen. Die Reinhardts mussten manches durchstehen, es eint sie.

Sportliche Erfolge

Neben seiner politischen Tätigkeit kann Marlon Reinhardt auch auf eine beeindruckende sportliche Karriere zurückblicken. Marlon Reinhardt, der bereits sechs deutsche Meistertitel im Kickboxen hält, hat kürzlich den Weltmeistertitel im Kickboxen bis 90 kg gewonnen.

Reinhardt konnte im vergangen Jahr bereits mit einem Kampfgewicht von 84 kg zwei Deutsche Meistertitel in den Gewichtsklassen Halbschwer- und Schwergewicht für sich entscheiden. Im Mai 2017 ließ sich der Koblenzer an der Hüfte in der Uniklinik Bonn operieren. Es war fraglich, ob er jemals wieder Wettkämpfe bestreiten kann. Im August fing Reinhardt wieder mit dem Training und der Vorbereitung für die Weltmeisterschaft an.

Mit 82 kg Kampfgewicht gewann Reinhardt gegen seinen 1,92 m großen und 90 kg schweren Gegner aus Dänemark im Finale. Zum ersten Mal wurde der Koblenzer 2011 bei der „Champions Fight Night“-Gala im Cruisergewicht in Koblenz Deutscher Meister.

Marlon verdankt seinen Erfolg einer eisernen Disziplin und einem langjährigen Training. Der 25-Jährige Marlon Reinhardt, der ein Meisterzertifikat für Kickboxer besitzt, hat mittlerweile ein eigenes Sportstudio in Koblenz eröffnet, wo er sein Wissen an junge Sportler weitergibt.

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Zusammenfassung der Erfolge von Marlon Reinhardt

ErfolgDetails
Kickbox-WeltmeistertitelBis 90 kg
Deutsche MeistertitelSechs Titel
Deutsche Meistertitel 2023Halbschwer- und Schwergewicht (84 kg)

Politiker, egal auf welcher Ebene, haben es nicht einfach. Viele, auch im kommunalen Bereich, sind Anfeindungen im Netz, körperlichen Angriffen und verbalen Beleidigungen ausgesetzt. Es gibt Dörfer, in denen sich keine Person gefunden hat, um Bürgermeister zu werden. Keine Frau, kein Mann. Was sich in Koblenz knapp zwei Wochen vor den Wahlen am 9. Juni ereignete, ist mit Hass allein nicht zu beschreiben.

Fast 80 Jahre nach dem Holocaust wachsen nicht nur Rassismus und Antisemitismus - sondern auch „Antiziganismus“, der Hass auf die von den Nazis verfolgten und ermordeten „Zigeuner“.

Unternehmer, Kickboxer, Musiker und Mahner: Marlon Reinhardt (l.) und Jazz-Musiker Taylor Swing am ehemaligen KZ Ravensbrück, als eine Gedenktafel für die verstorbenen Sinti und Roma enthüllt wurde.