Wer ist der beste Kickboxer der Welt? Ein Blick auf die Top-Athleten

Im Kickboxen gibt es nichts Spannenderes als Turniere, insbesondere dann, wenn der beste Schwergewichtler der Welt darin mitmischt. 2021 hat uns schon einige Kampfsport-Kracher beschert. Auch ohne WM-Titel dürfte das Schwergewichtsturnier von Glory 77 aber eines der Kampfsport-Highlights des Jahres werden.

Rico Verhoeven: Der unangefochtene Champion

Rico Verhoeven ist ein Sechser im Lotto für Kickbox-Ästheten. Seine Technik ist makellos, blitzsauber und das Ergebnis jahrzehntelanger, akribischer Arbeit im Gym, erst mit dem Vater, der selbst Karate-Schwarzgurt ist, später mit Dennis Krauweel, in dessen Superpro Sportcenter er seit der Jugendzeit trainiert. Verhoeven ist Kampfsportler seit er fünf ist - also seit 26 Jahren. In dieser Zeit gab es wenige Tage, an denen er nicht an seiner Technik gefeilt hat. Er ist ein fleißiger Arbeiter, ein geradezu besessener Perfektionist.

Agile Schwergewichte sind im Kickboxen selten, insbesondere wenn sie an die zwei Meter messen. Verhoeven ist für sein Größe von 1,96 Meter und sein Kampfgewicht von 118 Kilo extrem schnell und beweglich, seine Beinarbeit gleicht der eines Mittel- oder Weltergewichts. Seine Defensivarbeit ist exzellent. Im Schnitt kassiert Verhoeven nur 6,5 Schläge pro Minute. Zum Vergleich: Bei seinem Halbfinalgegner Hesdy Gerges sind es mit 11,2 fast doppelt so viele. Verhoeven besitzt außerdem eine herausragende Ringintelligenz und nutzt seine Stärken perfekt, um Gegnern seinen Stil aufzuzwingen und eigene Schwächen dadurch zu neutralisieren. Er bleibt konsequent auf Distanz, nutzt seine Beinarbeit und Reichweite und punktet Gegner aus, ohne selbst viel getroffen zu werden.

Sechs Jahre auf dem Kickbox-Olymp als Glory-Champion, mit neun erfolgreichen Titelverteidigungen. Dazu Kämpfe - und Siege - gegen praktisch jedes namhafte Schwergewicht seiner Generation. Rico Verhoevens Resümee ist beeindruckend und selbst Kritiker müssen einsehen, dass Verhoeven aktuell wohl der beste Kickboxer der Welt ist. 56 Siege, nur 17 davon vorzeitig - das ist eine magere Quote für ein Schwergewicht. Der rechte Haken gegen Teamkollege Benjamin Adegbuyi 2015 war Verhoevens einziger echter Knockout in Glory. Davon abgesehen holte er in der Kickbox-Champions-League nur drei weitere vorzeitige Siege, gegen „Braddock“ und „Big Foot“ Silva sowie im Rückkampf gegen Jamal Ben Saddik.

Bislang hat Verhoevens mangelnde K.o.-Gefährlichkeit ihm nie geschadet, in diesem Turnier könnte das jedoch anders sein. One-Night-Turniere haben im Kickboxen eine lange Tradition und sind aufgrund ihrer Spannung und Unberechenbarkeit bei Fans beliebt. Verhoeven hat als Profi zwei solcher Turniere bestritten, aber nur eins gewonnen, als er sich bei Glory 11 seine Titelchance verdient hat. Verhoeven nutzt seine Reichweite perfekt und ist deshalb nur schwer zu stellen. Wird er aber doch mal getroffen, reagiert er alles andere als souverän, wie nicht zuletzt die beiden Kämpfe gegen Badr Hari gezeigt haben. So viel zu den Stärken und Schwächen von Rico Verhoeven.

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Die Herausforderer: Wer kann Verhoeven gefährden?

Glory musste umplanen und stellt kurzerhand dieses Turnier auf die Beine. Das ist nicht weniger spannend, denn das Teilnehmerfeld ist mit dem erfahrenen Haudegen Hesdy Gerges, dem debütierenden One-Veteran Tarik Khbabez und dem ungeschlagenen Shooting-Star Levi Rigters absolut top besetzt.

Hesdy Gerges

Böse Zungen behaupten, mit Hesdy Gerges hätte Rico Verhoeven ein Freilos fürs Finale bekommen, weil er ihn in seiner Karriere bereits zweimal besiegt hat. Der 36-Jährige ist mit 17 Wettkampfjahren und 72 Kämpfen als Profi außerdem zwar der erfahrenste, aber auch älteste Kämpfer des Turniers und befindet sich mit nur zwei Siegen aus den letzten neun Kämpfen im Spätherbst seiner Karriere. Der Fairness halber muss allerdings gesagt sein, dass er sich dabei durchweg starken Namen wie Ismael Londt, Benny Adegbuyi oder Badr Hari gestellt und überwiegend extrem enge Schlachten geliefert hat. Zuletzt konnte er in der renommierten Enfusion-Organisation einen soliden vorzeitigen Sieg per Lowkicks einfahren. Die sind auch seine stärkste Waffe, vier Kämpfe konnte er damit bereits beenden, unzählige weitere Finishes vorbereiten.

Er hat Größenvorteile, um Verhoeven zu schlagen, darf er trotzdem nicht aus der Distanz arbeiten, sondern muss den Kampf schmutzig machen, ran den Mann und dort mit Kopf- und Körperhaken und vor allem Knien attackieren. All das beherrscht Gerges aus dem Effeff, doch er ist auch 18 Kilo leichter als der Champion und weit weniger athletisch.

Tarik Khbabez

Tarik Khabez feiert sein Glory-Debüt, nachdem er zuvor bei One Championship einen regelrechten Durchmarsch hinlegte und erst in einem Titelkampf gegen Roman Kryklia scheiterte. Dort war er allerdings im Halbschwergewicht unterwegs, mit 1,84 ist er der mit Abstand kleinste Turnierteilnehmer. Seine mangelnde Reichweite macht er durch Aggressivität und Schlagkraft wett, der Holländer mit marokkanischen Wurzeln hat von 53 Kämpfen 46 gewonnen, 26 davon vorzeitig. Er sollte sein Debüt eigentlich gegen Antonio Plazibat bestreiten, findet sich nun aber im Halbfinale dieses Schwergewichtsturniers wieder. Eine große Chance, das Problem: Er trifft dort auf Levi Rigters, der ihn um ganze 16 Zentimeter überragt.

Khabez muss also konstant Druck machen und Bomben schlagen, dabei aber aufpassen, nicht selbst KO zu gehen, denn die Hälfte seiner sechs Niederlagen kassierte Khabez vorzeitig.

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Levi Rigters

Levi Rigters ist DIE große Schwergewichtshoffnung aus den Niederlanden. Den Zwei-Meter-Hünen umweht das Flair von Hollands legendären Kickbox-Größen und mit gerade mal 25 Jahren steht er bereits an der absoluten Weltspitze. Kein Wunder, seine Karriere verlief im Senkrechtstart: 11 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch Knockout. Der „Judge“ feierte erst 2017 sein Profi-Debüt - direkt bei Enfusion, wo er schon im vierten Kampf den Titel im Superschwergewicht holte. Rigters ist groß, extrem talentiert, KO-gefährlich, diszipliniert und charismatisch. Soll heißen: Er besitzt Starpotential.

Zuletzt gewann er das Schwergewichtsturnier von Glory 76, was ihn eigentlich in Schlagweite einer Titelchance gebracht haben müsste. Rigters kämpft technisch ähnlich sauber wie Verhoeven, aber längst nicht so diszipliniert. Er lässt sich häufiger zu wilden oder überstürzten Attacken hinreißen, die bisher allerdings auch oft von Erfolg gekrönt waren. Ihn auf Distanz zu halten dürfte zudem schwierig werden, denn Rigters ist einer der größten Kämpfer im Turnier, extrem selbstbewusst und ein echter Geheimtipp. So viel zur Analyse der Stärken und Schwächen aller vier Teilnehmer des großen Schwergewichtsturniers von Glory 77.

Weitere bemerkenswerte Kickboxer

Neben den genannten Schwergewichten gibt es auch in anderen Gewichtsklassen herausragende Kickboxer. Enrico Kehl, ein sehr bekannter deutscher Muay Thai Kämpfer und Kickboxer, genießt große Beliebtheit in Deutschland und wurde mehrmals zum Kickboxer des Jahres gewählt. Im Jahr 2014 wurde er zum Champion des K-1 World Max Turniers in Thailand gekrönt und hat dabei beeindruckende Kämpfe bestritten. Kehl hat international mehrfach gekämpft und stand unter anderem im Ring bei Veranstaltungen wie Wu Lin Feng in China oder Bellator Kickboxing. Sein Wechsel zu GLORY kam überraschend, da er zuletzt erfolgreich bei ONE Championship gegen den aktuellen Titelträger Chingiz Allazov kämpfte.

Die besten Muay Thai Kämpfer aller Zeiten

Muay Thai ist eine der effektivsten Kampfsportarten und hat im Laufe der Jahre stark an Popularität gewonnen. Die Kampfkunst ist seit dem 17. Jahrhundert ein beliebter Sport in Thailand, gewann aber im 20. Es gab einige berüchtigte westliche Muay-Thai-Kämpfer, von denen es einige auf die Liste der besten Muay-Thai Kämpfer aller Zeiten geschafft haben.

Einige der bekanntesten Namen sind:

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  • Sombat Banchamek (Buakaw Por Pramuk)
  • Yodsanklai Fairtex
  • Petchboonchu FA Group
  • Samart Payakaroon
  • Ramon Deckers
  • Dieselnoi Chor Thanasukarn
  • Somrak Khamsing
  • Sagat Petchyindee
  • John Wayne Parr
  • Thongchai Tor Silachai
  • Pud Pad Noy Worawoot
  • Apidej Sit Hirun
  • Kaopong Sittichuchai
  • Saenchai
  • Nong-O
  • Panpayak
  • Superlek
  • Rodtang
  • Janet Todd
  • Sangmanee
  • Rungkit
  • Kongklai
  • Anueng Khatthamarasri
  • Capitan
  • Ruumet
  • Meksen
  • Tawanchai P.K.
  • Barlow
  • Haggerty
  • Kiewpayak
  • Sawsing
  • Superbon
  • Prajanchai
  • Tapaokaew
  • Ferrari

Jeder Kämpfer in dieser Liste trägt zur Entwicklung und zum Wachstum des Sports bei.

Viele Muay Thai-Elitekämpfer beginnen schon in jungen Jahren mit dem Kampfsporttraining, so auch Rodtang. Der Kämpfer begann sein Muay Thai-Training als schüchterner Siebenjähriger. Mit 14 Jahren zog Rodtang von seiner Heimat im Nordosten Thailands nach Bangkok. Rodtang zeichnet sich durch seine Ausdauer und sein aggressives Vorgehen aus. Dieser Elitekämpfer liebt es, mit einem Hagel von Schlägen seine Gegner zu überraschen, die ihre Verteidigung schwächen und sie ungeschützt lassen. Er kann einen Angriff mit der gleichen Geschicklichkeit abfangen und abwehren, mit der er auch den Schmerz austeilt.

Tawanchai P.K. ist ein technischer und strategischer Kämpfer, der die Bewegungen seines Gegners voraussieht und kontert. Tawanchai baut eine solide Verteidigung auf und nutzt jede mögliche Öffnung, um verheerende Angriffe auszuführen. Er ändert seinen Kampfstil von einem Kampf zum nächsten.

Barlow praktiziert Muay Thai und Kickboxen, eine Kombination, die sich zu einem effektiven Kampfstil verbindet. Die Barlows betrieben ein Muay-Thai-Fitnessstudio in ihrem Hinterhof, und hier kam die junge Iman zum ersten Mal mit dem Sport in Berührung. Schon als Kind reiste die britische Kämpferin nach Thailand, um an Muay Thai-Turnieren teilzunehmen. Schon bald sammelte sie jahrelange Erfahrung und einen Angriffsstil, bei dem es Spaß macht, ihm zuzusehen. Barlow ist einmalige Weltmeisterin im Bantamgewicht im Muay Thai.