Wer hat den 10. Dan im Karate?

Die letzte Stufe eines lebenden Karateka ist der 10. Dan. Aber wie perfekt kann ein Mensch wirklich werden?

Mit dem 1. Dan fängt der lange Weg für den Karateka beim Karate erst an, denn Dan bedeutet „Stufe”. Es ist der Anfang einer geistigen, charakterlichen und körperlichen Entwicklung. Der Dan-Träger strebt im Laufe der verschiedenen Meistergrade zur Perfektion.

In den verschiedenen Kampfsportrichtungen gibt es keine einheitliche Definition der Dan Grade. Was im Judo ein schwarzer Gürtel ist , muss in Karate noch lange keiner sein. Auch zwischen den Verbänden gibt es hier starke Unterschiede. Während der eine Verband zwischen den einzelnen Prüfungen bis zum 1. Dan verschieden lange Wartezeiten bis zum Schwarzgurt hat, wirbt der andere Verband mit verkürzten Wartezeiten und Sonderbehandlung bis zur 1. Dan Stufe.

Doch wer sich auf den Weg des traditionellen Karate begibt, lässt sich auch auf den Weg der Charakterbildung und der geistigen Weiterentwicklung ein. Das Dan-System ( Schwarzgurte - Kuro Obi ) hat Meister Gichin Funakoshi in das Karate - Do eingeführt. Davon sind vier Grade technische Meistergrade, die auch als Yudansha (Danträger) bezeichnet werden. Zur technischen Perfektion übt sich der Yudansha mit geistiger Voraussetzung (Shin) und der richtigen Haltung (Shi-sei).

  1. Am Anfang seines langen Wegs der Dan Stufen hat der Shodan eine „Vorahnung” über das Wissen der Techniken. Der erste Dan bedeutet für ihn ein Ausgangspunkt für seine Entwicklung. Mit der technischen Grundlage des Trainings und seiner inneren Haltung hat er den Weg des Karate do gemeistert und begibt sich jetzt als „Suchender Schüler ” auf den Weg zur geistigen Reife. Er ist interessiert an der Verbindung von Geist und Technik und sieht das als nächste Herausforderung. Oft besteht allerdings die Gefahr, dass er sich jetzt auf seinem 1.
  2. Der Schüler hat nun die Bedingungen des Weges durch seine rechte Haltung verstanden. Noch warten viele Hindernissen auf seinem Weg, doch er hat sich noch nicht endgültig entschieden, diese Herausforderungen mit allen Konsequenzen zu meistern. Dieser Dan-Grad wird auch “Schülers am Anfang des Weges” genannt. Seine intensive Karate-Praxis und sein Studium des Weges lassen ihn über den Tellerrand des reinen Kampfsports blicken und ihn den Weg der Kampfkunst verstehen. Er kann sie auf seine täglichen Lebenssituationen übertragen. Ob der Schüler allerdings den Anforderungen des Weges wirklich gewachsen ist, wird sich zeigen.
  3. Der Karateka ist nun entschlossen den Weg der Kampfkunst bis an sein Lebensende zu gehen. Erst jetzt wird ihn der Meister als wahren Wegschüler anerkennen. Hier beginnt der Eintritt in die Ha-Form( Zweite Stufe des Shu-Ha-Ri - Wege und stufen des Lehrens) “Der anerkannte Schüler” zeigt an seiner Haltung und nicht nur an seinem technischen Fortschritt seine Weg-Stufe. Er lässt sich durch nichts von seinem Weg abbringen. Seine Treue gegenüber dem Stil (Ryu), dem Weg (Do), der Schule (Dojo) und dem Lehrer (Sensei) haben Kopf, Herz und Hand gleichermaßen gestärkt.
  4. Ab dem 4. Dan beginnt der Weg des Budos. Der Karateka hat nun die technischen und körperlichen Grenzen erreicht und weiß nun, dass er sich auf einer anderen Ebene des Budo-Weges neuen Herausforderungen stellen muss. Er lebt und verinnerlicht die geistigen Aspekte der Kampfkunst täglich im Dojo oder im Alltag. Der Yondan verbindet die Karate Philosophie und die Budo-Technik so miteinander, dass er Wege zur inneren Perfektion suchen und finden kann. Er ist in der Lage, seinen Geist, seine Atmung und seinen Ki-Fluß in den körperlichen Übungen zu kontrollieren und verleiht damit seiner Technik die maximale Wirkung.

Kodansha- Die selbstständigen Lehrer und eigentlichen Meistergrade des Budo.

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iro kokoro* (7.Dan bis 10.Dan) In den Graden werden die Titel Renshi, Kyoshi und Hanshi vergeben. Man spricht diesen Meistergraden Seishin (geistige Reife) zu.

  1. Der Karateka mit dem 5. Dan Grad bekommt den Titel Renshi - Mensch mit reifem Bewusstsein. Dieser Grad kann frühestens im Alter von 31 Jahren erreicht werden. Die Voraussetzung sind eine entsprechende Budo-Erfahrung und Lebenserfahrung. Der 5. Dan (Godan) und 6. Dan (Rokudan) zeichnen sich durch viel Wissen, Lebenserfahrung und eine starke innere Haltung aus. Das Karate-Do ist mit seiner Tradition ein wichtiges Lebensprinzip geworden. Der “Kodansha” ist kein “Schüler” mehr, sondern ein wahrer Meister. Er hat die Theorie und die Praxis verinnerlicht und ist ein Vorbild und mit seinem Wissen eine Autorität für seine Schüler.

Laut Wikipedia gibt es heute nur noch einen lebenden Meister mit dem 10.Dan. Der Japaner Hirokazu Kanazawa , am 3. Mai 1931 in der Präfektur Iwate, Japan geboren, ist einer der bedeutendsten Karate-Meister. Seit 2002 ist er Träger des 10. Dan Hanshi.

Bekannte Karateka mit dem 10. Dan

Fritz Nöpel

Unser Hanshi Fritz Nöpel (10. Dan) war ein deutscher Karateka und der Wegbereiter des Gōjū-Ryū-Karate in Deutschland. Fritz Nöpel (* 3. November 1935 in Breslau, + 19. November 2020) war Träger des 10. Dan.

1954 unternahm Fritz Nöpel nach seiner Berufsausbildung zum Bergmann eine Fahrradreise durch Asien mit dem Ziel, die Olympischen Sommerspiele 1956 in Melbourne, Australien, zu besuchen. Den ersten intensiven Karateunterricht nahm er in Taiwan. Dort begann er im Yuishinkan, dem Dōjō von Kisaki Tomoharu in Osaka, als einer von wenigen Schülern Gōjū-Ryū-Karate zu erlernen.

1961 heiratete er in Osaka Eiko Nakabajasi. 1967 gründete Fritz Nöpel - damals Inhaber des 4. Dan - im Polizeisportverein Dortmund eine Gōjū-Ryū-Karate-Abteilung und damit das erste Gōjū-Ryū-Karate-Dōjō Deutschlands. Seit 1982 wohnte er bis zu seinem Tod in Kamen, der heute Honbu Dōjō des Yuishinkan in Europa ist.

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1999 wurde Fritz Nöpel zusammen mit dem 8. Dan der Ehrentitel Hanshi verliehen. Der Deutsche Karate Verband (DKV) verlieh ihm 2007 den 9. Dan. im Mai 2016 wurde ihm zum Anlass seines 60-jährigen Karate-Jubiläums der 10. Dan zusammen mit der Ehrennadel in Platin verliehen.

Jean Chalamon

Jean Chalamon wurde 1935 in Cap St. Jacques in Südvietnam geboren. Er trat den Streitkräften bei und meldete sich als Freiwilliger, um an allen Kampfhandlungen im Tonking-Delta teilzunehmen. Während der Schlacht von Dien Bien Phu wurde er verwundet und gefangengenommen.

1967 gründete Fritz Nöpel - damals Inhaber des 4. Dan - im Polizeisportverein Dortmund eine Gōjū-Ryū-Karate-Abteilung und damit das erste Gōjū-Ryū-Karate-Dōjō Deutschlands.

1971 bildete er mit einigen Arbeitskollegen eine kleine Gruppe von Trainierenden. Einer von ihnen sah eine Annonce in einer Pariser Zeitung: „5. Dan Karate sucht Dojo“. Es handelt sich um Richard Lee. Richard Lee unterrichtet Shorinji Ryu Karate, Okinawa Kobudo und Tai Chi (Yang Stil) im Dojo von Jean in der Rue de Lille in Paris. Lee lädt seinen Meister O’ Sensei Kim, der in Kalifornien lebt, ein, einmal pro Jahr nach Frankreich zu kommen, um Lehrgänge von einer Woche Dauer zu geben.

1982 beauftragt O’ Sensei Kim Jean damit, den Butokukai in Frankreich und Europa aufzubauen. 2001 starb O’ Sensei KIM, 10. Dan. 2011 erfolgte die Verleihung des Ju Dan (10. Dan) Shorinji Ryu durch den Kokusai Butokukai. Nach mehr als 65 Jahren des Trainierens und Unterrichtens empfindet er es als Verpflichtung, seine Erfahrung und seine Kenntnisse der Kampfkünste mit all denen zu teilen, die sich dafür interessieren.

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Jamal Measara

Der deutsche Karate-Präsident Wolfgang Weigerte überreichte die Auszeichnung an Jamal Measara. Jamal Measara ist einzigartig: Der Kelheimer Karateka, der unter anderem elf Bücher verfasst hat, bekam am Wochenende von Wolfgang Weigert, dem Präsidenten des Deutschen Karate-Verbandes (DKV), die Urkunde für den zehnten Dan verliehen. „Das gibt es in Deutschland nur einmal“, berichtete Weigert über die Auszeichnung, für die man sich nicht bewerben kann. „Der Beschluss im Präsidium fiel einstimmig.“

Es ist die höchste Auszeichnung, die ein Karateka erhalten kann - und sie ist hierzulande nur wenigen Großmeistern im Budo-Sektor zuteilgeworden: Die Anerkennung des 10. DAN. Nachdem die Bundesversammlung in Frankfurt einstimmig dem Antrag des DKV-Präsidiums gefolgt war, Jamal Measara den 10. DAN anzuerkennen, ist der 75-Jährige nunmehr der Einzige, der in Deutschland über den 10. DAN verfügt.

Zudem hatte es sich Hanshi Shimabukuro nicht nehmen lassen Jamal Measara den 9. DAN-Grad für die Stilrichtung Shorin Ryu Seibukan zu verleihen.

Weitere Karateka

Weitere Karateka mit hohen Dan-Graden sind:

  • Nakayama Hakud?
  • Shizuya SATO (10. Dan)
  • Hirokazu KANAZAWA (10. Dan)
  • Katsuo YAMAGUCHI (10. Dan)
  • Keiji TOSE (10. Dan)
  • Terutaka KAWABATA (10. Dan)
  • Kazuo Sakai (10. Dan)
  • Ikuo Higuchi (9. Dan)

Diskussionen und Kontroversen

Es gibt viele Diskussionen darüber, wer den 10. Dan wirklich verdient hat. Einige meinen, dass der 10. Dan nur posthum vergeben werden sollte, während andere der Meinung sind, dass er an lebende Meister verliehen werden sollte, die ihr Leben dem Karate gewidmet haben.

Einige kritisieren auch die inflationäre Verwendung von Graduierungen und die Gründung eigener Systeme, um sich selbst hohe Dan-Grade zu verleihen.

Letztendlich hängt es vom System und den Kriterien der verleihenden Organisation ab, ob ein hoher Dan-Grad als seriös angesehen wird.

**Auszug aus einer Diskussion in einem Forum:**

"Ich kenne es so, dass der 10. Dan posthum vergeben wird und ein Lebender max. bis 9. Dementsprechend, ein 10. Dan wertet die Person nicht auf, es wertet das System im schlimmsten Fall ab. Man kann das nicht so pauschal sagen. Einen Morio Higaonna kann ich mit seinem 10. Dan ernst nehmen, einen "Großmeister Detlef Korn" mit seinem 10. Dan eher nicht."

Die Welt dreht sich natürlich ständig weiter und damit purzeln auch die Dan Grad „Ranglisten“ ständig durcheinander 😉 (die es natürlich gar nicht gibt). Vielleicht sollte man sich nicht so sehr an Graduierungen klammern und auch einmal überlegen, daß es mehr um die persönliche Entwicklung geht, weniger um den Vergleich (der zwischen Stilen und Kampfkünsten auch sehr schwierig ist) oder die Bildung von Idolen. Natürlich hat ein hoher Dan Grad, seriös vergeben, auch eine hohe Aussagekraft, in Namen und Sinn der verleihenden Organisation. Auch sind wirtschaftliche Aspekte sicher nicht zu unterschätzen. Man darf aber auch nicht außer Acht lassen, daß sich eine gewisse inflationäre Verwendung von Graduierungen eingestellt hat.