Wer entscheidet den Ausgang eines Wrestling-Kampfes?

Im Wrestling zeigen fiktionale Charaktere mit verschiedenen Persönlichkeiten, ähnlich wie in Filmen und TV-Serien, eine Gut-gegen-Böse-Geschichte. Aber ist es so einfach? Oder ist Wrestling doch ein künstlerischer Akt der Kampfkunst?

Die Geschichte des Wrestlings

Die Anfänge des Wrestlings liegen im 19. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit zeigte man Wrestling-Kämpfe zur Belustigung der Zuschauer auf Jahrmärkten. Damals versuchten noch die Besucher einen deutlich überlegenen und trainierten Athleten zu besiegen. Im 20. Jahrhundert bildeten sich dann die ersten kleinen Wrestling-Ligen. 1901 wurde in San Francisco das sogenannte „Tag Team Wrestling“ als offizielle Wrestling Match-Art eingeführt. In den 1920er Jahren wurde das Wrestling innerhalb den USA als internationaler Sport anerkannt. Aus den beiden beliebten Ligen „JIM Crockett Promotions“ und „Capitol Wrestling Corporation“ bildete sich dann bereits Ende der 30er Jahre die World Wrestling Federation (WWF) heraus. In den 80er Jahren schaffte das Wrestling dann seinen Durchbruch. Hulk Hogan avancierte zum Superstar und wurde zum Aushängeschild des Wrestlings.

Wrestling: Mehr als nur Sport

Wrestling ist kein Sport. Es ist Sports-Entertainment. Trotzdem müssen die Muskelmänner extreme Anforderungen erfüllen, bevor sie in den Ring dürfen. Das Training ist eine körperliche Quälerei. Judo, Brazilian Jiu Jitsu oder Boxen sollen nichts dagegen sein. In einer Wrestling-Schule lernt man die Fallschule des Bodyslams, den Elbow Drop oder Dropkicks. Als „Bump“ bezeichnen Wrestler den Aufprall auf der Matte. Während der Matches zeigen die Athleten verschiedene Arten von Aktionen, um ihre Gegner zu schwächen. Der Ablauf ist dabei von vornherein in einem Storytelling geplant. Der Grundsatz gilt: Je gefährlicher und spektakulärer, desto interessanter für das Publikum. Hauptsächlich geht es um Sprünge, Würfe, Haltegriffe, Schläge und Tritte. Neben dem harten Training und den Showkämpfen im Ring sind gefragte Wrestler auch im Stress. Es gibt keine Sommer- oder Winterpause. Wrestler müssen jede Woche mehrmals in den Ring. Sie verbringen ihr Leben im Flugzeug, im Taxi oder im Tour-Bus. Der Körper eines Spitzen-Wrestlers muss einwandfrei funktionieren und überragend aussehen.

Die Inszenierung im Wrestling

Im Wrestling wird normalerweise im Vorfeld ein Drehbuch erstellt, das die Handlung des Matches, den Verlauf und den Ausgang des Kampfes festlegt. Die Entscheidung darüber, wer gewinnt oder verliert, wird in der Regel von einer Gruppe von kreativen Mitarbeitern getroffen, die als "Booker" bezeichnet werden. Diese Mitarbeiter planen die Handlung und die Ereignisse des Matches und entscheiden, wer als Sieger hervorgehen soll, um die Storyline des Wrestlers oder der Wrestling-Franchise voranzutreiben. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen der Ausgang des Kampfes spontan entschieden wird, insbesondere bei echten Wettbewerben im Amateur- oder Profi-Wrestling.

Die Rolle der Booker

Die Booker sind die Arbeiter, die die Matches und die Fehden der Wrestler schreiben. Sie legen alle Storylines und Charaktere fest, auch den Ausgang von Matches und gelegentlich besondere Kampfaktionen. In diesem Rahmen können Wrestler durchaus improvisieren, die Stars natürlich mehr als die Anfänger.

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WWE und die Entscheidungsträger

Das entscheidende Wort in der größten Liga WWE hat IMMER WWE-Besitzer Vince McMahon. Wenn ihm ein Kampf-Ausgang nicht gefällt, kann er zu jeder Zeit das Drehbuch ändern. Seit Vince McMahons Aus ist die Macht auf mehrere Schultern verteilt. Nachfolgerin als „Chairwoman“ und CEO des Unternehmens ist Vinces Tochter Stephanie McMahon. Co-CEO an ihrer Seite ist der frühere Sportmedien-Agent Nick Khan. Triple H Paul Levesque, trifft als Verantwortlicher für den Kreativ- und Talentbereich alle Schlüsselentscheidungen zum Thema Kader, Gestaltung der Shows, Ausgang der Matches, Auswahl der Titelträger.

Wie ein Wrestling-Match entsteht

Man kann ein 10-20 Minuten-Match nicht bis ins Detail planen. Wrestler wissen, wie man ein Match so aufbaut, dass es sehenswert ist. Das ist Impro. Die Art und Weise, wie das Match endet, ist im Vorfeld grob klar (gehört ja auch zur Storyline, Wrestler müssen ja wissen ob das Match durch Pin, DQ, Countout etc. entschieden werden soll). Die Wrestler haben im Grunde nur diese Vorgaben: Sieger, Art und Weise des Matchendes und eventuell wichtige Säulen zur Storyline. Unterm Strich ziemlich wenig für 10-20 Minuten. Die Matches sind vorher immer abgesprochen.

Für die Durchführung der Matches und anderer Segmente im Ring sind so genannte Producer zuständig, früher Road Agents genannt. Es sind Ex-Wrestler wie Jamie Noble, „Hurricane“ Shane Helms und Molly Holly, die Bindeglied zwischen Autoren und Aktiven sind.

Wie stark ein Kampf durchchoreographiert wird, hängt von der Wichtigkeit des Kampfes und der Erfahrung der Beteiligten ab. Verlässliche Routiniers bekommen oft nur die Grundzüge vorgegeben. „Es werden von uns Wrestlern viel mehr spontane, kreative Elemente in die Kämpfe eingebaut, als es die meisten vermuten“, erklärte der mittlerweile zu Konkurrent AEW gewechselte Claudio Castagnoli (Cesaro) einmal in einem Interview bei SPORT1.

Kayfabe: Die Illusion der Realität

Der wichtigste Schlüsselbegriff zum Verständnis von Wrestling ist Kayfabe. Die Herkunft des Begriffs ist unklar, in erster Annäherung lässt er sich als wrestlingspezifische Adaption eines schauspielerischen Verständnisses von Fiktionalität interpretieren. Wie Schauspieler beim Theater agieren Wrestler als Darsteller in einem vorher festgelegten Stück und sollen ein Publikum mit ihrem Spiel überzeugen. Das Gespielte soll nicht gespielt wirken, aber Kayfabe bedeutet viel mehr, weil Wrestling im Vergleich mit konventionellem Theater ein strukturell komplexeres Erlebnis beabsichtigt - und damit fast schon mit avantgardistischem Theater verwandt ist.

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Die Faszination des Wrestlings

Wrestling ist ein Spektakel. Es zieht als Kombination aus Sport und Unterhaltung in vielen Ländern Massen an Zuschauer:innen an. Tatsächlich laufen die Kämpfe nach einem Drehbuch ab. Der Ausgang ist geplant. Wer das Match gewinnt, steht schon vorher fest. Wrestler:innen verkörpern Figuren. Die Kämpfe sind oft nach dem typischen Schema von Gut gegen Böse aufgezogen. Wrestling-Profis beherrschen Schauspiel und Kampf-Moves zugleich.

Unterhaltsam zu sein, heißt aber für Wrestler:innen: hartes Training. Denn der Kampf verläuft zwar nach Skript, doch die Profis müssen trotzdem vollen Körpereinsatz leisten. Es soll ja spektakulär aussehen. Wrestling-Profis verbringen viele Stunden damit, Muskeln beim Body-Building aufzubauen. Sie üben verschiedene Moves ein, trainieren Kampftechniken und Sprünge. Außerdem verfügen sie über eine außergewöhnliche Körperbeherrschung, etwa um auf den Seilen im Ring zu balancieren und sich abzurollen.

Begriffe im Wrestling

  • Face und Heel: Face, auch Babyface genannt bedeutet, dass derjenige Wrestler ein guter und fairer Superstar ist. Er wird von den Fans fast immer bejubelt. Ein Heel ist genau das Gegenteil. Er ist ein unfairer Superstar und wird von den Fans meistens ausgepfiffen.
  • Storyline: Eine Storyline ist eine Geschichte die meistens gar nicht stimmt. Storylines werden vermehrt eingesetzt um eine Fehde interessanter zu machen.
  • Gimmick: Als Gimmick wird der Charakter bezeichnet, den ein Wrestler spielt, um Fehden und sonstige Storylines interessanter zu gestalten.
  • Most Heat & Most Pop: Most Heat bedeutet das dieser Wrestler in der gesamten Show am meisten ausgebuht wird da er am unbeliebtesten ist. Der Wrestler der den Most Pop bekommt ist am beliebtesten und bekommt am meisten Applaus und Jubelrufe.
  • Houseshow: Eine Houseshow ist eine Show die nicht im TV aufgezeichnet wird und auch nicht auf DVD´s zu finden ist.

Verschiedene Arten von Wrestling-Matches

  • Singles Match: Bei einem Einzelkampf treten zwei Wrestler gegeneinander an.
  • Hardcore Match: Die verschiedenen Ansetzungen des Hardcore-Wrestlings zeichnen sich durch den Verzicht auf Count-Outs und Disqualifikationsregeln aus.
  • Falls Count Anywhere: Hierbei handelt es sich um eine Zusatzregel, die besagt den Gegner überall in und außerhalb der Halle pinnen zu können.
  • Death Match: Während die Regeln eines solchen Matches sich nur selten von denen eines Hardcore-Matches unterscheiden, ist der Grad der Brutalität meistens deutlich höher.
  • First-Blood Match: Ziel dieser Sonderform des Hardcore-Matches ist es, dem Gegner eine Platz- oder Schnittwunde zuzufügen.
  • Barbed-Wire Match: Häufig auch als No-Ropes-Barbed-Wire-Match bezeichnet. Die Ringseile werden durch Stacheldraht ersetzt, ansonsten entspricht es einem Hardcore-Match.
  • Clockwork-Orange-House-of-Fun Match: Hier hängen an Stahlketten befestigte Gegenstände über dem Ring und können als Waffen benutzt werden.
  • Fans-bring-the-Weapons Match: Eine weitere Art des Hardcore-Matches besteht darin, dass die Fans Utensilien zum Ring mitbringen.
  • Crucifixion Match: Bei diesem Match muss man seinen Gegner an ein Kreuz Nageln, um zu gewinnen.
  • Multi-Way Match: An Kämpfen dieser Art nehmen normalerweise drei bis sechs Wrestler teil, wobei es keine vorgesehenen Allianzen gibt und somit jeder gegen jeden antritt.

Die WWE: Eine globale Unterhaltungs-Organisation

Die WWE ist die einzige weltweit agierende Wrestling-Organisation. Sie wurde 1952 gegründet (damals noch unter dem Namen Capitol Wrestling Federation), 1963 in WWWF umbenannt, bevor sie 1979 in WWF (World Wrestling Federation) umbenannt wurde.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass Wrestling eine inszenierte Form des Sports ist, die darauf abzielt, das Publikum zu unterhalten und Emotionen zu wecken.

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