Chinesische Kampfsportarten: Eine Reise durch Tradition und Vielfalt

Die chinesische Kampfkultur ist von vielen Mythen und Legenden geprägt. Daher ist es unmöglich, alle historischen Tatsachen nachvollziehen zu können. Es gibt zahlreiche Kampfsportarten mit chinesischem Ursprung und es ist schwierig, die verschiedenen chinesischen Kampfstile einzugrenzen. Es gibt so viele davon, dass diese Sportarten oft gemeinsam als "Chinesische Kampfkunst" bezeichnet werden. Im Westen benutzen wir dafür meist die Begriffe Kung Fu oder Gongfu.

In der chinesischen Sprache wird Kampfkunst als Wushu bezeichnet - übersetzt bedeutet das: Kriegskunst. Der Ursprung der Kampfkünste liegt in der Notwendigkeit der Selbstverteidigung und der militärischen Ausbildung im alten China. Im letzten Jahrhundert wurden sie immer mehr zu publikumswirksamen Showkämpfen weiterentwickelt. Wir wollen in diesem Artikel versuchen, Dir einen Überblick über die verschiedenen Stile der chinesischen Kampfkunst zu geben.

Ein kleiner historischer Überblick über die chinesische Kampfkunst

Zwischen 1100 und 220 v.Chr. wurden Waffen wie das Schwert, der Säbel, die Hellebarde und der Dolch erfunden, was mit der Entwicklung der Kriegskunst einhergeht. Zeitgleich entstand auch die waffenlose Kampfkunst Xiangbo. In den darauffolgenden 400 Jahren wurden viele unterschiedliche Kampfstile populär, wie zum Beispiel der Ringkampf Juedi oder die Kampfkunst Shoubo. Diese Stile wurden oft über mehrere Jahrhunderte hinweg gepflegt und weiterentwickelt.

Bereits in dieser Zeitspanne dienten Kampfsportarten nicht nur der Selbstverteidigung, sondern wurden auch als spirituelle und gesundheitsfördernde Praktiken betrieben. Eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung, dieser Vereinigung von Selbstverteidigung, spiritueller und gesundheitlicher Praxis spielte der buddhistische Mönch Boddhidharma im 5. Jahrhundert n. Chr. Er lehrte die Mönche des Shaolin-Klosters in der Provinz Honan Übungen, die gegen Müdigkeit bei langen Meditationen helfen und unterrichtete Kampftechniken, damit sie sich gegen mögliche Angreifer verteidigen konnten. Der Stil dieser Kampfkunst hat sich bald in ganz Asien verbreitet und brachte weitere Kampfformen wie Karate (Japan) und Taekwondo (Südkorea) hervor. Bis heute ist die Shaolin Kampfkunst erhalten geblieben.

Eine weitere prägende Figur für den chinesischen Kampfsport war Zhang Sanfeng. Es ist nicht klar ob er bereits im 10. oder erst im 13. Jahrhundert geboren wurde. Die eine Legende besagt, dass er, nachdem er den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange beobachtet hatte, ein Kampfsystem entwickelt hat, das auf Nachgiebigkeit und weichen Bewegungen beruht. In einer anderen Version der Geschichte hat er den Kampf nur geträumt, nachdem er als alter Mann in einem Kloster die Lebensenergie, das Chi (auch Qi), erfahren hatte. Aus dieser Erfahrung leitete er Grundsätze der „inneren Kampfkünste“ ab.

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Während die Kampfkünste über einen langen Zeitraum hinweg vor allem von Kriegern und Soldaten praktiziert wurden, gewannen sie ab den 1920er Jahren an Popularität und verbreiteten sich mehr und mehr in der Bevölkerung. Als M. Zedong 1949 in der Volksrepublik China an die Macht kam, entwickelte sich die Kung Fu Stile zu einer offiziellen Volkssportart. Es wurden akrobatische Bewegungen integriert, die Selbstverteidigung trat zu Gunsten des Showeffekts in den Hintergrund. Mit dem Begriff modernes Wushu meint man dieses, von der Regierung anerkannte, Repertoire an akrobatischen Kampfkunstbewegungen.

Erst mit dem Ende des maoistischen Regimes (1975) war die Praxis der traditionellen chinesischen Kampfkunst wieder erlaubt. Seither wird auch seitens der Regierung versucht, sie wiederzubeleben. Die Kong Fu Wettbewerbe, die heute ein Sinnbild für die chinesische Kultur sind und gerne von Touristen besucht werden, haben sich immer weiter von den ursprünglichen Prinzipien entfernt. Anstelle der Selbstverteidigung und der spirituellen Erfahrung stellen sie Sport und Akrobatik in den Mittelpunkt.

Chinesische Kampfkunst - Definitionen

Es gibt etwa 360 verschiedene Formen der chinesischen Kampfkunst. Im Grossen und Ganzen kann man sie in die inneren Kampfkünste und die äusseren Kampfkünste unterteilen. Eine weitere Differenzierung erfolgt unter den südlichen und nördlichen Kampfarten. Beide Einteilungen helfen bei der Orientierung, können aber nie ganz zuverlässig und exakt sein. Die Vielzahl und die Komplexität der einzelnen Stile macht es unmöglich, sie in ein Schema zu zwängen; oft weisen sie Merkmale aus beiden Kategorien auf.

Innere Kampfkünste

Auf Chinesisch heisst die Innere Kampfkunst Neijia Quan. Das Wort Quan steht für Faust oder Kampfkunst, Nei bedeutet innen und Jia kann sowohl Familie als auch Stil oder Schule bedeuten. Der Name kann daher unterschiedlich gedeutet werden.

  • Innerhalb der Familie: die Kampftechnik wird als Handwerk nur an einen ausgewählten Personenkreis weitergegeben; oder sie hat ihren Ursprung in China (genauer dem Wudang Gebirge)
  • Die innere Schule: Traditionell wurde die Kampfkunst hinter den Mauern der Schule unterrichtet, sodass von aussen niemand zuschauen konnte.
  • Ausbildung der inneren Kraft: Es werden die äusserlich unsichtbaren Körperpartien trainiert: Sehnen, Bänder, Knochen und tiefliegende Muskeln.

Die eigentliche Technik spielt sich innerlich ab: Gedankenkraft ist ein wichtiger Teil der Kunst. Es geht auch darum, wie man den Kampf vermeiden kann und wie man sich verhält, wenn es doch dazu kommt. Die Inneren Kampfstile werden auch als die weichen Stile bezeichnet. Damit sind sie schon ziemlich gut beschrieben, denn sie weisen eine eher weiche Bewegungsqualität auf und beschäftigen sich mit der Wahrnehmung und Steuerung körperinnerer Prozesse. Die Inneren Stile setzen auf eine maximale Wirkung durch minimalen Kraftaufwand. Es geht also nicht um Muskelkraft oder athletische Fähigkeiten. Sie suchen viel mehr danach das Chi, die Lebensenergie, zu erfahren, zu trainieren und weiterzuentwickeln.

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Zu den Kampfkunstformen der Inneren Stile gehören:

  • Tai-Chi
  • Weisser Kranich
  • Yiquan
  • Baguazhang
  • Xingyiquan
  • Wasserstilboxen
  • Tongbeiquan

Diese Kampfstile stehen oft dem Daoismus nahe und gehen auf den Mönch Zang Sanfeng zurück.

Äussere Kampfkünste

Im Gegensatz zu den Innern Stilen setzen die äusseren Kampfkünste auf die athletische Ausbildung. Muskelkraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Abhärtung werden trainiert. Bei manchen äusseren Stilen sind auch akrobatische Fähigkeiten gefragt. Der chinesische Name ist Wajia Quan, der aus den bereits bekannten Begriffen Quan und Jia sowie Wa (aussen) zusammengesetzt wird.

  • Ausserhalb der Familie: Kampfsportarten, die ihren Ursprung nicht in China haben, werden oft zu dieser Kategorie gezählt. Ausserdem werden auch die Kampfarten, die aus dem Shaolin-Kloster stammen dazugezählt.
  • Ausbildung der äusseren Kraft: Der Fokus liegt auf der direkten Kraftausübung und schnellen Bewegungen.
  • Die Technik spielt sich aussen ab: Ausgebildet und gefördert werden körperäusserliche Prozesse.

Die Äusseren Kampfkünste werden auch als die harten Stile bezeichnet. Wenn sie traditionell aus China stammen, gehen sie auf das ursprüngliche Shaolin Kung Fu zurück und stehen dem Buddhismus nahe.

Die Einteilung in innere und äussere Kampfstile findet sich auch bei anderen asiatischen Kampfsportarten, wie den japanischen, indischen und thailändischen.

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Nördliche und südliche Kampfkunst

Bei dieser Unterscheidung geht es um den geografischen Ursprung eines Kampfstils. Die nördlichen Stile sind dabei durch eher harte Techniken, grosse Bewegungen (Sprünge, hohe Tritte, schnelle Läufe) und eine grosse Flexibilität gekennzeichnet. Die südlichen Stile werden als deutlich weicher und statischer beschrieben. Bei tiefem, stabilem Stand werden kurze, explosive Bewegungen ausgeführt.

Der Einsatz von Waffen

Waffen kommen in den meisten chinesischen Kampfkünsten zum Einsatz; einerseits zu dem ganz offensichtlichen Zweck der Selbstverteidigung, andererseits helfen sie auch dabei besondere körperliche und mentale Fähigkeiten auszubilden. Neben den klassischen, traditionellen Waffen, wie:

  • Speer
  • Schwert
  • Säbel
  • Hellebarde
  • Lanze
  • Stock
  • Drei Segment Stock
  • langer Stock
  • kurzer Stock
  • Peitsche

kommen auch neuere Waffen und sogar Alltagsgegenstände, die der Selbstverteidigung dienen können, zum Einsatz. Die Grundlagen für das nicht ganz ungefährliche Waffentraining werden erstmal im waffenlosen Training erworben, damit due notwendige Körperbeherrschung ausgebildet werden kann.

Die Lebensenergie - Chi oder Qi

Bei Chi und Qi handelt es sich um dasselbe, es sind nur unterschiedliche Schreibweisen. Es ist einer der zentralen Begriffe des Daoismus und wird oft mit Lebensenergie übersetzt. Er findet sich auch in der traditionellen chinesischen Medizin. Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, dass die Welt aus einem grossen Ganzen entstanden, das sich in Yin und Yang aufgeteilt hat. Diese beiden Gegensätze trägt auch jeder Mensch in sich. Sie müssen in einem Gleichgewicht sein, damit das Ganze (chi) funktioniert. Geraten sie ins Ungleichgewicht, können mentale oder körperliche Probleme auftreten. Die Inneren Kampfkünste, in denen das Qi eine grosse Rolle spielt, sind deshalb auch als Gesundheitssysteme anzusehen. Ihnen wird durch die körperlichen, aber auch die geistigen Übungen und die Meditationen eine grosse Heilkraft zugesprochen.

Die chinesischen Kampfsportarten - eine Übersicht

Ich möchte Dir hier vier chinesische Kampfkünste vorstellen, die an vielen Schulen, auch in Deutschland, gelehrt werden. Die Abgrenzung der verschiedenen Kampfsportarten ist nicht immer ganz einfach, da sie sich immer wieder an Elementen aus anderen Stilen bedienen. Asiatische Kampfkunst ist eng mit der Philosophie und Religion der jeweiligen Herkunftsgegend verbunden. Es lohnt sich also, sich auch mit den Hintergründen zu beschäftigen, um zu verstehen, was man da eigentlich lernt. Es kann auch vorkommen, dass die verschiedenen Kampfsportschulen unterschiedliche Philosophien verfolgen und dementsprechend das Training gestalten. Während Du an einem Ort modernes Kung Fu als spektakuläre, energiegeladen Kampfkunstform lernen kannst, wird anderswo der innere Aspekt im Vordergrund stehen und Meditationsübungen ein wichtiger Teil des Trainings sein.

Sanda - chinese Boxing

Bei Sanda (auch Sanshou genannt) handelt es sich um das chinesische Boxen oder Kickboxen. Seinen Ursprung hat das Sanda-Boxen bereits in der Frühzeit, als die Menschen die Kampf- und Verteidigungstechniken von Tieren beobachteten, um daraus ihre eigenen Kampfpraktiken abzuleiten. Mittlerweile ist es nicht nur einer der wichtigen Bestandteile des Wushu, sondern hat sich sogar als Nationalsport Chinas einen Namen gemacht. Die Angriffs- und Verteidigungstechniken des Sanda lassen sich in drei Kampfformen einteilen, die von der Distanz der beiden Gegner*innen abhängen:

  • Kicken bei weiter Entfernung
  • Faustkampf, boxen bei mittlerer Entfernung
  • Ringen im Nahkampf

Beim Sanda-Boxen gilt es, ganz anders als in den meisten anderen Boxstilen, Verletzungen zu vermeiden. Aus diesem Grund sind Schläge und Tritte auf den Unterleib, den Hals oder das Rückenmark verboten. Im Sanshou Training werden Kondition, Kraft und Koordination trainiert, verschiedene Schläge, Kicks und Würfe gelehrt und Abwehrtechniken vermittelt. Sanda soll vor allem das Selbstvertrauen stärken und zur Selbstverteidigung angewandt werden.

Shaolin Kung Fu

Die Mutter der Äusseren Kampfkünste. Für den Begriff gibt es zwei leicht verschiedene Definitionen:

  • Im engeren Sinne sind damit nur auf die Kampftechniken, die im Shaolin-Kloster in der Provinz Henan entwickelt und gelehrt wurden gemeint.
  • Im weiteren Sinn bezieht er sich auf alles Stile, die in irgendeiner Weise mit dem Shaolin-Kloster in Verbindung stehen und auch in anderen Klöstern und von Wandermönchen verbreitet wurden.

Es ist die bekannteste und beliebteste Kampfkunst überhaupt und gehört zum immateriellen Kulturerbe Chinas. Shaolin Kung Fu wurde über viele Generationen weitergeben und entwickelt. Es beinhaltet neben konkreten Kampftechniken, mit und ohne Waffen, auch Akrobatik und innere Techniken, die das Körpergefühl schulen. Die buddhistische Achtsamkeit ist zugleich die Grundlage als auch der Höhepunkt d...

Tai Chi Chuan

Das Tai Chi, dass auch Schattenboxen genannt wird, ist eine Kampfkunst, die im Kaiserreich China entwickelt wurde. Heute praktizieren Millionen von Menschen auf der ganzen Welt Tai Chi. Damit zählt diese Kampfkunst zu den am häufigsten praktizierten Kampfkünsten weltweit. Heutzutage ist Tai Chi vor allem dadurch bekannt, dass es mehr als System der Bewegungslehre, dass der Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung dienen soll, praktiziert wird. Die eigentlichen Aspekte der Kampfkunst treten dabei immer mehr in den Hintergrund oder verschwinden sogar ganz. Jedoch betreibt nur ein kleiner Teil der Anhänger es als Kampfkunst zur Selbstverteidigung.

Das Tai Chi ist nicht wie andere Sportarten in grosse Dachverbände die national oder international organisiert sind, aufgegliedert. Es gibt verschiedene zahlreiche Stile und davon wiederum Unterstile, die einzelne Verbände haben. Das Hauptprinzip des Tai Chi ist die Weichheit, dies bedeutet, dass der übende sich entspannt, locker und fliessend bewegt. Bei den Übungen wird keine Kraft, Schnelligkeit oder Abhärtung trainiert, wie es in anderen Kampfsportarten üblich ist. Eine Ausnahme hiervon gibt es allerdings, bei speziellen Waffenformen kommen einzelne sehr schnelle Bewegungen, die fast explosiv sind, vor.

Ein Tai Chi Kämpfer bleibt beim Kampf immer im Kontakt mit dem Gegner. Er soll den Angriffen keinen Widerstand entgegensetzen, sondern die Kraft des Angreifers ausnutzen und diese gegen ihn wenden. Obwohl der Körper beim Üben der Bewegungen entspannt sein soll, sollen nicht alle Muskeln eher schlafen. Dabei soll der Atem stets tief und locker sein, idealerweise soll eine Bauchatmung die Atemfrequenz niedrig halten. So ist es für Anfänger eine der ersten den Atem fliessen zu lassen. Die Grundprinzipien fassen die Körper- und Geisteshaltung eines praktizierenden Tai Chi Kämpfers zusammen. Tai Chi Chuan ist eine sogenannte innere Kampfkunst aus China und beinhaltet viele Formen. Viel gemeinsam hat das Tai Chi Chuan mit Gigong, Xing Yi Quan und Baguazhang.

Taijiquan ist ein so genannter weicher Kampfstil, bei dem die Betonung auf entspannten Muskelpositionen und dem Einsatz der gegnerischen Schwungkraft liegt, im Gegensatz zu den harten Stilen, bei denen die Muskeln in einem hohen Bereitschaftszustand betont werden und die gegnerische Kraft mit der eigenen Kraft getroffen wird. Zusätzlich zu den kriegerischen Aspekten des Taijiquan werden die Konzepte der meditativen Ruhe und der allgemeinen körperlichen Gesundheit sehr stark betont.

Kung Fu

Kung Fu / Sanda / WuShu ist wie Karate eine Kampfkunst und gilt rein zur Selbstverteidigung.

Kung-Fu bzw. Gongfu werden in China aber relativ wenig benutzt, da sie dem kantonesischen Sprachraum entstammen. Weil aber zuallererst überwiegend kantonesisch sprechende Chinesen nach Amerika auswanderten, hat sich schliesslich diese Bezeichnung bei uns etabliert.

Wushu

Wushu heisst soviel wie militärische Künste ( Kriegskunst) bzw. Kriegskünste und war früher der Oberbegriff für alle chinesischen Kampfkünste. In den 50er Jahren rief die Sportkommission von China bekannte Experten des Gongfu nach Peking, die aus den populärsten traditionellen Stilen eine einzige Kunst namens Wushu machen sollten. Die traditionellen kämpferischen Aspekte sollten dabei auf ein Minimum reduziert werden. Dafür sind die meisten Formen sehr akrobatisch, werden aber von den traditionellen Gongfu-Lehrern nicht als Kampfkunst im eigentlichen Sinne anerkannt.

Das Wushu wird von der chinesischen Regierung heute in drei Aspekten klassifiziert und gefördert:

  1. als sportlicher Wettkampf,
  2. als Demonstration und
  3. Quanfa kann mit Gesetze der Kampfkünste oder Regeln der Kampfkünste übersetzt werden.

Weitere Aspekte der chinesischen Kampfkünste

In der chinesischen Kampfkunst ist “Waijia” ein Begriff, der oft verwendet wird, um die “äusseren” Stile zu bezeichnen. Diese äusseren Stile konzentrieren sich mehr auf körperliche Bewegung und äussere Kraft. Im Gegensatz dazu stehen die “inneren” Stile (Neijia), die sich mehr auf innere Energie (Qi), Atemtechniken und spirituelle Aspekte konzentrieren.

Die chinesischen Kampfkünste enthalten - anders als die japanischen Kampfkünste beispielsweise - immer alle Methoden des Kämpfens. Shuaijiao, das Ringen ist bei fast allen Kung-Fu Stilen eine Komponente. Als selbstständiges System kombiniert Shuaijiao Wurftechniken mit Schlägen auf Vitalpunkte.

Das Wort Qinna wird zusammengesetzt aus dem chinesischen „Qin“ (zwingen) und „Na“ (kontrollieren). Obwohl sich Qinna in Japan als ein in sich geschlossenes System etablierte (Jujutsu), ist es in den klassischen chinesischen Kampfkünsten kein eigenständiger Stil. Qinna wird in allen chinesischen Kampfkünsten nur als Bestandteil des jeweiligen Stils geübt. Der weisse Kranich, die Tigerklaue, die Lange Faust und die Adlerklaue sind Stile, die ein recht umfangreiches Qinna-System enthalten.

Beispiele für Qinna-Techniken:

  • Na (fassen, greifen) - z.B. das Ergreifen eines Armes oder Beines des Gegners
  • Chan (einrollen) - z.B. das Ergreifen der gegnerischen Extremitäten mit beiden Händen um sie zu verdrehen
  • Bei (Rücken) - z.B. das Verdrehen der gegnerischen Arme auf den Rücken
  • Ya (drücken) - z.B. das Drücken auf ein Gelenk des Gegners
  • Deng (Fussdrücken) - z.B. drücken des Fusses auf die unteren Gliedmassen des Gegners, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen
  • Suo (verriegeln) - z.B. verriegeln oder würgen des Gegners
  • Fen (teilen) - z.B. teilen der Finger der gegnerischen Hand mit einem Griff
  • Kou (haken) - z.B. zwicken oder reissen an der Nase, oder in die gegnerischen Augen stechen
  • Tuo (wickeln) - z.B.

Die chinesischen Stile beeinflussten ganze Kampfsysteme anderer Länder und Kulturen. Allein in China zählt man heute ca. Die Kampfkunst entwickelte sich während Jahrhunderten weiter und spaltete sich während der Ming-Dynastie in eine innere, weiche Schule (Neijia) und eine äussere, harte Schule (Waijia) auf.

Eine Tabelle, die die wichtigsten chinesischen Kampfsportarten zusammenfasst:

Kampfsportart Stil Fokus
Tai Chi Chuan Innere Kampfkunst Weichheit, Gesundheit, Meditation
Shaolin Kung Fu Äussere Kampfkunst Kraft, Schnelligkeit, Akrobatik
Sanda Äussere Kampfkunst Boxen, Kicken, Ringen
Wushu Modern Akrobatik, Demonstration

In den letzten Jahren sind die Stile der chinesischen Kampfkunst im Westen immer beliebter geworden. Ein grosser Teil dieser Popularität ist auf die zunehmende Berichterstattung in den Medien und natürlich Bruce Lee über diese Künste sowie auf den Aufstieg Chinas zu einer globalen Wirtschaftsmacht zurückzuführen.

Das Training der Kampfkünste lehrt Disziplin, Selbstbeherrschung und Respekt vor anderen. Ausserdem hilft es, körperliche Stärke, Koordination und Flexibilität zu entwickeln.