Was MMA-Kämpfer im Gesicht erleiden: Ursachen und Behandlung

Die Redewendungen „Boxernase“ und „eins auf die Nase hauen“ suggerieren es bereits: das Riechorgan nimmt im Boxsport eine besondere Stellung ein. Bedingt durch die anatomische Lage der Nase im Gesicht ist diese prädestiniert für Treffer und Verletzungen.

Nasenbluten (Epistaxis)

Genaue Zahlen zu benennen ist schwierig, doch effektiv wird annähernd jeder Boxsportler, der sich im Sparringstraining betätigt, bereits eine oder mehrere Episoden einer nasalen Blutung (medizinisch auch Epistaxis genannt) erlebt haben. In der Regel ist eine nasale Blutung von dunkelroter Farbe und besitzt einen sickernden Charakter (venöse Blutung). Dabei liegt häufig (in rund 90% der Fälle) eine Verletzung im vorderen Nasenabschnitt am sogenannten Locus Kiesselbachii, der gefäßreichen Schleimhaut im vorderen Nasenabschnitt, vor. Sind arterielle Gefäße betroffen (meist eher hintere Nasenabschnitte), kann es zu hellrot-spritzenden Blutungsereignissen kommen.

Die meisten nasalen Blutungen sind eher als harmlos einzustufen und können durch eine Eiskrawatte im Nacken des Sportlers und Kompression der Nasenflügel bei leicht nach vorne gebeugtem Kopf erfolgreich kontrolliert werden. Zum Showstopper können nasale Blutungen hingegen im Wettkampf werden: kann ein Nasenbluten während der Ringpausen nicht suffizient beherrscht werden und imponiert fortwährend eine starke Blutung, drohen Kampfabbruch und Niederlage. Aus diesem Grund kommen auch Tupfer (sog. Swabs) zum Einsatz, welche zuvor in Adrenalin getränkt worden sind.

Nasenbeinfrakturen

Starke nasale Blutungen und Schmerzen können auch ein Hinweis für eine erlittene Fraktur der Nase sein. Die Nase besteht aus einem knorpeligen und einem knöchernen Anteil. Der knöcherne Anteil kann, wie jeder andere Knochen auch, bei erleiden eines Traumas frakturieren. Hinweise für eine vorliegende Nasenbeinfraktur sind neben den bereits erwähnten Schmerzen und einer nasalen Blutung z.B. eine Achsabweichung („Schiefnase“) oder eine Behinderung der Nasenatmung. Zudem kann beim Tasten manchmal ein Knirschen der gebrochenen Knochenstruktur registriert werden.

Eine Röntgendiagnostik wird aufgrund der guten (und meist ausreichenden) Aussagekraft der klinischen Symptome heute nur noch selten durchgeführt. Zudem kann man eine Nasenbeinfraktur im Ultraschallbild ebenfalls gut erkennen. Außerdem sollte bei Frakturverdacht stets ein geschulter Arzt nicht nur auf, sondern vor allem auch in die Nase hineinschauen, um eine seltene, aber gefährliche Komplikationen auszuschließen: das Septumhämatom (=Bluterguss an der Nasenscheidewand).

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Die Therapie von Nasenbeinfrakturen besteht aus: lokaler Kühlung, einer bedarfsorientierten Schmerztherapie und der Applikation von abschwellenden Nasentropfen sowie einer Reposition und Wiederherstellung der Nasenbeinachse, sofern diese notwendig ist. Ist die Nase anfangs noch stark geschwollen, so kann das Einrenken und Ausrichten des Nasenbeins auch nach einigen Tagen erfolgen. Anschließend sollte für 14 Tage eine Schiene getragen werden. Kontaktsport mit erneuten Nasentraumata sollte für mind.

Weitere Verletzungen und Komplikationen

Neben dem regelgerechten Niederschlag werden bei Boxkämpfen häufig weitere Verletzungen an Kopf und Gesicht beobachtet (6). In 907 Kämpfen von 545 Profi-Boxern zwischen 18 und 43 Jahren wurden 214 Verletzungen registriert (24 %) (7). In 17 % von 524 Profi-Kämpfen, die zwischen September 2001 bis August 2003 in Nevada ausgetragen wurden, ereigneten sich nichtregelkonforme Verletzungen, davon 51 % im Gesichtbereich, 17 % an den Händen, 14 % an den Augen und in 5 % an der Nase (K. o. zählte nicht als Verletzung) (6). Damit betrug die Verletzungsrate 17,1/100 Kämpfe beziehungsweise 3,4/100 Runden (bei Männern 3,6/100 Runden, bei Frauen 1,2/100 Runden; p < 0,001).

Weitere mögliche Verletzungen sind:

  • Verletzungen von Conjunctiva, Cornea, Linse, Glaskörper, Retina und Papille
  • Gehirnerschütterungen
  • Intrakranielle Hämorrhagie (Hirnblutungen)
  • Orbitafrakturen
  • Kieferbrüche

Die Rolle des Cutman

Wenn Wladimir Klitschko am 2. Juli (21.45 Uhr/RTL) in der Imtech-Arena gegen den Briten David Haye antritt, dann könnte Jacob "Stitch" Duran sein wichtigster Helfer werden. Duran, 58, ist Cutman, er muss arbeiten, wenn seine Klienten aus Platzwunden bluten.

Vaseline gehört zur Grundausrüstung des Cutman, man sieht häufig, dass sie in den Ringpausen aufs Gesicht des Boxers aufgetragen wird. Vaseline hilft dabei, dass die Schläge des Kontrahenten leichter abrutschen, deshalb wird sie in jeder Pause auf die besonders gefährdeten Gesichtspartien um Augen und Nase herum aufgetragen. Adrenalin ist in Deutschland das einzige Mittel, das zur Blutstillung erlaubt ist. In den USA gibt es dafür drei Medikamente, die ich benutzen darf. Aber in Deutschland kann ich zum Schließen des Cuts lediglich eine Adrenalinmischung benutzen. Diese trage ich mittels Wattestäben als Wasserlösung im Verhältnis 1:1000 auf, oder aber per Vaselinemischung.

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Ganz wichtig ist das Kühleisen. Dieses Eisen nutzt man, um Schwellungen und Blutergüsse, die sich unter der Haut gebildet haben, wegzudrücken. Es wird in Eis kalt gehalten, und wer es richtig einsetzt, kann damit wichtige Dienste leisten. Richtig einsetzen bedeutet: harter, direkter Druck auf die Schwellung.

Es gibt keine Schule, unsere Schule ist das Leben. Ich habe mir alles selbst abgeschaut, deshalb ist Erfahrung in diesem Beruf ja auch so wichtig. Vor allem muss man viel mit den Sportlern kommunizieren, um richtig reagieren zu können.

Unser erstes Ziel ist es, die Gesundheit des Sportlers zu erhalten. Aber das zweite Ziel ist, ihn immer zum Weitermachen fit zu bekommen. Diesen Gewissenskonflikt muss man in Einklang bringen.

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