Dagestan, eine russische Bergregion, gilt als eine absolute "Fighter-Fabrik". Dort werden mit gnadenlosen Methoden die brutalsten MMA-Kämpfer der Welt ausgebildet. Statt in die Kita, droppen Eltern ihre Kinder direkt im Gym oder lassen sie gegen Bären ringen. Aber woher kommt dieser Hype um Kampfsport in Dagestan? Und welche Rolle spielt Putin dabei? In Dagestan trainiert gerade eine ganze Generation für die UFC.
Khabib Nurmagomedov: Ein Aushängeschild Dagestans
Khabib Nurmagomedov, geboren am 20. September 1988 in Sildi, Dagestan, Russland, ist ein ehemaliger professioneller Mixed-Martial-Arts-Kämpfer (MMA), der in der Leichtgewichtsklasse der Ultimate Fighting Championship (UFC) antrat. Aufgewachsen in den Bergen Dagestans, wurde Khabib von seinem Vater, Abdulmanap Nurmagomedov, einem angesehenen Trainer im Kampfsambo, in verschiedenen Kampfkünsten wie Ringen, Judo und Sambo ausgebildet. Er gilt bis heute als einer der besten und erfolgreichsten MMA-Kämpfer aller Zeiten.
Khabib gab sein UFC-Debüt im Januar 2012 und beeindruckte sofort mit seinem unnachgiebigen Kampfstil und außergewöhnlichen Ringerfähigkeiten. Im April 2018 sicherte er sich den UFC-Leichtgewichtstitel durch einen Sieg über Al Iaquinta bei UFC 223. Er verteidigte den Titel erfolgreich gegen namhafte Gegner wie Conor McGregor, Dustin Poirier und Justin Gaethje. UFC 254: Khabib vs. UFC 242: Khabib vs. UFC 229: Khabib vs. UFC 223: Khabib vs. UFC 219: Cyborg vs.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2020 kündigte Khabib seinen Rücktritt vom aktiven Kampfsport an, um das Versprechen an seine Mutter zu erfüllen, nicht ohne seinen Vater weiterzukämpfen. Sein ungeschlagenes Karriereende mit 29 Siegen ohne Niederlage ist in der MMA-Welt nahezu beispiellos.
Engagement nach der aktiven Karriere
Nach seinem Rücktritt vom aktiven Wettkampf hat Khabib sich verstärkt auf die Förderung des MMA-Sports konzentriert. Er gründete die Eagle Fighting Championship (EFC), eine Organisation, die aufstrebenden Kämpfern eine Plattform bietet. Zudem engagiert er sich als Trainer und Mentor für UFC Kämpfer wie Islam Makhachev, der 2023 den UFC-Leichtgewichtstitel gewann.
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Islam Makhachev: In den Fußstapfen seines Mentors
Wie bei vielen anderen MMA-Kämpfern ist auch die Islam Makhachev Herkunft die russische Region Dagestan. Das vorläufige Highlight hat er im Oktober 2022 erreicht, als er Champion im Leichtgewicht wurde. Er trat in die Fußstapfen seines Freundes und gewann den UFC-Titel im Leichtgewicht im Jahr 2022. Wie Nurmagomedow hatte auch Makhachev vor seiner Karriere in der UFC bereits internationale Erfolge in der russischen Kampfsportart Sambo gefeiert.
Islam Makhachev ist Teil der Laken, die fünftgrößte Ethnie in Dagestan, zu der in ganz Russland rund 178.630 Menschen gehören.Schon in seiner Jugend soll Islam mit dem Kampfsport begonnen haben. Combat Sambo ist eine russisch-sowjetische Kampfsportart, welche eine Mischung aus Judo, Jiu-Jitsu sowie traditionellen Kampf- und Ringerkünsten aus Europa darstellt. Der Sport ist dem MMA sehr ähnlich. Bei der World Combat Sambo Championship 2016 kürte sich Makhachev zum Weltmeister bis 74 KG. Im Finale siegte er 7-0 und holte so Gold.
Im Oktober 2022 erfolgte dann die Krönung: Gegen Charles Oliveira kürte er sich zum Leichtgewicht-Champion und ist damit auch endgültig in die Fußstapfen seines Mentors Khabib Nurmagomedov getreten.
Finanzielle Aspekte und Social Media
Die genauen Verträge der einzelnen UFC Fighter sind nicht immer bekannt - so auch nicht die Islam Makhachev Gage. Dem Vernehmen nach hat Makhachev durch seine bisherigen Kämpfe bei der UFC ungefähr eine Million US-Dollar verdient. Das Islam Makhachev Vermögen dürfte sich Gerüchten zufolge auf rund 650.000 US-Dollar belaufen. Genaue Angabgen gibt es allerdings nicht. Nicht mit einbezogen werden können zudem seine Werbedeals Wahed Invest, Monster Energy Drink oder Al Hadaya. Apropos Social Media: Islam Makhachev ist regelmäßig mit einem anderen Star des World Wide Web zu sehen: Hasbulla Magomedov.
Weitere bemerkenswerte Kämpfer und Ereignisse
Der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Timur Khizriev ist in Machatschkala bei einem Hinterhalt angeschossen worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur RIA Novosti. Khizriev habe den Angriff trotz mehrerer Schusswunden überlebt.
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Timur Khizriev tritt in der Professional Fighters League (PFL) im Federgewicht an. Der Athlet hat bislang 17 Kämpfe ohne Niederlage absolviert und im Dezember 2024 seinen größten Erfolg errungen. Er gewann beim PFL-Turnier in seiner Gewichtsklasse - und damit ein Preisgeld von einer Million Dollar.
Politische Verbindungen und Kontroversen
Grundsätzlich pflegt die Regierung von Wladimir Putin ein enges Verhältnis zu den erfolgreichen Sportlern der Teilrepublik Dagestan. So empfing der russische Machthaber Nurmagomedow und seinen 2020 verstorbenen Vater Abdulmanap Nurmagomedow vor dessen Tod in Moskau.
Nachdem Nurmagomedow den wohl am meisten beachteten Kampf seiner Karriere gegen MMA-Superstar Conor McGregor im Jahr 2018 gewonnen hatte, sendete Putin nicht nur persönliche Glückwünsche. Laut UFC-Präsident Dana White soll Russlands Präsidenten dem damaligen Champion sogar 20 Millionen Dollar überwiesen haben, als Anerkennung seiner sportlichen Leistung.
Auch Putins Machthaber in Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, inszeniert sich immer wieder gerne als großer Kampfsportfan. Der als „Putins Bluthund“ bekannt gewordene Präsident der russischen Teilrepublik sucht regelmäßig die Nähe zu bekannten UFC-Profis. Kadyrow ist - wie Nurmagomedow - gläubiger Moslem. Im Jahr 2010 erklärte der tschetschenische Machthaber laut der Nachrichtenagentur Reuters, er glaube, dass die Scharia über dem russischen Recht stehe. Die Herrschaft Moskaus über die Kaukasusrepublik zweifle er aber nicht an.
Neben tschetschenisch stämmigen Nationalisten wie dem Weltergewichtler Khamzat Chimaev aus Schweden ließen sich auch US-Sportler wie die UFC-Weltmeister Kamaru Usman und Henry Cejudo oder der erwähnte Gaethje mit Kadyrow ablichten. Während des andauernden Ukraine-Kriegs kritisierten zahlreiche US-Medien die Beziehungen der US-Sportler zu Verbündeten Putins.
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Steuerliche Ermittlungen gegen Khabib Nurmagomedov
Die Behörden in Russland haben offenbar Ermittlungen gegen Khabib Nurmagomedow aufgenommen. Dem ehemaligen Weltmeister im Leichtgewicht des MMA-Kampfsportverbands Ultimate Fighting Championship (UFC) wird vorgeworfen, insgesamt 306 Millionen Rubel (etwa 3,3 Millionen US-Dollar) Steuern nicht ordnungsgemäß gezahlt zu haben.
Aufgrund der Vorwürfe soll nun der von Russlands Präsident Wladimir Putin kontrollierte Kreml aktiv geworden sein. Aus der Schaltzentrale der Macht in Moskau sei die Anweisung an den „Föderalen Steuerdienst“ ergangen sein, mehrere Konten des heute 35 Jahre alten Kampfsportlers aus der russischen Teilrepublik Dagestan einzufrieren.
Deutsche UFC-Kämpfer mit Dagestan-Bezug
Abusupiyan “Abus” Magomedov wurde in Dagestan geboren, besitzt aber die deutsche Staatsbürgerschaft und kämpfte lange Zeit in Deutschland. Nach Erfolgen in verschiedenen europäischen Promotionen gab er 2022 sein UFC-Debüt und sorgte direkt für Aufsehen: Mit einem spektakulären K.o. in der ersten Runde machte er auf seine Ambitionen in der Mittelgewichtsklasse aufmerksam. Abus Magomedov (34) hat in der Nacht auf Sonntag seinen nächsten Sieg in der UFC, der größten und besten MMA-Liga der Welt, gefeiert. Der Düsseldorfer besiegt den Brasilianer Michel Pereira (31) in Kansas City nach Punkten.
Magomedov steigt mit seinem dritten Sieg in Folge in der UFC-Rangliste immer weiter nach oben, gehört im Mittelgewicht jetzt zu den besten 15 Athleten der Welt. Der letzte Deutsche, der in den Rankings so weit oben stand, war Dennis Siver (46/Top-10 im Federgewicht). Für Magomedov, der als Jugendlicher aus Dagestan (russische Republik) nach Deutschland kam, beginnt nun ernsthaft das Titelrennen in der Champions League des MMA.
Gleich zu Beginn der ersten Runde erwischt Magomedov seinen Gegner mit einem linken Schwinger, der Wirkung zeigt. Der Brasilianer wackelt bereits, fängt sich aber wieder. Direkt im Anschluss holt sich der Düsseldorfer einen Takedown und sichert sich den ersten Durchgang. Magomedov agiert über den gesamten Kampf äußerst variabel, zeigt das ganze Spektrum (im Stand, am Boden) seiner Klasse. Am Ende des Gefechts ist es ein deutlicher Sieg für unseren Deutschen. Alle drei Punktrichter werten 30:27 (3:0-Runden) für Magomedov.
Demnächst könnte der Düsseldorfer mit einem weiteren Sieg gegen einen Top15-Kämpfer noch weiter nach oben klettern und so zu einem echten Titelanwärter aufsteigen. Das würde auch Kampfsport-Deutschland extrem guttun.
