Rio Ferdinand und die Kampfsport-Welt: Fury vs. Ngannou

Über diesen Fight wird die Kampfsport-Welt noch lange reden! Box-Weltmeister Tyson Fury hat sich in dem spektakulären Crossover-Kampf gegen den früheren UFC-Schwergewichts-Champion Francis Ngannou gehörig blamiert: Der ungeschlagene Brite - dessen WBC-Titel nicht auf dem Spiel stand - besiegte den aus Kamerun stammenden MMA-Fighter in dessen Profi-Debüt als Boxer nur hauchdünn.

Fury kassierte im saudi-arabischen Riad gegen den unerwartet widerspenstigen und strategisch agierenden Ngannou in Runde 3 einen Niederschlag. Der „Gypsy King“ erholte sich von dem linken Haken, konnte den Kameruner aber auch danach nie so dominieren, wie es trotz Ngannous Box-Hintergrund sein Anspruch sein musste.

Vor den Augen eines prominent besetzten Publikums - Cristiano Ronaldo, Conor McGregor, Eminem und Kanye West waren ebenso vor Ort wie WWE-Legende The Undertaker - siegte Fury am Ende nicht einstimmig nach Punkten. Ein Kampfrichter sah den im Octagon unbesiegten Ngannou mit 95:94 vorn, zwei andere knapp Fury (96:94, 95:94).

Der 37 Jahre alte Ngannou - für den Ikone Mike Tyson als Mentor agierte - schlug sich bravourös und dürfte sich weitere lukrative Geschäftschancen im Boxen verdient haben, nachdem er bei der UFC nach einem langen Streit um Geld und Wertschätzung entlassen worden war. Fury geht derweil mit einem geschwächten Nimbus in sein für Dezember angedachtes Vereinigungsduell mit Alexander Usyk, in Riad ebenfalls unter den Ehrengästen.

Der Kampfverlauf im Detail

  • Runde 1: Ngannou suchte nicht den schnellen Glückstreffer, sondern kämpfte abwartend und landete ein paar Treffer. Fury am Ende der Runde aber auch mit einer wirkungsvollen Schlagkombination.
  • Runde 2: Eine recht ausgeglichene Runde. Ngannou schlug sich im Infight besser als erwartet und fügte Fury auch eine kleine Wunde auf der Stirn zu. Fury versuchte es am Ende mit der Brechstange mit Clinches - Ngannou wirkte bislang unbeeindruckt.
  • Runde 3: Fury lief übermotiviert mit schwacher Deckung in einen linken Haken von Ngannou - und fiel zu Boden. Fury stand wieder auf, war aber sichtlich aus dem Konzept gebracht.
  • Runde 4: War der Niederschlag ein Weckruf? Zumindest in der zweiten Hälfte der Runde war Fury der Chef im Ring.
  • Runde 5: Fury hatte diese Runde unter Kontrolle und brachte regelmäßig Treffer an - Ngannou bekam Probleme, die Gegenwehr aufrecht zu erhalten.
  • Runde 6: Der Trend, dass Fury die strategische Hoheit an sich riss, setzte sich fort. Ngannou wirkte allerdings noch nicht zermürbt.
  • Runde 7: Fury ging nochmal zu Boden, diesmal jedoch nicht wegen eines Schlags, sondern weil er beim Vorpreschen das Gleichgewicht verlor und auf den Knien landete. Kein Niederschlag, aber nochmal ein Signal, dass Fury frustriert über Ngannous Widerständigkeit war.
  • Runde 8: Fury verkämpfte sich in dieser Runde und lief mehrfach in Konterhiebe, der linke Haken saß öfters. Fury wirkte hier mächtig gefrustet, dürfte diese Runde verloren haben.
  • Runde 9: Ngannou war in dieser Runde defensiver, nahm sich Pausen, beide neutralisierten sich eher.
  • Runde 10: Ngannou versuchte in der Schlussphase nochmal in die Offensive zu gehen, ein fast fliegender Punch ging aber ins Leere. Ansonsten war Fury mit der Führhand dominant, konnte Ngannou aber nicht brechen.

Prominente Zuschauer und Reaktionen

Der Kampf in Riad lockte viele prominente Zuschauer an, darunter Conor McGregor, beide Ronaldos (Cristiano und das brasilianische „Original“), Rio Ferdinand, Kanye West, Eminem, diverse Box-Legenden wie Mike Tyson, Evander Holyfield, Frank Bruno und Ricky Hatton, sowie WWE-Ikone The Undertaker und dessen langjähriger Boss Vince McMahon. Cristiano Ronaldo war angespannt, als er den Kampf verfolgte.

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Hintergründe und finanzielle Aspekte

Der Kampf lief nach Box-Regeln, wobei es nicht um Furys Titel ging, sondern um die Ehrenbezeichnung „Baddest Man on the Planet“. Mike Tyson agierte als Trainer und „psychologische Hilfe“ für Ngannou. Die Börse, um die es ging, lag angeblich bei 50 bis 100 Millionen Dollar.

Paddy Pimblett: Ein aufstrebender Stern der UFC

Die Ultimate Fighting Championship (UFC) erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit, auch in England. Patrick Mark Pimblett, geboren am 3. Januar 1995 in Huyton, Merseyside, begann bereits im Alter von 15 Jahren mit MMA. Seine ersten UFC-Fights gewann er jeweils in der ersten Runde. Sein Sieg beim ersten UFC London brachte dem Engländer 24.000 Dollar.