Judo-Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen: Regeln und Perspektiven

Judo, ein Selbstverteidigungs-Sport aus Japan, ist seit vielen Jahren Bestandteil der olympischen Spiele. Ziel ist es, den Wettkampf durch bewertete Griff- und Wurftechniken zu gewinnen.

Olympische Judo-Wettkämpfe 2024 in Paris

Während der Olympischen Spiele 2024 in Paris werden die Judo-Wettkämpfe vom 27.07. bis 03.08.2024 in der Champ de Mars-Arena stattfinden. Neben den Judo-Wettkämpfen ist die Champ de Mars-Arena auch Veranstaltungsort von den Ringerwettkämpfen.

Wettkampfregeln und Wertungssystem

Ziel des Wettkampfes ist es, den Gegner innerhalb der Kampfzone (9 x 9 m) auf den Rücken zu werfen. Je nachdem wie erfolgreich ein Wurf war, bekommt der Judokämpfer eine Wertung:

  • Ippon: Höchste Punktzahl, der Kampf ist sofort gewonnen.
  • Wazari: Ein halbes Ippon, bei zwei Wazari ist der Kampf auch gewonnen.
  • Yuko und Koka: Kleinere Wertungen (Yuko ist höher als Koka), mit denen man nicht vorzeitig gewinnen kann.

Erzielt keiner der Kämpfer vor Ablauf der Kampfzeit ein Ippon, gewinnt der Kämpfer, der die höchste Wertung gesammelt hat, ohne Rücksicht darauf, wieviele Wertungen insgesamt vorhanden sind. Beendet ist der Kampf auch durch Aufgabe, durch einen Festhaltegriff (25 Sekunden) oder wenn der Erfolg einer Würgetechnik oder eines Armhebels für den Kampfrichter klar ersichtlich ist. Die Wertung wird offen angezeigt. Die Kampfdauer beträgt maximal fünf Minuten, die "Kampfsprache" ist Japanisch.

Gewichtsklassen

Bei den Olympischen Spielen gibt es folgende Gewichtsklassen:

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  • Frauen: Superleicht (48 kg), Halbleicht (52 kg), Leicht (57 kg), Halbmittel (63 kg), Mittel (70 kg), Halbschwer (78 kg), Schwer (+78 kg).
  • Männer: (Die Gewichtsklassen für Männer sind im Text nicht explizit genannt)

Maximal 400 Sportler (Frauen und Männer zusammengerechnet) dürfen an den Start gehen, in den 14 Gewichtsklassen (Frauen und Männer) je ein/e Teilnehmer/in pro NOK/Land. Sie qualifizierten sich über die Weltmeisterschaften und über Ranglisten, die mit Hilfe bedeutender vor-olympischer Turniere und Kontinental-Meisterschaften ermittelt werden.

Olympische Geschichte des Judo

Der moderne Kampfsport wurde von dem Japaner Dr. Jigaro Kano, langjähriges IOC-Mitglied, Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu-Jitsu entwickelt und erfreute sich bald auch in Europa großer Beliebtheit.

  • 1964 Tokio: Erstmals olympische Sportart (nur für Männer) mit den Gewichtsklassen 65 kg, 78 kg, 95 kg (Schwergewicht) und der Offenen Klasse.
  • 1972 München: Wiedereinführung nach einer Pause in Mexico City 1968. Einführung der Leichtgewichtsklasse (71 kg) und des Halbschwergewichts (95 kg).
  • 1980 Moskau: Einführung der 60 kg-Klasse und des Mittelgewichts (86 kg).
  • 1992 Barcelona: Die Frauen kämpfen erstmals in sieben Gewichtsklassen um Medaillen.
  • Seit Tokio 2021: Gehört im Judo ein Mixed-Wettbewerb zum Olympia-Programm.

Bei der Premiere in Tokio gelang dem Holländer Anton Geesink die Überraschung, als er Gold in der Offenen Klasse gewann. Sein Landsmann Willem Ruska holte sich in München 1972 Gold sowohl im Schwergewicht wie in der Offenen Klasse. Der Österreicher Peter Seisenbacher wurde Olympiasieger im Mittelgewicht 1984, womit ihm der erste Sieg eines Österreichers in einem bedeutenden Judo-Turnier gelang, und wiederholte den Erfolg 1988. Deutsche Judoka erzielten Erfolge durch Frank Wienicke, der 1984 siegte und 1988 Zweiter wurde, jeweils im Halbmittelgewicht. Lutz Dietmar (DDR) gewann bei den "Boykottspielen" von Moskau 1980 Gold in der Offenen Klasse. 1996 holte der Deutsche Udo Quellmalz in Atlanta olympisches Gold bis 73 kg. Acht Jahre später in Athen gewann erstmals eine deutsche Frau Gold im Judo: Yvonne Bönisch siegte in der Klasse bis 57 kg (Leichtgewicht).

Mixed-Team-Wettbewerb

Seit Tokio 2021 gehört im Judo ein Mixed-Wettbewerb zum Olympia-Programm. Für das Mixed werden 16 Teams zugelassen. Dabei treten Männer und Frauen abwechselnd in insgesamt sechs Gewichtsklassen gegeneinander an. Es werden nicht zwangsläufig die jeweils schwersten Judoka auf die Matte geschickt. Jeder gewonnene Kampf bringt einen Punkt. Ziel ist es, so schnell wie möglich vier Punkte einzusammeln, damit ist die Runde gewonnen.

Bei Olympia geht es nach einer Vorrunde mit Achtelfinale und Viertelfinale weiter. Neben den Halbfinals gibt es auch eine Hoffnungsrunde, deren Sieger gegen die beiden Halbfinal-Verlierer die Kämpfe um Bronze bestreiten. Endet ein Mixed nach den sechs vorgesehenen Kämpfen 3:3 unentschieden, wird ein Entscheidungskampf durchgeführt. Welche Gewichtsklasse noch einmal ran muss, wird jeweils per Los ermittelt. Genau wie im Einzel wird im Mixed jeweils maximal vier Minuten gekämpft. Ist bis dahin keine Entscheidung gefallen, geht es in den sogenannten Golden Score, in dem die nächste Wertung den Sieg bringt.

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Regeländerungen und Diskussionen

Es gibt fortlaufende Diskussionen und Anpassungen im Regelwerk des Judo. Einige der umstrittenen Punkte sind:

  • Das Verbot von Beingreiftechniken.
  • Die Einschränkung bestimmter Techniken wie "Reverse-seoi-nage".
  • Die Auslegung von Griffvarianten.

Kritiker bemängeln, dass die ständigen Regeländerungen zu einem "unauflöslichen Zirkel" führen und möglicherweise einen negativen Einfluss auf die Judoausbildung haben.

Judo als Wertvermittelnder Sport

Judo findet in einem durch Rituale und Regeln geschütztem Handlungsraum statt, der es zulässt das Kämpfen zu ritualisieren und in einvernehmlichem spielerischen Zweikampf umzusetzen. Ein professionelles „Training“ geleitet von den vom Deutschen Judo-Bund e.V. festgeschriebenen Judo-Werten, wie Mut, Hilfsbereitschaft, Respekt, Rücksichtnahme und Verantwortung, tragen dazu bei. Hierdurch wird ein kontrolliertes Ausleben und „[…] Erleben von Gefühlen wie Angst, Unsicherheit, Wut, Aggression [ermöglicht] und dem Erproben neuer Verhaltensweisen [Raum gegeben].“1 Dies trägt zur Entwicklung von sozialer Kompetenz und einer Stärkung des Selbstbewusstseins sowie der Wertschätzung seiner selbst und anderer gegenüber bei.

Judo als Sportart kann somit zum erzieherischen Konzept der Schulen beitragen und die sportliche Landschaft bereichern. Dies bewegt uns, Schülerinnen und Schüler mit der Sportart Judo vertraut zu machen und zu animieren mit Spaß ein Leben lang Sport zu betreiben. Die Hoffnung besteht darüber hinaus den Sportverkehr trotz des demographischen Wandels neu zu beleben und langfristig Kooperationen von Schule und Verein sowie die sportlichen Wettbewerbe zu sichern.

Judo ist bereits seit vielen Jahren Bestandteil der schulsportlichen Landschaft. Dies beginnt bei der Kooperation zwischen Schule und Verein im AG-Angebot vom Ganztagsbetrieb, über die Teilnahme beim Bundeswettbewerb der Schulen „Jugend trainiert“ bis zur Verankerung im Rahmen des Ringen, Rangeln, Raufens oder Kämpfens“ als Bestandteil der Kerncurricula des Sportunterrichts in vielen Bundesländern.

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An den bereits angerissenen und an weiteren Zielen zum Schulsport arbeitet die Schulsportkommission des Deutschen Judobundes (DJB).

Termine für "Jugend trainiert" Judo

Hier sind die Termine der Bundesfinalveranstaltungen 2025-2028 von Jugend trainiert für die Sportart Judo:

Jahr Ort Termin Meldeschluss
2025 Herbstfinale Berlin 21.09. - 25.09. 31.07.2025
2026 Herbstfinale Berlin 15.09. - 19.09. 31.07.2026
2027 Herbstfinale Berlin 19.09. - 23.09. 31.07.2027
2028 Herbstfinale Berlin 12.09. - 16.09. 16.4.2025

Hessen: JtfO Landesentscheid Judo (Schuljahr 2024 / 25)

  • U14 Mixed-Team
    • Ort: Vellmar
    • Termin: 28.5. 2025
    • Meldeschluss: 16.4.2025
    • Mannschaftsgröße max.
  • JtfO 2025 Landesentscheid U16 w und m
    • Ort: Vellmar
    • Termin: 28.5. 2025
    • Meldeschluss: 16.4.2025
    • Mannschaftsgröße max.

Sonderregeln:

  1. Startberechtigung ab dem Gelbgurt (neues Graduierungssystem) oder dem Weiß-gelbgurt (nach altem Prüfungssystem; Erkennbar an der Prüfungsmarke oder Prüfungsurkunde)
  2. Es gelten die neuen Wiegeregeln im Jugendbereich U15. Ab 2025 müssen sowohl Mädchen, wie Jungen eine lange Hose und ein T-Shirt tragen.