UFC American Gangster Leben

In der Nacht auf Sonntag findet in Las Vegas UFC 143: Diaz vs. Condit (4 Uhr im LIVESTREAM) statt, und der Sieger wird zum neuen Interimsmeister im Weltergewicht gekrönt. In Las Vegas treffen weit mehr als unterschiedliche Kampfstile aufeinander.

Die Gegensätze: Diaz vs. Condit

Obwohl beide Kämpfer schon zu Meisterehren kamen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Diaz vs. Condit, oder anders gesagt: Der Gangster gegen den perfekten Schwiegersohn. Die Ultimate Fighting Championship wirbt immer stolz damit, dass über 80 Prozent der Kämpfer unter Vertrag über ein Studium oder eine vergleichbare Ausbildung verfügen. Der Kalifornier Nick Diaz gehört zu den anderen 20 Prozent.

Nick Diaz: Der unkonventionelle Kämpfer

Im Alter von 16 Jahren brach er seine Schulausbildung ab und konzentrierte sich voll und ganz auf den Kampfsport. Diaz ist keineswegs dumm, aber er wird gern so empfunden, weil ihm der verbale Schliff fehlt, um sich mit anderen, gebildeteren Menschen Wortgefechte liefern zu können. Wer Nick Diaz nur vom Fernsehen her kennt, würde ihn als einen typischen Kriminellen mit Gangvergangenheit einsortieren: ständig wütend, die Mittelfinger gern zum Gruß erhoben, und seine Blicke können töten. Doch das ist nur sein Schutzschild. Weil er meint, sich nicht richtig artikulieren zu können, setzt er eine Fassade auf, um von Fremden in Ruhe gelassen zu werden.

Lässt Diaz die Deckung jedoch einmal fallen, erlebt man ihn von einer ganz anderen Seite. Bildung im klassischen Sinne hat ihn nie interessiert. Er erkannte früh sein ausgeprägtes kämpferisches Talent und investierte seine Zeit lieber darin, sich mit den Fäusten ausdrücken zu können als mit Worten. Der Kampfsport war Diaz' Zuflucht, um nicht - wie es sonst in seiner Altersgruppe üblich war - in einer Latino-Gang zu landen. Und er nutzte diese Zuflucht, um seinen kleinen Bruder Nate ebenfalls auf dem rechten Pfad zu halten. Diaz ist überzeugter Vegetarier und hat seit seiner Kindheit kein Fleisch mehr angefasst - seitdem ihm bewusst wurde, dass dafür Tiere sterben müssen.

Anders als es sein Verhalten im Käfig vermuten lassen würde, ist Nick Diaz nicht vorbestraft. Er unterrichtet Kinder aus unterprivilegierten Familien im Kampfsport, um auch ihnen das Schicksal zu ersparen, vor dem ihn der Kampfsport gerettet hat. Er ist ein Mensch, der gern lacht... ein Mensch wie du und ich. Doch davon wird sein Gegner Carlos Condit in der Nacht auf Sonntag wenig sehen, denn im Octagon kennt Diaz nur einen Gang: Zerstören, zerstören, zerstören.

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Der Kampfstil von Diaz

Wer dieses Wort hört, wird gleich an Kämpfer wie Junior Dos Santos, Wanderlei Silva oder Anderson Silva denken, Männer also, die einen mit feinster Technik oder auch rohem Siegeswillen überrollen. Nick Diaz ist anders. Er nutzt seinen Jab hundertfach im Laufe eines Kampfes, um den Gegner auf Distanz zu halten. Sein Ziel war es noch nie, schnell zu gewinnen. Sein Ziel war es dagegen immer, den Gegner zu demoralisieren und seinen Siegeswillen zu brechen. Diaz lässt sich Zeit -alle Zeit der Welt, wenn es sein muss.

Als Zuschauer hat man immer das Gefühl, dass sein Kampfstil nicht sonderlich effektiv ist und dass der Gegner einen einzigen Kontertreffer vom Sieg entfernt sein muss. Doch der Erfolg gibt ihm Recht: Elf Siege in Folge, der Gewinn der Weltmeisterschaft von Strikeforce, eine völlige Zerstörung von UFC-Legende BJ Penn in Diaz' ersten Kampf zurück in der Liga. Wer nun allerdings meint, dass Diaz ähnlich wie Jon Fitch nur darauf aus ist, Kämpfe sicher nach Hause zu fahren, der täuscht sich: Nur zwei dieser elf Siege gingen über die Distanz, nur in vieren musste Diaz in die dritte Runde. Ex-Gegner wie Frank Shamrock und Scott Smith attestieren Diaz, dass seine vielen Mini-Schläge nicht nach viel aussehen mögen, den Rhythmus des Gegners jedoch so stören, dass selbst seine Atmung in Mitleidenschaft gezogen wird, was der Ausdauer nicht zuträglich ist.

Carlos Condit: Der Mann aus gutem Hause

Während Nick Diaz aus einfachen Verhältnissen kommt und in einer der schlimmsten Städte der USA aufwuchs, kommt Carlos Condit aus gutem Hause, und es hat ihm in seinem ganzen Leben an nichts gefehlt. Condits Vater Brian war der Stabschef des früheren Gouverneurs von New Mexico und Präsidentschaftskandidaten Bill Richardson.

Während er seinen Sohn lieber in der Politik gesehen hätte, unterstützte er Carlos mit aller Konsequenz auf seinem Weg, ein kompletter Kämpfer zu werden. Condit ist frischgebackener Familienvater und hat gefühlt nie einen Moment, in dem er zu Dritten unfreundlich ist. Anders als Diaz, dessen Striking auf Zermürbung abzielt, landet Condit Wirkungstreffer. Diaz ist Boxer, Condit Kickboxer in Vollendung, und seine beste Waffe sind seine Schienbeine, die er bevorzugt aus sicherer Distanz zum Kopf abfeuert.

MMA in Deutschland und den USA

Wer in Deutschland den MMA-Sport ausführt, ist meist jemand, der sich schon länger mit dem Thema beschäftigt hat, weltoffen ist, und oftmals auch noch das nötige Kleingeld für ein Gym hat. Auf MMA Events in Deutschland habe ich hauptsächlich Leute gesehen/getroffen, die an dem Sport interessiert waren, und ihn oftmals selbst betrieben haben. Niemand hatte komische Banner mit komischen Sprüchen wie "we want to see blood" o.ä. dabei. In den USA ist das jedoch keine Seltenheit.

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Natürlich gibt es auch in Deutschland Leute, die dahin gehen, um Blut zu sehen. Ich würde diese Leute aber auf den deutschen Events als Minderheit bezeichnen. In Amerika ist das einfach weiter verbreitet. Die Gesellschaft ist durch allerhand Faktoren gewaltbereiter als in Deutschland. Das mag unteranderem mit schlechterer Bildung, Gewaltpräsentation, Umgang mit Gewalt usw. zusammenhängen. Bestes Beispiel ist der Umgang mit der Armee. Während viele Deutsche selbst den eigenen Soldaten kritisch gegenüberstehen, werden sie in den Staaten als Helden gefeiert. In Deutschland gilt das Bewusstsein, dass man Konflikte auch ohne Gewalt lösen kann, deshalb wird das Armeebudget auch stehts runtergeschraubt.

Die Herausforderungen des MMA-Sports

Ich muss ehrlich sagen, der Grund warum die Leute die ich kenne, die keinen Kampfsport machen, ist weil es "das Härteste" ist. Aber, und da werden mir viele Leute zustimmen, sobald es auf den Boden geht, sind viele Kämpfe vor allem aus der Sicht des Besuchers, einfach nur langweilig. Als Besucher siehst du gar nichts mehr. Und auch im Fernsehen ist dort meist nicht so eine Action drin, wie im Stand.

Grade im Clinch und am Boden fehlt es da oft an Technik und Können, was dann schnell dazu führt, dass die Kämpfe unkontrolliert und langweilig aussehen. Was sehr auffällig ist das das Publikum mit den MMA Kämpfen auf den Veranstaltungen meist nicht mehr soviel anfangen kann, sobald es zu Boden geht. Da wird es dann oft ruhiger und die Leute gehen nicht mehr ganz so mit. Bei den Thai oder K1 Fights ist die Stimmung dann oft etwas besser.. wahrscheinlich weil das Publikum auch eher nachvollziehen kann was da gerade passiert.

Es gibt gut besuchte Veranstaltungen, aber ich habe auch schon das krasse Gegenteil erlebt. Wenigstens die Kämpfer aus dem eigenen " Stall " sollten als Zuschauer mitkommen.

Traurigerweise waren dies aber die "Prestige-Events". Das Einzige, was mittlerweile glücklicherweise überwunden ist, sind die erfundenen oder selbstverliehenen Weltmeister- etc.

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Ein Kampf ohne Favorit

Stilistisch wird der Fight damit sehr interessant, denn des Kaliforniers typische Taktik, den Gegner auf Distanz zu halten, wäre gegen Condit gefährlich. Mit Abstand zündet er seine Kicks und seine Flying Knees, doch auch im Infight ist mit ihm nicht zu spaßen, wie der Brite Dan Hardy feststellen musste.

Man findet gute Argumente, warum Nick Diaz Carlos Condit besiegen wird. Man findet aber ebenso gute Argumente für Condit. Der Hauptkampf von UFC 143 wird einer der seltenen Fights, bei denen man eine Münze werfen könnte, und es gilt als gesichert, dass den Sieger und den Verlierer Millimeter trennen werden.

Auf mittlere Sicht wäre ein Sieg von Diaz aber interessanter. Champion Georges St-Pierre setzt sehr stark darauf, den Gegner zu kontrollieren und ihm den eigenen Kampfstil aufzuzwängen. Er geht keine Risiken ein und ist damit in den letzten Jahren gut gefahren. Die Fachwelt ist sich einig, dass Nick Diaz ihn vor ganz neue Probleme stellen würde, denn während sich Kämpfer wie Dan Hardy und Josh Koscheck vorhersehbar waren, ist es völlig unmöglich, Diaz einzuschätzen. Er würde GSP dazu zwingen, in den Infight zu gehen - mit offenem Ausgang.

Die Presse hat sich schon auf das Duell zwischen Diaz und GSP eingeschossen. Es gibt einen Menschen, dem es schon immer in die Karten gespielt hat, übersehen und nicht ernst genommen zu werden. Seine Name: Carlos Condit.

UFC 143: Diaz vs. Condit wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 4 Uhr auf SPOX.com und UFC.tv übertragen.