Thorsten Legat, 55, ist eine schillernde Persönlichkeit, die sowohl im Fußball als auch im Kampfsport und im Reality-TV für Aufsehen gesorgt hat. Seine Teilnahme am Dschungelcamp "Ich bin ein Star - Showdown der Dschungel-Legenden" endete zwar frühzeitig, doch Legat blickt im Interview mit spot on news auf seine Zeit im Camp zurück und reflektiert über seine Erfahrungen.
Kampfsport-Karriere
Schon als defensiver Mittelfeldspieler war Thorsten Legat ein harter Hund. Im Vergleich zu heute war das aber soft. Jetzt ist er knüppelhart. „Ich liebe Kampfsport, der hat mich schon als Junge fasziniert“, sagt Legat. Zurzeit klettert der Ex-Profi in den Käfig. Mixed Martial Arts (MMA) heißt das, was er da macht. Klingt kriegerisch, ist es auch.
Erlaubt ist so ziemlich alles: Fäuste, Füße, Ellenbogen, Knie - alles, womit sich schlagen und treten lässt. „Aber in die Genitalien und auf den Kehlkopf zu schlagen ist verboten“, meint der gebürtige Bochumer. Am 1. September bestritt der 234-malige Bundesliga-Spieler von VfL Bochum, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart und Schalke 04 bei der MMA German Championship in der Kölner Lanxess-Arena ein Promi-Duell. Gegner ist Fitnesstrainer Dominic Harrison.
Legat ist in dem Metier nicht ganz unerfahren. Seit rund 40 Jahren betreibt er Kampfsport für den Hausgebrauch: Judo, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Kung-Fu, Karate. „Auch schon als Fußballer. Das hat nur niemand bemerkt“, meint er. Sich vor großem Publikum gegen einen körperlich deutlich überlegenen Rivalen auszutoben, reize ihn, sagt der 49-Jährige.
Zwei-Meter-Muskelpaket Harrison ist 20 Zentimeter größer, 23 Jahre jünger, 14 Kilo schwerer. Der bei der Hashtag-Generation angesagte Influencer, wie Werbeträger in den sozialen Kanälen genannt werden, ist verheiratet mit Playmate und Reality-TV-Sternchen Sarah Nowak. Die Fangemeinde ist riesig.
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„Ich weiß nicht, ob er einstecken kann. Sonst macht er ja in Hantel, Yoga und Pilates“, beschreibt Legat seinen Rivalen. „Er hat gesagt, er versohlt mir den Arsch.“ Im Oktagon zu stehen, dem Achteck-Käfig bei MMA, erinnere ihn an früher, sagt Legat. „Ich bin in der Gosse aufgewachsen. Wenn es da Streit gab, konntest du auch nicht weglaufen. So ist es auch jetzt im Käfig.“
Nach dem Kampf will Legat einen Schlusspunkt setzen. „Danach werde ich nie wieder Hochleistungssport machen“, behauptet er und reibt sich die Schulter. Sie schmerzt vom intensiven Training.
Seine Passion für Kampfsport floss in sein Fußballspiel ein. „In meinen Gegenspielern habe ich meinen Vater gesehen. Ihm wollte ich es zeigen“, verrät er. Legat hasste seinen Vater. „Er hat mich als Kind missbraucht und misshandelt.“ Einzelheiten beschreibt er in der Autobiografie „Wenn das Leben foul spielt“. „Deshalb bin ich zum Kampfsport. Ich wollte mich wehren können. Das habe ich geschafft. Mit 16 hatte ich ihn am Boden.“
Thorsten Legat über seine Kampfsportarten
- Judo
- Jiu-Jitsu
- Taekwondo
- Kung-Fu
- Karate
- Sambo
- Krav Maga
- Kickboxen
- Thaiboxen
Fußball-Karriere
Schon als Fußball-Profi habe er „klare Kante“ bevorzugt. „Aber ich hätte noch aggressiver sein müssen“, meint er. Das war er manchmal jenseits des Platzes. Im Fußball war er aber besser. Außerdem gab es mehr Geld. „Vom Straßenkind zum reichen Mann, das war toll“, feixt Legat. Finanziell gehe es ihm gut. „Ich bin zufrieden. Ich war immer sparsam.“
Mit seiner Frau, sagt er, ist er in der Immobilienbranche zugange. Deshalb habe er den Käfig-Kampf finanziell auch nicht nötig. Als ihn ein Knorpelschaden im Knie zum Karriereende als Fußball-Profi gezwungen hatte, fiel Legat in ein Loch. Er stürzte und stürzte. „Erst war es ein Bier am Tag, dann ein Kasten, dann anderthalb. Ich hatte Selbstmordgedanken“, gesteht er.
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Seine Frau drohte: „Wenn du so weitermachst, verlierst du mich und die Kinder.“ Seither trinkt Legat keinen Alkohol mehr. Er erwarb die A-Trainer-Lizenz, wurde Trainer von Jugend-Teams und Landesligisten. „Ich war wieder vorzeigbar.“
Legat war dabei auch für Scherze zu haben war. Einer brachte ihm teuren Ärger ein. Nach seinem Wechsel zu Schalke Anfang 2000 stand ein Mannschaftsfoto an. Die Spieler bauten sich artig auf, Legat mittendrin. Schalke-Legende Olaf Thon frotzelte: "Zieh dir die Hose hoch, dann kriegste 500 Mark." Andreas Möller, Mittelfeld-Star, legte drauf: "1.000 Mark!" Und Legat zog sich die Sporthose hoch, fast bis zur Brust. Den Kollegen und vielen Fans gefiel's - nur Manager Rudi Assauer nicht. Er brummte Legat 20.000 Mark Strafe auf. Macht 19.000 Mark Verlust für einen "Spaß" - schlechtes Geschäft.
2001 musste Legat seine Fußballerkarriere verletzungsbedingt beenden.
Reality-TV-Karriere
Vor allem im Fernsehen. „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“, „Grill den Hensler“, „Schlag den Star“ - wird Lagat gefragt, ist er als Reality-Macho dabei. „Das hat einen anderen Menschen aus mir gemacht“, meint er. „Und es gibt auch noch ein bisschen Geld.“ Obendrein kitzelt es sein Ego.
„Die Leute mögen mich. Ich erzähle die Wahrheit, ohne jemanden zu beleidigen. Es wäre doch schade, wenn es Thorsten Legat nicht mehr im Fernsehen zu sehen gibt." 2014 startete er eine neue im Fernsehen: Bei "Hell's Kitchen" (SAT.1) war er dabei und bei "Das große ProSieben Promiboxen" vermöbelte er den Rapper Trooper Da Don. In weiteren Auftritten bei "TV total Stock Car Crash Challenge", "Das Duell um die Welt - Team Joko gegen Team Klaas". Viermal zog er ins Dschungelcamp, zweimal als Mitspieler, zweimal als Drill Instructor und Sidekick.
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So erwarb er sich bei "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" den Ruf eines latent durchgeknallten Typen mit harter Schale und weichem Kern. Vor allem machte er den Ausdruck "Kasalla" salonfähig. Das ist eines seiner Lieblingsworte. Es stammt aus dem Ruhrpott und steht für Ärger oder Krawall. Wenn es "Kasalla setzen" soll, dann ist eine Abreibung oder eine Tracht Prügel zu erwarten.
Aktuell ist Legat in der dritten Staffel von "Das große Promi-Büßen" auf ProSieben und Joyn zu sehen. Dort beschäftigt ihn insbesondere das Verhältnis zu seinem Sohn Nico, der ebenfalls im Reality-TV tätig ist.
Persönliche Herausforderungen
Thorsten Legat hat in seinem Leben viele Höhen und Tiefen erlebt: Verletzungen an Hals und Hoden, Alkoholsucht und schwierige Kindheitserlebnisse. 2002 erlitt er bei einem Autounfall einen Halswirbelbruch und lag mehrere Wochen auf der Intensivstation. Und 2022 fiel er beim Training zum "Turmspringen" so schwer unglücklich ins Wasser, dass er sich einen Hoden verletzte.
Er verletzte einen Mann, der ihn mit einem Messer angriff, so schwer, dass er bleibende Schäden davontrug, wie Legat zuletzt im Dschungelcamp gestand. Das nahm den Kicker derart mit, dass er in die Alkoholsucht schlitterte. Seine Frau Alexandra, mit der er seit 1996 verheiratet ist und zwei Söhne (Nico, 26, und Leon, 25) hat, setzte ihm damals ein Ultimatum: "Hör auf damit oder du verlierst mich und die Kinder." Thorsten hörte auf.
Um sich gegen seinen gewalttätigen Vater wehren zu können, begann Legat als Jugendlicher neben dem Fußball mit dem Kampfsport. Seither betreibt er Judo, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Kung-Fu und Karate. Taekwondo-Weltmeister, wie er während des letzten Dschungelcamps sagte, war er nie. Dafür hatte er schon mit 16 Jahren seinen größten Erfolg: Damals schaffte er es erstmals, seinen Vater zu Boden zu bringen. Dann war Schluss mit der Tyrannei.
Thorsten Legat über das Dschungelcamp
Ihr Dschungelexit war für Sie mit "Herzschmerz" verbunden - haben Sie den inzwischen überwunden?Thorsten Legat: Wenn ich ehrlich bin, trauere ich noch nach. Ich habe mir angeschaut, wie ich die Aufgabe bewerkstelligt habe und was danach passiert ist - es fällt mir unwahrscheinlich schwer, auch heute noch. Zwar nicht mehr so hundert Prozent wie damals, aber gewisse Dinge bleiben im Herzen und im Kopf stecken. Ich trauere noch hinterher, weil ich das Dschungelcamp über alles liebe und einfach zu der Familie dazugehöre.
Nein, enttäuscht bin ich überhaupt gar nicht. Ich nehme das auf wie ein Sportsmann. Ich bin nicht enttäuscht, ich bin traurig, weil ich es gerne gewonnen hätte. Dass meine Mission zu Ende war und ich gescheitert bin an Jungs, die besser waren, hat mich etwas traurig gemacht.
Dieses Camp bestand ab dem ersten Tag nur aus Streit, Wut, Krach, Emotionen und Zorn - ich dachte irgendwann mal, ich raste selbst aus! Wir wollten uns dort beweisen und duellieren und nicht streiten. Dann habe ich mir gedacht: Du spielst mal den Münchhausen mit der langen Nase und taktierst mal.
Das Camp in Südafrika, bei dem ich mit 55 Jahren teilgenommen habe, war die größte Herausforderung in meinen ganzen Jahren in der Branche. Ich habe gezittert, ich habe geweint, ich habe mich gefreut, ich habe gute Erlebnisse gehabt, ich habe auch schlechte Erlebnisse gehabt, alles kam auf einen zu, das volle Paket.
Ich habe immer gedacht, 2016 warst du 45, da warst du aktiv - nicht, dass ich jetzt nicht aktiv war, aber ich bin älter geworden. Ich dachte: Pass mal auf Thorsten, du gehst da rein, als ob nichts wär - ja Mist, das war wohl nichts! Ich habe wirklich gedacht, mir fällt der Himmel auf den Kopf, so schwer ist mir das alles gefallen. Der dritte Tag hat mich wegen des Essens schon k. o. geschlagen, ich habe gedacht, das kann doch nicht wahr sein!
