Die verschiedenfarbigen Gürtel stellen die Graduierung, also die Erfahrung des Aktiven im Taekwondo dar. Das moderne Graduierungssystem dient vor allem dazu, den Trainings- und Wissensstand zu repräsentieren. Die Gürtelgrade sind unterteilt in Schülerklasse (Kup, Zählung abwärts) und Meisterklasse (Dan oder Poom (WTF; nur 1.-3.) bei unter 15-jährigen, Zählung aufwärts).
Die Bedeutung der Gürtelfarben
Die bunten Gürtel (Kup) symbolisieren den Fortschritt im Training, den jeder Einzelne erzielt hat. Hier eine Übersicht über die Bedeutung der einzelnen Gürtelfarben:
- Weißgurt (10. und 9. Kup): Steht für den Anfänger, den Unwissenden und symbolisiert die Farbe des Winters. Weiß öffnet und erweitert, löst die Gefühle von Begrenztheit.
- Gelbgurt (8. und 7. Kup): Ist die Erde, in der eine Pflanze ihre Wurzeln schlägt. Der gelbe Gürtel steht für fruchtbaren Erdboden, auf dem Wissen und Können gedeihen sollen.
- Grüngurt (6. und 5. Kup): Ist die Pflanze, die wächst. Der grüne Gurt steht für den Spross, die dem bestellten Boden entspringt und Richtung Sonne zur Pflanze heranwächst.
- Blaugurt (4. und 3. Kup): Ist der Himmel, in den die Pflanze zu einem mächtigen Baum heranwächst. Der blaue Gürtel steht für den Himmel und somit sinnbildlich für eine Grenze. Der Schüler muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, Höheres anzustreben und auch zu erreichen. Blau deutet auf die Farbe und Weite des Himmels hin und deutet an, daß neben der körperlichen auch eine geistige Entwicklung (Horizonterweiterung) stattgefunden hat, die letztendlich auch zu Höherem befähigt.
- Rotgurt (2. und 1. Kup): Ist die Gefahr des Schülers, sich zu überschätzen und weist ihn darauf hin, sich zu kontrollieren. Der rote Gürtel repräsentiert die Sonne, von der schon eine große Kraft ausgeht, dient dem Schüler aber auch als Signal. Er steht nun kurz davor, Meister zu werden, und wird angehalten, sich noch intensiver und ausdauernder mit der Kampfkunst zu beschäftigen. Die Signalfarbe Rot bedeutet "Achtung", hier entsteht etwas Bedeutendes.
- Schwarzgurt (1. bis 9. Dan): Ist das Gegenteil von Weiß und zeigt das Können und die Reife im Taekwon-Do. Schwarz ist die Farbe der Meister und im Training diesen vorbehalten. Schwarz als Symbol für das Weltall vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste von allen. Schwarz symbolisiert die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meistergrade.
Die Gürtelprüfung
Um nun Stufe für Stufe weiterzukommen und den entsprechenden Gurt tragen zu dürfen, muss der Schüler das erforderliche Können in einer Gürtelprüfung präsentieren können. Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Prüfungen betragen je nach Stufe zwischen drei Monate und mehrere Jahre. Das Gurtsystem ist unterteilt in KUP-Grade (die 10 Farbgurtstufen) und DAN-Grade (Schwarzgurtränge). Die KUP-Grade werden von 10 bis 1 rückwärts nummeriert, die DAN-Grade vorwärts gezählt.
Zur Prüfung zugelassen sind alle Sportler, die vom Trainerteam vorgeschlagen wurden. Hervorragende Trainingsleistung zahlt sich aus! Beginn ist immer 11.00Uhr mit der selbständigen Erwärmung, so dass 11.30Uhr mit der Prüfung begonnen werden kann. Unpünktliches Erscheinen oder unvollständige Ausrüstung (Mitbringen zur Gürtelprüfung) führt zum sofortigen Prüfungsausschluss.
Beste Vorbereitung auf eine Prüfung ist kontinuierliches Training, denn die Gürtelprüfung setzt sich immer aus den unter Training erklärten Teildisziplinen des Taekwondo zusammen. Jeder Sportler absolviert (bis auf wenige Ausnahmen) alle Teildisziplinen.
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Teildisziplinen der Gürtelprüfung
- Theorie: Hier werden vor allem koreanische Begriffe, die Motivation zum Taekwondosport und die Regeln für den Taekwondosportler abgeprüft.
- Grundtechniken:
- Handtechniken
- Fußtechniken
- Kombination mit Stellungen (aus den Formen)
- Poomsae: Erst zur Prüfung zum 8. Kup notwendig.
- Ilbo Taeryeon
- Steppübungen
- Tritte und Handtechniken an der Pratze
- Freikampf mit kompletter Schutzausrüstung: Dazu gehört auch, sich allein die Kampfsachen anziehen zu können (mit Hilfe der anderen Prüflinge, aber ohne Hilfe der Eltern).
- Selbstverteidigung: Ab 6 Kup ist eine selbsterarbeitete Darbietung erwünscht.
- Bruchtest: Erst zur Prüfung zum 4. Kup notwendig (Brettstärke siehe DTU-Ordnung).
- Spagat und Liegestütze
Die DAN-Grade
Die Schwarzgurtstufen zählt man dann wieder regulär, also aufsteigend von 1-5. Mit der Prüfung zum Schwarzgurt eröffnet sich schließlich ein langer Weg zu wahrer Meisterschaft. Die Träger des 1. bis 4. Schwarzgurte mit 1. bis 3. DAN gelten als Meisterschüler. Sie sollen Schritt für Schritt auch an die Kunst des Lehrens herangeführt werden. Im Training übernehmen sie Aufgaben und stehen Anfänger für Fragen zur Verfügung. Mit dem 4. Träger des 5. DAN und höher werden mit dem Titel Sabum-Nim bezeichnet. Dieser Begriff lässt sich am ehesten als "Vorbildlicher Lehrer" übersetzen. Hierzulande wird für diese Stufe auch die Bezeichnung "Meister" oder gar "Großmeister" verwendet.
Aktive, die sich im Taekwon-Do durch großes Engagement und lange, beharrliche Arbeit verdient gemacht haben (Richtwert: mindestens 15 Jahre), können zum IV. DAN geprüft werden.
Mit dem 5. DAN ist die Ausbildung im traditionellen Taekwon-Do vollständig durchlaufen. Alle technischen und geistigen Fähigkeiten des Taekwon-Do sind beim Träger dieser Stufe umfänglich vorhanden. Charakterlich soll er als Vorbild im Sinne der Kampfkunst gelten. Der Titel eines 5. DAN lautet Sabeom (사범), das man am besten mit "Lehrmeister" oder "vorbildlicher Lehrer" übersetzen kann.
Funktionen des Gürtels
Das sichtbar zur Schautragen des Ranges ist nur vordergründig der Sinn der Gurte ("Ty") im Unterricht. Viel wichtiger ist der funktionelle, gesundheitliche Aspekt des Gurttragens: zwei fingerbreit unter dem Bauchnabel liegt der Körperschwerpunkt, in den asiatischen Quellen "Hara" (jap.) bzw. "Ha bog bu" genannt. Nach der Auffassung der Traditonellen Chinesischen Medizin (TCM) und vergleichbarer Lehren wird dort die Lebenskraft (Chi) erneuert und sozusagen gespeichert. An dieser Stelle und mit dem richtigem Druck gebunden, hilft der Gürtel dabei, den gesamten Körper blitzartig anzuspannen - um zum Beispiel einen Tritt gezielt auszuführen oder um einen Treffer „einzustecken“.
Die Rolle der Gurte im Training
Die farbigen Gurte der Schüler geben einen Überblick über die zu erwartenden Fähigkeiten des einzelnen Schülers. Dies erleichtert auf Lehrgängen und im Training die Partnerzuweisung. Des Weiteren dienen die Gurtfarben als Motivation für den Schüler, fleissig zu bleiben um die nächste Stufe zu erreichen. Der begehrte Schwarzgurt lässt sich schließlich nur durch kontinuierliches Training über einen langen Zeitraum erreichen.
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