"Über sieben Brücken musst du gehn", diese Textzeile kennt so gut wie jeder im deutschsprachigen Raum. Doch die Geschichte hinter dem Song ist bisher weitgehend unbekannt.
Das Lied trägt eine hohe Symbolik, war an konkrete politische Ereignisse geknüpft.
Die Entstehungsgeschichte des Liedes ist eng an die politischen Ereignisse Ende der 70er-Jahre verknüpft.
Eigentlich sollte es gar kein Karat-Song werden - und wurde doch zum größten Erfolg der Band. Bis heute hat der Ostrock-Hit „Über sieben Brücken mußt du gehn” nichts von seiner Faszination eingebüßt: Noch immer löst er Beifallsstürme aus, wenn Karat oder Peter Maffay die Song auf der Bühne performen.
Die Entstehung des Liedes
„Geschrieben wurde der Song ursprünglich für den gleichnamigen Fernsehfilm", erinnerte sich Karat-Schlagzeuger Michael Schwandt im Gespräch mit SUPERillu 2005. Er und sein Kumpel Bernd Römer, Gitarrist bei Karat waren damals live dabei, als das Lied entstand.
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Der Text stammt aus einer polnischen Fabel: „Helmut Richter, der auch das Buch zum Film geschrieben hatte, übersetzte den Text 1975 ins Deutsche und brachte ihn in Liedform. Die gesamte Musik zum Film, auch „Sieben Brücken”, stammt von Ed Swillms.
Noch am Abend riefen beim Fernsehen der DDR in Berlin-Adlershof Zuschauer an und fragten, wie das Lied heißt und wo sie die Schallplatte kaufen könnten.
„Wir waren damals eine Band auf dem Weg nach oben”, erinnert sich Schlagzeuger Schwandt, „und nahmen 1978 am Schlagerfestival in Dresden teil.” Das Internationale Schlagerfestival Dresden wurde 1971 erstmals ausgetragen.
Anfangs traten ausschließlich Musiker aus der DDR und weiteren sozialistischen Ländern auf. Die Kategorien des Wettbewerbs hießen „Nationaler Titelwettbewerb“, „Internationaler Titelwettbewerb“ (ab 1982 zusammengefasst) und ab 1977 „Grand Prix“ als Hauptpreis.
Dass Karat sich für das Schlagerfestival einen Filmsong aussuchten, störte niemanden. Und das Unerwartete geschah: „Über sieben Brücken” landete auf Platz eins!
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Michael Schwadt: „Ein Riesenerfolg: Wir liefen im Radio, das Lied wurde ein Hit.” Und ein ganzes Land sang, tanzte und träumte mit.
1979 erschien dann die LP „Über sieben Brücken musst du gehn” beim DDR-Plattenlabel „Amiga” und war umgehend vergriffen.
Politische Hintergründe
Eine Parabel zunächst nicht für die Brücke zwischen Ost und West, sondern zwischen Ost und Ost.
1977 produziert die Rockgruppe Karat den Song "Über sieben Brücken musst du gehen" für einen gleichnamigen Spielfilm des DDR-Fernsehens. Der Film wird im Frühjahr 1978 ausgestrahlt.
Er handelt von einer unerfüllten Liebe zwischen einer Deutschen und einem Polen in einem DDR-Großbetrieb.
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1979 - ein Jahr später - wird der Film aus politischen Gründen verboten. Die DDR-Politführung missbilligt die Entwicklung in Polen.
Der neue Papst, Johannes Paul II., kommt aus diesem Land, und die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" demonstriert und streikt.
Eine freiheitliche Öffnung in Richtung Polen passt der DDR-Führungsriege nicht.
Der Erfolg des Songs "Über sieben Brücken musst du gehen" ist dagegen nicht mehr zu stoppen. Er bahnt sich seinen Weg, wird in Ostdeutschland zu einem Hit. Die Menschen verstehen zwischen den Zeilen die Botschaft.
Der Erfolg im Westen
Eines Tages hörte Peter Maffay den Song im Autoradio - und war sofort begeistert.
Schwandt: „Bei unserem Konzert 1980 in Wiesbaden besuchte er uns in unserer Garderobe. Er sagte, er würde den Song gern auf seine CD nehmen.
Dass es Maffay war, der mit diesem Lied den Siegeszug durch den Westen antrat, war zum Teil Schuld der Politik: „Auch die West-Sendungen wollten, dass wir mit dem Titel auftreten”, erinnerte sich Bernd Römer.
Doch das DDR-Kulturministerium ordnete an: Keine Präsenz unserer Künstler in Westmedien!
Allein in der DDR wurden 750 000 Platten verkauft, in der BRD noch einmal über eine Million.
Und dann fiel die Mauer: „Am 9. November 1989 spielten wir im Amiga-Studio heimlich für eine neue West-Version des Hits die Streicher ein", erinnert sich Römer.
1980 covert Peter Maffay den Song "Über sieben Brücken", der bis heute zu seinen erfolgreichsten gehört.
Einige Monate waren seit dem Tag vergangen, als er im Radio "Über sieben Brücken" gehört hatte.
Maffay wollte die Musiker aus der DDR unbedingt treffen.
"Wir haben uns in einem verräucherten Club kennengelernt. Und das war ja keine alltägliche Geschichte - eine ostdeutsche Band und ein westdeutscher Sänger", erinnert sich Maffay im MDR-Gespräch.
"Aber das war eine schöne Begegnung, die anfangs etwas angespannt war, denn ich wusste nicht, wem ich da begegne, und die wussten nicht, wie ich ticke.
Peter Maffay nahm nach dem Treffen mit Karat schnell eine eigene Version des Karat-Songs auf, die er mit einem ebenso markanten wie einprägsamen Saxophon-Solo versah.
Komponist "Ed" Swillms war begeistert.
Noch 1980 veröffentlichte Maffay seine Version von "Über sieben Brücken" auf dem Album "Revanche", das sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte.
Da das Kulturministerium der DDR Karat Anfang der 1980er-Jahre untersagt hatte, im bundesdeutschen Fernsehen aufzutreten, war nun fast ausschließlich die Interpretation Maffays präsent.
Und der machte das Lied bei zahlreichen Konzerten auch im Ausland bekannt.
Das alles führte schließlich dazu, dass viele im Westen meinen, "Über sieben Brücken" sei sein Lied.
Nach 1990 sangen Peter Maffay und Herbert Dreilich einige Male gemeinsam ihren berühmten Song.
Inhaltliche Deutung des Gedichts
Das Gedicht handelt von einem Lebensweg des lyrischen Ichs, welcher Probleme und Schwierigkeiten beinhaltet.
Nach den schlechten Zeiten des Lebens kommen gute Zeiten, die wieder Hoffnung bringen.
Ein paar Verse erzeugen eine nachdenkliche, sowie eine bedrückende Stimmung. Außerdem wirken sie melancholisch. Andere Verse wiederum wirken hoffnungsvoll.
Das Gedicht erzählt eine Lebensgeschichte, in welcher das lyrische Ich eine schwere Phase durchlebt, die mit vielen widersprüchlichen Situationen verbunden ist.
Im Refrain gewinnt es Hoffung und vermittelt die Botschaft nicht aufzugeben obwohl man viel zweifelt und alles schief läuft.
Die erste Strophe beschreibt das lyrische Ich, welches „ohne Blick“ (V. 1) , in Gedanken versunken, durch seine Straßen läuft, wehmütig in die Vergangenheit blickt, sich „sein Schaukelpferd“ (V. 2) zurück wünscht und sich nach seiner unbeschwerten Kindheit sehnt.
Dies wirkt traurig und beklemmt. Es weiß nicht wohin mit sich, ist „ohne Rast und Ruh“ (V. 3), zieht sich zurück „schließt alle Türen nach sich zu“ (V. 4) und ist sehr bei sich.
Das lyrische Ich überfordern seine Gedanken und es „weiß nicht mehr was er weiß“ (V. 6). Die Strophe regt zum Nachdenken an und wirkt melancholisch.
Im Refrain schöpft es Hoffnung und versteht, dass es nach vorne blicken und Hürden, also die „Sieben Brücken“(V. 9), überwinden muss.
Das lyrische Ich begreift, dass nach „Sieben dunklen Jahren“ (V. 10) und sieben mal „die Asche“ (V. 11) sein, also nach den schlechten Zeiten, gute Folgen und man „einmal auch der helle Schein“ (V.12) sein wird.
Der Refrain wirkt hoffnungsvoll und vielversprechend auf den Leser.
In der zweiten Strophe fängt das lyrische Ich an zu reflektieren und berichtet über die „Uhr des Lebens“ (V. 13), welche still steht. Dies ist der Wendepunkt in seinem Leben, an welchem er nicht weiterkommt und „nur im Kreis“ (V.14) geht.
Das lyrische Ich ist nachdenklich und begreift, dass sich etwas ändern muss. Es sitzt „still auf einer Bank“ (V. 16) und dabei herrscht eine ruhige aber auch bedrückende Stimmung.
Es wird vom greifen „nach der ganzen Welt“ (V. 17), was sehr machtvoll wirkt, sowie vom Fall des „Glückssterns“ (V. 18) berichtet und somit von dem Traum der besseren Zukunft und dem Gedanken, das man alles schaffen kann, wenn man es will.
