Von asiatischen Kampfsportarten geht eine große Faszination aus. Sie versprechen häufig nicht nur eine kämpferische Überlegenheit gegenüber (nicht selten körperlich stärkeren) Gegnern, sondern fast immer auch philosophische Ansätze, die zur Entspannung, Meditation und sogar zur geistigen Erleuchtung dienen.
Japanische Kampfkünste werden unter dem Oberbegriff Budo zusammengefasst. Im Gegensatz zu reinen Kriegskünsten ist der Budo Kampf auch stets durch eine innere Do-Lehre geprägt. Im Westen sind vor allem Shaolin und Wing Chun bzw. Wing Tsun sehr bekannt. Auch in anderen asiatischen Ländern haben sich Derivate der verschiedenen Kampfkünste entwickelt.
Zunächst waren im Westen nur Karate und Judo bekannt. Mittlerweile steigt das Interesse an weiteren asiastischen Kampfsportarten wie Jiu Jitsu, Aikido oder Kendo. Später kamen dann eher unbekannte Stile wie Aikido oder Kendo hinzu, die aber mittlerweile gleichrangig zu den anderen Kampfsportarten stehen.
Die Meditation Mokuso (jap.) gehört zu diesem. Doch auch beim Kendo gilt inzwischen das meditative Element als wichtig. Im starken Gegensatz dazu steht Kyudo, das japanische Bogenschießen, dessen viele rituell festgelegte Abläufe einen stark meditativen Charakter besitzen.
Asiatischer Kampfsport wird manchmal in Tabi-Socken, häufiger aber mit blanken Füßen auf gepolsterten Matten ausgetragen, etwa beim Judo oder Karate. Aus dem Kung Fu übernehmen daher viele Kampfsportschulen mittlerweile die Tradition der Kung Fu Schuhe. Sie schützen die Füße, ohne die Verletzungsgefahr des Trainingspartners zu erhöhen und geben außerdem festen Halt auf glatten Böden. Da gerade im Kung Fu oft ohne Matten trainiert wird, ist der feste Stand besonders wichtig.
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Jede Kampfkunst hat mehrere Schulen oder Stile, die Ryu genannt werden. Die erste Schule des Jujutsu wurde offiziell 1532 gegründet und lehrte zuerst die Technik des Greifens. Obwohl der Name „sanfte Kunst“ bedeutet, ist Jujutsu nicht zu unterschätzen: Die Kampfkunst wurde dazu entwickelt, vor allem stärkere Gegner besiegen zu können, indem man sich im richtigen Moment dessen Angriff zunutze macht, ohne unnötig Energie zu verschwenden.
Jutsu bedeutet „Technik“ oder „Kunst“, Do heißt „Weg“: So enden die meisten Namen der japanischen Kampfkünste. Ein Jutsu wird mithilfe mentaler Prinzipien und geistigen Trainings zum Do. Künste und Techniken japanischer Krieger und Samurai, die seit 1185 acht Jahrhunderte lang das Land regiert haben, heißen Bujutsu.
Während Bujutsu Techniken des Überlebens und Tötens lehrte, mussten für den heutigen „Weg des Krieges“ einige davon abgewandelt werden, um einen fairen Wettkampf zu ermöglichen. Das machte die Kriegskunst zum modernen Kampfsport. Kampfsport war ursprünglich keine Kunst für sich, sondern ein Mittel zum Zweck und musste sich quer durch die Jahrhunderte der historischen Situation und diversen Schwierigkeiten anpassen.
Karate (“leere Hand”) etwa wurde entwickelt, als es Nicht-Samurai in Japan verboten war, Waffen zu tragen - im 17. Jahrhundert. Diese Kampfkunst, wie wir sie heute kennen, stammt von der japanischen Insel Okinawa und kam erst 1922 auf das Festland Japans. Seither ist es aber zur bekanntesten japanischen Kampfportart geworden. Obwohl Karate relativ jung ist, gehört es zu den gefährlichsten und effektivsten Kampftechniken der Welt.
Während der Meiji-Restauration 1868 durchging Japan viele Veränderungen. Unter anderem ordnete der neue Kaiser das Verbot der Kampfkunst an, als das Land modernisiert und Samurai abgeschafft wurden. Während der Okkupation durch die USA nach dem Zweiten Weltkrieg wurden jedoch erneut alle Aktivitäten, die mit dem Militär in Verbindung standen, von der Besatzungsregierung verboten.
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Als die Okkupation 1951 wieder vorbei war, erlebte Jujutsu einen neuen Aufschwung in Japan. In der Zwischenzeit konnten sich im Untergrund aber auch neue Schulen und Techniken herausbilden. Heute ist keine Kampfkunst mehr verboten - mit der Voraussetzung, dass ihre Ausübung nicht mit Verletzung oder sogar Tod endet.
Eine andere legendäre Gruppe aus Japan neben den Samurai waren die Shinobi, oder auch Ninja genannt. Auch sie haben eine eigene Kampkunst: Ninjutsu oder Ninbo. Anders als in anderen japanischen Kampfkünsten geht es hier nicht um das Training des Bewusstseins, sondern um effektive Ausführung eines Auftrags. Aber für den Fall, dass es doch zu einem Kampf kam, mussten sie allerlei Techniken der Selbstverteidigung beherrschen, die zur jeweiligen Situation passen.
Unter Taijutsu versteht man die unbewaffnete Kampfkunst der Ninja - mit Bogen, Speer und Schwert umzugehen war aber ebenso Teil ihrer Ausbildung. Besonders Wurfgeschosse wie die sternförmigen Shuriken und kleine Dolche mit dem Namen Kunai werden mit den Shinobi assoziiert. Ninja gab es schon lange vor unserer Zeit. Besonders im feudalen Japan (1185 - 1603) wurden sie vom Adel und von den Shogun (Samurai-Kriegsherren) vor allem als Spione eingesetzt.
Wegen der Ninja sind übrigens auch die Böden an vielen traditionellen japanischen Häusern mit speziellem Holz gebaut, das besonders laut knarrt, wenn man darauf tritt. Oft kommt der japanische Kampfsport ohne Waffe aus: Der Kämpfende soll mit aufmerksamer Abschätzung, schneller Reaktion und gezielter Nutzung seiner Energie dem Gegner zuvorkommen. Deshalb ist auch Empathie in der Kampfkunst so wichtig, denn wer den nächsten Angriff voraussehen kann, hat einen entscheidenden Vorteil im Kampf.
Eine weitere geistige Fähigkeit, die im Kampf eine große Rolle spielt, ist Mu - die Leere. Das bedeutet, seinen Geist von jeglichen Gedanken zu befreien, die ablenken könnten, und achtsam dem Verlauf der Geschehnisse zu folgen. Zu diesem gehört daher nicht nur der Kampf an sich, sondern auch die intensive Vorbereitung darauf: Verbeugen, Begrüßen und lange Dehn- und Aufwärmübungen sollen den Körper und Geist auf das Training einstimmen.
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Aus dem ursprünglichen Kampfsport Jujutsu haben sich diverse Kontaktsportarten entwickelt, die mit bloßen Händen arbeiten. Judo ist eine „harmlosere“ Form des Jujutsu, die auf direkten Angriff verzichtet und stattdessen ausschließlich mit Würfen und Griffen arbeitet. Gleichzeitig wurden die Techniken des Griffs aus dem Jujutsu dazu genutzt, Aikido zu entwickeln. Dort wird geübt, wie man einen Gegner zu Boden wirft und auch selbst geschickt und unversehrt zu Boden rollt.
Im Karate spielen auch Tritte und Fausthiebe eine Rolle: Der Gegner kann mit offener Hand, Ellbogen oder Füßen angegriffen, gehebelt und sogar in den Würgegriff genommen werden. Der ganze Körper ist dabei im Einsatz. Kendo ist die weltweit bekannte Kunst des Schwertkampfes. Obwohl die Schwerter, die im Training benutzt werden, bloß aus Holz oder Bambus sind, müssen die Kämpfenden trotzdem eine Rüstung namens Bogu tragen, die vor allem Gesicht und Oberkörper schützt.
“Der Weg des Schwertes” lehrt die Beherrschung verschiedener Klingen, vom Dolch bis zum Langschwert. Der Unterschied zum Fechten im Westen besteht darin, dass Kendo die Selbstverteidigung durch Angriff lehrt, und Parieren darin so gut wie gar nicht vorkommt. Auch beim Naginatado müssen Kämpfer die Bogu tragen. Naginata nennt man eine über zwei Meter lange stockähnliche Waffe, die ein Kurzschwert an der Spitze hat.
Es gibt auch eine Gruppe der Kampfkünste, die mit Bauernwaffen ausgeübt werden und die Kobudo genannt werden - „alte Kriegskünste“. Solche Waffen sind Sichel, Schlagring, Dreizack oder etwa der Bo: Ein 121 oder 181 cm langer Stab, der im Bojutsu eingesetzt wird. Mit einem oder mehreren Gegnern nutzt man ihn zum Angriff und zur Selbstverteidigung, und braucht Fingerspitzengefühl, um ihn geschickt zu handhaben.
Das Schwert war zweifellos die gebräuchlichste Waffe der Samurai, aber bevor es zur ersten Wahl wurde, konnten die meisten von ihnen bereits mit Pfeil und Bogen umgehen. Kyudo, der Weg des Bogens, war in der Edo-Periode geboren, wobei diese Waffe schon lange vor unserer Ära im Einsatz war. Wie viele Kampfkünste in Japan hat auch diese als Basis eine Philosophie, die dem Zen ähnelt.
Durch Aufgabe der eigenen Wünsche und Gedanken, Achtsamkeit, Verschmelzung mit dem Bogen und präzise Verinnerlichung der motorischen Abläufe soll Perfektion erreicht werden. Entgegen dem Stereotyp beherrscht heute nicht jeder Japaner eine Kampfkunst. Aber sie werden gerne in Clubs geübt, denen man in der High School und an der Universität beitreten kann. Noch in der Meiji-Ära (1868 - 1912) diente Kampfsport an Schulen als Mittel, den Geist der Schüler zu stählen und das traditionelle Ideal des Samurai zu pflegen.
Auch andere Länder haben sich Techniken japanischer Kampfkünste abgeschaut. Brasilianisches Jiu Jitsu etwa ist eine Abwandlung des japanischen Originals, die sich auf den erbarmungslosen Bodenkampf konzentriert. Weltweit haben sich viele kleinere Schulen japanischer Kampfsportarten herausgebildet, die einen eigenen Stil und Grundsatz lehren. Sie werden durch nationale und internationale Organisationen verwaltet, die Wettkämpfe austragen und Regeln festlegen.
Wenn man selbst eine japanische Kampfkunst erlernen möchte, muss man dieser nicht seine ganze Freizeit widmen. In der Freizeit ist es ein Weg, die eigene Stärke und Geschicklichkeit, Koordination und Körperbeherrschung, Konzentration und Reaktion zu trainieren. Nicht zuletzt ist man so für Situationen gewappnet, in denen man sich und andere verteidigen muss.
Liste japanischer Kampfsportarten
Die Kampfsportarten Liste ist sortiert nach dem ABC, soweit dies sinnvoll möglich ist.
- Aikido: Die einst blutigen japanischen Kampfsportarten wurden im Aikido zu einer pazifistischen Körperkunst umgewandelt. Das Ziel ist nicht mehr der Sieg.
- Iaido: Ist die japanische Kunst des Schwertziehens und stammt aus der Zeit der Samurai. Das Besondere ist, während des Schwertziehens bereits einen effektiven Angriff zu starten.
- Jiu Jitsu: Ist ursprünglich eine Kampfkunst der Samurai. Ein Grundprinzip im japanischen Kampfsport Jiu Jitsu ist: Nachgeben, um zu siegen. Wie verteidige ich mich, wenn ich keine Waffe trage? Nicht mit brachialer Gewalt, sondern mit Technik und Prinzipien.
- Jo-Do: Ist ein alter japanischer Kampfsport mit dem Kurzstock, dem „Jo“. Der Kurzstock wird dabei nur zur Verteidigung gegen das Samurai Schwert (Katana) eingesetzt.
- Judo: Der Weg des Judo beginnt mit einer Fallschule. Der Übende muss fallen können, ohne sich zu verletzen, bevor er richtig mit diesem japanischen Kampfsport beginnen kann. Wurde aus dem Kampfsport Judo entwickelt. Konzentriert sich vor allem auf den Bodenkampf.
- Karate: Der Kampfsport Karate ist der Weg der „leeren Hand“. In ihm sind chinesische Kung Fu Techniken und japanische Kampftraditionen zu einem neuen System verschmolzen.
- Kendo: Moderner japanischer Schwertkampf. Ist mehr ein Zen Weg des Schwertes.
- Kenjutsu: Ist der Oberbegriff aller Formen der japanischen Schwertkunst. Es geht ebenso um die innere Haltung, Wachsamkeit und Spontanität im Schwertkampf.
- Kyudo: Die ausgeübte Kunst des japanischen Bogenschießens beeindruckt durch den präzisen Bewegungsablauf, die Zeremonie und die traditionelle Kyudo Kleidung.
- Kyusho Jitsu: „Die Kunst der Vitalpunkte“ ist keine Kampfkunst, wird aber in einigen Kampfsportarten angewandt.
- Naginatado: Auch beim Naginatado müssen Kämpfer die Bogu tragen. Naginata nennt man eine über zwei Meter lange stockähnliche Waffe, die ein Kurzschwert an der Spitze hat.
- Ninjutsu/Ninbo: Ist die Kampfkunst der japanischen Ninja. Die Tradition der Schattenkrieger steht außerhalb der Tradition der Ninja.
- Sumo: Das japanische Sumo Ringen verbindet Wettkampf mit Tradition. Obwohl es einfache Regeln besitzt, können 82 Techniken zum Sieg führen. Ein Kampf dauert meist wenige Sekunden.
Erwin von Baelz: Ein Förderer der japanischen Kampfkünste
In der Meji-Zeit Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte in Japan ein gesellschaftlicher Wandel von der Feudalzeit zu einem moderneren, westlich geprägten Lebensstil. Die Idee einer gesundheitsfördernden sportlichen Erziehung fand hier Eingang. Es gab Bestrebungen, die traditionellen japanischen Kampfkünste zu sportlicher Körperertüchtigung umzuformen, was ein mühsamer Prozess war, der viele Gegner hatte. Maßgeblich beteiligt an diesen Bestrebungen waren japanische und ausländische Persönlichkeiten, wie Jigaro Kano aber auch der deutsche Arzt und Japanforscher Erwin von Baelz.
Prof. Erwin von Baelz war gebürtiger Bietigheimer und wurde als Arzt für Innere Medizin 1876 nach Japan berufen, um hier die westliche Medizin zu etablieren. Er hat die gesundheitsfördernde Wirkung des Sports früh erkannt. Selbst sportlich veranlagt, erlernte er in Japan verschiedene Sportarten, z.B. das japanische Rudern und Kenjutsu, die Kunst des Schwertes. Für das Jiu-Jitsu war er mit 30 Jahren damals zu alt.
Als geachtete Persönlichkeit und Berater des Gesundheitswesens war er später Leibarzt am kaiserlichen Hof und wurde mit dem höchsten Staatsorden dekoriert, dem Großkreuz der aufgehenden Sonne. Er förderte die Einführung des Sportunterrichtes an den Schulen, auch für Mädchen. Obwohl damals in Japan sich viele Stimmen dagegen aussprachen, erkannte er den sportlichen Wert der traditionellen Kampfkunst. So hielt er Jiu-Jitsu für die beste aller körperlichen Ertüchtigungen.
Baelz und Kano kannten sich wohl persönlich, wirkten aber in unterschiedlichen Lebenswelten. Erwin Baelz wurde später in Deutschland der Adelstitel verliehen. Bietigheim-Bissingen hat ihn mit der gleichnamigen Plakette geehrt.
Schon Erwin von Baelz erkannte die erzieherische, wertevermittelnde Wirkung der Kampfkunst. Ihn beeindruckte die Selbstbeherrschung, die Ruhe und Würde der Kämpfer, gleich ob man Sieger oder Besiegter war. Jigaro Kano beeinflusste die Kampfkünste durch die Erweiterung der Ziele auf „Kultivierung der Herzen“ „Leibeserziehung“ und „Wettkampf“.
Die Entwicklung der Kampfsportarten im Judo-Club Bietigheim (JCB)
Unser Sportverein besteht seit 1956. Der Bietigheimer Erwin von Baelz, der Förderer in der Gründungsphase der modernen Kampfsportarten, war eine von der Stadt geehrte Persönlichkeit. Daraus ergibt sich für den JCB eine historische Verpflichtung die diesbezügliche sportliche und geistige Tradition zu wahren.
Der Verein entstand zunächst als reiner Judo-Club. Heute werden in unserem Verein verschiedene Kampfsportarten trainiert, Judo, Ju jutsu, Karate, Aikido, es werden aber auch Nichtkampfsportarten wie z.B. Yoga, Nordic Walking und Fitness ausgeübt. Unsere Sportangebote sind für eine sehr breite Altersgruppe geeignet. Im Erlernen der verschiedenen Sportarten kennen wir heute, anders als es Erwin von Balz erging, keine Altersbegrenzung nach oben. So können auch die Sportinteressierten hier trainieren, bei denen nicht der Wettkampf, sondern die körperliche Ertüchtigung im Vordergrund steht.
Das JCB- eigene Vereinsheim im Ellental enthält eine großzügige und gepflegte Trainingsfläche, die dauerhaft und komfortabel mit Matten ausgestattet ist. Eine Mitgliedschaft im Judo-Club Bietigheim ist daher für junge und alte Sportbegeisterte sehr zu empfehlen!
Tabelle: Übersicht der im Judo-Club Bietigheim (JCB) angebotenen Sportarten
| Kampfsportarten | Nichtkampfsportarten |
|---|---|
| Judo | Yoga |
| Ju Jutsu | Nordic Walking |
| Karate | Fitness |
| Aikido |
