Sind Wrestling-Kämpfe gestellt? Fakten und Hintergründe

Wrestling ist ein Phänomen, das seit über 100 Jahren existiert und sich von einer Jahrmarktsattraktion zu einem erfolgreichen Medienphänomen entwickelt hat. Doch was genau ist Wrestling und was macht seine Faszination aus?

Was ist Wrestling?

Wrestling ist eine Mischung aus Sport und Theater. Im Gegensatz zu konventionellen Sportarten steht der Sieger beim Wrestling vorher fest. Trotzdem sind die Akteure Athleten, die jahrelang trainiert haben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wrestling kann in vielerlei Hinsicht unterhaltsamer sein als traditioneller Sport. Autoren sorgen dafür, dass der Weg zum Sieg mit überraschenden Wendungen gespickt ist, und die Akteure sind immer auffällig und erregen Emotionen.

Alle Matches sind Teil einer großen Erzählung, die von den Kämpfern und zusätzlichem Personal auf der Bühne des Kampfrings und um ihn herum inszeniert wird. In dieser großen Erzählung geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, Freundschaft und Feindschaft, Loyalität und Verrat, Moral und Gerechtigkeit. Es ist ein intensives, athletisches Körpertheater, das ebenso sehr auf die Mitarbeit seines Publikums angewiesen ist wie das Kaspertheater für Kinder.

Die Rollenverteilung: Faces und Heels

Wer sich für Wrestling interessiert, weiß, dass Kämpfer in Faces und Heels eingeteilt werden. Ein Face, kurz für „Babyface“, ist ein „Guter“, nett, der sich immer an die Regeln hält. Ein Heel dagegen ist „böse“, kämpft unfair und setzt auch verbotene Hilfsmittel ein. Auch zusätzliches Personal wie Manager oder andere Begleiter können als Face oder Heel auftreten.

Kayfabe: Die Illusion der Echtheit

Obwohl sich herumgesprochen hat, dass Wrestling-Matches gescriptet sind, kennt nicht jede(r) die Details. Die Autoren, auch Booker genannt, legen alle Storylines und Charaktere fest, auch den Ausgang von Matches und gelegentlich besondere Kampfaktionen. Wrestler können in diesem Rahmen durchaus improvisieren, die Stars natürlich mehr als die Anfänger. Der wichtigste Schlüsselbegriff zum Verständnis von Wrestling ist Kayfabe.

Lesen Sie auch: Wissenswertes über 14 Karat Gold

Kayfabe lässt sich als wrestlingspezifische Adaption eines schauspielerischen Verständnisses von Fiktionalität interpretieren. Wrestler agieren als Darsteller in einem vorher festgelegten Stück und sollen ein Publikum mit ihrem Spiel überzeugen. Kayfabe meint nicht nur, dass Wrestler und alle anderen sichtbaren Akteure trotz Rollenfestlegung und Storylines so tun, als sei das Geschehen im Ring „echt“, dieses So-tun-als-ob bezieht sich auf alle medialen Gestaltungsmittel und schließt sogar im Prinzip das Publikum ein.

Die WWE und ihr Einfluss

Der Aufstieg des Wrestlings zu einer Medienattraktion fand in den 1980er-Jahren statt. Vince McMahon modernisierte das Geschäft durch die Einbeziehung aktueller Popprominenz und zeitgemäßer Inszenierungsformen. Er erkannte auch das Potenzial des damals neuen Kabelfernsehens und der neuen Angebotsform Pay-per-View. Dadurch ließen sich auch bei einer traditionell eher randständigen und lokal verankerten Veranstaltungsart hohe Einnahmen generieren. Dank eines geschickten Zusammenspiels von Regelsendungen und besonderen (Pay-per-View-) Events machte McMahon die WWF, die heute WWE heißt, bald zum Marktführer.

Eine wichtige Rolle spielten dabei neue Charaktere, deren schrille Kostümierung und übertriebenes Auftreten schon andeuteten, dass es hier nicht um Sport im traditionellen Sinn ging. Ein früher Erfolg war dabei die Figur Hulk Hogan, ein Wrestler im Superhelden-Outfit, der fleischgewordene Incredible Hulk. Er löste eine „Hulkamania“ aus und bescherte der WWE hohe Merchandisingerlöse.

Die Gefahren des Wrestlings

Dass ein Wrestlingmatch kein richtiger Kampf ist, ist ein offenes Geheimnis. Der Sieger steht im Vorwege fest, beide Wrestler kämpfen nach einem vorher mehr oder weniger festgelegten Drehbuch. Trotzdem ist Wrestling bei weitem nicht ungefährlich. Die Landung nach einem Sprung vom obersten Ringseil tut weh, Drehbuch hin oder her. Handkantenschläge auf die Brust tun weh und klingen beeindruckend, sind aber weitestgehend gefahrlos. Dennoch riskieren Wrestler bei jedem Auftritt ihre Gesundheit, obwohl sie im Ring alles tun, um einander zu schützen.

Wrestling in Deutschland: Ein Abstieg?

In Deutschland hat Wrestling in den letzten Jahren an Popularität verloren. Während es früher im Free-TV ausgestrahlt wurde und eine große Fangemeinde hatte, ist es heute fast ausschließlich im Pay-TV zu sehen. Dies hat dazu geführt, dass die Bekanntheit von Wrestling gesunken ist und die Hallen bei Live-Shows leerer sind. Einige Fans meinen, dass die WWE den deutschen Markt falsch eingeschätzt hat und sich zu sehr auf das Pay-TV-Segment konzentriert hat.

Lesen Sie auch: Wrestler und Schauspielerei

Westside Xtreme Wrestling (wXw)

Die größte Wrestling-Promotion in Deutschland ist Westside Xtreme Wrestling (wXw). Im Vergleich zum Marktführer WWE ist die wXw jedoch recht klein. Die wXw hat großen Anteil am Karriereweg einiger der aktuell gefragtesten Wrestler. Die WWE-Stars Seth Rollins, Daniel Bryan oder Aleister Black hielten den höchsten Preis der wXw, die wXw-Championship. Auch die Deutschen Stars Alexander Wolfe und Marcel Barthel haben ihre ersten großen Karriereschritte bei der wXw gemacht.

Verschiedene Kampfarten

Ein klassischer Wrestlingkampf wird im Normalfall durch Aufgabe oder Pin (Schultern des Gegners drei Sekunde auf der Matte) gewonnen. Daneben gibt es eine Vielzahl anderer Arten von Matches. Neben den bekannteren Kampfarten wie Käfig- oder Leiterkampf gibt es auch Matches, die von absurd bis wahnsinnig reichen. „Bra and Panties“-Matches, in dem die Frau gewonnen hat, die ihre Gegnerin als erste bis auf die Unterwäsche auszog, gehören inzwischen der Vergangenheit an. Am anderen Ende des Brutalitätsspektrums sind die sogenannten Hardcorematches. Dabei kommen häufig Waffen wie Stühle und Tische zum Einsatz, die Kämpfe sind stark von Brutalität geprägt. In den zum Teil noch härteren Deathmatches kommen dabei sogar brennender Stacheldraht, Leuchtstoffröhren oder Zementblöcke zum Einsatz.

Fazit

Wrestling ist eine einzigartige Mischung aus Sport und Theater, die seit über 100 Jahren Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Obwohl die Kämpfe gestellt sind, erfordert Wrestling von den Athleten ein hohes Maß an Können, Training und körperlicher Belastbarkeit. Die WWE ist der unangefochtene Marktführer im Wrestling-Geschäft, aber auch kleinere Promotionen wie die wXw haben ihre Daseinsberechtigung und tragen zur Vielfalt der Wrestling-Welt bei.

Lesen Sie auch: Mehr über 375 Gold erfahren