Die Mixed Martial Arts (MMA) haben in Schweden in den letzten Jahren stetig an Popularität gewonnen. Besonders die Ultimate Fighting Championship (UFC) - als größte und prestigeträchtigste MMA-Organisation der Welt - bietet Athleten aus allen Ländern die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu messen.
Alexander Gustafsson: Ein Pionier des schwedischen MMA
Seit über einem Jahrzehnt ist Alexander Gustafsson in Schweden ein Synonym für MMA. Sein Name ist nicht nur für seine spektakulären Kämpfe im Octagon bekannt, sondern auch dafür, dass er den Weg für eine neue Generation skandinavischer Kämpfer geebnet hat. Alexander „The Mauler“ Gustafsson gab 2009 sein UFC-Debüt, zu einer Zeit, als europäische Kämpfer noch ihren Platz unter den dominierenden Vertretern der Vereinigten Staaten und Brasiliens suchten.
Den größten Erfolg erlebte er 2013, als er in einem der legendärsten Kämpfe der UFC-Geschichte auftrat: Gustafsson vs. Jon Jones I bei UFC 165. Obwohl er einstimmig nach Punkten verlor, betrachteten viele dies als moralischen Sieg. Gustafssons Stärke war schon immer sein technisches Boxen in Kombination mit seiner für Halbschwergewichte ungewöhnlichen Beweglichkeit . Darüber hinaus machten ihn seine körperliche Ausdauer und Belastbarkeit selbst in den letzten Runden zu einem beeindruckenden Gegner.
Gustafsson war maßgeblich daran beteiligt, dass die UFC ihr erstes Event in Schweden abhielt: UFC auf Fuel TV: Gustafsson vs. Silva im Jahr 2012 in Stockholm. Dank seiner Medienpräsenz erlangte MMA in Schweden gesellschaftliche und rechtliche Akzeptanz, wo es jahrelang Beschränkungen und Kontroversen ausgesetzt war. Obwohl Gustafsson mehrmals seinen Rücktritt angekündigt hat - zuletzt für 2022 - bleibt sein Einfluss bestehen.
Obwohl die letzte Phase seiner Karriere von Verletzungen und Inkonsistenz geprägt war, erinnern sich viele Fans noch immer an Gustafsson als einen der besten Kämpfer , der den Gürtel nie gewinnen konnte . Ob sein Rücktritt endgültig ist, ist noch nicht klar. Im MMA sind Rücktritte oft nur vorübergehend. Alexander Gustafsson war nicht nur ein Elite-Anwärter, er war auch ein Botschafter für europäisches MMA. Sein Vermächtnis lebt nicht nur in seinen Kämpfen weiter, sondern auch in den Türen, die er für andere geöffnet hat.
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Gustafsson vs. Smith: UFC Fight Night in Stockholm
Nach einer Woche UFC-Pause ist es Anfang Juni wieder soweit: Die UFC Fight Night 153 in Stockholm steht an! Mit Lokalmatador Alexander Gustafsson haben die MMA-Fans in Schweden den besten einheimischen UFC Fighter im Hauptevent dabei. Gustafsson wird im Halbschwergewicht auf Anthony Smith treffen, der in seinem letzten UFC-Kampf um den Halbschwergewichtstitel gegen Jon Jones in den Käfig gestiegen ist. Alexander „The Mauler“ Gustafsson hatte seinen letzten Kampf übrigens ebenfalls gegen Jon Jones.
Bei der zweiten Auflage zwischen Jones vs. Gustafsson machte die UFC-Legende Jones aber kurzen Prozess und verpasste seinem schwedischen Kontrahenten einen brutalen Knockout.
Im Halbschwergewicht der Ultimate Fighting Championship rangiert Alexander „The Mauler“ Gustafsson aktuell auf dem zweiten Rang. Falls der Schwede seinen Lauf im Halbschwergewicht fortsetzen sollte und Jones nach dem Kampf gegen Santos nicht den Superfight gegen Daniel Cormier unterschreibt, wäre die dritte Auflage zwischen Gustafsson vs. Jones nur eine Frage der Zeit.
„Es ist immer wieder schön, vor heimischer Kulisse in Stockholm zu kämpfen. Der Lokalmatador wirkte nach seiner Niederlage gegen Jones sichtlich enttäuscht über seine Leistung, will nun aber zurück zu den alten Zeiten und seinem Kontrahenten Smith einen Denkzettel verpassen. Mit seinen brutalen Kombinationen sucht die Schlagtechnik von „The Mauler“ seinesgleichen. Auch bei Kämpfen gegen UFC-Fighter wie Jon Jones oder Daniel Cormier ließ sich der Schwede nie leicht unterkriegen und lieferte starke Leistungen ab.
Gegenüber seinem Kontrahenten Smith besitzt der Schwede einen Größenvorteil von knapp fünf Zentimetern und einen Reichweitenvorteil von acht Zentimetern. Im Schnitt setzt „The Mauler“ zudem einen signifikanten Schlag mehr (4.01) pro Minute als Smith. Seine Grappling-Künste konnten sich bei 1.63 Takedowns alle 15 Minuten durchaus sehen lassen. Gustafsson ist aber vor allem für seine angesprochen starken Schlagtechniken bekannt und lässt diese seine Gegner auch spüren.
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Bereits im Vorfeld des Kampfes kündigte der Schwede an, wieder zu den alten Zeiten zurückzukehren. Falls Smith kein Mittel gegen die schnellen Schlagkombinationen des Schweden findet, wäre ein vorzeitiger Knockout von Gustafsson wohl nur eine Frage der Zeit.
Weitere schwedische MMA-Kämpfer
Neben Alexander Gustafsson gibt es eine Reihe weiterer schwedischer MMA-Kämpfer, die in verschiedenen Organisationen aktiv sind und Erfolge feiern. Diese Kämpfer tragen dazu bei, die Popularität von MMA in Schweden weiter zu steigern und den Nachwuchs zu fördern.
Volkan Oezdemir
Ein gutes Intro zum Mainevent zwischen Gustafsson vs. Smith gibt es allemal: Der Schweizer UFC-Halbschwergewichtler Volkan Oezdemir steigt gegen Ilir Latifi in den Käfig! „No Time“ Oezdemir wird gegen seinen schwedischen Kontrahenten mit albanischen Wurzeln aber nichts geschenkt bekommen. Drei Niederlagen in Serie versetzen Oezdemir nicht wirklich in eine angenehme Lage, weswegen der Fight gegen Latifi auch wegweisend für den weiteren Verlauf des Schweizers im Halbschwergewicht sein wird.
MMA in Deutschland
Von solchen Dimensionen können deutsche MMA-Fans nur träumen. Wenn die UFC am 20. Doch die öffentliche Präsenz ist nach wie vor umstritten. 2010 hatte die Bayerische Landesanstalt für Neue Medien entschieden, das damalige DSF dürfe die UFC-Veranstaltungen nicht mehr übertragen - gewaltverherrlichend, menschenverachtend, brutal sei der Sport. Vor wenigen Wochen nun entschied das Verwaltungsgericht München, diese Verfügung sei rechtswidrig - und die Szene jubelte.
Dabei ist die UFC schon seit Monaten mit mehreren Sendern in Verhandlungen: Am wahrscheinlisten scheinen derzeit künftige Übertragungen auf Maxdome, dem Bezahlfernsehen der Pro7/Sat1-Gruppe. Ob das aber neue Zuschauer bringt, ist fraglich: MMA-Fans können über den kostenpflichtigen UFC-Streaming-Service „Fight Pass“ eh schon die Kämpfe verfolgen, auch am kommenden Samstag. Damit es mehr werden, dazu bräuchte es auch deutsche Top-Kämpfer. Die konnten sich bislang nicht etablieren.
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Der Kölner Nick Hein, bei seinem UFC-Debüt in Berlin im Mai vergangenen Jahres noch erfolgreich, verlor im November seinen zweiten UFC-Kampf in Texas. Der Stuttgarter Alan Omer, der in Stockholm kämpfen sollte, musste wegen einer Verletzung absagen. Und der in Mannheim lebende Dennis Siver, der altgedienteste deutsche UFC-Kämpfer, verlor am vergangenen Wochenende in Boston gegen den neuen irischen Star Connor McGregor klar durch technischen K. o.
Deutsche MMA-Kämpfer in der UFC
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die fünf erfolgreichsten deutschen Kämpfer, die in der UFC gekämpft haben.
- Dennis Siver ist zweifellos der bekannteste Name unter den deutschen UFC-Kämpfern. Geboren in Russland, wuchs er in Deutschland auf und trat ab 2007 in der UFC an. Siver fiel durch sein vielseitiges Striking und seine spektakulären Spinning-Kicks auf. Er erzielte mehrere Siege, die ihn zeitweise in die Top-10 der Federgewichtsdivision katapultierten. Trotz eines hochkarätigen Kampfes gegen Conor McGregor blieb ihm ein Titelkampf verwehrt.
- Der in Köln aufgewachsene Ottman Azaitar machte zunächst in regionalen Ligen auf sich aufmerksam, bevor er 2019 in der UFC debütierte. Sein explosiver Kampfstil und seine Knockout-Power verschafften ihm rasch einen Ruf als gefährlicher Finisher. Gleich in seinem ersten UFC-Kampf gegen Teemu Packalén gewann Azaitar mit einem krachenden K.o. und wiederholte das Kunststück im zweiten Kampf gegen Khama Worthy.
- Nasrat Haqparast, in Afghanistan geboren und in Hamburg aufgewachsen, ist ein weiterer aufstrebender Name im Leichtgewicht. Mit seinem aggressiven Boxstil und soliden Bodenkampf hat er sich in der UFC schnell einen Ruf als harter Gegner erarbeitet. Nachdem er anfangs einige spektakuläre Siege - darunter gegen Marc Diakiese - feiern konnte, wurde er auch als potenzieller Kandidat für einen Platz in den oberen Regionen des Rankings gehandelt.
- Abusupiyan “Abus” Magomedov wurde in Dagestan geboren, besitzt aber die deutsche Staatsbürgerschaft und kämpfte lange Zeit in Deutschland. Nach Erfolgen in verschiedenen europäischen Promotionen gab er 2022 sein UFC-Debüt und sorgte direkt für Aufsehen: Mit einem spektakulären K.o. in der ersten Runde machte er auf seine Ambitionen in der Mittelgewichtsklasse aufmerksam.
- Nick Hein, ein ehemaliger Polizeibeamter aus Köln, ging 2014 in der UFC an den Start und machte sich einen Namen als zäher und disziplinierter Kämpfer. Mit einem starken Judo-Hintergrund und guten Boxfähigkeiten konnte Hein mehrere Siege einfahren und begeisterte mit seinem Entertainer-Charakter sowohl die deutschen als auch die internationalen Fans.
Obwohl Deutschland bislang keinen UFC-Champion hervorgebracht hat, haben diese fünf Kämpfer bewiesen, dass deutsches MMA-Potenzial auf der größten Bühne des Sports existiert. Dennis Siver ebnete als Pionier den Weg für viele andere, während aufstrebende Talente wie Ottman Azaitar, Nasrat Haqparast und Abus Magomedov zeigen, dass der Traum vom UFC-Gold für deutsche Athleten längst nicht unerreichbar ist.
MMA-Kämpfe, die Geschichte schrieben
Die von uns hier zusammengefassten Fights sind absolute Klassiker und gehören zum Besten, was die MMA je hervorgebracht haben.
- Dan Henderson vs. Mauricio „Shogun“ Rua (2011): Bei einem Kampf über fünf Runden besiegte der US-Amerikaner Henderson den brasilianischen Ex-UFC-Leichtschwergewichtsweltmeister Mauricio “Shogun” Rua im Jahr 2011 nach Punkten - und bis heute gilt dieser Fight als einer der besten MMA-Kämpfe aller Zeiten.
- Khabib Nurmagomedov vs. Conor McGregor (2018): Der Russe gewann den Kampf in der vierten Runde, als er McGregor durch einen Würgegriff zum Aufgeben zwang. Fast ebenso spektakulär wie der Kampf selbst war aber der Eklat danach.
- Jon Jones vs. Alexander Gustafsson (2013): Zwar gewann Jones den Kampf am Ende auch nach Punkten, doch dessen Sieg war innerhalb der MMA-Community sehr umstritten, weil Gustafsson einen sehr starken Fight ablieferte und dem Weltmeister insbesondere mit starkem Boxen, heftigen Tritten und seiner Taekwondo-Defense arg zusetzte.
- Weili Zhang vs. Joanna Jedrzejczyk (2020): Insgesamt steckten die beiden über die vollen 25 Minuten 783 Treffer ein - ein absoluter Wahnsinn! Zhang gewann am Ende nach Punkten, verteidigte ihren Titel und gewann damit ihren 22. Kampf in Folge.
- Robbie Lawler vs. Carlos Condit (2015): Es gab einen wilden Schlagabtausch auf beiden Seiten, stets auf Augenhöhe, den Lawler am Ende der fünf Runden nach Punkten für sich entscheiden konnte - ein Urteil, über dessen Richtigkeit bis heute noch diskutiert wird.
- Forrest Griffin vs. Stephan Bonnar: Am Ende ging es nach Punkten 29:28 für Forrest Griffin aus.
- Jorge Santiago vs. Kazuo Misaki: In den ersten vier Runden schlugen die beiden Kämpfer versiert aufeinander ein, versuchten sich gegenseitig zu Boden zu bringen und verwandelten den Fight in der fünften und letzten Runde in einen richtigen Zermürbungskrieg.
