UFC Sankt Petersburg Veranstaltungen: Hintergründe und Entwicklungen

Das Champions-League-Finale 2022 zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool fand nicht wie geplant in St. Petersburg statt. Ursprünglich war geplant, dass das Champions-League-Finale 2022 in der russischen Millionenstadt St. Petersburg stattfindet. Daraus wurde jedoch nichts.

Die UEFA hat im Februar nämlich entschieden, dass das Stade de France in St. Denis, nördlich von Paris, am 28. Mai als Austragungsstätte für den Wettkampf auf Vereinsebene dienen soll. Somit fand zum ersten Mal seit 2006 das Finale der Königsklasse wieder in Frankreich statt.

Gründe für die Verlegung des Champions-League-Finales

Grund für die Verlegung des Champions-League-Finals ist der andauernde militärische Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine hat sich der europäische Verband in einer Sondersitzung des Exekutivkomitees darauf geeinigt, St. Petersburg bzw. Russland das Endspiel zu entziehen. In derselben Sitzung wurde zudem entschieden, dass ukrainische und russische Mannschaften ihre Europa-Pokal-Spiele auf neutralem Boden bestreiten.

Gleiches gilt für die jeweiligen Nationalmannschaften, wenn im Sommer die Nations League losgeht. Für die im März bevorstehenden Playoff-Spiele für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar hingegen ist die FIFA zuständig.

Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, dass das Finale vom ursprünglich geplanten Standort verlegt werden musste: 2020 von Istanbul nach Lissabon, 2021 von St. Petersburg nach Porto (beide wegen der Coronavirus-Pandemie) und nun von St. Petersburg nach St. Denis, Frankreich.

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Nicht nur der Fußball ist vom Ukraine-Konflikt betroffen. Auch in anderen Sportarten wurden zahlreiche Sportevents verlegt. Der Formel-1-Grand-Prix in Sotschi etwa wurde abgesagt, zudem hat die FIS alle Ski-alpin-Rennen in Russland aus dem Kalender genommen.

Wichtigste Infos zum Champions League Finale 2022

  • Begegnung: FC Liverpool - Real Madrid
  • Wettbewerb: Champions League, Finale
  • Datum: 28. Mai 2022
  • Anstoß: 21 Uhr
  • Ort: Stade de France, Paris

Die vergangenen zehn Endspiele im Überblick

Saison Stadion Stadt Sieger Ergebnis Finalist
2021/22 Stade de France St. Denis Real Madrid 1:0 FC Liverpool
2020/21 Estádio do Dragão Porto FC Chelsea 1:0 Manchester City
2019/20 Estádio da Luz Lissabon FC Bayern München 1:0 Paris Saint-Germain
2018/19 Wanda Metropolitano Madrid FC Liverpool 2:0 Tottenham Hotspur
2017/18 NSK Olimpiyskyi Kiew Real Madrid 3:1 FC Liverpool
2016/17 Millennium Stadium Cardiff Real Madrid 4:1 Juventus Turin
2015/16 San Siro Mailand Real Madrid 1:1 n.V. / 5:3 i.E. Atletico Madrid
2014/15 Olympiastadion Berlin FC Barcelona 3:1 Juventus Turin
2013/14 Estadio da Luz Lissabon Real Madrid 4:1 n.V. Atletico Madrid
2012/13 Wembley-Stadion London FC Bayern München 2:1 Borussia Dortmund

Entwicklungen im Kampfsport und Hooliganismus

Der Hooliganismus hat sich in seinen Gewaltformen in den letzten Jahrzehnten stark verändert: statt unübersichtlicher Straßenrandale prägen heute verschiedene Formen organisierter Einzel- und Gruppenkämpfe die Szene, die sich über professionelle Kampfsportevents sowie Kleidungslabels finanziert und international vernetzt.

Robert Claus beschreibt in diesem Beitrag neuere Entwicklungen im Kampfsport und eine zunehmende Nähe eines relevanten Teils der deutschen Szene zu rechtsextremen Bestrebungen. Dabei bezieht er auch internationale Entwicklungen und Einflüsse ein.

Er gibt einen Überblick über die Organisation von Gewalt in der Szene, beschreibt das Leipziger Imperium Fighting Championship zwischen Hooliganismus und Politik, erörtert die Landschaft der Mixed-Martial-Arts in Deutschland und geht auf die Verbindungen des russischen Neonazilabels „White Rex“ zu Kölner Hooligans ein.

Die "Sportisierung" der Gewalt

Doch haben sich über die Jahrzehnte - die ersten Hooligangruppen in Deutschland gründeten sich Ende der 1970er Jahre - weitere Gewaltformate entwickelt, die sukzessive für eine „Sportisierung“ (die formelle Organisation der Gewalt als Sportformat) sorgten: Als Pendant zu den Straßenrandalen etablierten sich im Laufe der 1990er Jahre die Auseinandersetzungen an Drittorten, die sog. „Ackermatches“ - auch um der Repression im Umfeld von Fußballspielen zu entgehen.

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Zumeist kämpfen kleinere Gruppen von weit weniger als 50 Menschen gegeneinander. Dabei gelten meist Regeln, z.B. Verbote für Schlagwaffen, die im Vorfeld vereinbart werden und sich im Laufe der Jahre etabliert haben (Althoff, Nijboer 2008; Claus 2017). Aber die Einhaltung dieser Regeln wird nicht immer durch ein unabhängiges Schiedsgericht überprüft. Zudem finden die Kämpfe auf Wiesen und Feldwegen statt, das Verletzungsrisiko ist relativ groß.

Aus den illegalen „Ackermatches“ heraus wurden in Osteuropa zu Beginn der 2010er Jahre die Teamfights entwickelt. Sie finden in regulären Kampfringen statt und werden von Ärzten begleitet. Oft kämpfen vier oder fünf Personen gegeneinander, es gibt Gewichtsklassen und Schiedsrichter.

Spätestens hier ist der Begriff des Sports angebracht, denn es geht um einen athletischen Wettkampf mit transparenten Regeln, die von Referees durchgesetzt werden. Die Teamfights bilden somit einen Mannschaftskampfsport im regulären Betrieb. In Deutschland fand bisher kein solches Event statt.

Letztlich ist es einer kleinen „Elite“ an Hooligans vorbehalten, im (semi-)professionellen Einzelkampfsport anzutreten. Dies geschieht vor allem in Disziplinen wie Boxen, Kick-Boxen und Muay Thai sowie in den übergreifenden Mixed Martial Arts. Hier findet eine professionelle Organisation in Verbänden statt, die Kampfregeln, Versorgung der Kämpfer, Ringärzte und Kämpfe etablieren.

Somit sind Hooligans fähig, ihre Gewalt verschieden zu organisieren. Wenn man die verschiedenen Kampf- und Gewaltformen nebeneinander betrachtet, steigt der Grad der der Regeln und der Regeldurchsetzung. Während bei den unübersichtlichen Gruppenrandalen kaum Regeln gelten, sind Auseinandersetzungen im Team- oder Einzelkampfsport höchst organisiert und vorbereitet. Je weniger Kämpfer an der Gewalt beteiligt sind, desto elitärer wird es. Besonders ersichtlich wird dies an Hooligans, die sich in den Ranglisten der Mixed-Martial-Arts gekämpft haben.

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Beispiel Leipzig: Das Imperium Fight Team

Hunderte Menschen drängeln sich durch den schmalen Gang im Leipziger „Kohlrabizirkus“ - einem ehemaligen Markt. Die Halle ist gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Scheinwerfer projizieren das Logo der „Imperium Fight Championship“ (IFC) an die Decke der dunklen Kuppel. Knapp 1.500 Menschen starren gebannt auf den achteckigen Käfig in der Mitte des Publikums. Dort kündigt der Ringsprecher gerade die beiden Kämpfer an: den Halbschwergewichtler Timo Feucht aus Leipzig gegen Daniel Dörrer aus Nürnberg. Die Fans jubeln.

Feucht tritt für das lokale „Imperium Fight Team“ an, das als Namensgeber des Turniers und als Kampfsportstudio im Umfeld von Lokomotive Leipzig dient. Am Ring stehen rund 200 Ultras und Hooligans der „Lokisten“.

Feucht ist ein kleiner Star in der Szene, wird seinerzeit auf Platz der Rangliste der Halbschwergewichte in Deutschland geführt, und strotzt vor Kraft. Er trägt ein Tattoo „Blue-Yellow-Army“ auf dem Bauch, das Logo von Lok Leipzig auf der Hose und läuft unter krachender Rockmusik mit einer blau-weißen Fahne auf dem Rücken ein. Auf der Fahne steht „VfB Hooligans“.

Die Fanszene von Lokomotive Leipzig und das Imperium Fight Team schätzen sich gegenseitig. Vor dem Event im August hielten Fans von Lok ein Transparent im Stadion hoch, auf dem sie für das vierte Event der IFC warben: „Support your local MMA Team!“ stand darauf.

Derlei Werbung hat Tradition: Schon 2012 veröffentlichte „Scenario Lok“ ein Video, in dem sich Szenen aus Kampfsportturnieren, Trainings, Ackermatches und Fußball zu knarzigem „NS Hatecore“ mischen. So macht auch der Chef der IFC, Benjamin Brinsa keinen Hehl aus seiner Herkunft. Er trägt den Kampfnamen „The Hooligan“ und ist der Bundesregierung kein Unbekannter: Sie sieht ihn in ihrer Antwort auf eine kleine Bundestagsanfrage zwischen 2006 und 2012 an rechtsextremen Aktivitäten beteiligt sowie als „Führungsfigur der im Jahr 2014 aufgelösten Hooligan-Gruppierung ‚Scenario Lok'“ (Bundesregierung 2017).

Abermals zeigte sich die enge Verbindung zwischen Lok-Fans, Kampfsportlern des Imperium Fight Teams und der rechten Szene in Sachsen am 11. Januar 2016: Der lokale Ableger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEgIdA) beging sein einjähriges Bestehen in der Leipziger Innenstadt - unterstützt von bundesweiter Szene-Prominenz. Die Hooligan-Band „Kategorie C“ war angereist und bot ihren Song „Hooligans gegen Salafisten“ zum Besten.

Es sollte ein Fanal werden: gegen die linke Szene in Leipzig, gegen die linksorientierte Fanszene des Lokalrivalen BSG Chemie Leipzig und gegen die Migrationspolitik der Bundesrepublik.

Mixed Martial Arts (MMA) - in Deutschland auch eine Zeit lang Freefight genannt - ist im Kommen. In Asien sowie Süd- und Nordamerika boomt der Markt seit Jahren. Dieser Kombinationssport hat in den USA mittlerweile das traditionelle Boxen in Bezug auf Preisgelder und Einschaltquoten überholt.

Viele MMA-Schulen beziehen sich heute auf diese Geschichte.Dabei hat sich die Bandbreite der angewandten und miteinander vermischten Techniken enorm erweitert. Im Grunde besteht MMA als Vollkontaktsport aus drei Bereichen: Erstens brauchen Kämpfer eine Standkampfart (z.B. Boxen). Zweitens müssen Kämpfer über Wurf- und Grifftechniken verfügen, um den Gegner zu Boden zu bewegen (z.B. Judo). Und drittens sollten Kämpfer ebenso Techniken anwenden können, um den Gegner am Boden zu halten und durch Griffe zur Aufgabe zwingen zu können (z.B. Ringen oder Brazilian Jiu-Jitsu).

Nicht wenige Kämpfer haben einmal als Boxer, Judoka oder Ringer begonnen und sich danach weitere Kampfsportarten oder einzelne Elemente aus ihnen angeeignet. Neben den genannten kommen u.a. auch Kick-Boxen, Thai-Boxen, Taekwondo, Karate und Sambo zur Anwendung (vgl. Marquardt, Kuhn 2014; Körner, Istas 2017). Im Unterschied zu allen anderen darf und soll im MMA auch am Boden geschlagen und getreten werden. MMA kommt damit den Hooligankämpfen auf abgelegenen Wiesen technisch am nächsten.

Auch deshalb hat der Sport über die interessierten Kreise hinaus lange mit einem schlechten Image zu kämpfen. Es galt als sittenwidrig, auf blutende Gegner einzuschlagen. Der brutale Eindruck, den MMA teilweise hinterlässt, führte u.a. dazu, dass in Deutschland zwischen 2010 und 2014 ein Sendeverbot im Free-TV herrschte.

Letztlich sind die TV-Übertragungen zwar nicht entscheidend: Die Plattform www.ranfighting.de überträgt in Deutschland MMA-Turniere kostenpflichtig im Internet. Auch auf Youtube sind viele Kämpfe zu finden - vom russischen Lokal- bis zum amerikanischen Mega-Event. Doch bewegt sich der Sport zwischen Ablehnung und Wachstum, teilweise extrem rechtem Publikum und lückenhaften sowie politisch erhitzten Debatten.

Die Debatte um MMA wird in Deutschland erhitzt geführt - wenn sie denn geführt wird. Die Debatte dreht sich um Brutalität und Sittlichkeit - wie so oft, wenn es um Gewalt geht.

Während die Ultimate Fighting Championship aus den USA international unumstritten die Nummer 1 unter den MMA-Veranstaltern ist, gestaltet sich die Szenerie in Deutschland ungleich unübersichtlicher. Die UFC selbst mehrfach in Deutschland gastiert, zuletzt im Juli 2018 in Hamburg.

Doch in ihrem Schatten existiert eine ganze Reihe an Turnierveranstaltern, die zum Teil auch eigene Wettkämpfe austragen. Die „German MMA Championship“ (GMC) klingt nach der deutschen Meisterschaft, ist es formell aber nicht. Neben ihr organisieren Veranstalter wie „Fair FC“ aus Nordrhein Westfalen, „Imperium FC“ aus Leipzig, oder „Superior FC“[1] mit eigenen Titeln und Champions.

Die deutschen MMA-Organisationen verteilen sich auf drei Verbände, von denen keiner Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund ist (DOSB 2017). Vielmehr agieren alle Veranstalter und Gyms auf dem freien Markt jenseits der klassischen Sportstrukturen. So entsteht kaum eine Debatte, auch nicht in der Politik: „Mixed Martial Arts stand bisher noch nicht auf der sportpolitischen Agenda. Die Debatte, ob und inwiefern es als Sport gelten kann, steht noch aus„, sagt Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete der Grünen und Obfrau im Sportausschuss (Claus 2017, S. 136).

Doch nicht nur dies. MMA fiel in den vergangenen Jahren wiederholt durch rechtsextreme Kämpfer und einschlägiges Publikum auf. Nicht ohne Grund: Zwar ist ein Großteil der Athleten unbescholten, doch hat sich bis zum Jahr 2016 allein der Veranstalter „We love MMA“ glaubhaft gegen Rechtsextreme und deren Teilnahme an seinen Events ausgesprochen. Die restliche MMA-Welt in Deutschland geht mit dem Thema mindestens blauäugig, manchmal völlig verharmlosend um. Zumal Rechtsextreme aktiv ihren Platz in der Szene suchen und eigene Events veranstalten.

Rechtsextreme Eventkultur und Kampfsport

Samstag, 18. Januar 2014: Es ist ein kühler Samstag in Köln. Das Testspiel zwischen dem heimischen FC sowie dem FC Schalke 04 steht an, gleichzeitig findet an jenem Wochenende in Berlin ein Kongress von Fußballfans statt, um über die Rechte und die Vielfalt der Anhänger zu sprechen. Doch gerät all das schnell in den medialen Hintergrund: Denn in der Kölner Innenstadt kommt es zu schweren Randalen.

Auf dem Rudolfplatz hatten sich über 200 Hooligans und gewaltaffine Ultras zu einem sogenannten Match verabredet. Die Polizei schreitet ein und beendet das Ganze vorzeitig. Eine Person wurde lebensgefährlich am Kopf verletzt. Auf Seiten der Kölner kämpften auch Hooligans aus Dortmund sowie eine Schlüsselfigur des europäischen Hooliganismus: Denis Nikitin, rechtsextremer Hooligan aus Moskau sowie Gründer der Neonazi- und Kampfsportmarke White Rex.

Er kennt die Hooligans aus der Domstadt nicht nur sporadisch. „Heute kämpfe ich für die Leute in Köln„, sagt er weiter.

Es sind gewachsene Netzwerke, denn seit Jahren pflegen die Kölner enge Kontakte in die russische Neonaziszene.

In einem Gespräch mit dem russischen Fernsehsender 1TV sagte der 31-jährige Kämpfer, dass er seinen nächsten Kampf unbedingt in Russland abhalten möchte, vorzugsweise in St. „Die Verhandlungen mit der UFC [Ultimate Fighting Championship] sind im Gange“, sagte Nurmagomedov dem TV-Sender. „Ich will wirklich in Moskau oder Sankt Petersburg kämpfen und es werden Verhandlungen zu diesem Thema geführt“. Er sei zu 80 Prozent sicher, dass der Kampf in Russland stattfinden wird.

Khabibs Vater erwähnte den Wunsch für einen Kampf in Russland bereits Anfang diesen Monats. „Ich will keinen Druck auf Dana White ausüben, ich will ihm nur einen Hinweis geben. Er sieht die Zahlen, die Einschaltquoten. Nicht nur im russischen Fernsehen, sondern überall auf der Welt. Ich will vor den Fans hier in Russland kämpfen“, zitiert Russia Today den UFC-Champ.

„Ich will unbedingt in Russland kämpfen. Es gibt in St. Petersburg die Gazprom Arena, die ihr Dach schließen kann. Das Stadion in Moskau lässt sich nicht schließen. Ich war bei der Weltmeisterschaft dort und Regen würde ein MMA-Event ruinieren. Aber St. Petersburg hat ein Stadion mit 75.000 Plätzen. In einer kleineren Halle würde es nicht funktionieren. Ich will dort kämpfen.

Allerdings steht noch immer nicht fest, gegen wen der Dagestaner kämpfen wird. Im Gespräch sind momentan der US-Amerikaner Tony Ferguson (seit 12 Kämpfen unbesiegt) und der zurückgetretene Rekordchampion Georges St.

Mixed-Martial-Arts-Kämpfe, die im Käfig ausgetragen werden, erfreuen sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Die Fighter haben diverse Hintergründe, manche kommen vom Boxen, andere vom Kickboxen oder Judo, einige selbst vom Wrestling.

Die Top-Stars in Amerika, man denke nur an den skandalumwitterten Ex-UFC-Champion Conor McGregor, verdienen Millionen, weil sie an den Bestellzahlen der Pay-Per-View-Fernsehzuschauer beteiligt werden, und leben in Saus und Braus.

Von so einem Erfolg und solch einem Leben kann Vyacheslav, der mit Mitte 40 als obdachloser Käfigkämpfer in Moskau lebt, nur träumen. Er ist der Protagonist und Erzähler der Comic-Reportage „Strannik“ (Rotopol, 48 S., 14 €) von Autorin Anna Rakhmanko und Zeichner Mikkel Sommer.

Strannik, das bedeutet auf Russisch Pilger oder Wanderer, und das beschreibt Vyacheslav treffend. Ohne festen Wohnsitz wandert er durch Moskau, wo er bei Freunden und an anderen Orten Klamotten deponiert hat, und schläft in der Metropole, wo es eben gerade geht. Außerdem reist er manchmal tausend Kilometer weit, um etwa in einer abgelegenen, geschlossenen Militärstadt zu einem knallharten Käfigkampf anzutreten, für den er eigentlich zu alt ist.

Die im Comic angerissenen Kämpfe, die Vyacheslav wegen seiner Lippenspalte und seines Sprachfehlers ausfechten musste, sind in „Strannik“ für das biografische Gesamtbild viel wichtiger als der anstehende nächste Fight im Käfig.

Nun gehört er zu den Millionen Obdachlosen in Moskau und wünscht sich, eines Tages genug Geld zu haben, um seiner Mutter ein Sofa kaufen zu können.

Alles, was Rakhmanko und Sommer mit der Veröffentlichung von „Strannik“ verdienen, das im Kleinverlag Rotopol Press herauskam, soll laut Nachwort Vyacheslav zugute kommen und sein Leben zumindest ein bisschen erleichtern.

Der Comic geht mit einer melancholischen Note und dem Beginn des nächsten Kampfes für Vyacheslav zu Ende, der gerade in den Käfig steigt, worum sich die Story nie vordergründig dreht. Dennoch gäbe es noch mehr zu erzählen.

In einem Interview berichtete Rakhmanko schließlich, dass Vyacheslav, der das Träumen trotz aller Rückschläge und ungeachtet seiner Obdachlosigkeit keineswegs verlernt hat, sich zuletzt sogar den Wunsch erfüllte, auf einer kleinen Bühne in Moskau in einem Theaterstück mitzuspielen.

Kirill Dmitrijews neuestes Thema lautet „Ultimate Fighting Championship”, kurz UFC. „Wir arbeiten an der Rückkehr der UFC-Turniere nach Russland”, verkündete Wladimir Putins Sondervertreter für Investitions- und Wirtschaftszusammenarbeit am Sonntag auf Telegram. Einen Tag vorher hatte Donald Trump mit seiner Familie einen Käfigkampf-Abend in Miami besucht. Im Kreml beschloss man, nun auch den brutalsten Lieblingssport des US-Präsidenten auf die russisch-amerikanische Agenda zu setzen.