Mixed Martial Arts (MMA) hat in Deutschland in den letzten Jahren stetig an Popularität gewonnen. Mittlerweile ist MMA eine eigene Kampfsportkunst, die in vielen Gyms auch in Deutschland trainiert werden kann. Dabei geht es vor allem um die Balance verschiedener Techniken. Als Kern werden Fähigkeiten im Kickboxen, Ringen und Jiu Jitsu angesehen.
Während weltweit die UFC den MMA-Markt dominiert und bekannte Stars wie Conor McGregor hervorgebracht hat, ist die Sportart in Europa noch kleiner. Aber auch das hat sich in den vergangenen Jahren geändert, vor allem der Promoter Oktagon stellte zuletzt immer größere Events auf die Beine.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf einige der erfolgreichsten deutschen Kämpfer, die in der UFC und anderen Organisationen gekämpft haben, und beleuchten ihre Beiträge zur wachsenden MMA-Szene in Deutschland.
Christian Eckerlin
In der deutschen Kampfsport-Szene ist Christian Eckerlin seit Jahren eine große Nummer. Für den Frankfurter Christian Eckerlin wird der Kampf im Weltergewicht gegen Christian Jungwirth ein Heimspiel. Der 37-Jährige spricht gerne von seinem "Wohnzimmer", dem Waldstadion, in das er als Anhänger von Eintracht Frankfurt fast zu jedem Bundesligaspiel pilgert.
Nun geht für den populärsten Käfigkämpfer Deutschlands auf Umwegen ein Kindheitstraum in Erfüllung, schließlich war er einst auf dem Weg zum Fußball-Profi, landete bei Darmstadt 98, wo ihm der Durchbruch aber verwehrt blieb. Der Fußball wird allerdings auch einen Teil seines Kampfes mit Jungwirth einnehmen. Viele SGE-Fans kommen wegen Eckerlin ins Stadion, wollen ihn entsprechend anfeuern.
Lesen Sie auch: Top Kickboxer aus Deutschland
"Ich habe glücklicherweise eine sehr starke Fangemeinde, die mich bei allen meinen Kämpfen lautstark unterstützt- die Atmosphäre im Stadion wird brennen und ich erwarte sehr viel Support", sagt Eckerlin gegenüber ntv/RTL. "Die Frankfurter Fans sind weltweit bekannt und werden uns ein 3:0 bescheren", betont er mit Verweis auf Katharina Dalisda und Max Coga, die wie Eckerlin im Frankfurt MMA Spirit beheimatet sind.
Für die Frankfurter wird es im Stadion eine eigene Kurve geben, ebenso wie für die zahlreichen Fans von Jungwirth, der ein glühender Anhänger der VfB Stuttgart ist und aus diesem Fanlager Unterstützung erwartet. Eine Art Bundesliga-Gipfel im Kampfsport könnte das Duell der beiden Christians also werden - zumindest auf den Rängen.
Im Käfig wird ausgekämpft, wer der größte MMA-Kämpfer des Landes wird. In der besten Verfassung seines Lebens wolle Eckerlin in den Kampf gehen. Die Pause nach seinem Sieg gegen Miroslav Broz sei dagegen nur kurz gewesen.
"Ich bin sehr schnell wieder ins Training eingestiegen, um meinen Rhythmus zu behalten- das ist mir auch gut gelungen. Abgesehen davon ist der Kampf auf fünf Runden angesetzt und somit das Camp auch etwas länger und intensiver."
Als König von Frankfurt hat sich Christian Eckerlin bereits mehrfach im Käfig bewiesen. Geschichte wird die MMA-Veranstaltung Oktagon 62 ohnehin schreiben, wenn am Samstag (12. Oktober) rund 60.000 Menschen im Deutsche Bank Park wissen wollen, wer "King of Germany" wird.
Lesen Sie auch: Deutsche Geschichte durch Karat's Musik
Christian Eckerlin feierte bei OKTAGON 57 indes gegen Miroslav Broz einen Sieg durch Technischen K.o. in der zweiten Runde. Der Tscheche war gegen Ende der zweiten Runde blutüberströmt und konnte kaum noch etwas sehen.
Eckerlins Werdegang
Christian Eckerlin kam am 16. In seiner Jugend spielte er Fußball in der Jugend des SV Darmstadt 98. Er spielte auf der Position des Verteidigers und kam sogar bis in die U23. In der Saison 2007/08 wurde Christian Eckerlin sogar in den Kader der ersten Mannschaft des SV Darmstadt aufgenommen, konnte sich allerdings keinen Stammplatz erarbeiten.
Weil sich der Fußballer-Traum irgendwie nicht und nicht erfüllen lassen wollte, begann sich Eckerlin immer mehr für Kampfsport zu interessieren. Die Christian Eckerlin MMA-Karriere nahm langsam Fahrt auf. Seinen ersten professionellen MMA-Kampf bestritt Eckerlin am 12. September 2009.
Seine ersten sechs Käfig-Fights hat er allesamt gewonnen und in diesem Zeitraum hat er sich auch gleich den Titel im Weltergewicht in der GMC (German MMA Championship) geholt. Zehn Jahre später, am 23. März 2019 erkämpfte er sich gegen Nihad Nasufovic den GMC-Titel im Mittelgewicht. Eine kluge Entscheidung, denn im Käfig lief es für ihn deutlich besser als auf dem grünen Rasen.
Von 2017 bis 2023 hat Eckerlin keinen seiner insgesamt 9 Käfigkampfe verloren.
Lesen Sie auch: Die unvergessenen Helden des Wrestling
Eckerlins Einkommen
Christian Eckerlin hat sich mit seinen Erfolgen in der deutschen Mixed Martial Arts-Szene mit Antrittsgagen und Preisgeld nicht schlecht verdient. Er hatte zudem private Werbedeals und Sponsorenverträge. Aber nicht nur durch Käfig-Kämpfe wurde er zum Millionär. Das Vermögen von Christian Eckerlin wird mittlerweile auf über 2 Millionen Euro geschätzt.
Eckerlin betreibt in Frankfurt eine Striptease-Bar namens „Platinum“. Bei diesem Club begann als 20-Jähriger als Türsteher zu arbeiten, 2018 hat er den Laden dann übernommen. Über der Striptease-Bar befindet sich auch das Laufhaus „Rotes Haus“, das ebenfalls in seinem Besitz ist. Neben seinen Verdiensten aus Bordellen und Prostitution besitzt Eckerlin zudem mehrere Beteiligungen an diversen Fitness- und Lifestyle-Marken, was für ihn zusätzliche Einnahmequellen sind.
Seit 2021 betreibt er einen in der MMA-Szene sehr reichweitenstarken Youtube-Kanal. Hier zeigt Eckerlin in Videos nicht nur, was den MMA-Sport ausmacht, er spricht dort auch über seine bewegte Vergangenheit, seine Familie und seinen Alltag abseits des Käfigkampfes.
Dennis Siver
Dennis Siver ist zweifellos der bekannteste Name unter den deutschen UFC-Kämpfern. Geboren in Russland, wuchs er in Deutschland auf und trat ab 2007 in der UFC an. Siver fiel durch sein vielseitiges Striking und seine spektakulären Spinning-Kicks auf. Er erzielte mehrere Siege, die ihn zeitweise in die Top-10 der Federgewichtsdivision katapultierten. Trotz eines hochkarätigen Kampfes gegen Conor McGregor blieb ihm ein Titelkampf verwehrt.
Weitere bekannte deutsche MMA-Kämpfer
- Ottman Azaitar: Der in Köln aufgewachsene Ottman Azaitar machte zunächst in regionalen Ligen auf sich aufmerksam, bevor er 2019 in der UFC debütierte. Sein explosiver Kampfstil und seine Knockout-Power verschafften ihm rasch einen Ruf als gefährlicher Finisher. Gleich in seinem ersten UFC-Kampf gegen Teemu Packalén gewann Azaitar mit einem krachenden K.o. und wiederholte das Kunststück im zweiten Kampf gegen Khama Worthy.
- Nasrat Haqparast: Nasrat Haqparast, in Afghanistan geboren und in Hamburg aufgewachsen, ist ein weiterer aufstrebender Name im Leichtgewicht. Mit seinem aggressiven Boxstil und soliden Bodenkampf hat er sich in der UFC schnell einen Ruf als harter Gegner erarbeitet. Nachdem er anfangs einige spektakuläre Siege - darunter gegen Marc Diakiese - feiern konnte, wurde er auch als potenzieller Kandidat für einen Platz in den oberen Regionen des Rankings gehandelt.
- Abusupiyan “Abus” Magomedov: Abusupiyan “Abus” Magomedov wurde in Dagestan geboren, besitzt aber die deutsche Staatsbürgerschaft und kämpfte lange Zeit in Deutschland. Nach Erfolgen in verschiedenen europäischen Promotionen gab er 2022 sein UFC-Debüt und sorgte direkt für Aufsehen: Mit einem spektakulären K.o. in der ersten Runde machte er auf seine Ambitionen in der Mittelgewichtsklasse aufmerksam.
- Nick Hein: Nick Hein, ein ehemaliger Polizeibeamter aus Köln, ging 2014 in der UFC an den Start und machte sich einen Namen als zäher und disziplinierter Kämpfer. Mit einem starken Judo-Hintergrund und guten Boxfähigkeiten konnte Hein mehrere Siege einfahren und begeisterte mit seinem Entertainer-Charakter sowohl die deutschen als auch die internationalen Fans.
- Islam Dulatov: Der 26-jährige Düsseldorfer Islam Dulatov hat sich durch einen spektakulären Knockout-Sieg bei der Dana White Contender Series einen begehrten UFC-Vertrag gesichert. Dulatov dominierte den Kampf von Beginn an und setzte seinen Gegner mit präzisen Schlägen unter Druck. Nach nur 2:44 Minuten in der ersten Runde landete er einen brutalen Ellbogenschlag, der Antunes bewusstlos zu Boden schickte.
Weitere erwähnenswerte Kämpfer
- Jarjis Danho: Der 32-Jährige ist der erste Schwergewichtler aus Deutschland in der UFC.
- Yessin Ayari: Seit April steht der Weltergewichtler bei der UFC unter Vertrag.
- Peter Sobotta: Ayaris Mentor tritt selbst gegen Nicolas Dalby aus Dänemark an.
- Stephan Pütz: Der bislang erfolgreichste deutsche Kämpfer in der MMA-Geschichte hat im Rahmen der Veranstaltung „OKTAGON 57″ in der Frankfurter Festhalle sein Karriereende angekündigt.
Obwohl Deutschland bislang keinen UFC-Champion hervorgebracht hat, haben diese Kämpfer bewiesen, dass deutsches MMA-Potenzial auf der größten Bühne des Sports existiert. Dennis Siver ebnete als Pionier den Weg für viele andere, während aufstrebende Talente wie Ottman Azaitar, Nasrat Haqparast und Abus Magomedov zeigen, dass der Traum vom UFC-Gold für deutsche Athleten längst nicht unerreichbar ist.
