MMA Spirit Kämpferin: Erfolge und Herausforderungen

Der Kampfsport, insbesondere Mixed Martial Arts (MMA), erfreut sich wachsender Beliebtheit. Immer mehr Frauen entdecken ihre Leidenschaft für diese anspruchsvolle Disziplin, die sowohl körperliche als auch mentale Stärke erfordert. In Deutschland gibt es einige herausragende Kämpferinnen, die sich in der internationalen MMA-Szene einen Namen gemacht haben.

Katharina Dalisda: Eine Pionierin des deutschen MMA

Katharina Dalisda, 32, ist die erfolgreichste deutsche MMA-Kämpferin. Sie hat MMA-Geschichte geschrieben, indem sie sich den Titel der Organisation OKTAGON sicherte. Die 31-Jährige besiegte Jacinta Austin im Strawweight (bis 52,2 kg) vor 10.000 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter Festhalle. Es ist der erste Titel einer deutschen Kämpferin in einer internationalen Top-Organisation.

Dabei traf sie am vergangenen Samstag in Ostrava auf die bis dato ungeschlagene Chochlikova. Katharina dominierte jeden Bereich des Kampfes und sicherte sich den niemals gefährdeten Sieg. Lediglich 7 Wochen nach ihrem beeindruckenden Sieg über die ex UFC Kämpferin Mallory Martin, konnte Katharina Dalisda ihren nächsten großartigen Sieg bei Oktagon MMA einfahren.

Dalisda ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung in der Welt des Kampfsports. Im Alter von fünf Jahren hat sie mit Judo begonnen. Mit 17 war sie eine der jüngsten Schwarzgurtträgerinnen in Deutschland. Nach dem Abitur studierte Dalisda erst Sportökonomie in Bayreuth, später noch Sportmanagement in Darmstadt. Weil sie keinen Judoverein fand, ging sie zum Kickboxen, 2018 entdeckte sie die gemischten Kampfkünste, wie man Mixed Martial Arts übersetzen würde.

Heute hat sie einen Kampfrekord von elf Siegen und drei Niederlagen, seit zwei Jahren ist sie unbesiegt. Der sportliche Durchbruch gelang ihr vor genau einem Jahr in ihrem ersten Oktagon-Titelkampf gegen die Australierin Jacinta Austin. Kurz vor Ende der dritten Runde gelingt Dalisda ein sogenannter Guillotine Choke, eine Würgetechnik, die man auch als „umgekehrten Schwitzkasten“ bezeichnet und ihre Gegnerin zur Aufgabe zwingt. Ihr Lohn: Der erste WM-Titel einer deutschen MMA-Kämpferin bei Oktagon.

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Der Weg zum Erfolg

Der Weg zum Erfolg war jedoch nicht immer einfach. Katharina Dalisda musste einige Hindernisse überwinden, um dorthin zu gelangen, wo sie heute ist. Sie habe immer gerne trainiert, sagt sie, aber wenn es zu den Turnieren ging, hatte sie eine mentale Blockade. Sie habe sich eingeredet, dass alle anderen besser seien als sie selbst, ihr Selbstbewusstsein fiel in den Keller, oft verlor sie in der ersten Runde.

„Privat bin ich ziemlich schüchtern. MMA hat mir sehr geholfen, meine Persönlichkeit weiter zu entwickeln“, sagt sie im SZ-Gespräch. Wenn sie heute mal in Frankfurt abends allein unterwegs sei, habe sie keine Angst mehr.

Bilgenur Aras: Vom schüchternen Kind zur Weltmeisterin

Ein weiteres inspirierendes Beispiel für eine erfolgreiche Kampfsportlerin ist Bilgenur Aras. Bilgenur Aras hat einen weiten Weg hinter sich. Sie war nach ihrer eigenen Beschreibung ein sehr scheues, schüchternes Kind. Heute steht sie lässig im Ring eines Kampfsportstudios in Frankfurt am Main, durchtrainiert, mit der selbstbewussten Haltung eines Menschen, der um seine Kraft und Ausstrahlung weiß.

Auf ihrem Hals trägt sie den tätowierten Schriftzug „Askareya“, ein Begriff aus dem Arabischen, der für Kämpferin steht. Die Profiboxerin ist seit 2021 Weltmeisterin beim Boxverband UBF und gewann 2023 den Gürtel der Deutschen Meisterschaft beim Bund Deutscher Berufsboxer. Ohne das Boxen, sagt sie, „wäre ich heute nicht die, die ich jetzt bin. Boxen ist mein Leben und meine Leidenschaft“.

Wie bei dem Mädchen aus der Disney-Version des Märchens vom Aschenputtel habe sich ihr Leben durch ihre Stiefmutter zum Schlechten verändert. „Ich habe viel Gewalt und wenig Liebe erfahren“, sagt die 29-Jährige und spricht von einer „leider schlechten Kindheit“.

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Beim ersten Training merkt sie, „das ist verdammt hart.“ Aber sie geht wieder hin, denn „von Training zu Training hat es mir mehr von dem gegeben, was mir gefehlt hat“. Neben Liebe und Wärme fehlt ihr damals das Gefühl, wertvoll zu sein. Das Boxen wird ihr Anker.

Mit 15 Jahren trainiert sie während eines Boxcamps etwa 20-Jährige: „Die haben gemacht, was ich ihnen gesagt habe. Es war ein gutes Gefühl, nicht niemand zu sein.“ Seit gut vier Jahren trainiert die ausgebildete Sport- und Fitnesskauffrau mit Ralph Bunn. „Bilgi ist selbstbewusst, sie weiß, was sie kann“, sagt er.

Herausforderungen und Träume

Wie wichtig beides ist, hat sie 2024 erfahren. Beim Training vor einem wichtigen Titelkampf hat sie sich das Kreuzband gerissen. Monatelang kein Sport, das hat sie zurückgeworfen. Einige Sponsoren seien abgesprungen, gerade bei Frauen, die im Sport viel schlechter bezahlt werden als Männer, ein großes Problem, ärgert sich Bilgenur Aras.

Auch Bilgenur Aras macht weiter, kämpft sich aktuell nach ihrer Verletzung zurück. Ihre Träume hat sie weiterhin fest im Blick: Sportlich möchte sie an die Weltspitze und Titelträgerin im World Boxing Council werden, einem der weltgrößten Boxverbände. Nach der Karriere will sie ein Sportstudio eröffnen.

Frauen im Kampfsport: Eine wachsende Bewegung

Auch Ulrike Heitmüller weiß, wie schwer Frauen es im Boxsport haben. Die Berliner Journalistin hat vor 30 Jahren für Frauen das Recht erkämpft, überhaupt offizielle Amateur-Wettkämpfe zu bestreiten. Damals war sie Studentin der evangelischen Theologie in Tübingen und Boxerin. „Boxen ist wahnsinnig anstrengend und interessant. Ich wollte, dass es zum Breitensport werden kann“, erinnert sie sich.

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Sie hoffte, dass sich das ändern würde, wenn sie auch in Wettkämpfen antreten würde, und beantragte darum 1994 beim deutschen Amateur-Boxverband, dass auch Frauen Wettkämpfe austragen können. Der Verband lehnte ab, Heitmüller blieb hartnäckig. 1995 gab der Verband nach.

„Das Boxen macht dich sicherer.“ Und sie ergänzt: „Man kriegt immer etwas ab und muss trotzdem weitermachen. Das Boxen ist auch seelisches Training.“

Auf ihrem Instagram-Account, dem inzwischen knapp 8000 Fans folgen, schreiben ihr immer mehr Mädchen und junge Frauen, dass sie in ihr ein Vorbild sehen. Nicht alle wollen im Käfig kämpfen wie sie, aber dass eine 1,60 Meter große Frau, die gerne häkelt und sich als „friedfertig und konfliktscheu“ beschreibt, so selbstbewusst im Leben steht und im Kampf behauptet, das fasziniert viele.

Erfolge deutscher MMA-Kämpferinnen
Kämpferin Disziplin Erfolge
Katharina Dalisda MMA OKTAGON Strawweight-Championess
Bilgenur Aras Boxen Weltmeisterin (UBF), Deutsche Meisterin (BDB)