Die Judo-Regeln wurden in den letzten Jahren mehrfach angepasst, was zu einigen Änderungen im Strafenkatalog der International Judo Federation (IJF) geführt hat. Viele Aktionen, die früher erlaubt waren, sind nun verboten und werden bestraft. Hier ein Überblick über die wichtigsten Änderungen und Verbote.
Verbotene Handlungen und Strafen
Seit der Änderung der Regeln sind viele Dinge, die vorher erlaubt waren in den Strafenkatalog der IJF aufgenommen worden. So ist das Fassen in die Hose ohne eindeutigen Wurfansatz nicht erlaubt. Auch das so genannte "Knechten" (Der Gegner drückt den Partner mit einer Hand im Nacken nach unten, sodass er sich nicht mehr Aufrichten kann) wird mit einer Strafe geahndet. Ebenso werden Scheinangriffe, das sind Wurfansätze bei denen der Gegner nicht Ausweichen muss, mit einer Strafe, dem Shido bestraft. Dazu kommen noch Bestrafungen bei Inaktivität, offensichtlichen Blocken von Angriffen und passiven Griffkampf. Auch das falsche Greifen am Judoanzug der so genannte Pistolengriff ist verboten.
Neben diesen speziellen Regeln sind natürlich Vergehen wie Spucken, Treten, Beleidigen, Beißen, Kneifen und Schlagen verboten und werden mit einer Disqualifikation geahndet. Verstößt man gegen die Regeln bekommt der Kämpfer einen Schido in Form einer gelben Karte. Diese hat noch keine Auswirkungen auf den Punktestand des Kampfes. Erst die zweite Strafe wirkt sich negativ auf den Verlauf des Kampfes aus. Diese werden zu einem Yuko für den anderen Judoka zusammen gezogen. Bei drei Schidos bekommt der Gegner einen Waz-ari und bei vier Schidos ist der Kampf vorzeitig vorbei und der Judoka bekommt eine rote Karte. Diese zählt allerdings nur für einen Kampf.
Angriffe auf die Wirbelsäule und "Diving"
Auch ein Angriff auf die Wirbelsäule beziehungsweise das Abrollen frontal über den Kopf (Diving) wird mit einer sofortigen Disqualifikation, auf japanisch Hansakumake, bestraft. Bei schweren Regelverstößen kann der Kämpfer sogar von dem gesamten Turnier ausgeschlossen werden.
Was genau bedeutet "Diving"?
»Diving« bedeutet, „bei der Ausführung oder bei dem Versuch der Ausführung solcher Techniken wie Uchi-Mata, Harai-Goshi etc. durch das Beugen nach vorne und unten den Kopf zuerst in die Tatami zu »tauchen«“ (Art. 27 Bst. b Nr.
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Dabei ist es unbeachtlich, welche Technik der Judoka ausführt und ob er mit der Stirn, dem Kopf bzw. dem Nacken die Tatami berührt oder ohne Berührung der Tatami mit seinem Gegner auf dem Rücken einen „Salto schlägt“.
Entscheidend ist nur, daß sich Tori bei einer von ihm kontrollierten Technik ohne Rotation in der Hüfte oder im Schultergürtel mit dem Kopf nach vorne unten beugt und dadurch eine gravierende Gefahr für seinen Kopf oder seine Wirbelsäule (vor allem durch das zusätzliche Gewicht von Uke) schafft.
Das "Eintauchen mit dem Kopf"
Das "Eintauchen mit dem Kopf" bedeutet, dass Tori (bevorzugt bei Uchi-mata und verwandten Techniken) seinen Kopf auf die Matte aufsetzt. Dabei geht dann der Wurf nur über den Kopf, d.h. das volle Gewicht von Tori und Uke liegen auf Toris Nacken. Ein wenig Bewegung nach rechts oder links oder hinten... Das bezieht sich aber eben nur auf das Aufsetzen und Überrollen des Kopfes.
Es ist alles verboten wo Tori grade, also ohne den Kopf zur Seite zu legen und ohne eine Drehung im Schultergürtel in die Matte eintaucht.
Allerdings muss Uke auch nicht fallen. In dem Moment, in dem Uke die Saltobewegung durch einen Block und/oder durch aktives nach unten schieben von Tori verhindert wird Tori mit dem Kopf in die Matte gedrückt. Dies kann zum Genickbruch führen und ist vor einigen Jahren (12 Jahre oder mehr?) leider auch passiert.
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Weitere Regeländerungen und Klarstellungen
- Griff in den Nacken: Der Griff um den Nacken, ohne dass mit dieser Hand der Judogi gefasst wird, ist verboten (Mate, Erklärung, im Wiederholungsfall Shido).
- Griff über die Schulter: Der Griff über die Schulter oder den Arm auf den Rücken ist zum unmittelbaren Angriff erlaubt.
- Landen auf einem oder beiden Knien beim Wurfbeginn: Das Landen auf einem oder beiden Knien beim Wurfbeginn ist verboten. Gemeint sind hier ausdrücklich „Drop-Seoi-nage“, also der eingesprungene Seoi-nage, und entsprechende Formen von Seoi-otoshi. Verboten sind die direkt auf die Knie gesprungenen Würfe.
- Zusammenbrechen im Wurf: Zusammenbrechen durch Ukes Block bzw.
- Verlassen der Kampffläche: Die Regelungen beim Verlassen der Kampffläche wurden überarbeitet, Verhindern des Wiederreinkommens führt nicht mehr zum Shido, Shido nur bei absichtlichem Verlassen = Flucht, so lange ein Fuß auf dem Mattenrand ist, ist es innerhalb, auf der Sicherheitsfläche ist nach 2 Metern „Mate“, egal wie die Sitautaion gerade ist und sich entwicklen könnte, dreht man dem Gegner den Rücken zu, wird nicht mehr unterbrochen (= eigenes Risiko).
- Bearhug: Bearhug ist wieder ohne vorherigen Griff am Anzug erlaubt, allerdings dürfen die Arme nicht mehr durch Griff ins eigene Handgelenk / die eigene Hand geschlossen werden.
Jugendsonderregeln und Anpassungen für 2025
Ab dem 1. Januar 2025 gelten die neuen Wettkampfregeln der International Judo Federation (IJF) in allen Altersklassen des Deutschen Judo-Bundes (DJB). Diese Anpassungen dienen der Sicherheit der jungen Judoka und der Einhaltung der internationalen Standards. Bei Fragen könnt ihr euch jederzeit an die Kampfrichterkommission wenden.
Zudem wird empfohlen, die neuen Judogi-Regeln auch auf Landesebene und darunter zu übernehmen.
Neuerungen im Regelwerk für die Jugend
- Gewichtstoleranz: Die U11 bis U15 Mädchen und Jungen wiegen ab sofort in gültiger Judohose und T-Shirt, dafür gibt es eine Gewichtstoleranz von 500g.
Diskussionen und Perspektiven
Es gibt mit Sicherheit einige Kämpfer, die sich selbst Techniken ausgedacht , erarbeitet und perfektioniert haben, die mit Sicherheit nicht aufgezeichnet und beschrieben sind. Soll man diese Arbeit so strikt unterbinden?
Grundsätzlich finde es gut, dass man die Kämpfer vor gefährdenden Techniken schützt, ob sich selbst oder den Gegner ist dabei egal. Aber landen wir dann nicht irgendwann einmal dort, wo kein Risiko mehr eingegangen werden kann und nur noch gewisse Standards geworfen werden dürfen?
Verbotene Beinangriffe
Alle Würfe bei denen an das Bein gegriffen wird, sind beim Wettkampf tatsächlich verboten. Diese Zusammenfassung ersetzt und ergänzt keine Regel. Verbindlich sind ausschließlich die Regelungen in den Wettkampfordnungen.
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Achtung: Der Passus „einbeinige Angriffstechniken“ bei den Gegendrehtechniken entfällt.
