Die Bedeutung von "Der blaue Planet" von Karat

Das Album „Der blaue Planet“ der Rockgruppe Karat feierte dieses Jahr sein vierzigjähriges Jubiläum. Es wurde in den Amiga-Studios aufgenommen und war eines der erfolgreichsten, die in der DDR je erschienen sind. Das Besondere: Es kam zeitgleich auch in der Bundesrepublik heraus und reüssierte auch dort.

Der Song "Der blaue Planet" von Karat thematisiert die Sorgen und Ängste der Menschheit über die Zukunft des Planeten Erde. Die wiederkehrende Frage, ob der schon gegeben Kuss oder das Wort das letzte sein könnte, lässt darauf schließen, dass die Beziehung und Intimität zwischen Menschen in einer von Unsicherheit geprägten Welt gefährdet sind. Der Künstler ruft die Zuhörerschaft dazu auf, über die Relevanz zwischen persönlichen Bindungen und den globalen Herausforderungen nachzudenken. Zusätzlich wird in den Zeilen über 'Staub und Gestein' verdeutlicht, dass es auch eine düstere Vorstellung gibt, wie die Erde letztendlich aussehen könnte, wenn wir nicht handeln. Der Verweis auf das Ungeborene weist darauf hin, dass auch die Zukunft kommender Generationen betroffen sein könnte.

Es war die Zeit des nuklearen Wettrüstens, der Kalte Krieg war in vollem Gange, der Song ein Friedenslied. Karat trat 1982 am Weltfriedenstag in Ost-Berlin damit auf, es war der 21. September. Auch wenn das Wort Neutronen nicht dem ursprünglichen Text entsprach - dort hatte es Dämonen geheißen, das wurde geändert - vermittelt der Song Endzeitstimmung angesichts der atomaren Bedrohung durch Mittelstreckenraketen.

Dem Berliner Produzenten Oliver Marquardt, der unter dem Namen DJ Jauche die Berliner Technoszene von Beginn an geprägt hat, ist es zu verdanken, dass es dieses Lied nun in einer tanzbaren Clubversion gibt. Durch Zufall kam die Band zu einem YouTube-Stream seines Auftritts und war angetan. So kam es zu der Neuauflage, für den tatsächlich alles neu produziert werden musste, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es keine Originalspur mehr gibt. Statt der Stimme des ursprünglichen Sängers Herbert Dreilich singt sein Sohn Claudius. Er trat der Band 2005 bei, nachdem sein Vater ein Jahr zuvor gestorben war. Er singt nun wie ursprünglich geplant: „Liegt unser Glück nur im Spiel der Dämonen?“ Das klingt auch heute noch oder wieder ziemlich aktuell.

Interessanterweise war das Album "Der blaue Planet" in seiner musikalischen und thematischen Beschaffenheit das in sich geschlossenste Album von Karat. Mit dem instrumentalen Intro 45-01 werden bereits wichtige und im Verlauf des Albums öfter wiederkehrende Klangelemente, etwa fließende Streicherpassagen, treibende Bassfiguren und sanfte Bläsermotive, vorgestellt. Der Titelsong vereinigt typische orientalische Musikmerkmale (unter anderem durch die Verwendung von exotischen Instrumenten) mit denen europäischer Rockmusik.

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Diese Thematik wird in dem Lied Wie weit fliegt die Taube fortgesetzt, das durch sein kontrastives Arrangement auffällt. Während Dreilichs Stimme im ersten Teil fast ausschließlich von Streichern getragen wird, setzt im zweiten Teil die gesamte Band unter schweren Bassfiguren ein. Aus dem Album wurden die Singles Der blaue Planet mit Blumen aus Eis sowie Jede Stunde mit Falscher Glanz ausgekoppelt.

Das Album erschien in der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland mit unterschiedlichem Artwork. In der DDR verkaufte sich Der blaue Planet etwa 1,1 Millionen mal, in der Bundesrepublik Deutschland konnten bis 1989 circa 480.000 Exemplare abgesetzt werden, wofür Karat später eine Goldene Schallplatte bekam. Im europäischen Ausland wurden zudem noch einmal weitere 50.000 Tonträger verkauft. Die Vorab-Single Der blaue Planet verkaufte sich zusätzlich noch 210.000 mal. Damit ist Der blaue Planet das erfolgreichste Rockalbum der DDR.

Es ist erwähnenswert, dass Jungle By Night den Song „Der blaue Planet“ gecovert hat. Das Original unseres Tracks des Tages ist schon länger ein Tourbus-Favorit der Gruppe: „Es verbindet unsere Vorliebe für Synthesizer, Produktion und untypische Arrangements und Songstrukturen.“ Aber auch inhaltlich hat das Stück nach 42 Jahren nicht an Bedeutung verloren.

Das Lied „Gefährten des Sturmwinds“ ist eins der beeindruckendsten Lieder von Karat, den Idolen der Rockmusik der DDR. Karat hatten mit dem Album „Blauer Planet“ Maßstäbe gesetzt, die das Lied absolut bestätigte. Für mich ist „Gefährten des Sturmwinds“ so ziemlich das beste Stück der DDR-Musikgeschichte.

Die gesamte Rhythmik ist nicht der typische 4/4-Takt. Hier haben wir es mit einem Rumba-ähnlichen 6/4-Takt zu tun. Beeindruckt hatten mich als Kind immer die mystischen Stimmen. Die ganze Band findet sich hier zum Satzgesang zusammen, der aber kolossal verfremdet ist. Es hört sich an, als ob das Gesungene rückwärts abgespielt wird. Das Lied baut sich immer weiter auf und gipfelt nach dem zweiten Refrain in einem grollenden Break. Es ist das Thema, dass man vom Fremden und Unbekannten überrollt wird und das in allen Facetten spüren möchte. Es ist auch die Geschichte vom Fernweh, das nie gestillt wird.

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Im Kontext des Antikriegsalbums „Der blaue Planet“ und dem Wissen darum, dass eine explodierte Atombombe eine gewaltige Druckwelle erzeugt, bekommt das Lied aber auch eine weitere Bedeutung. Man muss sich dem Kriegsgeheul entgegen stellen, muss weitermachen. Und nur zu Zeiten des Friedens ist man am Ende frei. So mystisch das Lied klingt, so mystisch ist auch sein Inhalt.

Verkaufszahlen des Albums "Der blaue Planet"

Region Verkaufszahlen
DDR ca. 1,1 Millionen
Bundesrepublik Deutschland (bis 1989) ca. 480.000
Europäisches Ausland ca. 50.000
Vorab-Single "Der blaue Planet" ca. 210.000

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