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Was ist Karate-Do?
Das Karate geht auf eine langjährige Geschichte zurück. Aus dem japanischen lässt sich Karate mit "Leere Hand" übersetzen. Der Kampf erfolgt ohne Waffen. Der Zusatz "Do", bedeutet "Weg" und verdeutlicht den philosophischen Ansatz des Karate, welches sich nicht nur als Kampfkunst sondern auch als Lebenskunst bzw. Lebensweg versteht.
Das Ziel in der Kunst des Karate liegt weder in Sieg noch Niederlage, sondern in der Vervollkommnung des Ausübenden, also der Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung, äußerste Konzentration und Achtung vor dem Gegner. Das Karate lehrt Grundsätze der Achtsamkeit, Friedfertigkeit, Entschlossenheit, und des Respekts. Es ist ein Weg des lebenslangen Lernens, Arbeitens und Verbesserns.
Karate statt Boxen: Die Anfänge in Konstanz
Mit Boxen hatte der Konstanzer Hanskarl Rotzinger (1940 bis 2017) einschlägige Erfahrungen. Sein großer Bruder Otto übte sich in dieser Sportart, und Hanskarl wurde unfreiwillig zum Sparringspartner. Das änderte sich, als er in einer Pfadfinderzeitschrift einen Bericht über Karate las.
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Dieser Artikel handelte nicht nur von der japanischen Kampfkunst. Nach der darin beschriebenen Trainingsanleitung übte Hanskarl Rotzinger. In Jürgen Seydel aus Bad Homburg, der als Vater des Karate in Deutschland gehandelt wird, fand der Konstanzer schließlich 1958 seinen ersten Sensei (Lehrer). Im selben Jahr gründete Rotzinger gemeinsam mit anderen Karatekas das Karate-Zentral-Dojo in Konstanz und war von 1969 bis 1975 Mitglied der deutschen Nationalmannschaft sowie mehrfacher Deutscher Meister.
Der Traum vom eigenen Dojo
Rotzingers großer Traum war aber immer ein eigenes Dojo, den er sich mit der Gründung des Karate- und Fitness-Dojos 1975 erfüllte. Karate war für ihn mehr als lediglich Sport, Ertüchtigung des Körpers und effektive Selbstverteidigung. „Karate ist eine Lebensanschauung“, sagte er im Jahr 2006 im SÜDKURIER-Gespräch.
Hinter Karate steht eine Philosophie, geprägt von Höflichkeit und gegenseitiger Achtung. Die Vermittlung dieser Werte war für Rotzinger untrennbar mit dem Karatesport verbunden, und das lebte er vor. Die in den 70er-Jahren durch Kung-Fu-Filme entfachte Kampfsporteuphorie sah Rotzinger stets kritisch, denn damit ging seiner Meinung nach der Ruf von Gewalt einher.
„Die beste Selbstverteidigung ist die, die man nicht braucht“, befand Rotzinger im seinerzeitigen Gespräch. Ihm war wichtig, dass beim Karate insbesondere Selbstbeherrschung und ein gesundes Maß an Selbstvertrauen vermittelt werden.
Die Blütezeit in Konstanz
Rotzinger war einer der Wegbereiter der Kampfsportkunst in Konstanz und in Deutschland. Er hat in verschiedenen Städten Dojos gegründet, Konstanz zu einer Hochburg des Karate gemacht und den ersten deutschen Verband, den „Deutschen Karatebund“, mitbegründet.
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Zweimal wurde in Konstanz die Karate-EM ausgerichtet und mehrfach wurden große Lehrgänge mit renommierten Karatemeistern aus der ganzen Welt, darunter auch der langjährige deutsche Bundestrainer Sensei Hideo Ochi, veranstaltet. Noch heute steht am Eingang zum Dojo die Dojo-Kun (Verhaltensregeln): „Sei höflich und bescheiden. Vervollkommne deinen Charakter. Sei geduldig und beherrscht. Sei gerecht und hilfsbereit.
Boxen war nach dem Zweiten Weltkrieg der Trendsport schlechthin - auch in Konstanz, wo der KSV Rheinstrom große Erfolge erzielte. Aber Karate? Diese Kampfkunst war seinerzeit in Deutschland noch ziemlich unbekannt. 1958 gründete er das Karate-Zentral-Dojo mit und eröffnete 1975 sein eigenes Karate-Fitness-Dojo, das bis heute mit seinen Karatekas internationale Erfolge verbuchen kann.
Zweimal (im Jahr 2006 und 2013) war das Karate-Fitness-Dojo Ausrichter von Europameisterschaften in Konstanz und organisierte mehrfach „Gasshuku“, den größten Karatelehrgang in Europa, in der Konzilstadt.
Das Karate-Fitness-Dojo und das Jubiläum
Hanskarl Rotzinger gründete 1975 das Karate-Fitness-Dojo in Konstanz. Zunächst im Industriegebiet ansässig, wurde das Dojo ab 1977 in der Werner-Sombart-Straße angesiedelt. Seit 1982 ist das Dojo im Joseph-Belli-Weg 3 in der ehemaligen Chérisy-Kaserne beheimatet.
Markus Rues hat das Dojo im Jahr 2007 von Rotzinger, der 2017 starb, übernommen. Rues, er war selbst mehrfacher Europameister, Weltcupsieger und Vize-Weltmeister und gewann bei Europa- und Weltmeisterschaften insgesamt 15 Medaillen, ist wichtig: „Jeder wird aufgenommen und niemand ausgegrenzt“, denn das Dojo lebe von Gemeinschaft und dem Miteinander.
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Breitensport und Wettkampf, beide Säulen prägen das Karate-Fitness-Dojo mit mehr als 550 Mitgliedern. Alleine bei Europa- und Weltmeisterschaften haben unsere Athleten 55 Medaillen nach Hause gebracht.“
Hanskarl Rotzinger ist unvergessen
Hanskarl Rotzinger ist noch heute vielen Karatekas unvergessen. „Er hat mir geholfen, als ich nach Deutschland kam“, erzählt Tarek Amin, der selbst international erfolgreich war, einige Jahre die deutsche und drei Jahre die ägyptische Nationalmannschaft trainiert hat.
„Als ich mein Dojo ‚Champion Kampfkunst‘ und Crosstraining eröffnet habe, hatte er mir seine Hilfe angeboten“, erinnert sich Tarek Amin. Tarek Amin behält Hanskarl Rotzinger in guter Erinnerung.
Karate beinhalte nämlich mehr als reine Kampfkunst, weiß Amin aus eigener Erfahrung: „Karate hat meine Stärke beherrscht und mich gelehrt, geduldig und beherrscht zu sein.“
„In den Vereinen wird der tägliche respektvolle Umgang miteinander praktiziert und gelebt. Es wird miteinander trainiert, geschwitzt, manchmal bei den Trainingseinheiten verloren und gesiegt, aber immer mit der nötigen Achtung des Trainingspartners“, beschreibt Norbert Heinrich, Vorsitzender des Polizei-Sportvereins Konstanz (PSV).
„Gerade bei den Kampfsportarten wie Karate, Ju-Jutsu et cetera sind das grundsätzliche Voraussetzungen, um verletzungsfrei über die Runden zu kommen“, so Heinrich, der anfügt: „Wir, der Polizei-Sportverein Konstanz, gratulieren dem Karate-Fitness-Dojo Konstanz zu seinem 50-jährigen Bestehen und wünschen ihnen noch weitere 50 Jahre!“
„Seit fünf Jahrzehnten trägt der Verein zur Gesundheit und zum Wohlbefinden vieler Menschen bei“, stellt Marcus Stolz, Vorsitzender des Karate-Zentral-Dojos Konstanz fest.
