Die Geschichte des Undertaker: Eine Wrestling-Legende

Der Undertaker gilt als einer der bekanntesten Wrestler der WWE-Geschichte. Die lebende Wrestling-Legende ist weit über 50 und immer noch bei WWE. SPORT1 erklärt, warum das Phänomen Undertaker so einmalig und langlebig ist.

Die Anfänge und die Geburt des Undertaker

Im Jahr 1990 legte die Ringlegende ihren ersten großen Auftritt bei den Survivor Series der - damals noch - WWF hin. Der Wendepunkt in Calaways Karriere kam 1990, als er zur World Wrestling Federation (WWF, später WWE) wechselte. Bei der "Survivor Series" 1990 debütierte er offiziell als „The Undertaker“, eine düstere Figur mit dem Gimmick eines unsterblichen Bestatters, der von Paul Bearer, einem Leichenbestatter-ähnlichen Manager, begleitet wurde.

Der Charakter des Undertaker war revolutionär: Eine Mischung aus Horror, Übernatürlichem und Wrestling, die sofort beim Publikum Anklang fand. Der Undertaker wurde schnell als unaufhaltsame Kraft im Ring positioniert und besiegte seine Gegner mit Leichtigkeit. Seine charakteristische Finisher-Bewegung, der „Tombstone Piledriver“, wurde berüchtigt. Bereits im nächsten Jahr, 1991, gewann der Undertaker die WWF Championship, indem er Hulk Hogan bei der Survivor Series besiegte, was seine Dominanz weiter festigte.

Der Charakter des Undertaker

Ein unverwundbar scheinender Bösewicht, mit übernatürlichen Mächten im Bunde, im Outfit eines Totengräbers ("undertaker") aus den Western-Filmen: So wurde der 2,08-Meter-Hüne einst ins WWF-Programm eingeführt. Der mystische Charakter faszinierte die Zuschauer, recht bald wurde er einer ihrer größten Lieblinge. Es blieb dabei, weil das "Phenom" sich im Lauf der Zeit immer wieder neu erfand, den erfolgreichen Kern seiner Rolle aber (fast) immer unberührt ließ. Ausnahme: Zwischen 2000 und 2004 gab der Undertaker den texanischen Biker - den tatsächlichen Charakter des Mark Callaway.

Als "riesigen Clint Eastwood" hat Kollege Chris Jericho den Undertaker mal beschrieben. Tatsächlich stand die Hollywood-Ikone Pate für dessen Auftreten. Der Taker lacht nie, spricht wenig, kostet jede Bewegung aus, hält das Publikum mit spärlichen, punktgenau gesetzten Mienenspielen und Gesten in der Hand: Das Lüften des Huts, die hochrollenden Augen, die Halsabschneide-Geste - ganz selten einmal der Hauch eines selbstgewissen Grinsens.

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Auch an eine andere Showbiz-Legende in Schwarz näherte sich der Taker im Alter an: Von Johnny Cash übernahm er für eine Weile auch seine Einzugsmusik: "Ain't no grave can hold my body down..."

Die „Deadman“-Ära und große Fehden (1992-1996)

In den frühen 1990er Jahren etablierte sich der Undertaker als eine der konstantesten und faszinierendsten Figuren der WWF. Er hatte bemerkenswerte Fehden mit Wrestlern wie Jake „The Snake“ Roberts, Kamala, und Yokozuna. Sein Charakter entwickelte sich weiter, und die „Deadman“-Persönlichkeit wurde mit übernatürlichen Elementen angereichert, die in vielen seiner Storylines vorkamen.

Eine der berühmtesten Auseinandersetzungen in dieser Zeit war die Fehde mit Yokozuna, die 1994 in einem „Casket Match“ bei den Royal Rumble endete. Nach diesem Match verschwand der Undertaker für einige Monate aus dem Programm, was den mystischen Aspekt seiner Figur verstärkte.

1996 begann eine entscheidende Rivalität mit Mankind (Mick Foley), die als eine der denkwürdigsten Fehden der 1990er Jahre gilt. Diese Kämpfe, insbesondere ihre brutalen „Boiler Room Brawls“, wurden zu Legenden in der Wrestling-Geschichte und halfen, den Undertaker als Symbol für Härte und Unzerstörbarkeit zu etablieren.

Die Attitude-Ära und die Evolution der Figur (1997-1999)

Die späten 1990er Jahre waren die Ära der „Attitude Era“, eine Zeit, in der WWE auf eine härtere, rebellischere Darstellung setzte. Der Undertaker war in dieser Zeit immer noch eine zentrale Figur, erlebte jedoch eine bedeutende Weiterentwicklung. 1997 führte WWE den Charakter von Kane ein, der als Undertakers totgeglaubter Bruder vorgestellt wurde. Diese Familienfehde wurde zu einer der emotional intensivsten und actionreichsten Rivalitäten in der WWE-Geschichte. Die beiden hatten zahlreiche epische Kämpfe, darunter das erste „Inferno Match“ 1998.

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1998 war auch das Jahr des berüchtigten „Hell in a Cell“-Matches zwischen dem Undertaker und Mankind bei King of the Ring. Dieser Kampf, in dem Mankind aus großer Höhe von der Zelle auf den Kommentatorentisch stürzte, ist einer der brutalsten und erinnerungswürdigsten Momente in der WWE-Geschichte und festigte den Ruf des Undertaker als eine der gefährlichsten Figuren im Wrestling.

Die American Badass-Phase bei WWE (2000-2003)

Im Jahr 2000 durchlief der Undertaker eine bedeutende Veränderung seines Charakters. Er ließ das „Deadman“-Gimmick vorübergehend hinter sich und trat als „American Badass“ auf - eine Motorradfahrende, rebellische Figur, die eher einem Biker ähnelte als einem übernatürlichen Wesen. Diese Phase zeigte Calaway in einer moderneren, realistischeren Version und ermöglichte es ihm, sich neu zu erfinden, während er immer noch an der Spitze der WWE stand.

In dieser Zeit trat der Undertaker in zahlreichen legendären Matches auf, darunter auch der Aufbau zu seiner Fehde mit Brock Lesnar und Triple H. Ein denkwürdiger Moment war sein Sieg über Triple H bei WrestleMania X-Seven im Jahr 2001. In dieser Phase wurde der Undertaker als erfahrener Veteran angesehen, der neue Generationen von Wrestlern herausforderte und förderte.

Rückkehr zum Deadman und die Dominanz bei WrestleMania (2004-2013)

2004 kehrte der Undertaker zu seinem klassischen „Deadman“-Gimmick zurück, was die Fans weltweit feierten. Die „Streak“ bei WrestleMania, seine ungeschlagene Serie von Siegen auf der größten Bühne des Wrestlings, wurde in dieser Zeit zu einer der bekanntesten Errungenschaften in der Geschichte des Sports. Er setzte seine Serie gegen einige der größten Namen der Branche fort, darunter Randy Orton, Batista und Edge.

Besonders hervorzuheben sind seine WrestleMania-Matches gegen Shawn Michaels in den Jahren 2009 und 2010 sowie die beiden Kämpfe gegen Triple H in den Jahren 2011 und 2012. Diese Matches werden oft als einige der besten in der Geschichte von WrestleMania angesehen, und die emotionale Erzählweise und die athletischen Leistungen beider Wrestler zementierten den Status des Undertaker als Legende.

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In einer Fragerunde auf Patreon hat der Undertaker über den „stolzesten Moment“ seiner Karriere gesprochen: Das WrestlerMania-25-Match gegen Shawn Michaels aus dem Jahr 2009. Wörtlich sagte der Undertaker: „Alles hat sich perfekt für dieses Match und diesen Abend zusammengefügt, und es wird wahrscheinlich immer noch mein stolzester Moment sein“.

Beide Wrestler zeigten in dem Match eine beeindruckende Bandbreite ihrer Wrestling-Fähigkeiten und -Techniken. Für nicht wenige Fans gilt es als der beeindruckendste Kampf der WWE-Geschichte. Das Match baute sich kontinuierlich auf. Die letzten Momente des Matches waren besonders intensiv, als beide Wrestler erschöpft, aber entschlossen waren, den Sieg zu erringen. Die Spannung war greifbar, als der Undertaker schließlich Michaels mit einem Tombstone Piledriver besiegte.

Das Ende der Streak und der spätere Teil seiner Karriere (2014-2019)

Am 6. April 2014, bei WrestleMania 30, wurde eine Ära beendet, als der Undertaker von Brock Lesnar besiegt wurde und seine ungeschlagene Serie von 21-0 zu Ende ging. Dies war ein schockierender Moment, der die WWE-Welt erschütterte und als einer der unerwartetsten in der Wrestling-Geschichte gilt.

Trotz dieser Niederlage setzte der Undertaker seine Karriere fort, kämpfte aber nur noch sporadisch. Er trat weiterhin bei großen Events wie WrestleMania auf und hatte bemerkenswerte Matches gegen Wrestler wie Bray Wyatt, Shane McMahon und Roman Reigns. 2017 verlor er gegen Reigns bei WrestleMania 33, und viele sahen dies als möglichen Abschied von der Legende.

Die Weiterentwicklung im Ring

Lange Zeit waren die Matches des Undertakers häufiger ein Mittel zum Zweck als wirklich hochwertig. Er erkannte aber rechtzeitig die Zeichen der Zeit.

Der Deadman, großer Fan der Mixed Martial Arts und regelmäßig Ehrengast bei UFC-Shows, schaute sich Aktionen aus der boomenden Sportart ab, entwickelte sich ringerisch so auch im schon fortgeschrittenen Wrestleralter immer weiter.

Wo seine frühen großen Fehden wie gegen Storyline-Bruder Kane vom Drumherum lebten, legte er in seinen späten, großen WrestleMania-Matches gegen Shawn Michaels und Triple H Klassiker hin. Erst seit er die 50 überschritten hat und der Körper nicht mehr völlig mitmacht, lassen die Leistungen spürbar nach.

Für sein Alter ist er dennoch weiterhin bemerkenswert auf der Höhe - wozu seine privaten Interessen beitragen: Er trägt den schwarzen Gürtel im brasilianischen Jiu-Jitsu, Ehefrau Michelle - geborene McCool - ist selbst ehemalige Wrestlerin, Personal Trainerin und Fitnessfreak.

Rücktritt und Vermächtnis (2020-heute)

Nach Jahrzehnten im Ring kündigte der Undertaker 2020 offiziell seinen Rücktritt an. Sein letztes Match fand bei WrestleMania 36 statt, wo er AJ Styles in einem filmisch inszenierten „Boneyard Match“ besiegte. Dieses Match wurde als würdiger Abschied für eine der größten Figuren in der Wrestling-Geschichte angesehen.

Der Undertaker erhielt 2022 eine wohlverdiente Aufnahme in die WWE Hall of Fame, was seinen außergewöhnlichen Beitrag zum Wrestling würdigte. Über 30 Jahre hinweg war er eine Konstante in einer sich ständig verändernden Branche und inspirierte Generationen von Wrestlern und Fans gleichermaßen.

Im Rahmen der Survivor Series 2020 fand am Ende der Show der „Final Farewell“ des Undertakers statt, genau 30 Jahre nach seinem Debüt. Am 18. Februar 2022 gab die WWE bekannt, dass er in die WWE Hall of Fame 2022 aufgenommen wird.

Die Langlebigkeit

Um ihn herum hat die WWE mehrmals ihren kompletten Kader und ihr komplettes Konzept gewechselt - von der Cartoon-Charakter-Ära zur erwachsenen Attitude-Ära zur kindgerechten Parental-Guidance-Ära. Mit dem Undertaker aber - und das ist längst Teil seines Mythos - ist es wie mit den Stones oder Queen Elizabeth: Er ist immer da. Das beruhigt.

Dass er es nicht ewig bleiben kann, wird von Fans, vielleicht auch von ihm selber, gern verdrängt. Dabei mehren sich die Zeichen.

Außerhalb des Rings ist Mark Callaway in Ehren ergraut, im Ring steht er - mit gefärbten Haaren und Bart - nur noch zu besonderen Anlässen. Und auch die Enden nun öfter schmerzhaft: Nach seiner WrestleMania-Niederlage gegen Brock Lesnar 2014 landete er im Krankenhaus, nach dem Rückkampf beim SummerSlam kollabierte er auf dem Weg in die Kabine. 2017, nach seinem scheinbar letzten Match gegen Roman Reigns, wurde vermeldet, dass er eine künstliche Hüfte benötigt.

Beide Male schien die Karriere des Undertaker vorbei - doch er kam zurück, immer wieder.

Die Matches des Undertakers

Lange Zeit waren die Matches des Undertakers häufiger ein Mittel zum Zweck als wirklich hochwertig. Er erkannte aber rechtzeitig die Zeichen der Zeit.

Wo seine frühen großen Fehden wie gegen Storyline-Bruder Kane vom Drumherum lebten, legte er in seinen späten, großen WrestleMania-Matches gegen Shawn Michaels und Triple H Klassiker hin. Erst seit er die 50 überschritten hat und der Körper nicht mehr völlig mitmacht, lassen die Leistungen spürbar nach.

Der Auftaktkampf ist einer gegen die noch größere Legende, gegen den ewigen Champion und Filmstar Hulk Hogan. Der Kampf gegen Hogan ist ein starker Kontrast zu den späteren Kämpfen, der Taker unglaublich langsam und Hogan so ringerisch eingeschränkt, wie er leider immer war und noch heute ist, der alte Mann steigt ja immer noch in den Ring. Also eher ein nostalgisch interessanter Kampf als ein guter.

Aber es gibt ein paar echte Klassiker unter den Kämpfen, das Sargmatch gegen den gewichtigen Yokozuna, in dem der Undertaker irgendwann gegen eine riesige Menge fieser Wrestler kämpfte und heroisch unterging. Oder das erste "Hell in a Cell"-Match gegen Shawn Michaels, der legendäre Kampf gegen Mankind in der gleichen Matchart. Auch ein gut zehn Jahre späteres Match gegen Hulk Hogan ist dabei, aber auch das fällt negativ auf.

Die wichtigsten Titel und Erfolge

Titel/Erfolg Anzahl Bemerkungen
WWF/WWE Championship 4 4 Mal
World Heavyweight Championship 3 3 Mal
Royal Rumble Gewinner 1 2007
WrestleMania Streak 21-1 Ungeschlagene Serie von 21 Siegen bei WrestleMania
WWE Hall of Fame 1 Aufnahme im Jahr 2022