Judo Wettkampfregeln und der Rote Gürtel

Im Judo gibt es keine Tore und keine Punkte, sondern Wertungen. Bei jeder Aktion, die ein Kämpfer ausführt, beurteilt der Kampfrichter, wie gut sie war. Erfüllt sie bestimmte Kriterien, erhält der Judoka eine entsprechende Wertung.

Grundlagen des Judo-Wettkampfs

Gekämpft wird in der Regel im weißen Judo-gi (Judoanzug). Der zuerst aufgerufene Kämp­fer bindet sich den weißen, der Zweitgenannte den roten Gürtel um. Bei Wettkämpfen auf höherem Niveau trägt der eine Kämpfer statt des Zusatzgürtels einen weißen, der andere Kämpfer einen blauen Judo-gi. Der in der Wettkampfliste Erstgenannte bzw. zuerst Aufgerufene (weißer Zusatzgurt; weißer Judo-gi) stellt sich aus der Perspektive des Kampfrichters rechts auf der Matte auf.

Je nach Alterskategorie dauern Judo-Kämpfe von zwei Minuten für die Kleinen bis zu vier Minuten plus sog. Golden Score. Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen.

Hier eine Tabelle der Kampfzeiten je Altersklasse:

Altersklasse Kampfzeit
U11 2 Minuten
U13 und U15 3 Minuten
U18, U21, Frauen und Männer 4 Minuten

Wertungen im Judo

Zur Bewertung hat der Kampfrichter drei Kategorien zur Auswahl:

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  • Yuko
  • Waza-Ari
  • Ippon

Yuko ist die kleinste Wertung, Waza-Ari ist höher und Ippon ist die höchste Wertung. Wertungen können mehrmals vergeben werden (außer für Ippon). Die Anzahl der Wertungen in jeder Kategorie werden auf der Kampfrichtertafel angezeigt (wiederum außer für Ippon).

Die höchste Wertung einer Technik wird durch den Kampfrich­ter-Ausruf „Ippon“ signalisiert. Dies beendet den Kampf vorzei­tig. Bei einer nicht ganz perfekten, aber dennoch erfolgreichen Technik gibt es ein „Waza-ari“.

Im Boden kann der Kampf ebenfalls entschieden werden. Den vollen Punkt, das Ippon, erhält der Sieger, wenn der Gegner z.B. aufgrund einer erfolgreichen Hebel- oder Würgetechnik (zuläs­sig bei älteren Kindern und Erwachsenen) aufgibt. Die Aufgabe zeigt der Unterle­gene dem Gegner und dem Kampfrichter durch festes zwei­ma­liges Abklopfen mit den Händen oder Bei­nen an.

Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekun­den gehalten wird. In der 20. Sekunde des ungelösten Halte­griffs ertönt das Kom­mando Ippon, welches den Kampf wiede­rum beendet.

Befürchtet der Kampfrichter in einer unübersichtlichen Bodenkampfsituation ein Risiko für einen der Kämpfer, so kann er den Kampf mit dem Kommando „Sono-mama“ unterbrechen. Beide Wettkämpfer verharren in der aktuellen Situation bis der Unparteiische die Situation - z.B. durch Kleiderordnen - bereinigt.

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Wie gewinnt man einen Judo-Wettkampf?

Wer die höchste Wertung Ippon erhält, ist sofort Sieger (es ist egal, was für Wertungen der Gegner erzielt hat) und der Kampf ist zu Ende. Diese Wertung kann also nur einmal pro Kampf vergeben werden und deshalb braucht sie auch nicht auf der Tafel angezeigt werden.

Zweimal Waza-Ari ist soviel wert wie Ippon, auch dann ist man sofort Sieger.

Wenn mit diesen Wertungen der Kampf nicht vorzeitig beendet wurde, sondern die Kampfzeit regulär abgelaufen ist, gewinnt derjenige Judoka, der die höhere Wertung von beiden erzielt hat.

Dabei gilt: Ein Waza-Ari ist mehr wert als alle Yukos des Gegners.

Es entscheidet also immer die Anzahl der höchsten Wertung, die vergeben wurde. Ist diese bei beiden Kämpfern gleich, entscheidet die Anzahl der nächst niedrigeren Wertung, usw.

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Wenn beide Kämpfer überhaupt keine Wertung erzielt haben oder die Wertungen bei beiden absolut identisch sind, dann wird der Wettkampf durch „Golden Score“ entschieden, d. h. alle bisherigen Wertungen werden zurückgenommen und derjenige Kämpfer gewinnt, der in der Verlängerungszeit die erste Wertung erhält.

Im Fall gleicher Wertungen wird der Kampf somit auch dann fortgesetzt, wenn z.B. Golden Score: In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze.

Haben beide Kämpfer auch im „Golden Score“ keine Wertung erzielt, kommt es zu einem Kampfrichterentscheid. Der oder die Kampfrichter müssen einen Kämpfer zum Sieger erklären.

Für die Entscheidung wird geprüft: Welcher Kämpfer war aktiver.

Wann bekommt man welche Wertung?

Beim Kampf im Stand gilt: Je mehr der Gegner auf den Rücken geworfen wird, und je schwung- und kraftvoller die Wurfausführung ist, desto höher die Wertung. Landet der Gegner dagegen auf dem Bauch, gibt es keine Wertung.

Im Bodenkampf gilt: je länger man es schafft, den Gegner in einem Haltegriff festzuhalten, desto höher die Wertung. Ein Haltegriff zählt aber nur dann, wenn der Partner mit mindestens einer Schulter auf dem Boden liegt.

Bei höheren Altersstufen kommen Hebel und Würgegriffe dazu. Bei wirkungsvoll angesetzten Hebeln oder Würgegriffen signalisiert der Unterlegene durch Abklopfen seine Aufgabe.

Weitere Regeln und Strafen

Die Kampffläche ist farblich eindeutig gekennzeichnet (bei uns durch rote Matten). Der darum gelegte Mattenbereich (bei uns in grüner Farbe) darf - mit wenigen Ausnahmen - nicht betre­ten werden. Ein Hinaustreten wird mit der Strafe „Shido“ ge­ahndet.

Strafen werden auch für andere Unregelmäßigkeiten (z.B. wegen Inaktivität, unzulässiger Grifftechnik oder Beingreifen im Standkampf) erteilt. Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“.

Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes. Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.

Bei Wurfansätzen oder Bodentechniken, die innerhalb der Kampffläche begonnen haben, geht der Kampfverlauf auch auf der Sicherheitsfläche weiter bis die Kampfaktion abgeschlossen ist.

Gürtelgrade im Judo

Die Gürtelfarbe gibt die Graduierung des Judokas wieder, sagt also etwas darüber aus, wie viele erfolgreiche Gürtelprüfungen abgelegt worden sind. Dies dient den Trainern bei Zuordnung zu Übungsgruppen und Zuweisung von Aufgaben, die dem Entwicklungsstand gerecht wurden.

Hier eine Übersicht der Gürtelgrade:

  • Schülergürtel (Kyu)
    • 8. Kyu - weiß
    • 7. Kyu - weiß/gelb
    • 6. Kyu - gelb
    • 5. Kyu - gelb/orange
    • 4. Kyu - orange
    • 3. Kyu - orange/grün
    • 2. Kyu - grün
    • 1. Kyu - blau
  • Meistergürtel (Dan)
    • schwarz für den 1. bis 5. Dan
    • rot-weiß für den 6. bis 8. Dan
    • rot für den 9. und 10. Dan
    • ideeller Gürtel weiß für den 11. und 12. Dan

Gürtel oberhalb des 5. Dan können nicht durch das Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich!

Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tod den 11. Dan verliehen.

Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo, soll den 12. Dan tragen. Der weiße Gürtel des 11. und 12. Dans symbolisiert diese Idee.

Der Rote Gürtel (9. und 10. Dan)

Der rote Gürtel ist einer der höchsten Grade im Judo und wird an Judoka verliehen, die den 9. oder 10. Dan erreicht haben. Diese Graduierung wird nicht durch Prüfungen erlangt, sondern durch außergewöhnliche Verdienste und Hingabe zum Judo verliehen.

Die Wettkampfregeln werden durch den Internationalen Judo-Verband (IJF) festgelegt und vom Deutschen Judo-Bund (DJB) übernommen. Sie werden des Öfteren angepasst. So dürfen die Kämpfer im Stand zurzeit nicht unterhalb des Gürtelbereichs (z.B. an die Beine des Gegners) greifen.

Im Internet findet sich leider noch immer eine Vielzahl veralteter Regeln (z.B. mit den früheren Kleinwertungen Koka und Yuko). Diese sind obsolet.

Kampfrichterkommandos:

  • ha-jime: kämpft!
  • mate: stopp!