Viele Menschen, die ihre Wehrhaftigkeit verbessern möchten, suchen sich eine Schule oder ein Gym in ihrer Nähe, das etwas unter dem Label „Selbstverteidigung“ anbietet. Wer sich intensiv mit dem Angebot auseinandergesetzt hat, weiß, dass es massive Unterschiede zwischen Trainern, Schulen und Systemen gibt.
Mixed Martial Arts (MMA) ist nicht nur ein aufstrebender Sport, sondern auch eine komplexe, facettenreiche Kunst, die unterschiedliche Disziplinen des Kampfsports vereint. Diese Disziplinen beinhalten sowohl Schlag- und Tritttechniken als auch Bodenkampftechniken, die aus verschiedenen Kampfkünsten stammen.
Was ist MMA?
MMA ist die Abkürzung für Mixed Martial Arts, was auf Deutsch übersetzt „gemischte Kampfkünste“ bedeutet.
MMA kombiniert Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten wie Boxen, Kickboxen, Ringen, Brazilian Jiu-Jitsu und Muay Thai.
- Striking umfasst die Anwendung von Schlag- und Tritttechniken, die sich auf das Zufügen von Schäden an einem Gegner konzentrieren. Es werden Techniken aus dem Boxen, Kickboxen, Muay Thai und anderen Kampfstilen angewendet.
- Clinch ist eine Position im Standkampf, in der zwei Kämpfer sich eng gegenseitig halten. Es wird oft verwendet, um den Gegner zu kontrollieren, Schläge zu vermeiden und den Übergang in den Bodenkampf oder Submissions vorzubereiten.
- Wrestling: Den Gegner zu Boden zu „wrestlen“.
- Submissions konzentrieren sich auf das Erzwingen der Aufgabe eines Gegners, oft durch Gelenkhebel oder Würgetechniken.
MMA hat seine Wurzeln in verschiedenen Kulturen und Traditionen. Die Idee, unterschiedliche Kampfstile miteinander zu vergleichen, geht weit zurück. Die moderne Ära von MMA begann in den 1990er Jahren, mit der Gründung von Organisationen wie der UFC. Heutzutage ist MMA mehr als nur ein Nischensport.
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MMA ist ein komplexer und vielseitiger Kampfsport, der weit mehr als nur einen physischen Wettkampf darstellt. Die Verschmelzung von Techniken, Philosophie, Geschichte und Kultur macht MMA zu einer einzigartigen Disziplin, die in der modernen Kampfsportwelt weiterhin an Bedeutung gewinnt.
MMA Training
MMA-Training ist intensiv und anspruchsvoll. Das technische Training umfasst das Erlernen und Verfeinern von Schlag-, Tritt-, Clinch- und Submissions-Techniken. Zusätzlich zum technischen Training ist das Fitness-Training entscheidend.
MMA kann viele Fähigkeiten fördern: Kraft, Ausdauer, Koordination, Reaktion, Schnelligkeit, Durchhaltevermögen, mentale Stärke.
10 Gründe, warum MMA für Selbstverteidigung geeignet ist
- Selbstverteidigungstechniken entstehen oft im beinahe luftleeren Raum. Wer etwas im Rahmen eines vernünftigen MMA-Trainings lernt, der lernt etwas das von Unzähligen Praktizierenden der jeweiligen „Untersportart“ und anderen MMA-Trainierenden genutzt wird, in unzähligen Sparringseinheiten und Kämpfen in Ring oder Cage getestet wurde und sich irgendwie durchgesetzt hat. Gleichzeitig lernt man für gewöhnlich den Jab von einem Boxtrainer, die Armbar von einem BJJ-Coach und das Clinchen häufig von einem guten Ringer.
- Es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass man in Sachen Selbstverteidigung am Bodenkampf und damit am oft sportlich geprägten Grappling nicht vorbei kommt. Während das im MMA völlig klar ist, spätestens seit UFC 1, spricht es sich in der SV-Szene erst langsam herum. Viele beziehen mittlerweile Grappling in ihr Selbstverteidigungstraining mit ein, manche hängen aber auch weiter an ihrem „Antigrappling“, welches nicht funktioniert.
- Ist man auf der Suche nach einem MMA-Gym, so ist diese Einschätzung oft einfacher. Kämpfen die Trainierenden aus dem Gym regelmäßig? Vielleicht sogar eingermaßen erfolgreich? Bestehen Netzwerke zwischen dem jeweiligen Trainer und anderen? Vielleicht sogar international? Mit etwas Glück sterben die schlechten MMA-Gyms langsam aus und werden durch gute ersetzt.
- MMA ist mittlerweile ein Sport, in dem man an der Sportwissenschaft nicht mehr vorbeikommt. Dort, wo man auch als Trainer noch stetig lernt, sich verbessert und im Austausch steht, ist auch pädagogisch oft ein hohes Niveau zu finden.
- Wenn man regelmäßig nur mit „frischen“ Partnern trainieren kann ist es schwierig, eine gute Tiefe ins eigene Training zu bringen. Das Einarbeiten von Menschen ohne Erfahrung ins Training und dann auch ins Team ist extrem wichtig.
- Sparring ist integraler Bestandteil des MMA-Trainings und muss auch ein solcher sein, wenn man für die eigene Sicherheit trainiert. Erstens sind oft Techniken vom Sparring ausgeschlossen, entweder weil sich niemand gerne ins Genital schlagen lässt, was durchaus nachvollziehbar ist, oder aber, und dann ist es Zeit zu gehen, weil sie so dermaßen gefährlich und lethal sind, dass sie nur im äußersten Ernstfall benutzt werden dürfen. Zweitens fehlt oft eine gesunde Selbsteinschätzung wieviel Kontakt gerade angebracht wäre und wieviel gerade Sache ist.
- In einem MMA-Gym ist man regelmäßig konfrontiert mit der eigenen Ermüdung, besseren, stärkeren Gegnern und dem beinahe unlösbaren Problem auch mal einen Schlag ins Ziel zu bringen. Das Arbeiten unter Druck, und damit das Lernen, dass man auch müde und möglicherweise benachteiligt noch lange nicht verloren hat, ist extrem wichtig. Wer zwar mit müden Armen drillt, aber nie in der fünften Minute unter einem deutlich schwereren Gegner in der Sidemount gelegen und trotzdem noch eine Submission hinbekommen hat, der hat nur die eine Hälfte gelernt.
- Potentielle Wettkämpfer gehen völlig anders miteinander um, wenn sie einmal erfahren haben, wie entmutigend, zermürbend und unnötig eine Verletzung in der Wettkampfvorbereitung sein kann. Dass man füreinander verantwortlich ist, wird einem im Team schnell klar.
- Die erste Erfahrung im MMA-Training ist eigentlich immer völlige Hilflosigkeit, weil man keine Ahnung hat, was gerade zu tun ist. Alle Trainingspartner sind besser geschult, oft stärker und ausdauernder, das eigene Repertoire ist schnell erschöpft und dann beginnt die Panik. Das ist der Punkt von dem aus man gut lernen kann und ohne Ego miteinander trainiert. Man begegnet sich auf der Matte als Gleiche, gleich in der Verletzlichkeit und in der Erfahrung, mal ganz unten angefangen zu haben. Wer denkt „extrem krass“ zu sein, wird in einem MMA-Gym schnell vom Gegenteil überzeugt.
- Wer einen großen Teil seiner Freizeit in seinen Sport investiert, dem ist klar, dass ordentliches Equipment schlicht und ergreifend absolut notwendig ist. So gerne auch ich mich in tollen neuen Handschuhen verliere, selbst der geizigste MMA-Trainierende kommt irgendwann nicht mehr an guten Handschuhen, Schienbeinschonern, einem guten Mundschutz und dergleichen vorbei. Zusätzlich dazu ist man im MMA häufig umsichtiger was seine Sportkleidung angeht. Reissverschlüsse an Hosen, Hosentaschen oder ähnliches kommen da gar nicht erst in Frage. Das Bewusstsein für ansteckende (Haut)Krankheiten ist im MMA außerdem allgegenwärtig.
Lücken im MMA-Training
Natürlich hinterlässt das MMA-Training Lücken. Es wird nicht mit Waffen trainiert, es geht nicht wirklich um Notwehrrecht oder die mentale Seite der eigenen Sicherheit (Stichwort mindset) und was gegen die Regeln ist, wird für gewöhnlich nicht behandelt. Viele Trainierende, die ihr eigenes Training und Wissen wirklich ernst nehmen, sind längst dazu übergegangen, sich ihr Können und ihr Training aus mehr als nur einer Quelle zusammen zu suchen (Stichwort multidisciplinary approach).
MMA im Vergleich zu anderen Kampfsportarten
Kampfsportarten bieten einen hervorragenden Ausgangspunkt, um Selbstverteidigungsfähigkeiten zu entwickeln. Jede Disziplin hat ihre eigenen Stärken und Grenzen, doch gemeinsam tragen sie dazu bei, Sicherheit, Selbstvertrauen und körperliche Fitness zu steigern. Hier ein Überblick über einige beliebte Kampfsportarten:
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- Boxen: Der Fokus liegt auf präzisen Schlägen, Schnelligkeit und Koordination.
- Muay Thai: Nutzt Fäuste, Ellbogen, Tritte und Kniestöße.
- Kickboxen: Verbindet Faust- und Fußtechniken und legt den Schwerpunkt auf Schnelligkeit, Schlagkraft und Technik.
- Karate: Legt Wert auf präzise Schläge, schnelle Bewegungen und Verteidigungstechniken.
- Brazilian Jiu Jitsu (BJJ): Konzentriert sich auf den Bodenkampf und nutzt Gelenkhebel und Würgegriffe.
- Judo: Konzentriert sich auf Würfe und Bodentechniken.
Für eine umfassende Selbstverteidigung kann die Kombination aus verschiedenen Disziplinen optimal sein. So sind Boxen und Kickboxen hervorragend für den Standkampf geeignet, während Brazilian Jiu Jitsu im Bodenkampf brilliert. Am wichtigsten sind jedoch regelmäßiges Training und eine gute Situationswahrnehmung.
Krav Maga - Die Königsklasse der Selbstverteidigung
Krav Maga wurde speziell für das israelische Militär entwickelt und legt den Fokus auf realistische Selbstverteidigungssituationen. Es kombiniert Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten und simplifiziert sie für den Straßenkampf, sodass es leicht zu erlernen und anzuwenden ist.
Vorteile von Krav Maga
- Einfach und effektiv: Krav Maga lässt sich in kürzester Zeit erlernen und anwenden.
- Realitätsnah: Die Techniken sind auf reale Bedrohungsszenarien ausgelegt.
- Integrierter Ansatz: Kombination von Schlägen, Tritten und Abwehrtechniken gegen Waffen.
- Stressbewältigung: Training unter simulierten Stressbedingungen.
- Ganzkörper-Workout: Verbesserte körperliche Fitness und Ausdauer.
- Selbstbewusstsein: Aufbau von sicherem und entschlossenem Handeln in Gefahrensituationen.
- Präventive Strategien: Erlernen von Techniken zur frühzeitigen Erkennung und Vermeidung von Gefahrensituationen.
- Flexibilität: Anwendbar für Menschen jeden Alters und Fitnesslevels.
Techniken im Krav Maga
- Direkte und schnelle Angriffe auf Vitalpunkte.
- Anwendung von Hebeln, Würfen und Kontrollgriffen.
- Realistischer Umgang mit Bedrohungen von Messer- und Stockangriffen sowie Schusswaffen.
MMA und Selbstverteidigung: Was man beachten sollte
MMA ist ein hervorragendes Kampfsporttraining, das viele effektive Techniken beinhaltet. Allerdings ist Selbstverteidigung mehr als nur körperlicher Kampf.
Während Kampfsport den sportlichen Wettkampf in einer sicheren Umgebung trainiert, geht es bei Selbstverteidigung darum, sich in unvorhersehbaren, gefährlichen Situationen zu schützen.
Aspekte der Selbstverteidigung
- Gefahrenbewusstsein
- Deeskalationstechniken
- Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen (z. B. Notwehr)
In Deutschland regelt § 32 StGB (Strafgesetzbuch) die Notwehr: „Eine Tat ist nicht rechtswidrig, wenn sie durch Notwehr geboten ist.“
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MMA als Ergänzung zur Selbstverteidigung
Wenn man MMA macht und es sich wirklich um Selbstverteidigung handelt (also keine Prügelei in einer Disko etc.) kann MMA vor allem sinnvoll sein, wenn man Techniken verwendet, die im MMA eben nicht erlaubt sind und zwar Eye Stabs und Kicks in die Leiste. Dh selbst die besten Profikämpfer sind bei eye poks und Leistentritten nicht in der Lage weiterzukämpfen.
Wo kann man Kampfsportarten trainieren?
Es gibt viele Möglichkeiten, Kampfsportarten zu trainieren. Ein gutes Beispiel ist die Artesano Fight Sport Academy in Hamburg Barmbek, die Kurse für verschiedene Niveaus anbietet.
Vorteile der Artesano Fight Sport Academy
- Professionelle Trainer mit jahrelanger Wettkampferfahrung
- Top-moderne Umgebung mit hochwertiger Ausstattung
- Kurse zu verschiedenen Tageszeiten
- Starke Gemeinschaft
Fazit
Selbstverteidigung ist nicht nur ein Mittel, um sich in brenzligen Situationen zu schützen - es ist ein Weg, seine innere Stärke zu entdecken und sein Vertrauen zu stärken. MMA ist eine gute Grundlage, aber es ist wichtig, auch andere Aspekte der Selbstverteidigung zu berücksichtigen.
