Die effektivste Kampfsportart zur Selbstverteidigung: Ein Vergleich

Kampfsport übt seit Jahrhunderten eine Faszination auf viele Menschen aus. Fast genauso alt ist die Frage: Welche Kampfkunst ist die effektivste, die tödlichste, die beste? Da die Frage sehr häufig aufkommt, hier eine ausführliche Antwort basierend auf jahrelanger Erfahrung im Wettkampfsport und realen Selbstverteidigungssituationen.

Grundprinzipien effektiver Kampfaktionen

Es gibt nur vier effektive Arten von Kampfaktionen:

  1. Striking: Schläge, Tritte, Stöße mit Ellbogen, Knie, Kopf usw.
  2. Wrestling: Den Gegner zu Boden ringen oder werfen.
  3. Grappling: Hebel- und Würgegriffe.
  4. Beißen: In seltenen Fällen nützlich, aber unzuverlässig.

Folgende Faustregeln lassen sich durch Beobachtung und Erfahrung aufstellen. Wrestling und Grappling schlagen Striking meistens und ein Allkämpfer der in allem davon versiert ist, schlägt die anderen haushoch.

Kampfsport vs. SV-Systeme

Ironischer Weise nützt eine gute Kampfsportausbildung in der Selbstverteidigung mehr als das Erlernen von SV-Systemen. Dies liegt daran, dass Techniken im Wettkampfsport kontinuierlichen Pressure Tests ausgesetzt sind und dementsprechend sehr Realitätsnah trainiert werden.

Kriterien für die Wahl des richtigen Kampfsports zur Selbstverteidigung

Wenn du also nach dem richtigen Kampfsport zur Selbstverteidigung suchst achte auf:

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  1. Wettkampfsysteme
  2. Realitätsnähe (Vollkontakt)
  3. Vielseitigkeit (weder Striking noch Grappling/Wrestling sollten außer Acht gelassen werden), man kann alternativ auch zwei Stile trainieren und kombinieren wie z.B. Boxen und Judo

Letztendlich kommt es nicht drauf an wie sich die Kampfsportart jetzt nennt, sondern wie sie Striking, Grappling und Wrestling umsetzt.

Top-Kampfsportarten zur Selbstverteidigung

Kampfsportarten in denen sich sehr wenige Scharlatane tummeln und mit denen du wenig verkehrt machen kannst sind: Boxen, Kickboxen, Muay Thai, KYOKUSHIN Karate, Ringen, Judo, Shoot Boxen, brazilian Jiu Jitsu, Sambo, Sanda und MMA.

Mixed Martial Arts (MMA)

MMA ist im Moment die vielleicht gefährlichste Kampfsportart. Ein guter Kämpfer beherrscht das komplette Programm an Schlägen, Tritten und Bodenkampf. Wer etwas erreichen will, muss im Ring kämpfen - und das ist eine harte Nummer. Die Kämpfer sind meistens sehr harte Gegner. Sie können nicht nur zuschlagen, sondern auch damit umgehen, wenn sie mal getroffen werden. Es geht dann um Dinge wie: Fall ich jetzt um? Kann ich noch reflexartig reagieren? Bleibt mein Kopf ruhig, wenn ich getroffen werde? Das lernt man bei Martial Arts.

Muay Thai

Muay Thai und ähnliche süd-ostasiatische Kampfsysteme sind meistens sehr hart. Es wird immer Vollkontakt gekämpft, immer voll auf Angriff und es geht immer voll in den Mann - ein bisschen wie MMA, nur ohne Bodenkampf. Anders als beim Kickboxen wird neben Händen und Füßen auch mit Knien und Ellbogen gekämpft. Ein Ellbogen im Gesicht kann einen Kampf relativ schnell entscheiden.

Kickboxen

Beim Kickboxen wird mit Füßen und Fäusten getreten und geschlagen. Es ist schon ein ziemlich guter Kampfsport. Ich habe Kickboxen nur an die dritte Stelle gesetzt, weil in Anführungszeichen „nur" mit Armen und Beinen gekämpft wird. Außerdem gibt es im Gegensatz zum Thaiboxen leichtere Kontaktvarianten. Dennoch gilt auch hier: Wer ständig für den Kampf im Ring trainiert, der kämpft vermutlich auch auf der Straße gut, weil er die psychische Seite des Kampfes schon gemeistert hat.

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Boxen und Ringen

Boxen und Ringen sind viel gefährlicher als ihr Ruf. Natürlich sind Boxer und Ringer im Wesentlichen auf eine Kampfdistanz beschränkt. Dennoch lernen sie, in ihrer Disziplin äußerst effektiv zu kämpfen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: Boxe keinen Boxer und ringe keinen Ringer!

Die nächsten fünf sind mehr oder weniger klassische Stile, bei denen mehr oder weniger viel gekämpft wird. Sie haben aber interessante, direkte und realistische stilistische Ansätze.

Jeet Kune Do

Bei Jeet Kune Do handelt es sich um den von Bruce Lee entwickelten Kampfstil. Nach Bruce Lees Tod wurde Jeet Kune Do sehr bekannt. Er hatte sich verschiedene Kampfsportarten angeguckt und daraus seine eigene Kampfkunst entwickelt. Das gleiche haben die Mixed Martial Arts später auf extreme Art und Weise weitergeführt.

Filipino Martials Arts (Escrima, Kali, Arnis)

Philippinische Kampfsportarten wie Escrima, Kali und Arnis sind immer sehr realitätsbezogen, sehr direkt und sehr hart. Sie sind deshalb sehr gut zur Selbstverteidigung geeignet. Eigentlich sind diese Methoden kein Sport, sondern ein Kampfsystem, dass die Bevölkerung früher erfolgreich gegen die spanischen Eroberer einsetzte. Gekämpft wird mit etwa 60 bis 65 Zentimeter langen Kampfstöcken. Das ist aber nur die Oberfläche: Es geht auch um den Kampf mit Messer und Macheten oder die waffenlose Anwendung der Techniken.

Krav Maga und Wing Tsun

Hierzulande werden realistische Selbstverteidigungssysteme wie Krav Maga oder Wing Tsun Menschen beigebracht, die nicht dauernd im Ring stehen möchten. Die Teilnehmer lernen in einem komprimierten Kurs oder einer längeren Ausbildung, wie sie sich verteidigen können, wenn sie auf der Straße angegriffen werden. Dazu gehören praktische Techniken, clevere, ökonomischen Bewegungen und Schläge. Frauen sind dadurch in der Lage, sich gegen körperlich überlegene Gegner zu wehren - Wing Tsun wurde der Legende nach von einer Frau erfunden.

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Kajukenbo

Kajukenbo kommt aus den Armenvierteln Hawaiis. Es ist ein Mischsystem und besteht aus Karate, Judo, Jiu Jitsu, Kenpo und chinesischem Boxen. Damals wurden die Straßen wegen der steigenden Kriminalität immer unsicherer. Mehrere Kampfsportmeister entwickelten Kajukenbo, damit ihre Familien sich verteidigen können.

Tang Lang

Ich habe Tang Lang, auf deutsch Gottesanbeterinnen-Kung-Fu, als Vertreter für die vielen traditionellen Kampfsportarten genommen. Es wird heute noch beim chinesischen Militär gelehrt und gilt dort als sehr gefährlich. Kung Fu gilt oft als verspielt, aber Tang Lang beruht auf schnellen und direkten Bewegungen; vor allem Faustkampf, der mit Greifen und Anreißen am Gegner kombiniert wird.

Weitere Kampfsportarten für die Selbstverteidigung

Es gibt eine Vielzahl weiterer Kampfsportarten und Selbstverteidigungssysteme, die ebenfalls in Betracht gezogen werden können:

  • Alpha Combat System
  • Atemi Combat System
  • Bojuka
  • Close Quarter Combat Systems (CQCS)
  • Combat Hapkido
  • Esdo (European Selfdefence Organization)
  • Hashita
  • Keysi Fighting Method (KFM)
  • Komak
  • Modern Arnis
  • Pencak Silat
  • Taiho Jutsu
  • US Army’s Modern Army Combatives Program

Detaillierte Betrachtung einiger ausgewählter Kampfsportarten

Um eine bessere Vorstellung von den einzelnen Kampfsportarten zu bekommen, werden im Folgenden einige Stile detaillierter betrachtet:

Ju Jutsu

Ju Jutsu ist ein modernes Selbstverteidigungssystem aus Deutschland, welches auf verschiedenen japanischen Kampfkünsten basiert. Es setzt sich zusammen aus Karate, Judo, Aikido und Jiu-Jitsu. Neben dem Aspekt der Selbstverteidigung wird es auch Kampfkunst unterrichtet und bietet verschiedene Disziplinen für Wettkampfsport. Unterrichtet wird im klassischen Gi (Trainingsanzug mit Gürtel gebunden).

Ju-Jutsu konzentriert sich darauf, die Kraft des Angreifers geschickt zu nutzen, um ihn zu besiegen. Dies geschieht durch geschicktes Ausweichen oder Nachgeben. Zusätzlich werden Schocktechniken (Atemi) eingesetzt. Die Techniken werden ökonomisch durchgeführt. Das bedeutet mit möglichst wenig Aufwand den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Daher eignen sich die Techniken für effektive Selbstverteidigung. Der Fokus liegt auf der Nutzung der Kraft des Gegners, um ihn zu kontrollieren und zu überwältigen. Mit Techniken wie Hebeln, Würfen, Schlag- und Tritttechniken sowie Bodenkampf bietet Ju Jutsu ein breites Spektrum an Werkzeugen für die Selbstverteidigung in verschiedenen Situationen.

Wing Tsun

Wing Tsun, auch bekannt als Wing Chun, ist eine chinesische Kampfkunst, die sich auf effektive Selbstverteidigungsprinzipien konzentriert. Es wurde entwickelt, um es einer Person mit körperlicher Unterlegenheit zu ermöglichen, sich erfolgreich gegen einen stärkeren Gegner zu verteidigen. Wing Tsun basiert auf der Idee der Effizienz, bei der unnötige Kraft und Bewegungen vermieden werden. Stattdessen nutzt es die Prinzipien der Körpermechanik und der Strategie, um den Gegner auszugleichen und zu kontrollieren.

Krav Maga

Krav Maga ist ein modernes und hochpraktisches Selbstverteidigungssystem, das entwickelt wurde, um Menschen effektiv in realen Bedrohungssituationen zu schützen. Ursprünglich für das israelische Militär entwickelt, konzentriert sich Krav Maga auf schnelle und instinktive Reaktionen, um den Angreifer schnell zu neutralisieren und zu entkommen. Es basiert auf einfachen und natürlichen Bewegungen, die leicht erlernbar sind und unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlicher Stärke angewendet werden können.

Systema

Systema ist ein russisches Kampfsystem, das sich auf effektive Selbstverteidigungstechniken konzentriert. Es basiert auf natürlichen Bewegungen, die es den Praktizierenden ermöglichen, sich an verschiedene Situationen anzupassen und sich effektiv zu verteidigen. Im Systema geht es nicht nur um die physische Bekämpfung eines Gegners, sondern auch um die Entwicklung einer starken mentalen Haltung und emotionalen Kontrolle.

Faktoren bei der Wahl der geeigneten Kampfsportart

Bei der Auswahl einer Kampfsportart sind mehrere Faktoren zu beachten:

  • Effektivität
  • Anwendbarkeit
  • Zielgruppe
  • Sicherheit
  • Training und Disziplin
  • Spaß und Motivation
  • Erlernbarkeit
  • Fitnessanteil
  • Gesundheitsaspekt
  • Zeitaufwand
  • Verfügbarkeit

Ju Jutsu: Bewertung der Wichtigen Faktoren

Hier eine beispielhafte Bewertung der wichtigen Faktoren für Ju Jutsu:

Wichtige FaktorenBewertung (x/10 Punkte)Kommentar
Effektivität6Die Tritte und Würfe sind eher für den sportlichen Aspekt relevant. Wettkampf mit Leichtkontakt.
Anwendbarkeit6Hohe Tritte, Beweglichkeit und Fitness führen im Alter zu mehr Belastung.
Zielgruppe8Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Ältere.
Sicherheit7Durch Leichtkontakt und Schutzausrüstung.
Training und Disziplin6Regelmäßiges Partner-Training ist wichtig.
Spaß und Motivation7Abwechslungsreiches Training mit Gürtelstufen.
Erlernbarkeit6Viele Techniken Prinzipien, Konzepte und Wettkampf-Disziplinen.
Fitnessanteil8Für den Wettkampfsport relevant.
Gesundheitsaspekt6Fitness, Ausdauer, Beweglichkeit.
Waffentraining0-
Zeitaufwand7Mehr Zeitaufwand für Wettkampf und Verteidigung.
Verfügbarkeit in Deutschland8Gut vertreten in größeren Städten.