Gerhard Maier: Mit Taekwondo zu mehr Selbstschutz für Kinder

In einer kleinen Schulturnhalle in St. unterrichtet Taekwondo-Trainer George Maier Eigenschutz-Training für Kinder.

Im Kompaktkurs lernen 75 Grund- und Hauptschüler an drei Samstagen von Polizei-Profis und Kampfsport-Experten, wie sie in lebensgefährlichen Situationen schnell und richtig reagieren sollen - um so vielleicht das Schlimmste gerade noch zu verhindern.

So können auch Schüler Selbstschutz lernen, die sich in ihrer Freizeit kaum für Kampfsport und drillartige Kommandotöne begeistern.

Das Training: Stress als Lehrmeister

Im Ernstfall würde Julians Herz jetzt noch viel schneller pochen.

Doch schon die Probe bringt den kleinen Erstkläßler an seine Grenzen: Der Siebenjährige schlägt wild um sich und brüllt wie ein wilder Tiger, als der "fremde Mann" an seinem Schulranzen zerrt und das Menschenbündel wegschleppt.

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"Wir müssen das Kind in eine Hochstreß-Phase bringen, damit die richtige Reaktion als Programm im Gehirn gespeichert wird", betont Taekwondo-Trainer George Maier.

"Schnell, schnell, die Hände zusammenklatschen, Körper drehen und Fäuste nach oben wegreißen", ruft Trainerin Birgitta Stettner durch die Turnhalle.

Wenn Schüler im Kurs drei oder vier Handgriffe verknüpfen lernen, sind die Trainer zufrieden.

"Kinder brauchen keine 20 Aktionen, wenn sie jemand würgt", sagt Kommissar Maier.

"Wichtig ist, daß sie im Notfall ihr Programm abspulen."

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Präzision und Geschwindigkeit seien dabei ihre stärksten Waffen.

Laut Kriminalstatistik lassen 80 Prozent aller Angreifer von ihrem Opfer ab, wenn es sich heftig wehrt.

Mehr als nur körperliche Verteidigung

Doch nicht nur körperlich soll der Kampfsport-Kurs Kinder stark machen.

Zum Psycho-Training gehören ein selbstbewußtes Auftreten und Distanz, wenn Kinder alleine unterwegs sind.

Und geübt wird auch, notfalls richtig laut zu werden: "Lassen Sie mich in Ruhe, ich kenne Sie nicht, ich will das nicht haben", brüllt Julian, als ihn der "Täter" zu Boden reißt.

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Für einen Augenblick läßt der "Triebtäter" von seinem Opfer ab.

Die Philosophie von Gerhard Maier

Unter dem Motto "Wehre dich, und du kommst besser weg" haben sich inzwischen Tausende Kinder und Jugendliche durch ihre Streß-Parcours geboxt.

"Eine hundertprozentige Sicherheit im Leben gibt es natürlich nicht, aber durch Training wird das prozentuale Risiko deutlich herabgesetzt", sagt Gerhard Maier.

In seiner langjährigen Laufbahn hat Maier Abgründe dieser Welt in Augsburg und anderswo kennen gelernt.

Sein Bruder ist Chef einer Münchner Taekwondo-Schule.

Die beiden Männer sind Großmeister in der südkoreanischen Kampfkunst Taekwondo.