Noch bevor das im Jahr 2015 gedrehte Remake des Van Damme-Streifens Der Kickboxer veröffentlicht wurde, kündigte man bereits eine Fortsetzung an. Der Stuntman und Kampfkünstler Alain Moussi übernahm Van Dammes ursprüngliche Rolle Kurt Sloane und der Belgier selbst agierte als dessen Mentor Durand. Das Sequel wurde von Dimitri Logothetis gedreht, der bereits am Drehbuch zum 2015er Kickboxer beteiligt war. Auch in Kickboxer - Die Abrechnung fungierte Logothetis als Drehbuchautor und war einer der Produzenten des Films.
Moussi, Van Damme und Sara Malakul Lane nahmen ihre Rollen aus Kickboxer - Die Vergeltung wieder auf. Mit Christophe Lambert, Ex-Boxweltmeister Mike Tyson und Hafthor Julius Björnsson befinden sich einige interessante Neuzugänge in der Besetzungsliste. Außerdem absolviert der brasilianische Fußballer Ronaldinho einen Cameo-Auftritt in Kickboxer - Die Vergeltung.
Handlung
Kurt Sloane hat gerade einen wichtigen MMA-Kampf gewonnen, als plötzlich zwei US Marshals bei ihm auftauchen, die ihn wegen des Mordes an seinem Gegner Tong Po verhaften wollen. Ehe sich Kurt versieht, wird er überwältigt und kommt in einem thailändischen Gefängnis wieder zu sich. Hier zieht der zwielichte Fightpromoter Thomas Moore die Fäden, der illegale Untergrundkämpfe organisiert und dessen bestes Pferd im Stall Tong Po war. Er will Sloane zu einem Kampf gegen seinen neuen Favoriten, den bis zum Anschlag gedopten Muskelberg Mongkut überreden, doch Sloane weigert sich, was ihm regelmäßige Besuche beim Chef-Auspeitscher des Knasts bringt.
Zum Inhalt: Kurt Sloane hat geschworen, nie wieder nach Thailand zu gehen. Doch dann wird er entführt, in das Land verschleppt und dort in einen Knast gesteckt. Seine Entführer fordern, dass der nach seinem Kampf gegen Tong Po zur Legende gewordene Sloane gegen den gigantisch großen Muskelberg Mongkut antritt. Im Gegenzug werden ihm viel Geld und seine Freiheit angeboten. Sloane will nicht kämpfen, doch er muss bald einsehen, dass er keine andere Wahl hat.
Unterschiede zum Vorgänger
Kickboxer - Die Abrechnung begnügt sich erfreulicherweise nicht damit, lediglich das Schema des Vorgängers zu kopieren. Natürlich geht es, wie in Kickboxer Die Vergeltung auch, um die Vorbereitung auf einen wichtigen, von Rachegefühlen gepushten Turnierkampf und dessen Austragung, aber das Sequel des Kickboxer-Remakes bietet zudem noch einen Knast - und einen Geiselbefreiungsplot, weshalb der Streifen - im Gegensatz zum Remake - auch eine geradezu üppige Spielzeit von knapp 111 Minuten hat.
Lesen Sie auch: Die packende Fortsetzung
Action und Martial Arts
Apropos Action und Martial Arts: Davon bietet der Film mehr als reichlich. Schon die Eröffnungsszene, die - ebenso wie die darauffolgende Credit-Sequenz - an einen James Bond 007-Film erinnert, ist nicht von schlechten Eltern, was ebenso für eine ausgedehnte Knastprügelei gilt, die ohne Schnitte auskommt und wahrscheinlich in einem Take gedreht wurde, was schon beachtlich ist.
Allerdings sind Schnitt und Kameraführung bei den Actionszenen im ersten Filmdrittel noch nicht optimal. Zwar verschont uns Regisseur Logothetis mit den Schnittgewittern, wie man sie z.B. von aktuellen Steven Seagal-Filmen kennt, aber manche Einstellungen hätten eine deutlich dynamischere und wuchtigere Wirkung erzielt, wenn z.B. beide Kontrahenten vollständig sichtbar im Bild zu sehen gewesen wären. Aber dieses Manko gibt sich schnell und der Rest der Actionszenen dürfte Freunde grober B-Actionware locker zufriedenstellen.
Im Showdown zwischen Moussi und Björnsson werden dann alle Register gezogen - mit und ohne Waffen. So spektakulär der Showdown des zweiten Neo-Kickboxer-Films auch ausgefallen ist - man ertappt sich dabei, doch dann und wann auf die Uhr zu schauen und sich zu fragen, was sich die beiden Kämpfer noch gegenseitig antun wollen. Das Finale zwischen den beiden ist ein spektakuläres, brachiales Spektakel, bei dem etwas weniger allerdings mehr gewesen wäre.
Darstellerische Leistungen
Darstellerisch gibt’s in Kickboxer - Die Abrechnung Licht und Schatten, wobei das Licht dominiert. Alain Moussi wird zwar nie ein großer Schauspieler werden und eine große Hollywoodkarriere dürfte ihm auch versagt bleiben, aber er bringt die passenden kämpferischen und körperlichen Fähigkeiten mit, um einen Film wie diesen zu tragen. Nicht mehr, nicht weniger.
Auch seine Filmpartnerin Sara Malakul Lane bleibt weitgehend blass, muss allerdings auch „nur“ das Love Interest des Helden spielen. Jean-Claude Van Damme gibt erneut eine gute Vorstellung als leicht exzentrischer, diesmal blinder Meister Durand, was aber kaum einen Unterschied macht, da Blindheit hier anscheinend eine Superkraft á la Daredevil ist und er sich mit traumwandlerischer Sicherheit in nahezu jeder Situation und Gegend bewegt. Trotzdem wirkt Van Damme überzeugend in der Rolle des leicht schrägen Mentors und sollte aufgrund seines fortschreitenden Alters - der belgische Actionstar wird bald sechzig Jahre alt - überlegen, weitere Rollen dieses Kalibers zu spielen, da er somit weniger Gefahr laufen würde sich zu blamieren, wie es z.B. sein Kollege Steven Seagal tut, der trotz seiner 67 Jahre immer noch so tut, als wäre er in seinen Actionfilmrollen immer noch so überzeugend wie in den frühen Neunziger Jahren.
Lesen Sie auch: Kickboxer - Die Abrechnung im Detail betrachtet
Die Nebendarsteller erledigen ihre Jobs mehr als zufriedenstellend. Auch wenn aus ihm ebenfalls kein Charakterdarsteller mit hochbezahlter Hollywoodkarriere wird - Hafthor Julius Björnsson ist als Mongkut einfach nur eine entfesselte Urgewalt. Der Körperbau dieses Mannes und die Art und Weise, wie er kämpft, lassen einem einfach nur die Kinnlade runterklappen und man glaubt als Zuschauer, jeden Schlag zu spüren, den er Moussi/Sloane verpasst. Zudem versprüht der isländische Strongman ein enorm bedrohliches Charisma. Auch wenn Björnsson privat bestimmt ein netter Kerl ist - hier wirkt er einfach nur böse und gnadenlos.
Im krassen Gegensatz dazu steht Mike Tyson, ebenfalls ein Kampfkoloss ohnegleichen, der hier eine regelrecht selbstironische Rolle spielt, mit der er enorm zum Spaßfaktor und Unterhaltungswert des Films beiträgt. Nicht weniger überzeugend ist Christophe Lambert als schillernder Bösewicht und Organisator illegaler Kämpfe. Man könnte dem französischen Darsteller sicherlich Overacting vorwerfen, aber meiner Meinung nach hat Lambert einfach nur Spaß an seiner Schurkenrolle und das zeigt er auch deutlich.
Schwächen des Films
Bei allen Stärken, die Kickboxer - Die Abrechnung hat, verfügt der Streifen auch über einige (kleine) Schwächen, von denen ich einige bereits genannt habe. Was dem Film allerdings auch etwas schadet, ist seine Traumsequenz. Diese ist an und für sich nicht schlimm, aber es wirkt dann doch unfreiwillig komisch, wenn Leute aus dem Traum dann auch alle Naselang in der Realität auftauchen - das ist genauso unrealistisch und albern wie die Hoffnung, drei durch Mongkut/Björnsson ausgeübte Schläge auf den Kopf überleben zu können, womit wir beim nächsten gesonderten Kritikpunkt wären.
Selbstverständlich leben Action/Martial Arts-Filme von Übertreibungen und oft ist der Versuch, die entsprechenden Szenen solcher Filme auf die Realität zu übertragen, wenig zielführend, aber hier übertreibt der zweite neue Kickboxer-Film dann doch etwas. So lange, wie sich die Kontrahenten hier bekriegen, würde das kein „normaler“ Mensch - und sei er noch so trainiert und kampfkunsterfahren - auch nur fünf Minuten lang überstehen.
Fazit
Trotz dieser Makel ist Kickboxer - Die Abrechnung ein überdurchschnittlicher, unterhaltsamer „Direct-to-Video“-Martial Arts-Actionstreifen mit vielen hervorragenden Kampfszenen, einigen guten Darstellern und einem hohen Unterhaltungswert für Fans des Genres. Das Niveau des Vorgängers wird zwar nicht übertroffen, aber immerhin weitgehend gehalten.
Lesen Sie auch: Kickboxer: Die Abrechnung – Die komplette Handlung
Insgesamt ist Kickboxer - Die Abrechnung ein Actionfilm, der vor allem durch seine zahlreichen und gut choreographierten Kämpfe überzeugt. Trotz kleinerer Schwächen in der Handlung und einigen übertriebenen Elementen bietet der Film kurzweilige Unterhaltung für Fans des Genres.
Besetzung
| Schauspieler | Rolle |
|---|---|
| Alain Moussi | Kurt Sloane |
| Jean-Claude Van Damme | Master Durand |
| Christopher Lambert | Thomas Moore |
| Hafþór Júlíus Björnsson | Mongkut |
| Mike Tyson | - |
| Sara Malakul Lane | Liu |
